carsten aus bochum
Hallo oui,
Beides und das sogar in zunehmender Weise.
Moral, verstanden als eine Art inneres Gesetz, dem man aus Einsicht folgt und folgen muss, nimmt von Stufe zu Stufe zu.
Die konventionelle Moral des Gehorsams verknüpft mit Einsicht in die Notwendigkeit ohne das Notwendige eigentlich immer zu wollen, so was wie der rheinische Katholizismus, bringt ja schon mal einen Spritzer Individualität mit ins Geschehen. Im Rheinland ist Gott eben auch nur ein Mensch.
Ansonsten handelt der konventionelle Moralist ja nun auch gerne mal getreu dem Worte, wie’s geschrieben steht, weil er jede Abweichung von der Linie als Dammbruch interpretiert. „Wenn das jeder machen würde...“ Also macht er es auch nicht, meistens. Vielleicht auch doch. Dann passt er aber besonders gut auf andere auf, denn wenn jeder machen würde, was er ja bereits heimlich macht oder zumindest gerne machen würde, au weia.
Aber dafür gibt es ja... hm die Kirche, oder einen Posten oberster Denunziant.
Die Sittenwächter haben ja nicht eben selten so was verklemmt aggressiv Bigottes.
Die Ronald Schills oder Schwarz-Schillings der Nation.
Konventionelle Moral muss immer überwacht werden. Gebraucht Ehrenworte und so was, wie unser dicker Ex-Kanzler.
Die Konservativen stehen zwar auf die Einhaltung von Gesetzen, aber wenn ihr gewichtiger Kanzler sein Ehrenwort drüber stellt, dann ist er ein Ehrenmann. Wenn er nur türkischer Familienvater wäre und den selben Unsinn faseln würde, würden die gleichen Speichellecker ihn wohl ausweisen wollen, oder?
Moral ist doch erst dann richtig ekelhaft wenn man gegen sie verstoßen hat und leidet, auch wenn es garantiert niemand gesehen hat. Wenn man nicht schlafen kann, weil man ein schlechtes Gewissen hat – und nur weil man ein schlechtes Gewissen hat, nicht aus Angst doch noch erwischt zu werden.
Aber ich meine keine vorgekaute Kacke, wie mit den Händen über der Bettdecke zu schlafen oder so.
Ich meine, dass man sich gegen die eigene Einsicht, wirkliche tiefe Einsicht nicht sonderlich gut wehren kann. Wenn es mal die emotionale Sphäre mit erobert hat und der moralischen Anspruch einer geworden ist, dessen Stimme man hört, dann gibt es kein Zurück mehr. Das eigene Gewissen hat ja keinen Dienstschluss.
Eine ganz andere Frage ist es, ob Moral und Ethik und vielleicht auch der freundliche Diskurs nicht auch noch einen Ausgang nach oben haben.
Aber in dem oben genannten Sinn wird Moral immer bindender verpflichtender.
„Geschmacksfrage“ insofern, weil da eine sehr individuelle Komponente ins Spiel kommt, die ebenfalls immer mehr zunimmt.
Die moralischen Autorität wird immer mehr von Außen nach Innen verlagert. Nicht was irgendein großer Papa dazu sagt ist wichtig, wichtig ist, was ich dazu meine – aber eben nur, wenn ich innerlich schon auf den großen Papa verzichten kann. Das können und wollen gar nicht so viele.
Wer das lautstark will, das sind die Präkonventionellen, die aus egozentrisch motiviertem Prinzip gegen Autoritäten sind und Gesetze als persönliche Beleidigung empfinden.
Die anderen wollen häufig nur ihre Vorbeter austauschen.
Im freundlichen Diskurs muss das Ich den Mut haben, sich zu seinen eigenen Regeln zu bekennen, die sich aus dem Fundament der gesellschaftlichen Möglichkeiten zu eigenen Konturen gestalten lassen. Diese werden dann diskutiert mit den anderen Diskurtsteilnehmern, die den Mut und die Intelligenz dazu haben.
Das ist hochinteressant und sehr richtig. C.G. Jung, Heidegger, Kernberg sie alle skizzieren diese eminent wichtige Stufe sehr ähnlich – kommen allerdings zu anderen Schlüssen.
Eine intime Paarbeziehung ist stets eine Revolution zu zweit. Warum? Weil hier auf einmal die Regeln des Paares gelten könnten – könnten! – die es selbst aufstellt, wenn es den Mut dazu hat.
Das passt der Gesellschaft in gewisser Weise nicht weshalb es immer auch gesellschaftliche Tendenzen gibt Privatheit zu unterwandern. Eine ungeheuer spannende Dynamik die sich hier entwickelt, das Paar und die Masse scheinen in einem Verhältnis wechselseitiger Kontrolle und Anhängigkeit zu stehen.
Die intime Zweierbeziehung ist ein konkretes Übungsfeld für den freundlichen Diskurs – eine Keimzelle der Gesellschaft ganz anderer Art.
Jeder bringt mit was er mitbekommen hat ein und daran reibt man sich, das beginnt bei so was Blödem wie Essenszeiten und wenn man Pech hat endet es auch da, aber dahinter verbirgt sich ein Kosmos.
Die Frage ist stets: Wollen wir beide wirklich unsere eigenen Spielregeln auf dem Boden gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz miteinander aushandeln und danach leben? Nicht als billiger Negativentwurf gesellschaftlicher Konventionen, davor hat die Gesellschaft keine Angst, denn damit liegt man – nur eben als negativ – genauso an der Kette der Gesellschaft, wie der brave Spießer.
Wenn man das aber wirklich schafft, ist das Resultat ein Erdrutsch. Eine Revolution zu zweit.
Die Gesellschaft liebt und hasst solche Paare, aber das schweift nun zu weit ab.
Otto Kernberg erläutert das in „Liebesbeziehungen“ und das kann man wirklich genießen, denn man durchschaut gesellschaftliche Spiele aus modernem psychoanalytischem Blickwinkel – und das ist weiß Gott nicht der Schlechteste – und es ist praktisch umsetzbar, wenn man Glück hat.
Wer konventionelle Vorgaben ganz und gar überwindet, der ist wohl ein Stück weit an der Sonne.
Deshalb betont Apel auch die Kohlberg-Stufe 4½ als eine sehr bedeutende.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Das 4½ Bewusstsein hat begriffen, dass das Heil nicht in der Autoritätsgläubigkeit liegt.
Aber noch nicht, die weitreichenden Implikationen die es bedeutet sein eigenes Lied zu komponieren.
Zu Ende zu denken, wie Apel es fordert ist sicher nicht das schlechteste, es erhöht die Wahrscheinlichkeit die anderen Linien anzustecken, vermutlich bleibt aber eine Lücke zwischen dem theoretischen Erfassen und den praktischen Konsequenzen.
Apels Intuition scheint hier zu sein, dass der, der wirklich begreift am Ende nicht mehr anders kann, als sich auf die tief verstandenen Konsequenzen auch einzulassen.
Ansonsten ist es eine Lebenserfahrung, dass zwischen dem dritten Person Verstehen, dass jemand, der etwas begriffen hat auch auf die praktischen Konsequenzen festgelegt sein sollte und ersten Person Erfassen, dass man dieser jemand zwar eigentlich ist, aber das Verstehen doch nicht ausreicht um sich selbst festzulegen, eine Lücke klafft.
Ich glaube tatsächlich auch, dass zu Ende denken diese Lücke schließen oder zumindest verkleinern kann.
In Fällen psychischer Pathologie kann die Spaltung sehr lange erhalten bleiben – doch bei hoher Intelligenz ist die Prognose gut.
Hat das Empfinden von Absurdität nicht bereits ein Verständnis von Sprache zur Bedingung?
Wann denn?
Moralische Kategorien bedeuten doch einfach, dass man ab Stufe 5 nach eigenem Gutdünken, allerdings rationalen Erwägungen folgend, entscheidet. Das ist es doch, was angeblich alle wollen. Nur, warum es dann nicht getan wird...?
Ob man diesen rationalen Grund nun prinzipiell auch noch infrage stellen kann, da kommen wir bestimmt noch hin, aber die allgemeine Antwort ist bislang ein Nein. Das Zurückgreifen auf Praxis und Alltagsintelligenz und Lebenswirklichkeit ist zwar zulässig, aber es funktioniert, so meinen nicht wenige Philosophen – und nicht die schlechtesten – ebenfalls nach rationalen Regeln.
Gruß,
Carsten
| Zitat: |
| Zitat: Original von carsten aus bochum Hi oui, Zitat: Ganz richtig erscheint es mir nicht, weil die moralischen Stufen, wenn man sie denn tatsächlich erreicht hat, in der Tat bindend sind. [...] “Eine Lüge die anderen Hoffnung gibt, nun ja Geschmacksfrage. “Was denn nun? Bindend oder Geschmacksfrage? –„ |
Beides und das sogar in zunehmender Weise.
Moral, verstanden als eine Art inneres Gesetz, dem man aus Einsicht folgt und folgen muss, nimmt von Stufe zu Stufe zu.
Die konventionelle Moral des Gehorsams verknüpft mit Einsicht in die Notwendigkeit ohne das Notwendige eigentlich immer zu wollen, so was wie der rheinische Katholizismus, bringt ja schon mal einen Spritzer Individualität mit ins Geschehen. Im Rheinland ist Gott eben auch nur ein Mensch.
Ansonsten handelt der konventionelle Moralist ja nun auch gerne mal getreu dem Worte, wie’s geschrieben steht, weil er jede Abweichung von der Linie als Dammbruch interpretiert. „Wenn das jeder machen würde...“ Also macht er es auch nicht, meistens. Vielleicht auch doch. Dann passt er aber besonders gut auf andere auf, denn wenn jeder machen würde, was er ja bereits heimlich macht oder zumindest gerne machen würde, au weia.
Aber dafür gibt es ja... hm die Kirche, oder einen Posten oberster Denunziant.
Die Sittenwächter haben ja nicht eben selten so was verklemmt aggressiv Bigottes.
Die Ronald Schills oder Schwarz-Schillings der Nation.
Konventionelle Moral muss immer überwacht werden. Gebraucht Ehrenworte und so was, wie unser dicker Ex-Kanzler.
Die Konservativen stehen zwar auf die Einhaltung von Gesetzen, aber wenn ihr gewichtiger Kanzler sein Ehrenwort drüber stellt, dann ist er ein Ehrenmann. Wenn er nur türkischer Familienvater wäre und den selben Unsinn faseln würde, würden die gleichen Speichellecker ihn wohl ausweisen wollen, oder?
Moral ist doch erst dann richtig ekelhaft wenn man gegen sie verstoßen hat und leidet, auch wenn es garantiert niemand gesehen hat. Wenn man nicht schlafen kann, weil man ein schlechtes Gewissen hat – und nur weil man ein schlechtes Gewissen hat, nicht aus Angst doch noch erwischt zu werden.
Aber ich meine keine vorgekaute Kacke, wie mit den Händen über der Bettdecke zu schlafen oder so.
Ich meine, dass man sich gegen die eigene Einsicht, wirkliche tiefe Einsicht nicht sonderlich gut wehren kann. Wenn es mal die emotionale Sphäre mit erobert hat und der moralischen Anspruch einer geworden ist, dessen Stimme man hört, dann gibt es kein Zurück mehr. Das eigene Gewissen hat ja keinen Dienstschluss.
Eine ganz andere Frage ist es, ob Moral und Ethik und vielleicht auch der freundliche Diskurs nicht auch noch einen Ausgang nach oben haben.
Aber in dem oben genannten Sinn wird Moral immer bindender verpflichtender.
„Geschmacksfrage“ insofern, weil da eine sehr individuelle Komponente ins Spiel kommt, die ebenfalls immer mehr zunimmt.
Die moralischen Autorität wird immer mehr von Außen nach Innen verlagert. Nicht was irgendein großer Papa dazu sagt ist wichtig, wichtig ist, was ich dazu meine – aber eben nur, wenn ich innerlich schon auf den großen Papa verzichten kann. Das können und wollen gar nicht so viele.
Wer das lautstark will, das sind die Präkonventionellen, die aus egozentrisch motiviertem Prinzip gegen Autoritäten sind und Gesetze als persönliche Beleidigung empfinden.
Die anderen wollen häufig nur ihre Vorbeter austauschen.
Im freundlichen Diskurs muss das Ich den Mut haben, sich zu seinen eigenen Regeln zu bekennen, die sich aus dem Fundament der gesellschaftlichen Möglichkeiten zu eigenen Konturen gestalten lassen. Diese werden dann diskutiert mit den anderen Diskurtsteilnehmern, die den Mut und die Intelligenz dazu haben.
Das ist hochinteressant und sehr richtig. C.G. Jung, Heidegger, Kernberg sie alle skizzieren diese eminent wichtige Stufe sehr ähnlich – kommen allerdings zu anderen Schlüssen.
Eine intime Paarbeziehung ist stets eine Revolution zu zweit. Warum? Weil hier auf einmal die Regeln des Paares gelten könnten – könnten! – die es selbst aufstellt, wenn es den Mut dazu hat.
Das passt der Gesellschaft in gewisser Weise nicht weshalb es immer auch gesellschaftliche Tendenzen gibt Privatheit zu unterwandern. Eine ungeheuer spannende Dynamik die sich hier entwickelt, das Paar und die Masse scheinen in einem Verhältnis wechselseitiger Kontrolle und Anhängigkeit zu stehen.
Die intime Zweierbeziehung ist ein konkretes Übungsfeld für den freundlichen Diskurs – eine Keimzelle der Gesellschaft ganz anderer Art.
Jeder bringt mit was er mitbekommen hat ein und daran reibt man sich, das beginnt bei so was Blödem wie Essenszeiten und wenn man Pech hat endet es auch da, aber dahinter verbirgt sich ein Kosmos.
Die Frage ist stets: Wollen wir beide wirklich unsere eigenen Spielregeln auf dem Boden gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz miteinander aushandeln und danach leben? Nicht als billiger Negativentwurf gesellschaftlicher Konventionen, davor hat die Gesellschaft keine Angst, denn damit liegt man – nur eben als negativ – genauso an der Kette der Gesellschaft, wie der brave Spießer.
Wenn man das aber wirklich schafft, ist das Resultat ein Erdrutsch. Eine Revolution zu zweit.
Die Gesellschaft liebt und hasst solche Paare, aber das schweift nun zu weit ab.
Otto Kernberg erläutert das in „Liebesbeziehungen“ und das kann man wirklich genießen, denn man durchschaut gesellschaftliche Spiele aus modernem psychoanalytischem Blickwinkel – und das ist weiß Gott nicht der Schlechteste – und es ist praktisch umsetzbar, wenn man Glück hat.
Wer konventionelle Vorgaben ganz und gar überwindet, der ist wohl ein Stück weit an der Sonne.
Deshalb betont Apel auch die Kohlberg-Stufe 4½ als eine sehr bedeutende.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Das 4½ Bewusstsein hat begriffen, dass das Heil nicht in der Autoritätsgläubigkeit liegt.
Aber noch nicht, die weitreichenden Implikationen die es bedeutet sein eigenes Lied zu komponieren.
Zu Ende zu denken, wie Apel es fordert ist sicher nicht das schlechteste, es erhöht die Wahrscheinlichkeit die anderen Linien anzustecken, vermutlich bleibt aber eine Lücke zwischen dem theoretischen Erfassen und den praktischen Konsequenzen.
Apels Intuition scheint hier zu sein, dass der, der wirklich begreift am Ende nicht mehr anders kann, als sich auf die tief verstandenen Konsequenzen auch einzulassen.
Ansonsten ist es eine Lebenserfahrung, dass zwischen dem dritten Person Verstehen, dass jemand, der etwas begriffen hat auch auf die praktischen Konsequenzen festgelegt sein sollte und ersten Person Erfassen, dass man dieser jemand zwar eigentlich ist, aber das Verstehen doch nicht ausreicht um sich selbst festzulegen, eine Lücke klafft.
Ich glaube tatsächlich auch, dass zu Ende denken diese Lücke schließen oder zumindest verkleinern kann.
In Fällen psychischer Pathologie kann die Spaltung sehr lange erhalten bleiben – doch bei hoher Intelligenz ist die Prognose gut.
| Zitat: |
| “Bemerkenswert finde ich einen Satz (v. M. Aust) im Anhang des Buches: " ...die Wahrheit in Lüge zu verwandeln, damit sie nicht aufhört, Wahrheit zu sein." Da frage ich mich, ob wir die Sprache so absurd machen(gestalten) können, wie so manche Situationen sind? Gibt es auch so eine Absurdität der Wahrheit?“ |
Hat das Empfinden von Absurdität nicht bereits ein Verständnis von Sprache zur Bedingung?
| Zitat: |
| “Vielleicht berechtigt das Motiv Hoffnung die Lüge,...“ |
Wann denn?
| Zitat: |
| „... oder die Berechtigung ist einfach die Situation im Angesicht des Todes. Ich sehe hier einfach eine Fragwürdigkeit moralischer Kategorien.“ |
Moralische Kategorien bedeuten doch einfach, dass man ab Stufe 5 nach eigenem Gutdünken, allerdings rationalen Erwägungen folgend, entscheidet. Das ist es doch, was angeblich alle wollen. Nur, warum es dann nicht getan wird...?
Ob man diesen rationalen Grund nun prinzipiell auch noch infrage stellen kann, da kommen wir bestimmt noch hin, aber die allgemeine Antwort ist bislang ein Nein. Das Zurückgreifen auf Praxis und Alltagsintelligenz und Lebenswirklichkeit ist zwar zulässig, aber es funktioniert, so meinen nicht wenige Philosophen – und nicht die schlechtesten – ebenfalls nach rationalen Regeln.
Gruß,
Carsten