Bildung und Bildungsreform

Friedhelm
ich habe gerade einen Neujahrsbrief an das größte deutsche Bildungsinstitut geschickt "ils GmbH" und würde gerne Eure Kommentare dazu hören:

betr.: Lernsysteme


Verehrter Herr Karsten,


Vorweg meine besten Wünsche fürs Neue Jahr 2007!

ich bekomme nun seit Jahren freundlicher Weise Ihre Lehr- bzw. Lernangebote und schreibe Ihnen diesen Brief als Dankeschön.
Fast mit Neid sehe ich das große Fachwissen Ihres Institutes, geordnet in fast tausend Lehrgänge und sorgfältig unterteilt noch in das Vielfache klar durchdachter und umrissener Prüfsegmente.

An Ihrem Gesamtauftritt möchte ich dennoch zwei Kritikpunkte äußern, deren Topik durchaus veränderbar sind.
1. Trotz Ihres Angebots, den Studenten pädagogisch zu beraten und zu betreuen, ist die Didaktik selbst kaum ein Thema. Wie lerne ich das Lernen? Lernen durch Lehren. Infos http://de.wikipedia.org/wiki/Lernen_durch_Lehren.

2. Statt in erster Linie Geld zu fordern, sollten Sie das Studium als Arbeitsplatz anbieten und jedem Studenten ein Gehalt zahlen, von dem er leben kann. Angesichts der europäischen Schultradition mag Ihnen dies verrückt oder utopisch vorkommen, - ist jedoch nur eine Frage der Logistik und Organisation. Angesichts des weltweiten Bildungsmangels – z.B. 15 Millionen Straßenkinder ohne Schulbildung allein in Brasilien! kann man von einer weltweiten Nachfrage sprechen ohne ein entsprechendes Angebot.
Ihr Institut würde in kurzer Zeit das weltweit größte Unternehmen überhaupt.

Haben Sie keine Angst vor neuen Ideen!

auch hier allen
ganz herzlich
Friedhelm Schulz

PS. Die Frage "Wer soll das bezahlen?" . - nun ja, es muß so organisiert werden, daß es sich selbst bezahlt macht. Und das ist weniger kompliziert als ein Auto.
Florian
Mh, dann ist entweder ein Auto saumäßig kompliziert, dein Vergleich falsch oder ich zu doof gruebel
Friedhelm
Zitat:
Original von Florian
Mh, dann ist entweder ein Auto saumäßig kompliziert, dein Vergleich falsch oder ich zu doof gruebel


Hallo Florian, - - oder aber in der Idee neu und ungewohnt.

ein Auto ist sicher recht kompliziert, aber grundsätzlich - zumindest theoretisch doch machbar.
Florian
Zitat:
Hallo Florian, - - oder aber in der Idee neu und ungewohnt.


Das hab ich einfach mal mit ich zu doof gleichgesetzt. Freude
oui
Hi Friedhelm,

schick sowas Albernes bloß nicht ab! großes Grinsen

Zu Punkt 1:
Methodik ist in solch einem Prozeß nicht das Wichtigste- denn das ist und bleibt: Disziplin und Fleiß. Ja, klingt recht altbacken, ist im autodidaktischen Bereich aber unverzichtbar, selbst Talent o. Begabung werden ohne diese beiden keine reifen Früchte tragen.

Zu Punkt 2:
Dafür gibt´s doch das Bafög. Oder Stipendien.
Gehalt mit der Begründung der Logistik einzufordern ist doch...ein bissel bezugsverfehlt, um es nett auszudrücken.
Toschy
Zitat:
Original von Friedhelm
Zitat:
Original von Florian
Mh, dann ist entweder ein Auto saumäßig kompliziert, dein Vergleich falsch oder ich zu doof gruebel


Hallo Florian, - - oder aber in der Idee neu und ungewohnt.

ein Auto ist sicher recht kompliziert, aber grundsätzlich - zumindest theoretisch doch machbar.

"sicher... aber", "grundsätzlich", "zumindest", "theoretisch"... [IRONIE]du scheinst ja sehr überzeugt zu sein von deiner Idee...[/IRONIE]


großes Grinsen
Friedhelm
Zitat:
Original von Florian
Zitat:
Hallo Florian, - - oder aber in der Idee neu und ungewohnt.


Das hab ich einfach mal mit ich zu doof gleichgesetzt. Freude


Hallo Florian,
Nun, ein Automobil, das sich selbst antreibt, läßt sich eventuel auch ganz kurz und knapp beschreiben. Man braucht einen Karren auf Rädern und einen Motor, der die Räder dreht, statt daß diese von der Straße gedreht werden. Natürlich bedeutet das erstmal ein Umdenken, das für Philosophen wohl die Haupthürde jeder Realisation sein dürfte. - Leider.

In unserem Fall mal global und einfach und entsprechend grundsätzlich gesprochen: Die Maschinen übernehmen immer mehr die Arbeiten des Menschen und verdienen damit das Geld, um die Menschen für die Wartung und Weiterentwicklung der Maschinen auszubilden, und, um mit der Freizeit mental fertigzuwerden.

ganz herzlich
Friedhelm
Friedhelm
Zitat:
Original von oui
Hi Friedhelm,

schick sowas Albernes bloß nicht ab! großes Grinsen


Freude wahrscheinlich ein guter Rat!

Zitat:

Zu Punkt 1:
Methodik ist in solch einem Prozeß nicht das Wichtigste- denn das ist und bleibt: Disziplin und Fleiß. Ja, klingt recht altbacken, ist im autodidaktischen Bereich aber unverzichtbar, selbst Talent o. Begabung werden ohne diese beiden keine reifen Früchte tragen.


Nun, ein Kind, ein Kleinkind! lernt sicher 100 mal mehr in fünf Jahren, als ein Student in 5 Jahren, - und zwar spielerisch. Ist doch ein berechtigter Einwand, oder?

Zitat:

Zu Punkt 2:
Dafür gibt´s doch das Bafög. Oder Stipendien.
Gehalt mit der Begründung der Logistik einzufordern ist doch...ein bissel bezugsverfehlt, um es nett auszudrücken.


Will ich ja auch gar nicht ändern, und ist ja auch gut.
Nun ist trotzdem Bildungmangel, Blödheit weltweit ohne Zweifel das größte Übel, ist Grund für Kriege und Hungersnöte und Arbeitslosigkeit, und wenn ich sehe, daß diesem Mangel, den ich mal als Nachfrage bezeichnen will, kein lukratives entsprechendes Angebot entgegensteht, auch nicht vom Staat her, obwohl Bildung zu den Menschenrechten gehört, und wenn ich einem Privatunternehmen vorschlage und verspreche, damit dickes Geld zu verdienen, wenn er dem Studierenden ein Gehalt bezahlt, ist das doch eigentlich realistisch!

Gruß
Friedhelm
Katrin
@Friedhelm

Ich überlege gerade, wie ich Friedhelm mit Frederick verwechseln kann.


Öhm, deine Idee ist amüsant. Die Folge wären noch mehr Studenten in sinnlosen Studiengängen wie Pädagogik, Geschichte, Philo, KW, PW, EW ect., die kein Mensch braucht. Mir wärs ja egal, aber wer soll den Quatsch denn bezahlen... willst du das übernehmen?

Ist sogar so, daß 80% aller Studenten ihre Zeit verschwenden, weil sie mit dem Studium entweder direkt in die Arbeitslosigkeit wandern oder bestenfalls als Praktikant oder Taxifahrer enden.




@Oui

Zitat:
Methodik ist in solch einem Prozeß nicht das Wichtigste- denn das ist und bleibt: Disziplin und Fleiß. Ja, klingt recht altbacken, ist im autodidaktischen Bereich aber unverzichtbar, selbst Talent o. Begabung werden ohne diese beiden keine reifen Früchte tragen.


Lustig finde ich, wenn mir ein Fleißiger ständig erzählt, wie wichtig doch Fleiß und Disziplin sind, während ein Talentierter ständig auf sein Talent pocht... wie selten sind doch passende Kombinationen aus beidem!
Die Fleißigen stellen irgendwann fest, nachdem sie Jahre hart gearbeitet haben, daß sie immer noch nicht weiter sind als am Anfang, daran gehen sie ein.
Die Talentierten sind schnell fertig und versuchen nun, ihr tolles Ergebnis unter die Leute zu bringen, was die natürlich kalt läßt, daran gehen sie ein.

Man kann noch so fleißig sein, ohne Talent ist alles nichts. Aber das weißt du ja.
Florian
@ Friedhelm:
Ich sehe das ähnlich wie Katrin, jeder würde einfach mal ein Studium in irgendeinem Fach beginnen, denn er kriegt ja Geld dafür. Und wenn er mit diesem Studium durch ist, dann macht er halt noch jenes...
Du sagst doch, dass es Möglichkeiten gibt, das zu finanzieren, dass es sich für diese Privatorganisation lohnt, dann schreib doch bitte, wie du dir das vorstellst, denn mir ist das nicht so ganz klar...
carsten aus bochum
Hi Katrin und alle,

Zitat:
Öhm, deine Idee ist amüsant. Die Folge wären noch mehr Studenten in sinnlosen Studiengängen wie Pädagogik, Geschichte, Philo, KW, PW, EW ect., die kein Mensch braucht.


Und das in `nen Philoforum, Du hast wirklich Talent Dich beliebt zu machen. Zwinker

Egal, Bildung an sich ist auch schon gut, man lebt einfach besser wenn man nicht saudumm ist, die andere Seite ist eher eine volkswirtschaftliche.

Wenn wir nicht nur instinktmotiviert durchs Leben wabern wollen, bin ich auf jeden Fall für mehr Bildung.

Für lau sehe ich auch kritisch, mache Privatunis fahren genau den entgegengesetzten Kurs, sauteuer aber gut und effektiv.

Unterm Strich: wer wirklich will, muss sollen dürfen, finde ich.

Gruß,

Carsten
Katrin
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Hi Katrin und alle,

Zitat:
Öhm, deine Idee ist amüsant. Die Folge wären noch mehr Studenten in sinnlosen Studiengängen wie Pädagogik, Geschichte, Philo, KW, PW, EW ect., die kein Mensch braucht.


Und das in `nen Philoforum, Du hast wirklich Talent Dich beliebt zu machen. Zwinker

Egal, Bildung an sich ist auch schon gut, man lebt einfach besser wenn man nicht saudumm ist, die andere Seite ist eher eine volkswirtschaftliche.

Wenn wir nicht nur instinktmotiviert durchs Leben wabern wollen, bin ich auf jeden Fall für mehr Bildung.

Für lau sehe ich auch kritisch, mache Privatunis fahren genau den entgegengesetzten Kurs, sauteuer aber gut und effektiv.

Unterm Strich: wer wirklich will, muss sollen dürfen, finde ich.

Gruß,

Carsten


Ja ich war schon immer sehr beliebt! Gut !


Irgendwie bist du Kommunist, ich weiß auch nicht. Ich meine, ich wäre auch lieber 10m groß und könnte fliegen, aber wir leben nun mal in einer Realität, die wir akzeptieren müssen, auch wenn uns das gar nicht so gefällt.

Was willst du denn mit 1 Mio Leuten anfangen, die außer von Kant und Co von nix ne Ahnung haben?
Ist ja ok, wenn die in ihrer Freizeit Kant büffeln, aber nicht auf Kosten des Staates.

Ansonsten hab ich Zweifel, ob Kluge wirklich glücklicher sind.
Friedhelm
Zitat:
Original von Katrin
@Friedhelm

Ich überlege gerade, wie ich Friedhelm mit Frederick verwechseln kann.


Öhm, deine Idee ist amüsant. Die Folge wären noch mehr Studenten in sinnlosen Studiengängen wie Pädagogik, Geschichte, Philo, KW, PW, EW ect., die kein Mensch braucht. Mir wärs ja egal, aber wer soll den Quatsch denn bezahlen... willst du das übernehmen?

Ist sogar so, daß 80% aller Studenten ihre Zeit verschwenden, weil sie mit dem Studium entweder direkt in die Arbeitslosigkeit wandern oder bestenfalls als Praktikant oder Taxifahrer enden.



Hallo Katrin,
ich finde, lebenslang Lernen ist immer gut. Und wenn man auch noch davon leben kann, was kann dabei schlecht sein? In der Forschung geschieht dies ohnehin heute schon, - allerdings nur für sehr wenige finanzierbar.



Zitat:

@Oui

Zitat:
Methodik ist in solch einem Prozeß nicht das Wichtigste- denn das ist und bleibt: Disziplin und Fleiß. Ja, klingt recht altbacken, ist im autodidaktischen Bereich aber unverzichtbar, selbst Talent o. Begabung werden ohne diese beiden keine reifen Früchte tragen.


Lustig finde ich, wenn mir ein Fleißiger ständig erzählt, wie wichtig doch Fleiß und Disziplin sind, während ein Talentierter ständig auf sein Talent pocht... wie selten sind doch passende Kombinationen aus beidem!
Die Fleißigen stellen irgendwann fest, nachdem sie Jahre hart gearbeitet haben, daß sie immer noch nicht weiter sind als am Anfang, daran gehen sie ein.
Die Talentierten sind schnell fertig und versuchen nun, ihr tolles Ergebnis unter die Leute zu bringen, was die natürlich kalt läßt, daran gehen sie ein.

Man kann noch so fleißig sein, ohne Talent ist alles nichts. Aber das weißt du ja.


Klar, ein Kind lernt in seinen ersten 5 Lebensjahren 100mal mehr, als ein Student in 10 Jahren, - und zwar spielend.

ganz herzlich
Friedhelm
Friedhelm
Zitat:
Original von Florian
@ Friedhelm:
Ich sehe das ähnlich wie Katrin, jeder würde einfach mal ein Studium in irgendeinem Fach beginnen, denn er kriegt ja Geld dafür. Und wenn er mit diesem Studium durch ist, dann macht er halt noch jenes...
Du sagst doch, dass es Möglichkeiten gibt, das zu finanzieren, dass es sich für diese Privatorganisation lohnt, dann schreib doch bitte, wie du dir das vorstellst, denn mir ist das nicht so ganz klar...



Hallo Florian,
ich habe Katrin eigentlich schon geantwortet. Die Finasnzierung. Ein weltbekannter Volkswirtschaftler aus den USA erzählte irgndwo - etwas polemisch und europaverliebt - (Rifkin), daß man in den USA langsam dazu übrginge, Abeitslose einfach ins Gefängnis zu stecken, was doppel or dreifach so teuer sei, als würde man ihnen die deutsche Sozialhilfe bezahlen.
Laß mich das Problem des Umdenkens mal etwas sarkastisch formulieren:

Vor nicht so langer Zeit - als es noch keine Automobile gab - unterhielt ich mich mit einem Dorfschmied. Ich zeigte auf einen vorbeifahrenden Leiterwagen: "Siehst Du, Michel, die Räder von diesem Karren werden von der Erde, von der Straße gedreht. In Zukunft wird es einmal umgekehrt sein, da werden die Räder vom Karren aus gedreht, und dann wird die Erde unter dem Karren weiterbewegt, - vom Karren aus gesehen."
Michel schaute mich besorgt an, ob es mir auch gut gehe. Dann schüttelte er väterlich seinen Kopf, klopfte mir auf die Schulter:
"Mein lieber Friedhelm, die Erde steht fest, und du wirst sie nicht drehen und kein Karren der Welt. Du kannst die Welt nicht auf den Kopf stellen. Niemand kann das."
Und damit endete unser Gespräch, und ich war dort in der Schmiede der Clown und Depp für viele, viele Jahre.
Umdenken ist halt schwer manchmal.

Die Maschinen übernehmen längst hr viel und immer mehr von all der mühevollen Arbeit, für die es genügte, mal gerade Lesen, Schreiben und Rechnen zu können. Heute verdienen die Maschinen das Geld, - solange es noch jemand gibt, der die Produkte kaufen kann. Wenn die Maschinen alle Arbeit übernehmen - jetzt wieder sarkastisch - und kein Mensch mehr arbeiten braucht und kein Mensch mehr Geld hat, die Waren zu kaufen, schalten sich die Maschinen von selbst aus, und die Menschheit verhungert. - weil sie zu blöd ist, das logistische Problem zu lösen.
Deswegen eben rechtzeitig Bildung!winken
ganz herzlich
Friedhelm
Shui
Zitat:
und kein Mensch mehr arbeiten braucht und kein Mensch mehr Geld hat, die Waren zu kaufen, schalten sich die Maschinen von selbst aus, und die Menschheit verhungert

Das ist genau genommen falsch... es würde über kurz oder lang eine Art Kreislauf entstehen.
Den Fakt ist, eine Maschine kostet nicht weniger als eine Arbeitskraft, sie kostet nur „anders“.
Ein Mensch kostet wenig Anlagen und damit wenig fixe Kosten, dafür natürlich Lohn. Eine Maschine kostet umgekehrt (freilich muss jemand drauf aufpassen). Nun verursacht die Maschine hauptsächlich fixe Kosten (Strom usw.-) die sich kaum bis gar nicht bei großen Produktionszahlen ändern. Je Produkteinheit nehmen die Kosten also ab, während sie beim Arbeiter gleich bleiben, da er/sie ja nicht für weniger Geld arbeitet, wenn mehr produziert wird.

So, wenn nun kein Mensch mehr Arbeit hat und nichts mehr kaufen kann, müssten die Maschinen wieder durch die Arbeiter ersetzt werden, weil die bei geringen Produktionszahlen aufgrund der geringen fixen Kosten günstiger sind. Dann hätten sie wieder Arbeit, mehr Leute kaufen, Produktionszahlen steigen und die Arbeiter werden wieder durch Maschinen ersetzt...


Achso, ich versteh immer noch nicht, woher die ILS jetzt das Geld nehmen soll?
Klar, einst haben Pferde Wagen angetrieben, heute sind es Pferdestärkern.
Diese Metapher bringt uns reichlich wenig weiter glaube ich. Denn die zentrale Frage lautet nicht „Wieso sind wir zu dämlich uns das vor zu stellen?“ sondern (man beachte) „Wie könnte die ILS konkret es finanzieren, ihren Studenten Geld zu bezahlen, statt Geld zu verlangen?“
Und jetzt bitte nichts mit Pferden, sondern einen konkreten Finanzierungsplan oder wenigstens eine klare Erläuterung, woher des Geld kommt, wenn nicht von den Studenten. Denn wir reden immer noch von einem Unternehmen, nicht von einem Staat.


Mit freundlichen Grüßen Shui
carsten aus bochum
Hi zusammen,


@ Katrin:

Zitat:
Irgendwie bist du Kommunist, ich weiß auch nicht.


Den Vorwurf höre ich wirklich nicht so oft, hat was. Freude

Zitat:
"Ich meine, ich wäre auch lieber 10m groß und könnte fliegen, aber wir leben nun mal in einer Realität, die wir akzeptieren müssen, auch wenn uns das gar nicht so gefällt."


Da habe ich keinen Einspruch.

Zitat:
"Was willst du denn mit 1 Mio Leuten anfangen, die außer von Kant und Co von nix ne Ahnung haben?"


Man kann Philosophen ja viel untertstellen, aber das sie generell lebensuntüchtig sind halte ich schlicht für ein Gerücht.
Das unsere Gesellschaft auf Philosophie wenig wert legt, weil dadurch keine Häuser gebaut werden, ist eine andere Sache, aber nicht das Problem der Philosophen.

Wenn das Haus gebaut ist, will man ja auch noch was machen und immer Sex und Essen ist auf dauer anstrengend, oder?

Sagt Dir Maslows Bedürfnisshierarchie was?

Zitat:
"Ist ja ok, wenn die in ihrer Freizeit Kant büffeln, aber nicht auf Kosten des Staates."


Das klingt viel eher kommunistisch, wenn Du mich fragst, aber man muss es nicht in diese groben Kategorien pressen.

Zitat:
"Ansonsten hab ich Zweifel, ob Kluge wirklich glücklicher sind."


Warum das? Beneidest Du den braven Proleten, der rechtschaffen Häusle baut, Bier trinkt und seine Frau beglückt?

Vergiss das, die haben Probleme, die Du gar nicht haben willst.


@ Friedhelm:

Das mit dem Lernen in den ersten Lebensjahren würde ich nicht so überstrapazieren, ist natürlich was dran, aber erstens ist die Frage von wo die Kinder starten, da ist es wie mit dem Wirtschaftswachstum, 1000% Wachstumsraten kriegst Du vielleicht in der Elfenbeinküste hin.
Zweitens, ist das Wissen der Kinder sehr grundlegend, viel aber nicht sehr komplex.

Die Chinesen versuchen zwar den Kindern schon sehr früh, sehr viel beizubringen, ob das unterm Strich von Vorteil sein wird, ich habe da meine Zweifel.

Gruß,

Carsten
Friedhelm
Zitat:
Original von Shui
[QUOTE]

So, wenn nun kein Mensch mehr Arbeit hat und nichts mehr kaufen kann, müssten die Maschinen wieder durch die Arbeiter ersetzt werden, weil die bei geringen Produktionszahlen aufgrund der geringen fixen Kosten günstiger sind. Dann hätten sie wieder Arbeit, mehr Leute kaufen, Produktionszahlen steigen und die Arbeiter werden wieder durch Maschinen ersetzt...


Du meinst,
daß sich jeder, so wie 1945 nach dem Krieg in Berlin, irgendwo im Tiergarten einen eigenen kleinen Garten anlegt? Sicher, einige würden überleben. Es war aber nur bildlich von mir gemeint. Der Geldkreislauf muß funktionieren, der Rubel muß rollen.

Zitat:

Achso, ich versteh immer noch nicht, woher die ILS jetzt das Geld nehmen soll?
Klar, einst haben Pferde Wagen angetrieben, heute sind es Pferdestärkern.
Diese Metapher bringt uns reichlich wenig weiter glaube ich. Denn die zentrale Frage lautet nicht „Wieso sind wir zu dämlich uns das vor zu stellen?“ sondern (man beachte) „Wie könnte die ILS konkret es finanzieren, ihren Studenten Geld zu bezahlen, statt Geld zu verlangen?“
Und jetzt bitte nichts mit Pferden, sondern einen konkreten Finanzierungsplan oder wenigstens eine klare Erläuterung, woher des Geld kommt, wenn nicht von den Studenten. Denn wir reden immer noch von einem Unternehmen, nicht von einem Staat.


Mit freundlichen Grüßen Shui


Hallo Shui,
Danke übrigens für Deine konkrete Frage, bzw. für Deine Frage nach der möglichen Konkretisierung.
Natürlich gibt es unterschiedliche Wege und Möglichkeiten der Realisation und Finanzierung, denen die Verbindung von Lehre, Lernen und Anwendung gemeinsam sein dürfte, was übrigens im Ansatz bereits an vielen Stellen unserer Volkswirtschaft seit langem Realität ist, wie in unserem zweigliedrigen Bildungssystem der Meister oder Professor den Gesellen oder Meisterschüler, und der Geselle den Lehrling unterrichtet, oder sei es die innerbetriebliche Forschung oder Weiterbildung, was sich durch die höhere Qualität der Produkte und durch neue Ideen und Innovationen bezahlt macht.
Natürlich würde sich die Sozial- und Qualifizierungsstruktur eines solchen Polytechnikums ziemlich von der Struktur staatlicher Universitäten unterscheiden - wie der Eselskarren vom Auto. Qualifikationsstufen lägen näher beisammen, wären leichter kompatibel. Man kann jederzeit ein- oder austreten, ohne damit einen Makel im Lebenslauf zu verursachen. Ein solches Bildungsinstitut muß Firmen gründen oder aufkaufen und entsprechend profitabel betreiben und je nach Bedarf auch verkaufen. Der Studierende ist also auch Lehrer, Geselle, Arbeiter je nach erreichter Qualifikation, insgesamt also Arbeitnehmer. Mit einem besseren Status und Gehalt jedenfalls, als es Hartz IV oder Sozialamt bieten kann.
Die Eigenfinanzierung schließt staatliche Zuschüsse ja nicht aus.
Obwohl einst Bahn und Post die Musterbetriebe in der Hand des Staates waren, glaube ich nicht, dass heute so ein schwerfälliges Monstrum wie ein Ministerium derartiges realisieren und effektiv betreiben könnte.
Aber der Staat könnte es fördern, da ja die eigentliche Zielgruppe das weltweit am stärksten wachsende sog. Prekariat ist.

Ausgelassen habe ich bei dieser Skizze die anderen Aspekte wie Pädagogik, Didaktik, werbung, Führungsstruktur, Medien, Sozialstruktur, Prüfungs- und Testmethoden, Lehrmaterial, Lehrorganisation und die Kompatibilität zu bestehenden reinen Bildungseinrichtungen usw.

ganz herzlich erstmal
Friedhelm
Friedhelm
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Hi zusammen,



@ Friedhelm:

Das mit dem Lernen in den ersten Lebensjahren würde ich nicht so überstrapazieren, ist natürlich was dran, aber erstens ist die Frage von wo die Kinder starten, da ist es wie mit dem Wirtschaftswachstum, 1000% Wachstumsraten kriegst Du vielleicht in der Elfenbeinküste hin.
Zweitens, ist das Wissen der Kinder sehr grundlegend, viel aber nicht sehr komplex.

Die Chinesen versuchen zwar den Kindern schon sehr früh, sehr viel beizubringen, ob das unterm Strich von Vorteil sein wird, ich habe da meine Zweifel.

Gruß,

Carsten


Hallo Carsten,
klar, der Vorgang von Adaption und Sozialisation ist beim Kleinkind ein anderer als beim regelrechten Vokabelbüffeln. Leider gibt es kein Smilie für einen Büffel,Freude der ständig geprügelt wird.
Ich habe mir gestern im Phönix - ganz zufällig - nochmal die schöne Vortragsreihe der Adenauerstiftung über die Kultur des Erinnerns und Vergessens angehört.
http://www.kas.de/veranstaltungen/2006/22975_veranstalt
ung.html

Nietzsche wurde sehr oft zitiert.
Was mir dabei klar wurde, ist, daß bei allen Bildungs- und Lerndebatten der Aspekt der geistigen Konditionierung schlicht ausgeblendet oder übersehen wird, - was sich übrigens beim Kleinkind durch die beim Lernen entstehende zerebrale Vernetzung regelrecht beobachten und "beweisen" läßt.

Gruß
Friedhelm
Shui
Zitat:
Du meinst,
daß sich jeder, so wie 1945 nach dem Krieg in Berlin, irgendwo im Tiergarten einen eigenen kleinen Garten anlegt?

Nicht annähernd...
Ich sprach aus meinem bisherigen Schulwissen über ein simples 0-8-15 gewinnorientiertes Unternehmen, das natürlich den günstigsten Produktionsweg nutzen will.
Dieser ist bei geringen Produktionszahlen mit viel Arbeitskräften günstiger, bei hohen Produktionszahlen mit Maschinen.
Wenn nun die Kaufkraft der Bürger sinkt, muss das Unternehmen folglich wieder Arbeiter einstellen, weil die in der Situation nun mal günstiger wären.

Du sagst also, die ils müsste sich völlig neu strukturieren, also Unternehmen gründen/aufkaufen und die dadurch gezielten Gewinne an ihre Studierenden zahlen?
Ich erinnere nur mal an die Werbung, die schulische Bildungserfolge _neben dem Beruf_ ermöglichen will. Soll heißen, jemand der bei der ils einen Fernlehrgang macht, wird dies wohl neben einer anderen Tätigkeit machen, die ihm/ihr bereits Geld einbringt. So verstehe ich zu mindestens das System der ils. Sollten die nun Geld bezahlen, könnte man das als einfaches Nebeneinkommen verstehen von wegen „Mein Beruf bringt mir zu wenig, ich lass mich jetzt noch von der ils bezahlen und schmeiß die Bücher weg.“

Auch der Einwand, die ils könnte so zu einem der größten Unternehmen weltweit werden, sehe ich etwas anderes... Denn um das Angebot des bezahlten Studiums durchzusetzen, müsste sie dann nicht vorher schon zu mindestens ein sehr großes Unternehmen werden, um überhaupt die überschüssigen Gelder zu haben?

Es könnte natürlich funktionieren, wenn die ils plötzlich große Mengen an Gelder hat, mit denen sie problemlos andere Unternehmen aufkaufen könnte. Zwar würden sich diverse Instanzen in den Weg stellen, da die ils sich dadurch ja ein Monopol errichten könnte, was allgemein auf grund einer gewissen Marktfairness ungern gesehen wird. Und außerdem würde es enorme zusätzliche Verwaltungskosten verursachen, da die ils sich damit auf völlig unterschiedliche Berufszweige usw. ausweiten würde bla...
Anders gesagt, die idee ist utopisch, zumal man einen Fernlehrgang, wie der Name schon sagt, über die Ferne, also eine weite Strecke macht. Wie sollte der Studierende dann auch für die ils arbeiten?
Er kann ja dann nicht mal eben über 100km einen Schmiedehammer schwingen. Was natürlich so erst mal vorraussetzt, dass er/sie das nicht neben dem aktuellen beruf tun will, sondern kündigt und dann bei der ils anfängt.

Alles in allem finde ich die Idee eher utopisch und weder „einfacher als ein Auto“ noch auf mir bekannten Wegen umsetzbar...


Mit freundlichen Grüßen Shui
oui
Zitat:
Original von Friedhelm
Nun, ein Kind, ein Kleinkind! lernt sicher 100 mal mehr in fünf Jahren, als ein Student in 5 Jahren, - und zwar spielerisch. Ist doch ein berechtigter Einwand, oder?

Es lernt sogar in 3 Jahren mehr, als Ein Student in 10 Jahren.
Warum sollte diese Tatsache ein Einwand sein? Und wofür?
Das verstehe ich leider nicht.
Oder gibt es neue spielerische Ansätze des Lernens, wie z.B. integrale Knetmassenanalysis oder genexpressive Sandkastenmodule? großes Grinsen

Zitat:
Will ich ja auch gar nicht ändern, und ist ja auch gut.
Nun ist trotzdem Bildungmangel, Blödheit weltweit ohne Zweifel das größte Übel, ist Grund für Kriege und Hungersnöte und Arbeitslosigkeit,

Was sagst Du dazu, dass die meisten Staatsoberhäupter Rechts- o.Politikwissenschaften (z.B. China, Nordkorea, Russland, einige afrikanische Staaten) studiert haben? Bush hat immerhin Geschichte studiert, damit er das Datum der Bostoner Tea-Party behält. Ausnahme: Hitler. Er hatte weder Schulabschluß noch Berufsausbildung.

Zitat:
und wenn ich sehe, daß diesem Mangel, den ich mal als Nachfrage bezeichnen will, kein lukratives entsprechendes Angebot entgegensteht, auch nicht vom Staat her, obwohl Bildung zu den Menschenrechten gehört,

Neben dem kostenpflichtigen ils-Programm gibt es auch kostenlose staatl. Programme (Abitur), die von nur wenigen genutzt werden. --

Gibt es Deiner Ansicht nur Rechte, nicht auch Pflichten? Pflichten nicht als Zwang, sondern aus Liebe zu sich selbst seine Begabungen auch zu entfalten und einzusetzen.

Zitat:
und wenn ich einem Privatunternehmen vorschlage und verspreche, damit dickes Geld zu verdienen, wenn er dem Studierenden ein Gehalt bezahlt, ist das doch eigentlich realistisch!

Schlag´es doch mal Nestle vor, die haben Mars im Programm: ' Mars macht mobil, bei Arbeit ,Sport und Spiel!' Passender geht´s doch nicht.... *gggg

Ernsthaft:
Realistisch ist Deine Idee, bzw. Vorschlag, wenn Du ihn umsetzt. Und da liegt der Punctus knaktus im Konkreten:
Stell Dir vor, ich bekomme ab heute 100(000 = variabel *smile) € von ils.
Ich habe mir mal ils ausgesucht, da ich wenig Zeit habe, also berufstätig bin, 3 Männer habe, 3 Kinder, 3 Hunde und 4 Schwiegermütter.
Für ils könnte ich also keine lehrende Nebenbeitätigkeit ausüben, das Lernmaterial müsste erstklassig autodidaktisch aufbereitet sein, damit ich meine Zeit nicht noch mit Nebensächlichkeiten verplempere, im Grunde genommen meine Kernlernzeit- 'Wissens-Methodenaneignung' - das Wesentliche beinhaltet.

ils ist für mich nur Lieferant, Seviceerbringer ohne Gegenleistung (kann ich ja zeitlich nicht).

Gretchenfrage: Wie schafft ils das?
Bitte konkret antworten.
(In der Antwort dürfen keine Pferde,Maschinen, Glühbirnen, Marx und Engel, Adam Riese, Heino und Mehrwetsteuer vorkommen. Danke.)