carsten aus bochum
Hi tolwin,
lass uns das Kapitel Psycho/Eso einfach schließen, hat mit dem Christentum ja ohnehin nichts zu tun.
Zu Broder und der Israelpolitik:
Was wäre denn die richtige Konsequenz?
Ich habe eine ähnliche Diskussion mit Erik schon geführt (ergebnisoffen
).
Kennst Du den Soziologen und Gewaltforscher Gunnar Heinsohn, von der Bremer Uni? (Hat im Kursbuch der ZEIT, Heft 162, „Ritter, Tod und Teufel“ jüngst was von sich gegeben und war mit seinem Buch „Söhne und Weltmacht“ beim philosophischen Quartett.)
Er redet davon, dass die Europäer in toto die Juden nicht lieben können, seine Begründung ist, die den Juden angetane Greuel (je nach Abstufungen von aktiver Vernichtung bis zu aktivem Wegschauen) und belegt dies mit unzweideutigen, seriösen Umfragen.
(Deshalb ist Antisemitismus bei der Linken wie der Rechten so populär. Wie schon öfter erwähnt bin ich natürlich gegen eine Instrumentalisierung des Holocaust zu politischen oder anderen Zwecken und halte auch nichts von Moralpredigten von so fragwürdigen Gestalten wie Friedmann, oder Argumenten eines „latenten Antisemitismus“ aller Deutschen im Stile Bubis, oder diesen indiskutablen „willige Helfer“ Entgleisungen.)
Der Überschuss an kampffähigen jungen Männern (youth bulge) auf dem Heinsohn herumreitet ist für mich derart überzeugend, sowohl von der Argumentation, als auch von der Datenbasis her, dass ich inzwischen mit fliegenden Fahnen übergelaufen bin und hier vieles sehr sehr anders sehe, als noch von kurzer Zeit.
Die Logik ist einfach, ein Überschuss (spätestens ab 30%) an jungen Männern (15-29) innerhalb der Gesamtpopulation eines Landes, korreliert mit Gewalt, immer und überall.
Die Ideologie, die zur Legitimation der Gewalt gewählt wird, ist Nebensache.
Das ist gut und schlecht. Gut ist es, weil man keine Angst vorm bösen Moslem haben muss.
Schlecht ist es weil der größte youth bulge den die Welt bisher gesehen hat (und auf Jahrzehnte sehen wird) gerade jetzt virulent ist.
Die Bedeutung des youth bulge haben die Amis voll erfasst und beziehen ihn in ihre Politik mit ein, die Europäer (auch die Überzahl europäischer Wissenschaftler) verkennen die Bedeutung. Das hat bereits jetzt katastrophale Folgen, Heinsohns Zeit Beitrag ist betitelt: Finis Germaniae?
Die Variable youth bulge passt bei der Ursachenforschung zu gut um sie ernsthaft zu ignorieren, freilich ist sie nur ein Faktor, aber es scheint mir die Mehlkomponente des Kuchens zu sein.
Mit pluralistischer Weltoffenheit begegnet man weder der broderschen und der heinsohnschen Problematik adäquat und Europa weigert sich in weiten Teilen das zu sehen. Zwar ist eine konservative Wende seit einigen Jahren unübersehbar, aber die Zeit drängt viel zu sehr um da noch länger zu zaudern.
Ich führe Dich jetzt mal vor die Tür meiner Interpretation:
Die Amis haben den youth bulge analysiert und haben sich die Frage gestellt? Ist er gefährlich oder nicht? Die Antwort war: ja.
Sie haben sich die Frage gestellt: Ist er zu verhindern? Die Antwort war: nein. Sie haben sich die Frage gestellt: Führt er zwingend zu Gewalt? Die Antwort war: ja. Den Rest überlasse ich der Phantasie des Lesers und wenn man nicht vorurteilsbehaftet davon ausgeht, die Amis hätten einfach Spaß daran die Welt mit Krieg zu überziehen und ein paar neue Ölquellen für sich einzuheimsen, wie die Reporter hier ja sehr genau wissen, dann steht man vor einem Dilemma.
Ich glaube die amerikanische Strategie ist klar zu erkennen, Du wirst nicht ernsthaft erwarten, dass sie in der Form kommuniziert wird.
In Palästina wird es keinen Frieden geben können, schon aus demographischen Gründen und die Israelis werden das schwer auf Dauer durchhalten können.
Unkonkrete Lösungen sind wenig sexy.
Eine Hauptargumentationslinie der Linken ist doch, dass Kritik als solche schon wertvoll sei, was die Konservativen meistens als Retourkutsche um die Ohren bekommen, wenn sie sich mal wieder erdreisten, konstruktive Lösungsvorschläge von Kritikern zu erwarten.
Ich bin auch ein Umweltspinner, was meine Sorgen nicht eben kleiner macht.
Wir haben vor uns ein Potpouri an Problemen von denen die eine Hälfte leider von der Partei, die die andere Hälfte überhaupt zu sehen bereit ist, ignoriert wird. Konkret: Wir brauchen dringend potenten Umweltschutz, wir haben Probleme mit Ausländern die zu 87% von der Sozialhilfe leben (Zahlen: statistisches Bundesamt) und zunehmend radikaler werden, gleichzeitig brauchen wir massiv Einwanderung (was die Rechten nicht begreifen wollen), wollen wir unser Sozialsystem nicht völlig vor die Hunde gehen lassen.
Die demographische Entwicklung drückt nur noch nicht so stark durch, weil die ausländischen Frauen in Deutschland die Geburtenschwäche der Deutschen Frauen auffangen.
Also brauchen wir Einwanderung Heinsohn spricht inzwischen von 700 000 pro Jahr und wenn die „Piep, piep, piep, wir ham uns alle lieb“ Ideologie in Deutschland als gescheitert gedacht werden darf und es dann überhaupt noch Sinn macht, braucht man klare Spielregeln, sonst bekommt man sie irgendwann klar aufgedrückt, da ist Broder nicht auf dem falschen Dampfer.
Wie man den nicht eben geringen Standard unserer Werte in den nächsten Jahren aufrecht erhalten will, dass stelle ich mir bei einem stetitg wachsenden Bevölkerungsanteil, dessen Wertvorstellungen mitunter weit hinter die Errungenschaften der 70er Jahre zurückfallen ( beliebige Stichworte: Gleichberechtigung, Homosexualität, Umweltschutz) nicht wirklich witzig vor. Aber solange klare Ansagen und konkrete Lösungen noch immer Buhrufe auslösen, wird wohl noch einiges Wasser den Rhein runterfließen.
Ja, so ist der deutsche Mainstream, taz und Bild, Schröder und Glotze.
Keiner will Krieg, allein aus Angst. Ich auch nicht.
Alle sind froh, dass Schröder – aus Populismus – nein sagte und prompt die Wahlen gewann.
Alle lachen sich klammheimlich ins Fäustchen, dass die lieben Terroristen uns bisher verschont haben (wie man meint).
Keiner will Probleme sehen, die doch eventuell doch noch anders kommen könnten.
Nur, Terroristen bilden keine Koalitionen.
Die Identifikation mit dem Aggressor allerdings, die ist ein alter Hut, klappt im Kleinen wie im Großen.
Werden Menschen bei einem Banküberfall zu Geiseln, bekommen sie plötzlich Angst – vor den schießwütigen Bullen da draußen. Die Geiselnehmer, die sind doch lieb...
Nicht Terroristen sind das Problem, nein, diejenigen, die sie gereizt haben. Was müssen die Amis auch so hohe Häuser bauen, es gibt doch Zelte.
Das Problem beginnt da, wo man für ein vergleichsweise natürliches Phänomen, eine starke Geburtenrate, einen Verantwortlichen sucht. Manchmal gibt es den, manchmal nicht, aber gefunden werden muss immer einer, dass braucht die Masse, das kanalisiert den Frust. Und dann nimmt man sich einen möglichst harmlosen Feind.
Es ist so entsetzlich billig hier diejenigen scharf zu kritisieren, die uns überhaupt nichts tun.
Die Amis greifen uns nicht an, die Juden auch nicht, selbst die paar Neonazis könnten einem an der Körperregion vorbeigehen, die farblich gut zu ihrer politischen Einstellung passt.
Wir können nicht damit leben, dass weder der Moslem, der Jude, der Russe oder der Ami das Problem an sich darstellt.
Wenn ein natürliches Phänomen, wie ein Geburtenüberschuss (der erst ab einem Schwellenwert zwingend zu Gewalt führt) allerdings künstlich gepusht wird, sei es durch die Verhängung der Todesstrafe über Praktiken der Geburtenkontrolle (alte christliche Tradition) oder durch eine finanzielle Unterstützung von überzähligen Söhnen in politischen Brandherden (drei mal darfst Du raten, wer das 14. Kind einer palästinensischen Mutter finanziert, die – selbst vielleicht Opfer und traumatisiert – nur noch den Wunsch hat kleine Gotteskrieger zu gebären, die Waffe derer, die der Feuerkraft nicht gewachsen sind – und es ist die bessere Waffe – Europa finanziert es.) wird die Lage heikel.
Dabei ist Eriks Hinweis auf die Antisemitismus-Keule berechtigt. Die Deutschen haben einfach die Nase voll davon, alle Jahre wieder die Nazikacke unter die Nase gerieben zu bekommen. Den 38. Aufguss von Hitlers willige Frisöre, schauen doch ohnehin nur noch Masochisten, Idioten oder begeisterte Neonazis.
Was haben Du und ich mit dem dritten Reich zu tun? Nichts, wie 90% und bald 100% aller Deutschen.
Man kann den Schwachsinn einfach nicht mehr hören und wenn dann ein Spinner (persönliche Meinungsäußerung) wie Friedmann losjodelt, der für mich die moralische Autorität einer Dachziegel besitzt, dann ist mir selbst das Kotzen inzwischen zu mühsam geworden.
Aber nichtsdestotrotz, gibt es da irgendwo in Haifa ein süßes jüdisches Mädchen, das vielleicht heute Abend tanzen gehen will und leider von einer Bombe zerrissen wird. Dagegen darf man was haben, finde ich (selbst wenn`s ein pickeliger Junge ist).
Unnötig zu erwähnen: auch die Palästinenser sind keine bösen Menschen, was soll ein kleiner Junge davon halten, wenn vor seinen Augen seine halbe Familie ausgelöscht wird und anschließend Bulldozer sein Elternhaus platt machen?
Von dem verzweifelten 11jährigen erwarte ich nun wirklich keine differenzierte politische Bewertung und wenn der Rache schwört und praktiziert, wer kann das nicht verstehen?
Eine Pikanterie dabei ist freilich, dass der Tod von Frauen und Kindern nicht in allen Teilen der Welt gleich bewertet wird.
Wie man dem Irrsinn ein Ende setzt? Gar nicht. Das ist die bittere Wahrheit, wenn an Heinsohns youth bulge These auch nur ein Körnchen Wahrheit ist und es spricht mehr dafür, als dagegen.
Wenn Du eine Lösung weißt...
Gruß,
Carsten
lass uns das Kapitel Psycho/Eso einfach schließen, hat mit dem Christentum ja ohnehin nichts zu tun.
Zu Broder und der Israelpolitik:
| Zitat: |
| „[...] Aber ist das jetzige Vorgehen denn daraus die richtige Konsequenz?“ |
Ich habe eine ähnliche Diskussion mit Erik schon geführt (ergebnisoffen
).| Zitat: |
| “Man hat sich hinreißen lassen durch die Entführung der Soldaten. Man hätte doch, wenn die Sache langfristig betrachtet worden wäre, ersteinmal mit Krieg drohen müssen! Wenn so klar ist, daß die Hisbollah von libanesischem Boden agiert, wenn so klar ist, daß die Regierung Libanons dies - obwohl sie es könnte - nicht unterbindet, dann hätte man dies international klar artikulieren müssen. Man hätte ein Ultimatum stellen müssen, ein Kriegsultimatum.“ |
Kennst Du den Soziologen und Gewaltforscher Gunnar Heinsohn, von der Bremer Uni? (Hat im Kursbuch der ZEIT, Heft 162, „Ritter, Tod und Teufel“ jüngst was von sich gegeben und war mit seinem Buch „Söhne und Weltmacht“ beim philosophischen Quartett.)
Er redet davon, dass die Europäer in toto die Juden nicht lieben können, seine Begründung ist, die den Juden angetane Greuel (je nach Abstufungen von aktiver Vernichtung bis zu aktivem Wegschauen) und belegt dies mit unzweideutigen, seriösen Umfragen.
(Deshalb ist Antisemitismus bei der Linken wie der Rechten so populär. Wie schon öfter erwähnt bin ich natürlich gegen eine Instrumentalisierung des Holocaust zu politischen oder anderen Zwecken und halte auch nichts von Moralpredigten von so fragwürdigen Gestalten wie Friedmann, oder Argumenten eines „latenten Antisemitismus“ aller Deutschen im Stile Bubis, oder diesen indiskutablen „willige Helfer“ Entgleisungen.)
Der Überschuss an kampffähigen jungen Männern (youth bulge) auf dem Heinsohn herumreitet ist für mich derart überzeugend, sowohl von der Argumentation, als auch von der Datenbasis her, dass ich inzwischen mit fliegenden Fahnen übergelaufen bin und hier vieles sehr sehr anders sehe, als noch von kurzer Zeit.
Die Logik ist einfach, ein Überschuss (spätestens ab 30%) an jungen Männern (15-29) innerhalb der Gesamtpopulation eines Landes, korreliert mit Gewalt, immer und überall.
Die Ideologie, die zur Legitimation der Gewalt gewählt wird, ist Nebensache.
Das ist gut und schlecht. Gut ist es, weil man keine Angst vorm bösen Moslem haben muss.
Schlecht ist es weil der größte youth bulge den die Welt bisher gesehen hat (und auf Jahrzehnte sehen wird) gerade jetzt virulent ist.
Die Bedeutung des youth bulge haben die Amis voll erfasst und beziehen ihn in ihre Politik mit ein, die Europäer (auch die Überzahl europäischer Wissenschaftler) verkennen die Bedeutung. Das hat bereits jetzt katastrophale Folgen, Heinsohns Zeit Beitrag ist betitelt: Finis Germaniae?
Die Variable youth bulge passt bei der Ursachenforschung zu gut um sie ernsthaft zu ignorieren, freilich ist sie nur ein Faktor, aber es scheint mir die Mehlkomponente des Kuchens zu sein.
Mit pluralistischer Weltoffenheit begegnet man weder der broderschen und der heinsohnschen Problematik adäquat und Europa weigert sich in weiten Teilen das zu sehen. Zwar ist eine konservative Wende seit einigen Jahren unübersehbar, aber die Zeit drängt viel zu sehr um da noch länger zu zaudern.
Ich führe Dich jetzt mal vor die Tür meiner Interpretation:
Die Amis haben den youth bulge analysiert und haben sich die Frage gestellt? Ist er gefährlich oder nicht? Die Antwort war: ja.
Sie haben sich die Frage gestellt: Ist er zu verhindern? Die Antwort war: nein. Sie haben sich die Frage gestellt: Führt er zwingend zu Gewalt? Die Antwort war: ja. Den Rest überlasse ich der Phantasie des Lesers und wenn man nicht vorurteilsbehaftet davon ausgeht, die Amis hätten einfach Spaß daran die Welt mit Krieg zu überziehen und ein paar neue Ölquellen für sich einzuheimsen, wie die Reporter hier ja sehr genau wissen, dann steht man vor einem Dilemma.
| Zitat: |
| “So, wie's jetzt aussieht, frißt sich der Brand immer weiter und weiter, weil niemand rechtzeitig sagt, was genau überhaupt Sache ist. In gewissen Ecken im Spiegel liest man Stimmen, die meinen, hier würden wir gerade Zeugen der von langer us-amerikanischer Hand geplanten "Endlösung" des Nahostproblems: Syrien und Iran sollen in diesen Krieg hineingezogen werden. De facto sind sie ja scheinbar schon beteiligt durch ihre Unterstützung der Hisbollah. Aber dann soll man das doch bitte endlich mal klar sagen, damit sie sich nicht immer weiter winden und rauslügen können. Das muß dann Thema in der UN sein, und zwar schonungslos und ohne dieses ganze Herumgepirsche um den heißen Brei.“ |
Ich glaube die amerikanische Strategie ist klar zu erkennen, Du wirst nicht ernsthaft erwarten, dass sie in der Form kommuniziert wird.
| Zitat: |
| “Wenn sich aber Broders Wunsch der Dinge durchsetzt, dann überschätze ich diese Gefahr nicht. Denn seine Sicht - die er übrigens mit den Hardlinern im palästinensisch-arabischen Lager teilt - ist eine Sicht der bedingungslosen Eskalation bis zum "Sieg". Man muß seinen Beitrag einfach mit den Bildern der beiruter Innenstadt kontrastieren, dann wird vielleicht klarer, was er und Leute seines Schlages letztlich erreichen, wenn er in seiner unnachahmlichen Art mal wieder das Sprachrohr der vollkommen kompromiß - und verständnislosen *hart-kern*-Anti-Terror-Kämpfer spielt. Das ist einfach nur saublöd. Und sonst nix.“ |
In Palästina wird es keinen Frieden geben können, schon aus demographischen Gründen und die Israelis werden das schwer auf Dauer durchhalten können.
| Zitat: |
| “Aber Herr Broder hat etwas gegen Deutschland ganz allgemein und meint immer, Israel, die Juden und vor allem die US-Amerikaner, die sich zu den Schildhaltern des komatösen Scharons gemacht haben, vor der bösen deutschen, natürlich noch immer im Kern braungetränkten oder doch aufgrund der Nazivergangenheit hoffnungslos psychisch vermurksten Deutschen Aussenpolitik in Schutz zu nehmen. Und er macht das nichteinmal auf einer abstrakt-künsterlisch ansprechenden Art, wie damals in Österreich mein Lieblingsschriftsteller Thomas Bernhard oder heute die Jelinek, sondern auf einer frivolen "macht-mal" Ebene. Er fordert konkrete Lösungen, die er doch gar nicht abwägen kann.“ |
Unkonkrete Lösungen sind wenig sexy.
| Zitat: |
| “Man muß sich ein bißchen mit dem beschäftigen, was Herr Broder sonst schon so geschrieben hat, um zu erkennen, daß er eigentlich einen Einmann-Feldzug gegen den deutschen Faschismus zu führen meint, immer schön mit spitzer Feder, immer schön persönlich beleidigend und unter die Gürtellinie zielend. Der Quoten-Abweichler des Spieghel. Aber einer, dessen Sarkasmen mir inzwischen ziemlich auf den Senkel gehen. Nix gegen abweichende Meinungen, die dürfen auch scharf und bissig gehalten sein. Aber ich habe noch nicht einen einzigen konstruktiven Artikel von dem Typen gelesen, nicht einen einzigen Text, in dem mal verbindende, ausgleichende, besänftigende Gedankengänge im Vordergrund gestanden hätten, das ehrliche Bemühen, Auswege aus schrecklichen Zwickmühlen zu finden.“ |
Eine Hauptargumentationslinie der Linken ist doch, dass Kritik als solche schon wertvoll sei, was die Konservativen meistens als Retourkutsche um die Ohren bekommen, wenn sie sich mal wieder erdreisten, konstruktive Lösungsvorschläge von Kritikern zu erwarten.
| Zitat: |
| “Dann kam der große Schuss nach Frankreich. Jenes Frankreich, daß als Verletzer der Souveränitätsrechte der Elfenbeinküste an den Pranger gestellt wird, wurde von ihm vor etlichen Jahren gegen die dummen Gutmenschen hier in Deutschland verteidigt. Damals nämlich hatten es einige dieser Umwelt- und Pazifismus-Spinner gewagt, einen Boykott französischer Produkte anzudenken, nachdem Frankreich knallhart sein Atombombentestprogramm auf dem Mururoa-Atoll durchzog. Wer Bomben schmeißt, darf sich der broder'schen Unterstützung gewiß sein. Da ist man immer auf der sicheren Seite. Bei den Kinder, die an Silvester mit ihren Knallern angeben, war Broder sicher schon damals in der ersten Reihe. Wer es am lautesten Krachen lässt, der schindet Eindruck.“ |
Ich bin auch ein Umweltspinner, was meine Sorgen nicht eben kleiner macht.
Wir haben vor uns ein Potpouri an Problemen von denen die eine Hälfte leider von der Partei, die die andere Hälfte überhaupt zu sehen bereit ist, ignoriert wird. Konkret: Wir brauchen dringend potenten Umweltschutz, wir haben Probleme mit Ausländern die zu 87% von der Sozialhilfe leben (Zahlen: statistisches Bundesamt) und zunehmend radikaler werden, gleichzeitig brauchen wir massiv Einwanderung (was die Rechten nicht begreifen wollen), wollen wir unser Sozialsystem nicht völlig vor die Hunde gehen lassen.
Die demographische Entwicklung drückt nur noch nicht so stark durch, weil die ausländischen Frauen in Deutschland die Geburtenschwäche der Deutschen Frauen auffangen.
Also brauchen wir Einwanderung Heinsohn spricht inzwischen von 700 000 pro Jahr und wenn die „Piep, piep, piep, wir ham uns alle lieb“ Ideologie in Deutschland als gescheitert gedacht werden darf und es dann überhaupt noch Sinn macht, braucht man klare Spielregeln, sonst bekommt man sie irgendwann klar aufgedrückt, da ist Broder nicht auf dem falschen Dampfer.
Wie man den nicht eben geringen Standard unserer Werte in den nächsten Jahren aufrecht erhalten will, dass stelle ich mir bei einem stetitg wachsenden Bevölkerungsanteil, dessen Wertvorstellungen mitunter weit hinter die Errungenschaften der 70er Jahre zurückfallen ( beliebige Stichworte: Gleichberechtigung, Homosexualität, Umweltschutz) nicht wirklich witzig vor. Aber solange klare Ansagen und konkrete Lösungen noch immer Buhrufe auslösen, wird wohl noch einiges Wasser den Rhein runterfließen.
| Zitat: |
| „Natürlich war er auch für den Irakkrieg, den ersten wie jetzt auch den zweiten, seit in Deutschland gegen Kriege demonstriert wird, ist er dafür, denn er weiß natürlich als einziger, daß die deutschen Pazifisten sich in ihrer naiven Verblendung immer nur vor den Karren der Judenhasser spannen lassen. Wohl, da sie in ihrem innersten, unbewußten (soviel gesteht er ihnen eventuell noch zu) deutschen Herzen die Juden hassen, dafür, daß die einst ihre Opfer waren und die USA dafür, sie anno 45 befreit zu haben... So um zwei, drei Ecken herum denkt Herr Broder und zwar zwanghaft und immer. Und wer immer um zwei Ecken herum denkt, der denkt nun mal in die andere Richtung. Fragen würde ich ihn gern, wie er die grandiose Palästinenserpolitik beurteilt, wie die dortigen punktgenauen Erfüllungen der Wahlversprechen, Israel zu einem für seine Bürger sichereren Land zu machen... So stehen sie denn, die drei Musketiers, vereint gegen den Rest der denkenden Welt: Bush, im Geiste der liegende Scharon und Broder, der kurz zuvor der Auslöser klickt ins Bild springt. Der Rest der Welt kann sich also nur irren.“ |
Ja, so ist der deutsche Mainstream, taz und Bild, Schröder und Glotze.
Keiner will Krieg, allein aus Angst. Ich auch nicht.
Alle sind froh, dass Schröder – aus Populismus – nein sagte und prompt die Wahlen gewann.
Alle lachen sich klammheimlich ins Fäustchen, dass die lieben Terroristen uns bisher verschont haben (wie man meint).
Keiner will Probleme sehen, die doch eventuell doch noch anders kommen könnten.
Nur, Terroristen bilden keine Koalitionen.
Die Identifikation mit dem Aggressor allerdings, die ist ein alter Hut, klappt im Kleinen wie im Großen.
Werden Menschen bei einem Banküberfall zu Geiseln, bekommen sie plötzlich Angst – vor den schießwütigen Bullen da draußen. Die Geiselnehmer, die sind doch lieb...
Nicht Terroristen sind das Problem, nein, diejenigen, die sie gereizt haben. Was müssen die Amis auch so hohe Häuser bauen, es gibt doch Zelte.
Das Problem beginnt da, wo man für ein vergleichsweise natürliches Phänomen, eine starke Geburtenrate, einen Verantwortlichen sucht. Manchmal gibt es den, manchmal nicht, aber gefunden werden muss immer einer, dass braucht die Masse, das kanalisiert den Frust. Und dann nimmt man sich einen möglichst harmlosen Feind.
Es ist so entsetzlich billig hier diejenigen scharf zu kritisieren, die uns überhaupt nichts tun.
Die Amis greifen uns nicht an, die Juden auch nicht, selbst die paar Neonazis könnten einem an der Körperregion vorbeigehen, die farblich gut zu ihrer politischen Einstellung passt.
Wir können nicht damit leben, dass weder der Moslem, der Jude, der Russe oder der Ami das Problem an sich darstellt.
Wenn ein natürliches Phänomen, wie ein Geburtenüberschuss (der erst ab einem Schwellenwert zwingend zu Gewalt führt) allerdings künstlich gepusht wird, sei es durch die Verhängung der Todesstrafe über Praktiken der Geburtenkontrolle (alte christliche Tradition) oder durch eine finanzielle Unterstützung von überzähligen Söhnen in politischen Brandherden (drei mal darfst Du raten, wer das 14. Kind einer palästinensischen Mutter finanziert, die – selbst vielleicht Opfer und traumatisiert – nur noch den Wunsch hat kleine Gotteskrieger zu gebären, die Waffe derer, die der Feuerkraft nicht gewachsen sind – und es ist die bessere Waffe – Europa finanziert es.) wird die Lage heikel.
Dabei ist Eriks Hinweis auf die Antisemitismus-Keule berechtigt. Die Deutschen haben einfach die Nase voll davon, alle Jahre wieder die Nazikacke unter die Nase gerieben zu bekommen. Den 38. Aufguss von Hitlers willige Frisöre, schauen doch ohnehin nur noch Masochisten, Idioten oder begeisterte Neonazis.
Was haben Du und ich mit dem dritten Reich zu tun? Nichts, wie 90% und bald 100% aller Deutschen.
Man kann den Schwachsinn einfach nicht mehr hören und wenn dann ein Spinner (persönliche Meinungsäußerung) wie Friedmann losjodelt, der für mich die moralische Autorität einer Dachziegel besitzt, dann ist mir selbst das Kotzen inzwischen zu mühsam geworden.
Aber nichtsdestotrotz, gibt es da irgendwo in Haifa ein süßes jüdisches Mädchen, das vielleicht heute Abend tanzen gehen will und leider von einer Bombe zerrissen wird. Dagegen darf man was haben, finde ich (selbst wenn`s ein pickeliger Junge ist).
Unnötig zu erwähnen: auch die Palästinenser sind keine bösen Menschen, was soll ein kleiner Junge davon halten, wenn vor seinen Augen seine halbe Familie ausgelöscht wird und anschließend Bulldozer sein Elternhaus platt machen?
Von dem verzweifelten 11jährigen erwarte ich nun wirklich keine differenzierte politische Bewertung und wenn der Rache schwört und praktiziert, wer kann das nicht verstehen?
Eine Pikanterie dabei ist freilich, dass der Tod von Frauen und Kindern nicht in allen Teilen der Welt gleich bewertet wird.
Wie man dem Irrsinn ein Ende setzt? Gar nicht. Das ist die bittere Wahrheit, wenn an Heinsohns youth bulge These auch nur ein Körnchen Wahrheit ist und es spricht mehr dafür, als dagegen.
Wenn Du eine Lösung weißt...
Gruß,
Carsten
die formulierung liegt doch wohl völlig daneben.
ie Amis haben den youth bulge analysiert und haben sich die Frage gestellt? Ist er gefährlich oder nicht? Die Antwort war: ja.Sie haben sich die Frage gestellt: Ist er zu verhindern? Die Antwort war: nein. Sie haben sich die Frage gestellt: Führt er zwingend zu Gewalt? Die Antwort war: ja. Den Rest überlasse ich der Phantasie des Lesers und wenn man nicht vorurteilsbehaftet davon ausgeht, die Amis hätten einfach Spaß daran die Welt mit Krieg zu überziehen und ein paar neue Ölquellen für sich einzuheimsen, wie die Reporter hier ja sehr genau wissen, dann steht man vor einem Dilemma.