Demokratie und Mittelmäßigkeit

carsten aus bochum
Hi Archi,
Zitat:
Nun, es ist so, daß "Mittelmäßigkeit" nicht in solchen physikalischen Einheiten / Größen gemessen wird wie z.B.


Und an Diotima:
Zitat:
Mittelmäßigkeit kann es nur geben, wenn es zwei gleichquantitative entgegengesetzte Pole gibt, als, z.B. "warm" und "kalt".
(Gleichquantitativ sind sie, weil beides "Temperatur" ist)

Was sind diese beiden Pole bei dir ?


Soziale Skalen und Rankings gibt es nun reichlich, auch ohne solche Einheiten sprechen manche Philosophen von virtuellen (sozialen) Kontoführungen.

Mittelmäßigkeit/Durchschnitt könnte beim IQ der Wert 100 sein, irgendwo zwischen Genie und Idiot.

Gruß,

Carsten
Diotima
Hallo,

Zu Barbara:
Zweifellos ist die Demokratie die beste aller fragwürdigen Möglichkeiten einer Staatsform (Plato?) und deshalb schadet es m.E. nicht, uns ihre Fallstricke immer wieder bewußt zu machen. Z.B. sollten wir uns fragen ob wir mit der Freiheit, die sie uns gibt, immer verantwortungsvoll umgehen.

Zu Carsten:
Ist es nicht so, dass lediglich die Hälfte der Menscheit sich in einem IQ Bereich von 90-110 bewegt, mehr als ein Viertel darunter und ein knappes Viertel darüber?

Diotima
Jay Ray
Zitat:
Original von Diotima
Zweifellos ist die Demokratie die beste aller fragwürdigen Möglichkeiten einer Staatsform (Plato?)

Das war Churchill: "Die Demokratie ist die schlechteste Staatsform, ausgenommen alle anderen."

Platon und auch sein Lehrer Sokrates (der von einem demokratischen Volksgericht sein Todesurteil erhielt) lehnten die Demokratie eher ab: Grundzüge der athenischen Demokratie
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von Diotima
Zweifellos ist die Demokratie die beste aller fragwürdigen Möglichkeiten einer Staatsform (Plato?) und deshalb schadet es m.E. nicht, uns ihre Fallstricke immer wieder bewußt zu machen. Z.B. sollten wir uns fragen ob wir mit der Freiheit, die sie uns gibt, immer verantwortungsvoll umgehen.

Die Demokratie ist nun wirklich nicht die beste mögliche Staatsform, sie ist nur die sicherste. Und 'sicher' ist 'sicher' und nicht gleichbedeutend mit 'gut'. Aber Barbara hat es auch schon gesagt, die/unsere Demokratie verfolgt eine Politik der kleinen Schritte. Ich würde die Ergebnisse aber beim besten Willen nicht als die "goldene Mitte" bezeichnen, eher als nichts Halbes und nichts Ganzes.

wie auch immer...

Stan
Rhetorix
Wer etwas Außergewöhnliches leisten will, egal ob als Künstler oder als Wissenschaftler, kommt nicht ohne Geld aus. Künstler brauchen schließlich auch was zu essen, und Projekte wie z.B. der Petersdom oder das Schloss von Versailles lassen sich nicht ohne ine müde Mark realisieren. Auch Wissenschaft ist in der Regel darauf angewiesen, dass ihre Projekte gefördert werden.

Erstens muss also Geld vorhanden sein.
Zweitens muss ein Motiv vorliegen, es zu investieren.

Ein (weltlicher oder Kirchen-) Fürst hat dieses Motiv vielleicht eher als eine demokratische Regierung (er will sich mit dem Projekt ein Denkmal setzen, um seine Macht zu glorifizieren).
Außerdem treibt er das hierfür erforderliche Geld bei gleicher Finanzkraft leichter auf als ein demokratisches Staatswesen. Er wendet einfach Gewalt an.

Idealer Nährboden für besondere Leistungen scheint mir die Plutokratie zu sein, siehe Florenz und Venedig.
Geld ist vorhanden, und man wetteifert miteinander um den Beweis dafür, dass Geld nicht nur schnöder Mammon und man selbst nicht nur ein Krämer ist.
Diotima
Hallo Rhetorix,
ist es aber nicht so, dass Gelder in einer Demokratie eher nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden, anstatt sie in föderungswürdige Projekte zu geben? Von daher ist die Auswahl von Elite Universitäten (oder ist es ein Schimpfwort?) neurdings, gemessen an ihrer Arbeit, vielleicht kein schlechter Anfang.
Sicherlich haben die Herrschenden vergangener Zeiten Kunstobjekte zur Demonstration ihrer Macht geschaffen. Aber wenigstens haben sie sich diesem und der Nachwelt verpflichtet gefühlt. Und vielleicht auch eine Befriedigung dabei empfunden etwas Ästhetisches zu hinterlassen, anstatt ihren Reichtum ausschließlich zum eigenen Wohlergehen zu verwenden. Oder?
Diotima
barbara
hallo zusammen

@Diotima
Natürlich ist es sinnvoll, auch die Demokratie immer wieder zu hinterfragen. Und das geschieht ja auch. Und Demokratien verändern sich auch und passen sich an die Bedürfnisse der Zeit an.

@Stanley Alvarez
die demokratischste Demokratie hiuerzulande ist wohl die Schweiz - und der Schweiz gehts ziemlich gut, sowohl in Bezug auf materiellen Wohlstand, aber auch in Bezug auf die Zufriedenheit der EinwohnerInnen. Man kann natürlich darüber streiten, welchen Einfluss die Staatsform ausmacht, doch die demokratische Tradition ist in der Schweiz doch gross und wird sehr geschätzt und hochgehalten.

@Rhetorix
Demokratien haben vermutlich andere Projekte als Alleinherrscher... Versailles ist grossartig, aber die allgemeine Schulpflicht ist ebenso grossartig.

Wenn ein Alleinherrscher ein Genie ist, so kann er natürlich auch etwas Tolles gestalten... wenn ers nicht ist, so hat das Land eben Pech gehabt. Den Genies in den Demokratien ist eher zu empfehlen, in der Wirtschaft tätig zu werden, wo sie als Firmenbesitzer ebenso viel oder noch mehr Macht haben können, als sie ein König oder Tyrann hat, und ebenso viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Hier in der Nähe baut der König von *Pharmafirma*, Daniel der Erste Vasella, auf dem Firmengelände eine ganze kleine Stadt, wozu er selbstverständlich Stararchitekten aus aller Welt verpflichtet hat... ein Projekt, das nicht viel hinter Versailles zurücksteht, weder in Bezug auf die Kosten noch in Bezug auf die Exklusivität und Grandiosität. fröhlich
carsten aus bochum
Hi Diotima,

Zitat:
Ist es nicht so, dass lediglich die Hälfte der Menscheit sich in einem IQ Bereich von 90-110 bewegt, mehr als ein Viertel darunter und ein knappes Viertel darüber?


Sagen wir mal der Deutschen.
Was heißt lediglich? 50% in diesem engen Fenster ist schon was, so rund 40 Millionen von uns.

Gruß,

Carsten
Stanley Alvarez
Wo habt ihr eigentlich die Zahlen 90 - 110 her? Ist das gesichteres Wissen oder eigene Behauptung? Meines Erachtens ist der Durchschnitts-IQ doch etwa bei 110, oder? Und die meisten Menschen sind ein wenig darüber oder ein wenig darunter, also eher 100 - 120. Hm...
Ich sage das nur, weil ich kaum glauben kann, dass über 25% der Deutschen einen IQ unter 90% haben, das wäre nämlich schon Strohdoof.

mfg Stan
Diotima
Hallo Stanley,

das sind Zahlen, die vor ca 15 Jahren noch zugrunde gelegt wurden. Danach ist der Durchschnitt (nicht nur der Deutschen!) mit einem IQ zwischen 90 und 110 ausgestattet (das läuft unter normal). Bei einem
IQ von etwa 60 bis 90 spricht man von debil, bei etwa 30 bis 60 von imbezill und darunter von Idiotie. Alles über ca. 120 ist hochbegabt.
Diotima
barbara
Der IQ wird doch immer genauso geeicht, dass der Durchschnitt bei 100 liegt? Um etwas über die Entwicklung von Intelligenz zu erfahren, muss man alte IQ-Tests mit neuen vergleichen. Und es scheint, die Leute werden immer intelligenter.

Abgesehen davon sind jene Fähigkeiten, die in IQ-Tests geprüft werden, nicht wirklich wesentlich, um gute Politik zu machen. Diverse andere Intelligenzen, wie die emotionale, musikalische, manuelle/motorische und soziale Intelligenz werden überhaupt nicht geprüft.
Archibald
Zitat:
Original von Diotima
Hallo,


Zu Archibald:
Es stimmt natürlich, dass Mittelmäßigkeit keinen Gegenpol hat. Vielleicht könnte man es so ausdrücken: Man stelle sich eine Skala vor, auf der die im Menschen angelegten Potentiale und deren Umsetzung in Beiträge zur individuellen und gesellschaftlichen Bereicherung (ich meine das nicht materiell) graduell ausgewiesen sind. So würde man die Mittelmäßigkeit allenfalls auf der Hälfte des Weges finden. Ist das befriedigend?
Diotima


@ Dio:

Nun, Mittelmäßigkeit hat schon einen Gegenpol; nämlich "das Extrem", genaugenommen hat sie sogar ZWEI Gegenpole (Extrem a und Extrem b). Nur, "Mittelmäßigkeit" und "Extrem" sind bezugslose Abstraktionen.

Wenn du also von der "Mittelmäßigkeit der Demokratie" sprichst, solltest du vorher die Extreme, auf welche sich dieses "Mittelmaß" bezieht, anhand von Gegensatzpaaren definieren, z.B.

lange Arbeitszeit / kurze Arbeitszeit
viel Terrorismus / viel Frieden
wenig Arbeitslose / viel Arbeitslose,

ect,ect, ect..........
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von Diotima
Hallo Stanley,

das sind Zahlen, die vor ca 15 Jahren noch zugrunde gelegt wurden. Danach ist der Durchschnitt (nicht nur der Deutschen!) mit einem IQ zwischen 90 und 110 ausgestattet (das läuft unter normal). Bei einem
IQ von etwa 60 bis 90 spricht man von debil, bei etwa 30 bis 60 von imbezill und darunter von Idiotie. Alles über ca. 120 ist hochbegabt.
Diotima


Im ernst... haben die im Fernseh-IQ-Test nicht was von Durchschnitt 110 gesagt? großes Grinsen Und das mit den Prozentzahlen, wieviele Menschen zwischen 90 - 110 liegen, sind die auch belegt? Versteh mich nicht falsch, aber deinen Ausführungen nach würden immernoch über 25% der Menschen als "debil" durchgehen.
Vielleicht bin ich ja naiv, aber es kann doch nicht jeder vierte Mensch strohdoof sein. Hm... warte, ich zähl mal durch...
1... 2... 3... doof... 1... 2... 3... doof...
naja... vielleicht ja doch. Zwinker

mfg Stan
Diotima
Hallo,

Zu Archibald:
Wie ich bereits in meinen vorhergehenden Beiträgen sagte, sollte Mittelmäßigkeit so verstanden werden, dass das im Menschen angelegte Potential nicht zu seinem besten genutzt wird, sondern sozusagen auf
halber Strecke liegen bleibt.

Zu Barbara:
Natürlich ist es so, dass es ausser einem IQ auch noch andere Fähigkeiten und Begabungen im Menschen gibt, die herausragende Leistungen möglich machen. Die Frage hier ist aber, ob eine demokratische Staatsform dazu motiviert.

Zu Stanley:
Es ist immer fragwürdig, was diese Tests aussagen, da der Mensch ja so vielschichtig ist.
Diotima
Agent Orange
Zitat:
Dieses Thema war Gegenstand einer Doktorarbeit. Ausgehend von der Annahme, dass Widerstand zu Leistung und Stärke motiviert. Wohingegen man es sich in einem demokratischen System leicht in einer Hängematte bequem machen kann. Wozu also anstrengen?


Weil es genügend andere Widerstände gibt Da brauchen wir gar nicht lange suchen. Zwinker


Zitat:
@Stanley Alvarez die demokratischste Demokratie hiuerzulande ist wohl die Schweiz - und der Schweiz gehts ziemlich gut, sowohl in Bezug auf materiellen Wohlstand, aber auch in Bezug auf die Zufriedenheit der EinwohnerInnen. Man kann natürlich darüber streiten, welchen Einfluss die Staatsform ausmacht, doch die demokratische Tradition ist in der Schweiz doch gross und wird sehr geschätzt und hochgehalten.


Die Schweizer haben sich und ihren Wohlstand auch nicht ausgiebig in Kriegen verheizt.


Zitat:
Die Demokratie ist nun wirklich nicht die beste mögliche Staatsform, sie ist nur die sicherste. Und 'sicher' ist 'sicher' und nicht gleichbedeutend mit 'gut'. Aber Barbara hat es auch schon gesagt, die/unsere Demokratie verfolgt eine Politik der kleinen Schritte. Ich würde die Ergebnisse aber beim besten Willen nicht als die "goldene Mitte" bezeichnen, eher als nichts Halbes und nichts Ganzes.


Was wären deine Gegenvorschläge?
Praktiker
Ich meine die Demokratie bringt eine Vielfalt von Qualitäten hervor. Der Kompromiss, bzw. das Mittelmaß ist jedoch deren Ziel.
barbara
Zitat:
Original von Diotima
Natürlich ist es so, dass es ausser einem IQ auch noch andere Fähigkeiten und Begabungen im Menschen gibt, die herausragende Leistungen möglich machen. Die Frage hier ist aber, ob eine demokratische Staatsform dazu motiviert.


Hallo Diotima

Demokratie sorgt für Sicherheit, berücksichtigt die Bedürfnisse von Minderheiten und schafft Gesetze, mit denen sich ein grosser Teil der BürgerInnen einverstanden erklärt hat.

Das sind sehr gute Voraussetzungen für alle, die innerhalb dieses Rahmens etwas auf die Beine stellen möchten.

Zitat:
Original von PraktikerIch meine die Demokratie bringt eine Vielfalt von Qualitäten hervor. Der Kompromiss, bzw. das Mittelmaß ist jedoch deren Ziel.


Andere nutzen auch Worte wie zB "Chancengleichheit", um das zu beschreiben...

Das Ziel ist aber nicht das Mittelmass, sondern das Ziel ist, das zu tun, was die Mehrheit der Leute will und via Abstimmungen beschliesst. Und Extrempositionen finden einfach selten Mehrheiten.

grüsse, barbara
Reinhard
Hallo, wer stellt denn solche Themen für eine Dissertation? Die Demokratie kann von sich aus doch überhaupt nichts hervorbringen, allenfalls die Menschen, die sich auf diesen Konsenzversuch geeinigt haben und die, die dort hineingeboren werden. Genauso könnte ich fragen, ob die Sprache aus sich selber heraus etwas hervorbringt, letztlich bleibt sie doch nur das Verständigungsmittel, das wir benutzen müssen, um einen Konsenz anstreben zu können. Auch in diese werden wir hineingeboren und neben ihr gibt es noch vielfältige Mitteilungsarten. Ich würde es da mit dem alten Kanten halten, das Ansich kommt nur dem Dingansich zu.

Um Boden unter die Füße zu bekommen, müßte man anführen, unter welcher jeweiligen Zweckbestimmung die Frage einen Sinn geben könnte und da fallen mir sehr viele ein. Ich persönlich finde aktuell die Frage viel interessanter, welche Auswirkungen demokratische Strukturen und die Schwerfälligkeit ihrer Handhabung auf die Unternehmensleitungen von Banken, Versicherungen und anderer Großbetriebe als Kapitalgesellschaften haben. Im Moment habe ich hier den Eindruck, dass hier das Wirken elitärer Gierlappen und ethischer Versager ermöglicht wurde. Mit Mittelmäßigkeit hätte man hier durchaus zufrieden sein können.

Es gibt eben Bereiche, in denen die Demokratie befruchtend wirken kann und andere.
Schdanek
Ein Ansatz könnte der sein: Jede Form von Obirgkeit erzeugt sich ihr Volk. In der Demokratie hingegen muss die Führung sich dem Volk annähern, weil sie auf dessen Stimmen angewiesen ist. Die Führung macht sich gemein, so dass auch das Volk einfach sein kann was es will. Und wenn die Menschen entscheiden können, wer sie sein wollen, entscheiden sie sich oft genug einfach für den nächstbesten Hedonismus ...
Tarvoc
Zitat:
Original von Schdanek
Und wenn die Menschen entscheiden können, wer sie sein wollen, entscheiden sie sich oft genug einfach für den nächstbesten Hedonismus...

Naja, Hedonismus kann ja so ziemlich fast alles heißen. Ich z.B. finde großen Genuss daran, zu lesen und zu schreiben...