Diotima
Es gibt die These, dass Demokratie Mittelmäßigkeit hervorbringt. Ist das nachvollziehbar?
Diotima
kämpfer der sonne
die demokratie bringt nichts vernünftiges hervor, weil vernunft erst einmal exitieren muss, bevor wir uns vernünftig verhalten.
wenn ich dumm bin bringt das beste wahlrecht nichts. wenn es nur dumme politiker gibt, kannst du keinen vernünftigen politiker wählen.
Shui
@kds
| Zitat: |
| die demokratie bringt nichts vernünftiges hervor |
Hat das irgendwer behauptet oder rennst du gerade wieder gegen deine tollen Windmühlen?
Dein Gelaber über Vernunft wollte keiner hören, aber kannst du ja nicht wissen, wenn du nur jedes 2. Wort liest.
@Diotima
| Zitat: |
| Es gibt die These, dass Demokratie Mittelmäßigkeit hervorbringt. |
Gibt’s die auch ausführlicher oder ist das nur der Satz?
Weil ein wenig Erläuterung würde da schon hilfreich sein O.o
Mit freundlichen Grüßen Shui
Diotima
Dieses Thema war Gegenstand einer Doktorarbeit. Ausgehend von der Annahme, dass Widerstand zu Leistung und Stärke motiviert. Wohingegen man es sich in einem demokratischen System leicht in einer Hängematte bequem machen kann. Wozu also anstrengen?
Diotima
carsten aus bochum
Hi Diotima,
ich glaube man muss trennen, ob man die Idee der Demokratie mit dem Bewusstsein durchdringt und nachvollziehen kann und innerlich akzeptiert. Dann sehe ich die Gefahr, dass Demokratie Mittelmäßigkeit gebiert nicht als sehr stark an.
Die andere Frage ist, ob man bei Demokratie einfach nur mitmacht, im Rahmen einer Pflichterfüllung, sozusagen als Dienst nach Vorschrift.
Man kann die Bedingungen also erfüllen ohne wirklich innerlich hinter der Idee zu stehen, noch sie in größeren Zusammenhängen durchschaut zu haben.
Das bringt aus meiner Sicht die Gefahr mit sich die Du skizzierst.
Gruß,
Carsten
barbara
| Zitat: |
Original von Diotima
Dieses Thema war Gegenstand einer Doktorarbeit. Ausgehend von der Annahme, dass Widerstand zu Leistung und Stärke motiviert. Wohingegen man es sich in einem demokratischen System leicht in einer Hängematte bequem machen kann. Wozu also anstrengen?
Diotima |
Hallo Diotima
"demokratisch" muss noch nicht heissen, dass es sich die Leute in der Hängematte bequem machen. Und "diktatorisch" muss nicht heissen, dass sich die Leute anstrengen müssen. Siehe zum Beispiel in den arabischen Öl-Ländern, deren Bürger sich so gut wie gar nicht anstregen müssen... weil das Öl alles zahlt. Sie haben in ihrer bequemen Hängematte auch herzlich wenig Lust, aufzubegehren und sich auf ein anstrengendes demokratisches Experiment einzulassen. Ich hab zum Thema auch mal gelesen (ich weiss nicht mehr wo), dass Rohstoffreichtum, der eine Hängematte finanzieren kann, die Demokratisierung eines Landes sehr effektiv verhindert. Wozu auch eine Demokratie, wo es doch allen ausreichend gut geht?
Was Demokratie bestimmt NICHT hervorbringt, sind die grossen kühnen Würfe. Sowas wie das Reichsparteigelände der NSDAP oder Schloss Versailles wird kaum je genügend Stimmen finden. Demokratie fördert eine Politik der kleinen Schritte, um die oft lange und hart gerungen wird (total unbequem und anstrengend), doch dafür sind diese kleinen Schritte auch gut verankert und werden akzeptiert. Demokratie ist pragmatisch, und nicht pompös. Was meiner Ansicht nach eher eine goldene Mitte hervorbringt, und nicht unbedingt Mittelmässigkeit. Obwohl natürlich die Gefahr durchaus besteht, dass es ein Bedürfnis gibt, alle auf das gleiche Niveau zurecht zu stutzen. Für das gute Funktionieren einer Gesellschaft ist dies aber bestimmt nicht das Schlechteste.
Diotima
Hallo,
ich glaube nicht, dass man Demokratie ausschließliich gleichsetzen darf mit sozialer Ausgewogenheit und materiellem Wohlstand. Das ist auch mit anderen Gesellschaftsystemen vereinbar (siehe Arabische Emirate). Was aber grundlegend ist, ist das Votum der Mehrheit, welches bestimmend ist.
Wenn wir jetzt aber davon ausgehen, dass der Mensch gerne Unbequemlichkeiten und Widerstände vermeidet, so wird er sich immer für das entscheiden, was keine Anstrengungen kostet und ihm Vorteile bringt, in welchem Sinne auch immer. Aussergewöhnliches zu leisten, z.B. im Kulturellen und im Bereich der Wissenschaft, oder im Interesse einer Sache - vielleicht aber auch nur zur eigenen Erkenntnisgewinnung -bedeutet Mut zu haben, diese Barrieren (und damit sich selbst) zu überwinden. Was dabei herauskommt, wenn die Mehrheit bedient wird, können wir sehr gut am Niveau der meisten Fernseprogramme ablesen. Sicherlich sind hier materielle Interessen bestimmend, doch wie sähe es aus, würde man nicht grundlegend das Prinzip der Mehrheit bedienen? Mit Sicherheit wäre das Schlagwort "undemokratisch" in aller Munde.
Sind wir uns überhaupt im klaren, wie sehr wir unsere Möglichkeiten beschneiden, wenn sogar Lehrer ihre Schüler erst fragen müssen, ob sie sich mit anderer Musik als der, die sie aus ihrer Disco kennen, ausei-nandersetzen wollen.
Diotima
oui
| Zitat: |
Original von Diotima
Es gibt die These, dass Demokratie Mittelmäßigkeit hervorbringt. Ist das nachvollziehbar?
Diotima |
Mittelmäßigkeit bezogen auf was?
Ein spontaner Gegenbeweis hinsichtlich der Mittelmäßigkeit der Demokratie allgemein wäre die Liste aller Nobelpreisträger, die zu geschätzten 90% in Demokratien leb(t)en.
Im Bereich der Kunst ist der Prozentsatz niedriger, reicht aber nicht aus, um o.g. These zu beweisen: s. Monet, Cezanne, Renoir,Matisse, (Chaga),Picasso,Schwitters, Dali, Magritte,Rothko,Fontana, Pierson u.a.
Interessanter finde ich die Frage, welche Kultur Mittelmäßigkeit hervorbringt?
Zur demokratischen Mittelmäßigkeit: Hatten Platon u. Aristoteles nicht schon etwas dazu gesagt?
LG oui
Archibald
@ Dioti:
Ja, und zwar, in extremen Maße...........
Bist du jetzt schlauer als vorher ?
Archibald
@ Dioti:
Man kann es ja auch so sehen:
Demokratie macht einem das "Widerstandserbringen" (rebellieren) einfacher; 1989 sind in China hunderte Menschen von einer Demokratiebewegung von Panzern am Platz des himmlischen Friedens niedergewalzt worden; in Deutschland wird in Kreuzberg Jahr für Jahr die Demo am 1.Mai genemigt, wo es regelmäßig zu Krawallen kommt.
Leistungserzwingung kann (um beim Thema zu bleiben) also auch als "Rebellionsunterdrückung" gesehen werden.
Archibald
@ Carsten:
Gefahr ?
Wer sagt eigentlich, dass "Mittelmäßigkeit" etwas Schlechtes ist ?
Ist "Extremismus" etwa besser ?
carsten aus bochum
Ist Extremismus die einzige andere Option gegenüber Mittelmäßigkeit?
Erik van Thom
Ich nehme an, dass sich Demokratie und Diktatur ewig abwechseln: versagt die Demokratie, wird der Ruf nach einem starken Mann laut, versagt dieser, der Ruf nach Demokratie.
Dass die kulturellen Ergebnisse etwas mit der Staatsform zu tun haben, bezweifel ich; eher mit der Finanzstärke eines Staates.
Ich glaube auch, dass Mittelmäßigkeit nicht von der Staatsform abhängt; die Ausnahmen sind eben selten und die Regel eben häufig. Und ob ein mittelmäßiges Parlament regiert oder ein mittelmäßiger Alleinherrscher ist eigentlich egal, oder?
Diotima
Hallo,
ich meine, Mittelmäßigkeit ist deshalb bedauerlich, weil es das im Menschen angelegte Potential beledigt!
Warum müssen die einzigen Alternativen Diktatur und Extremismus sein? Würde es nicht genügen, Autoritäten (und damit meine ich nicht solche, die Willkür ausüben, sondern die Autorität kraft Wissen haben) anzuerkennen? Mir scheint jedoch, dass in unserer Demokratie jeder einen Anspruch auf Autorität erheben möchte, sei er auch noch so unbedarft.
Diotima
Archibald
@ CAB:
Nun, es ist so, daß "Mittelmäßigkeit" nicht in solchen physikalischen Einheiten / Größen gemessen wird wie z.B.
Kelvin / Temperatur
Meter / Ausdehnung
Volt / Spannung
Stundenkilometer / Geschwindigkeit
Das macht pseudophysikalische Vergleiche (wie sie z.B. die Juristik kennt, wenn verschiedene Interessen gegeneinander "abgewägt" oder "bemessen" werden, obwohl es diese Waage bzw. dieses Meßgerät niergendwo zu kaufen gibt) schwierig...................
Archibald
| Zitat: |
Original von Diotima
Hallo,
ich meine, Mittelmäßigkeit ist deshalb bedauerlich....................................Diotima |
Mittelmäßigkeit kann es nur geben, wenn es zwei gleichquantitative entgegengesetzte Pole gibt, als, z.B. "warm" und "kalt".
(Gleichquantitativ sind sie, weil beides "Temperatur" ist)
Was sind diese beiden Pole bei dir ?
Diotima
Hallo,
Zu Erik:
Ich meine, Stärke kann nur entstehen, wenn man sich an Widerständen messen kann und so seine Möglichkeiten entdeckt. Leider geben sich viele Menschen in einer Demokratie keine Chance ihre
Stärken über das Tun kennenzulernen, da man ja als gleichberechtigtes Mitglied einer Demokratie in der Regel auch Erfolg haben kann indem man nur fordert oder sich eine Mehrheit sucht. Und das hat m.E. nichts mit der Finanzkraft eines Staates zu tun, oder?
Zu Archibald:
Es stimmt natürlich, dass Mittelmäßigkeit keinen Gegenpol hat. Vielleicht könnte man es so ausdrücken: Man stelle sich eine Skala vor, auf der die im Menschen angelegten Potentiale und deren Umsetzung in Beiträge zur individuellen und gesellschaftlichen Bereicherung (ich meine das nicht materiell) graduell ausgewiesen sind. So würde man die Mittelmäßigkeit allenfalls auf der Hälfte des Weges finden. Ist das befriedigend?
Diotima
Erik van Thom
| Zitat: |
Original von Diotima
Hallo,
Zu Erik:
Ich meine, Stärke kann nur entstehen, wenn man sich an Widerständen messen kann und so seine Möglichkeiten entdeckt. |
Es gibt ganz viele intakte Tabus in Deutschland, viel Spaß beim Herausfinden!
| Zitat: |
| Leider geben sich viele Menschen in einer Demokratie keine Chance ihre Stärken über das Tun kennenzulernen, da man ja als gleichberechtigtes Mitglied einer Demokratie in der Regel auch Erfolg haben kann indem man nur fordert oder sich eine Mehrheit sucht. |
Das wirkt auf mich sehr autobiographisch inspiriert; auch in einer Nicht-Demokratie kannst du Erfolg haben, aber die Masse, die dir folgt, wirst du auch da brauchen...
| Zitat: |
| Und das hat m.E. nichts mit der Finanzkraft eines Staates zu tun, oder? |
Nein, aber ein paar der schönsten Häuser der Weltgeschichte haben damit zu tun: Kölner Dom, Tatschma-Hal, Felsen-Dom auf dem Tempelberg in Jerusalem, die Pyramiden in Südamerika oder in Nordafrika... (unter undemokratischen Bedingungen zustande gekommen);
Die Super-Architektur in London, das Empire State Building in den USA (die jeweiligen Länder sind offiziell demokratisch...)
Gleichzeitig das Elend in den ebenfalls offizell demokratischen Palaestinenser-Gebieten; die haben nichts dergleichen. Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Schönheit der Kultur in der Tat etwas mit der Finanzkraft eines Staatswesens zu tun hat; und mit der Frage, ob dasselbe jetzt florierend oder bankrott ist... Auf jeden Fall mehr damit, als mit der Staatsform als socher.
barbara
| Zitat: |
Original von Diotima
Ich meine, Stärke kann nur entstehen, wenn man sich an Widerständen messen kann und so seine Möglichkeiten entdeckt.
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Das Leben bietet auch in einer Demokratie mehr als genug Herausforderungen, noch mehr davon braucht es wirklich nicht... und auf den "Nervenkitzel", ständig mit einem Bein im Gefängnis zu stehen aufgrund von Regimekritik kann ich gerne verzichten.
Diotima
Hallo Erik,
die Ausführungen bestärken mich in meinem Verdacht, dass, wir würden sie nicht-demokratische Gesellschaften nennen, Bleibendes geschaffen haben, über das wir heute noch staunen. Und ich möchte behaupten, es standen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung, als die, welche wir heute zur Verfügung haben. Zum Teil sind diese Werke auch unter übermenschlichen Anstrengungen entstanden. Und wir freuen uns heute noch daran!
Diotima
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