Nietzsche ist ein Heroe in der Philosophiegeschichte des Abendlandes, ein "Außenseiter", der sich selbst der Liebe zu dem Weisen unterstellte, und der wie einst auch Sokrates, bereit gewesen wäre, sein Leben dafür zu geben, sollte sein Weg gefordert haben diesen Preis zu entrichten. Unbeugsam nach der Wahrheit strebend, entdeckte er nicht nur die Absurdität der religiösen Erlösungslehren vom diesseitigen Leiden, ihn zu der Diagnose "Gott ist tot" veranlassend, sondern auch die Unhaltbarkeit aller restlichen Glücks- und Heilsvorstellungen unserer Gesellschaft, ihn ermutigend die "Umwertung aller Werte" ohne Rücksicht auf deren leicht zu verkraftenden Verlust zu betreiben.
Nun ist aber der Homo Sapiens von Natur aus ein soziales Wesen. D.h. auf sich allein 'existenzialistisch' zurüchgeworfen - ohne eine Gruppe von Verbündeten - ist er unfähig, sich gegen seine mächtigen Artfeinde im Darwinschen "Daseinskampf" durchzusetzen; und genauso wenig ist er allein als Vereinzelter in der Lage, seine gesamte Umwelt mit all ihren sich dem Überleben stellenden Widrigkeiten geistig in vollem Umfange zu erfassen. In unserer modernen Gesellschaft scheint sich keiner dieser zwei Fragen mehr zu stellen. Wir leben in einem regelrechten "System", das mit seinem unermesslichen, der Erde skrupellos ausgepressten Reichtum und den Herrscharen von bezahlten "Fachleuten" alle Probleme des Klimas, der Ernährung usf... derart in den Griff bekommen hat, dass der Mensch als unheilbarer Narzißt dazu ermuntert ist, sich besonders im Falle lokaler Katastrophen gleich wie ein Embryon zu fühlen, das sein Dasein, geborgen und genährt wie von der Mutter Leib, aller Alltagssorgen enthoben glücklich zuende vegetieren kann.
Wie entsetzlich solche Situation in Wirklichkeit ist, kann nicht ohne weiteres objektiviert werden - überhaupt nicht anhand einer Sicht, die sich durch anerzogene Obrigkeits- und furcht vor jedem kleinsten Sittenverstoß selbst darauf reduziert, ihren geistigen Horizont gleich mit dem Rand des eigenen Suppentellers zu setzten. Bewusst wird es erst, wenn sich ein einsam um Freiheit und Gewissheit ringender Denker nach den längst vergangenen, glücklichen Symposien wendet, in denen sich die Philosophen des antiken Greichenlandes trafen um gemeinsam bei einem feucht-frölichen Gelage die Wahrhaftigkeit jeglicher Ansicht zu erproben.
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=24...stmah1#gb_found
Mit dieser Perspektive versehen, konnte Nietzsche bereits als junger Mann darüber im Klaren sein, welche Möglichkeiten sich dem Homo Sapiens seinen Anlagen nach bieten, fühlte sich davon angespornt, die 'Theorie' im Alltag umzusetzen und war um so mehr davon schockiert wie wenige derer, die in dieser Welt geboren waren, sich als dazu fähig erwiesen, den gleichen Anspruch wie er auch nur zu erspüren. Die meisten derer die ihm in seinem Leben begegneten, reagierten gleichgültig oder mit herzlicher Ablehnung nach den ersten Worten die gewechselt wurden, und die seltensten Ausnahmen derer, die ihm geistig-künstlerisch gewachsen oder sogar überlegen waren, gaben entweder ihr heroisches Ringen um ein Himmelreich auf Erden auf, resignierend nachdem sie einen letzten Höhepunkt erreicht hatten wie Nietzsches zeitweiliger Weggefährte Richard Wagner mit den letzten Zügen seines "Parzival", oder hatte es in Wirklichkeit niemals getan, wie Schopenhauer, der nach einer Verdeutlichung der Lehre Kants im fernöstlichen "Nirwana" psychisch regredierte, wähnend, solch metaphysischer Mutterleib böte einen fundierten Ausweg von dem ihm allumfassend scheinenden "Leiden" auf diesem Planet und im Kosmos überhaupt...
Rational beeindrückender, aber frei von dem Schmerz einer versiegenden freundschaftlichen Beziehung, waren die Begegnungen mit denen, die der höchsten intellektuellen Elite unserer instinktreduzierten Gesellschaft angehören. Durch sorgfältige Dressur ab dem Kindesalter darauf gedrillt, das eisern geschärfte Schwert der Rhetorik bedenkenlos gegen jeden Zweifel an der Richtigkeit solcher Welt zu zücken, schlugen sie ohne Gnade ein auf die ihnen gelinde gesagt "seltsam" anmutende Lebensphilosophie Nietzsches und seiner Artgenossen, suchten verbissen nach Schwachpunkten oder erfanden sie nach Belieben so sich gerade keine boten, während er dagegen Stellung bezog und mit höchster Lust im Willen zur Macht
Die fröhliche Wissenschaft betrieb, nach dem besten aller Wege zur "Umwertung aller Werte" zu forschen. Diese Aufgabe wurde ihm zum Lebensinhalt - zum "Sinn" überhaupt, und da wer wirklich sucht immer etwas findet, nahm er sich ein Beispiel an seinem "Zarathustra" und begann kraft dessen ihm zu eigener Übermenschlichkeit den "Menschen"-Begriff zu entwerten.
Solcher Schlag war für die eingebildeten Gebildeten, die sich zur "Krone der Schöpfung" selbsternannt hatten, derart schwer zu verkraften, dass sie Nietzsche kurzerhand für geistesgestört erklärten; ihm aber dadurch entgültig zu der Erleuchtung verhelfend, dass es den geistig elitären der "Menschen", die es 'verstanden' hatten ihn zu einer Auseinandersetzung zu provozieren, in Wahrheit niemals um sie weder ging noch je gehen kann, sondern immer bloß um krankhaften Machtdrang, ebenso hohles Haschen nach Prestige gegenüber der solchen wohlandressierten Hochseilakt sensationsgierig bis mordlüstern dumpf begaffendenMenge, sowie auch um materiellen Habdrang, sofern mit solchen 'Gesprächen' das Einkommen eines universitären Lehrstuhls der 'Philosophie' verbunden gewesen ist.
Analytisch betrachtet heißt dieser komplexe Sachverhalt aber nichts anderes, als dass innerhalb der Art "Homo Sapiens" offensichtlich drei verschiedene Gattungen existieren, die ihrer psychischen Gesinnung nach - trotz artgerecht gleicher Körper - zwei wesensmäßig anderen, miteinander unvereinbaren Welten angehören, und zwar:
>> der Natur mitsamt den instinktverbundenen Kulturen des ursprünglichen Homo Sapiens, und
>> ihr gegenüber unserer naturwidrigen, patriarchalisch strukturierten Gesellschaft.
Warum das so ist, konnte Nietzsche unmöglich klären - die Fröhliche Wissenschaft war seiner Zeit noch nicht so weit gediehen. Was er wußte war bloß, dass der "Mensch" in der Antike den Namen "homoi" trug (((
was - ohne den Zusatz "sapiens" - soviel wie 'geistloser Lehm' bedeutet))), und dass der Homo Sapiens dank des Beitrag Darwins einwandtfrei zum Naturreich der "Thiere" gerechnet werden konnte
- So steht in der einen der zwei miteinander inkompatiblen Welten der dumpfe oder hasserfüllt schnaubende, rhetorisch im Kopf rotierende
Mensch da, und dagegen das gesunde
Thier im Homo Sapiens, während dem
Übermenschen die Aufgabe zuteil wird, das SEIL, das er selber ist und das beide Welten nach der Ansicht Nietzsches miteinander verbindet, immer straff und straffer zu spannen um es in einem letzten Akt heroischen Mutes direkt am So-Sein des verbrannten Menschenhirns zu durchschneiden, zu dem "Thier" ganz und gar wieder werdend als das es geboren ist - so wie alle als 100% gesunde Naturwesen zur Welt gebrachten Kinder.
Wie gesagt: der Homo Sapiens ist von Natur aus ein "sozialer" Organismus; ganz allein nur mit sich hätte Nietzsche niemals vollbringen können, Zarathustra am Ende seines langen, übermenschlich einsamen Weges in den Wald zurück finden zu lassen, um dort mit 10 weiteren scheidenden Übermenschen dem glücklichen Symposion zur Wiederauferstehung zu verhelfen, das ihm aus einem der Werke Platons inniglich vertraut und lieb war. Mit solchem Verbündeten im Rücken, ist es ein kurzer schmerzloser Schnitt, sich sein am eingebildeten, sadomasochistisch fixierten Menschenhirn hangendes Seil zu durchtrennen - um so leichter, wenn sich zu Platon noch einer wie Heraklit gesellt. In Wirklichkeit stellt nämlich jene 3-fache Untergliederung des Homo Sapiens weniger ein Geschöpf der nietzeanischen Genialität dar als der Heraklits. Und noch genauer gesagt ist bei keinem der beiden Männer die Rede davon, dass sie selbst Anspruch darauf erhoben hätten es erkannt zu haben: sie unterstellten sich dem Sinn, dem alle gesunden Dinge, jede solcher Erkenntnisse, erwachsen.
| Zitat: |
Original von Heraklit:
0 Für den Sinn, aus dem diese Schrift entstand, für den gewinnen die Menschen nie ein Verständnis, mögen sie darin nun lesen oder nicht. Denn geschieht auch alles Natürliche gemäß dem Sinn, so bleiben sie doch stets wie Unerprobte, so oft sie sich auch erproben an solchen Worten und Werken wie ich sie erörtere, ein jegliches zerlegend entlang seiner Fugen, und erklärend wie es sich verhält.
1 "Menschen", das ist das Wort zur Benennung der Vielen, die kein Bewusstsein über das gewinnen was sie im Wachen tun, so wie sie auch das Bewusstein verlieren über das was sie im Schlafe taten.
2 Pflicht ist es darum, dem Gemeinsamen zu folgen. Doch obschon der Sinn das Gemeinsame ist: die Einheit aus introspektiv-intuitivem und rationalem Wach-Denken –, leben die Vielen, als wäre ihnen ein Privatverstand zu eigen -- geraubt der Natur und abgeschnitten von seinen arteigenen Maßen:
3 Helios hat die Breite eines Fußes.
4 Bestünde das Glück in körperlichen Genüssen, müßte man Ochsen glücklich nennen, fänden sie Erbsen zum Fressen.
5 Heilung suchen die Menschen von ihrem Leiden, indem sie sich immer von neuem mit ihren Glücksauffassungen besudeln, wie wenn einer, der in Kot getreten, sich mit Kot zu reinigen versucht. Für wahnsinnig würden doch die Leute erachten, wen sie bei solch einem Treiben entdeckten. Sie aber bitten da um Hilfe aus ihrer Not die Bilder ihrer Götzen, wie wenn einer ein Gespräch mit Gebäuden zu führen versuchte, nie die Götter erkennend und Heroen als das was sie sind. (Diesen gilt:
6 Helios ist neu an jedem Morgen /Aufforderung, alles, selbst den tiefsten Aberglaube, jedes Wissen, ab jedem Erwachen der Vernunft erneut zu hinterfragen).
.
|
Heraklit stellt zur Diskussion die Rechtmäßigkeit seiner Gleichsetzung "Menschen-Heroen-Götter" mit <Unheilbare-Heilbar-Gesund>. Ebenso Nietzsche mit seinen Begriffen des selben: "Menschen-Übermenschen-Thiere".
.