Bildung und Bildungsreform

Friedhelm
Zitat:
Original von oui
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Original von Friedhelm
Nun, ein Kind, ein Kleinkind! lernt sicher 100 mal mehr in fünf Jahren, als ein Student in 5 Jahren, - und zwar spielerisch. Ist doch ein berechtigter Einwand, oder?

Es lernt sogar in 3 Jahren mehr, als Ein Student in 10 Jahren.
Warum sollte diese Tatsache ein Einwand sein? Und wofür?
Das verstehe ich leider nicht.
Oder gibt es neue spielerische Ansätze des Lernens, wie z.B. integrale Knetmassenanalysis oder genexpressive Sandkastenmodule? großes Grinsen


In diesem Fall war es nur ein Argument gegen das obern geäußerte Postulat "Lernen und Studieren sei eine Frage nur von Disziplin, Fleiß und Ordnung", - auf das Thema Didaktik und Mnemotechniken, Pädagogik und Sozialstrukturen in unseren Bildungssystem und beim Lernen überhaupt sind wir noch gar nicht eingegangen.
Zitat:



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Will ich ja auch gar nicht ändern, und ist ja auch gut.
Nun ist trotzdem Bildungmangel, Blödheit weltweit ohne Zweifel das größte Übel, ist Grund für Kriege und Hungersnöte und Arbeitslosigkeit,


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Was sagst Du dazu, dass die meisten Staatsoberhäupter Rechts- o.Politikwissenschaften (z.B. China, Nordkorea, Russland, einige afrikanische Staaten) studiert haben? Bush hat immerhin Geschichte studiert, damit er das Datum der Bostoner Tea-Party behält. Ausnahme: Hitler. Er hatte weder Schulabschluß noch Berufsausbildung.


Suchst Du Argumente gegen die vielen Vorteile einer vernünftigen Bildung? Ich sehe nur, daß die Entwicklung weltweit zwar komplizierter geworden ist, aber doch aufgrund der zunehmenden Allgemeinbildung - selbst in Tatschikistan - eine zivilisiertere Wirklichkeit darstellt, - als noch vor 100 Jahren, als noch mehr als 90% der Bevölkerung Analphabeten waren. Sicher, durch Bildung und Wohlstand wird man noch kein besserer Mensch, - aber beides erleichtert immerhin die Einsicht in den Komfort eines bestimmten Wertekodex, - wie z.B. Demokratie.

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und wenn ich sehe, daß diesem Mangel, den ich mal als Nachfrage bezeichnen will, kein lukratives entsprechendes Angebot entgegensteht, auch nicht vom Staat her, obwohl Bildung zu den Menschenrechten gehört,


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Neben dem kostenpflichtigen ils-Programm gibt es auch kostenlose staatl. Programme (Abitur), die von nur wenigen genutzt werden. --

Gibt es Deiner Ansicht nur Rechte, nicht auch Pflichten? Pflichten nicht als Zwang, sondern aus Liebe zu sich selbst seine Begabungen auch zu entfalten und einzusetzen.


Ich hatte eingangs des Threads auf die 15 Millionen Straßenkinder allein in Brasilien hingewiesen. (Ich glaube) die FAZ (Rifkin) veröffentlichte vergangene Woche, daß 2007 die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben wird, davon mehr als 50% in Slums. Letztere wissen wahrscheinlich nicht einmal, was ein Abitur ist, - und würden dennoch liebendgern bei ILS einen "Job" annehmen, - sie könnten ein Zimmer mieten, eine Familie gründen, Selbstachtung gewinnen - aber als Analphabeten wohl kaum zu einem Abendkurs für's Abitur tendieren.fröhlich (Ausnahmen bestätigen da sicher die Regel.)

Zitat:
und wenn ich einem Privatunternehmen vorschlage und verspreche, damit dickes Geld zu verdienen, wenn er dem Studierenden ein Gehalt bezahlt, ist das doch eigentlich realistisch!

Schlag´es doch mal Nestle vor, die haben Mars im Programm: ' Mars macht mobil, bei Arbeit ,Sport und Spiel!' Passender geht´s doch nicht.... *gggg

Ernsthaft:
Realistisch ist Deine Idee, bzw. Vorschlag, wenn Du ihn umsetzt. Und da liegt der Punctus knaktus im Konkreten:

Gretchenfrage: Wie schafft ils das?
Bitte konkret antworten.
(In der Antwort dürfen keine Pferde,Maschinen, Glühbirnen, Marx und Engel, Adam Riese, Heino und Mehrwetsteuer vorkommen. Danke.)


Danke erstmal für die konkrete Frage nach konkreten Möglichkeiten einer Realisierung.
Da gibt es sicher verschiedene Möglichkeiten und Wege, und es ist zu hoffen, daß es irgendwann auch entsprechend unterschiedliche Konzepte und Angebote geben wird, unter denen man nach Gustus wählen kann.
Gehen wir als ein Beispiel von Deutschland aus, - obwohl derartig Neues wohl eher in den USA oder Indien denkbar ist.
Hier in Deutschland machen jährlich etwa 30 000 Firmen Pleite, weil ihre Chefs zu blöd sind, sich rechtzeitig auf neue Verhältnisse einzustellen oder nicht wirtschaften können. Für wenige Euros kauft ILS z.B. eine solche Firma auf, - die z.B. Tapeten herstellt. Jetzt besitzt ILS das Knowhow (hoffe ich wenigstens :-)), eine solche Firma wieder flott zu machen. Die alte oder eine neue Belegschaft, Techniker, Graphiker, Chemiker, Buchhalter, Hilfsarbeiter usw., die einen Vertrag mit ILS eingehen will, wird getestet auf Fähigkeiten, Begabung und Bildungsstand. Man arbeitet 4 Stunden und 4 Stunden unterrichtet man (bzw. lernt andere an - ganz betriebsbezogen) und man läßt sich unterrichten oder anlernen. Wer nicht Lesen, Schreiben und Rechnen kann (z.B. als Ausländer) aber handwerklich schon eingearbeiten und entsprechend handwerklich begabt bzw anstellig und erfahren ist, fängt mit seinem theoretischen Unterricht ganz Unten an, im Praktischen kann er auf einer ihm entsprechenden Ebene arbeiten und andere anlernen.
Ob sich Theorie und Praxis nun täglich oder wöchentlich oder monatlich auf je 50% teilt, liegt womöglich am jeweiligen Arbeitsplatz. Wer wen wo und wann unterrichtet, bzw. beim Lernen begleitet, anleitet und am Ende einer Lerneinheit prüft , bzw entsprechend angeleitet und geprüft wird, muß und kann natürlich klar geregelt sein. Mit der kontinuierlich wachsenden Qualifikation der ganzen Belegschaft steigt entsprechend auch die Möglichkeit neue Produkte herzustellen.
Ohne Komputer wäre dies natürlich kaum realisierbar.

In Afrika und auch in Indien gibt es derartige Modelle schon seit einiger Zeit, wo jeder jeden anleitet, und wo man die erzeugten Waren auch gemeinsam vermarktet.

ganz herzlich
Friedhelm
Friedhelm
Zitat:
Original von Shui


Es könnte natürlich funktionieren, wenn die ils plötzlich große Mengen an Gelder hat, mit denen sie problemlos andere Unternehmen aufkaufen könnte. Zwar würden sich diverse Instanzen in den Weg stellen, da die ils sich dadurch ja ein Monopol errichten könnte, was allgemein auf grund einer gewissen Marktfairness ungern gesehen wird. Und außerdem würde es enorme zusätzliche Verwaltungskosten verursachen, da die ils sich damit auf völlig unterschiedliche Berufszweige usw. ausweiten würde bla...
Anders gesagt, die idee ist utopisch, zumal man einen Fernlehrgang, wie der Name schon sagt, über die Ferne, also eine weite Strecke macht. Wie sollte der Studierende dann auch für die ils arbeiten?
Er kann ja dann nicht mal eben über 100km einen Schmiedehammer schwingen. Was natürlich so erst mal vorraussetzt, dass er/sie das nicht neben dem aktuellen beruf tun will, sondern kündigt und dann bei der ils anfängt.

Alles in allem finde ich die Idee eher utopisch und weder „einfacher als ein Auto“ noch auf mir bekannten Wegen umsetzbar...


Mit freundlichen Grüßen Shui


Hallo Shui,
Wenn ich Dir vor 30 Jahren eine Idee wie z.B. Homekomputer, Internet, Wikipedia oder sowas wie ein Philo-Forum vorgestellt hätte, wären Deine Einwände sicher ganz ähnlich gewesen.
Ich habe vergangenes Jahr eine Freundin überreden wollen, ihre vielen weltanschaulichen Texte im Internet vorzustellen, - und habe ihr einen Komputer geschenkt und angeschlossen, ihr eine Webseite eingerichtet.
Sie hat seitdem jedoch nur Argumente gesammelt gegen das Internet. (ich will sie nicht alle aufzählen.)
Als ich ihr zeigen wollte, wie man mit der Maus einen Doppelklick macht, um ein Dokument zu öffnet, fand sie dies derart lächerlich - angesichts der großen philosophischen Theorien ihrer Texte - daß sie seitdem den Komputer nie mehr benutzt hat.

Da kann man nichts machen; wo kein Wille ist, ist auch kein Weg.

ganz herzlich
Friedhelm
carsten aus bochum
Hi oui und Friedhelm,

die Idee hinter der Idee ist doch, dass Bildung wieder als ein Gut erkannt wird, breiten Schichten zugänglich sein soll und man nicht früh genug damit anfangen kann, wenn ich es richtig verstehe.

Ich glaube das alles auch, dass ils das schafft (oder kann, oder soll) da bin auch skeptisch.

Zunächst muss eine Erkenntnis in den Köpfen unserer geschätzten StaatslenkerInnen her.

Ich glaube, doofe Leute sind unterm Strich teurer, weil sie sich krank fressen und auch sonst selbst in Probleme bringen.

Doof ist teuer.

Irgendso eine griffige Formel braucht die Politik ja offenbar und die kann man auch dem Volk vermitteln, per BamS und Glotze.


Ansonsten muss es sich in der Tat lohnen was zu tun, d.h. finanziell belohnt werden, denn dann können die, die doof geboren sind, durch Fleiß eine Menge kompensieren.

Das kann man leicht hinkriegen, wenn man will.

Die 1,5 Regel besagt, dass Menschen dann beginnen zu arbeiten, wenn man ihnen das 1,5 fache dessen gibt, was sie aus den Sozialsystemen erhalten, ansonsten nicht.

Mein Vorschlag wäre, Arbeit attraktiver und Sozialhilfe wesentlich unattraktiver zu machen.

Die, die nicht können, denen muss man helfen, die, die nicht wollen, sollen Fernseher, Essensmarken und medizinischen Versorgung bekommen und ein kleines Taschengeld.

Ansonsten brechen wir unter einer Einwanderung in die Sozialsysteme bald zusammen, wohingegen wir Einwanderung im großen Stil brauchen.

Neben der Bildung halte ich die Vermittlung von Grundwerten für wichtig, was auch am besten über gesellschaftliche Konsens geht, gepusht durch Massenmedien.

Etwas tun zu dürfen, auch für andere, hebt das soziale Ansehen und kann auch Spaß machen. Ein Beispiel.

Generell bin ich natürlich für angemessene Bezahlung, d.h. gegen Dumpinglöhne und dafür, dass der Beruf Berufung ist (also man eben nicht jeden Schwachsinn annehmen muss).

Je mehr Machbares man macht, umso mehr Wünschenswertes wird ermöglicht.

Gruß,

Carsten
oui
Zitat:
Original von Friedhelm
Ich hatte eingangs des Threads auf die 15 Millionen Straßenkinder allein in Brasilien hingewiesen. (Ich glaube) die FAZ (Rifkin) veröffentlichte vergangene Woche, daß 2007 die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben wird, davon mehr als 50% in Slums. Letztere wissen wahrscheinlich nicht einmal, was ein Abitur ist, - und würden dennoch liebendgern bei ILS einen "Job" annehmen, - sie könnten ein Zimmer mieten, eine Familie gründen, Selbstachtung gewinnen - aber als Analphabeten wohl kaum zu einem Abendkurs für's Abitur tendieren.fröhlich (Ausnahmen bestätigen da sicher die Regel.)

Wenn Du an solche Projekte denkst, frage ich mich, warum Du Dir dafür ils auserkoren hast und nicht die in Geld schwimmenden Fußballclubs an der Copacabana?
Wenn jeder Spieler eine Schule eröffnen würde, anstatt sich den 10. Lamborghini in das 3. Untergeschoss seiner Villa zu stellen, wäre doch schon einiges getan.
Wird Zeit, neue Briefe aufzusetzen.


Zitat:

Da gibt es sicher verschiedene Möglichkeiten und Wege, und es ist zu hoffen, daß es irgendwann auch entsprechend unterschiedliche Konzepte und Angebote geben wird, unter denen man nach Gustus wählen kann.
Gehen wir als ein Beispiel von Deutschland aus, - obwohl derartig Neues wohl eher in den USA oder Indien denkbar ist.
Hier in Deutschland machen jährlich etwa 30 000 Firmen Pleite, weil ihre Chefs zu blöd sind, sich rechtzeitig auf neue Verhältnisse einzustellen oder nicht wirtschaften können. Für wenige Euros kauft ILS z.B. eine solche Firma auf, - die z.B. Tapeten herstellt. Jetzt besitzt ILS das Knowhow (hoffe ich wenigstens :-)), eine solche Firma wieder flott zu machen. Die alte oder eine neue Belegschaft, Techniker, Graphiker, Chemiker, Buchhalter, Hilfsarbeiter usw., die einen Vertrag mit ILS eingehen will, wird getestet auf Fähigkeiten, Begabung und Bildungsstand. Man arbeitet 4 Stunden und 4 Stunden unterrichtet man (bzw. lernt andere an - ganz betriebsbezogen) und man läßt sich unterrichten oder anlernen. Wer nicht Lesen, Schreiben und Rechnen kann (z.B. als Ausländer) aber handwerklich schon eingearbeiten und entsprechend handwerklich begabt bzw anstellig und erfahren ist, fängt mit seinem theoretischen Unterricht ganz Unten an, im Praktischen kann er auf einer ihm entsprechenden Ebene arbeiten und andere anlernen.
Ob sich Theorie und Praxis nun täglich oder wöchentlich oder monatlich auf je 50% teilt, liegt womöglich am jeweiligen Arbeitsplatz. Wer wen wo und wann unterrichtet, bzw. beim Lernen begleitet, anleitet und am Ende einer Lerneinheit prüft , bzw entsprechend angeleitet und geprüft wird, muß und kann natürlich klar geregelt sein. Mit der kontinuierlich wachsenden Qualifikation der ganzen Belegschaft steigt entsprechend auch die Möglichkeit neue Produkte herzustellen.
Ohne Komputer wäre dies natürlich kaum realisierbar.

In Afrika und auch in Indien gibt es derartige Modelle schon seit einiger Zeit, wo jeder jeden anleitet, und wo man die erzeugten Waren auch gemeinsam vermarktet.
ganz herzlich
Friedhelm

Ich erkenne immer noch kein Finazierungskonzept.

Laien können Lehrer nicht ersetzen.
Ein Laie schüttelt sich nicht mal so eben einen AcI aus dem Ärmel oder auf die Wortpaarunterschiede im Englischen o. Infin. o. Gerundium, o. Partizip bei Adverbialsätzen usw.

Abgesehen davon, dass Du hier wieder ausgiebige Präsenzzeiten der Schüler einplanst, wodurch ich die Vermutung habe, dass Du gar nicht weißt, dass es bei ils bis auf die Prüfungstermine keine Präsenzzeiten gibt. Sag einfach Schule, damit gehts auch. --

Eine andere Idee, mit geringem Kostenaufwand zu unterrichten, wäre die praktizierte Idee mit den Gutscheinen (gibt es z.B. in USA u. Argentinien): Du bietest die Tätigkeit an, die Du gelernt hast und erhältst im Gegenzug die gleiche Anzahl an Stunden einer anderen Leistung. D.h. Du gibst 10 h Unterricht in der Woche und erhältst dafür 10 h Renovierungsarbeiten, da Du gerade Deine Wohnung streichen/tapezieren möchtest. Oder sparst Dir Deine Stunden auf, um Gutstunden im Alter zu haben, d.h. Dich jemand pflegen könnte oder für Dich einkaufen würde.
Natürlich könnte auch jemand, der z.B. pensioniert ist, ehrenamtlich unterrichten. 1 Fach 5 h die Woche. Wenn sich da einige zusammentun würden, käme eine komplette Unterrichtswoche für 1 Klasse zusammen.
oui
Hi cabo,

ich denke schon, dass hier in Deutschland (fast)alle Zugang zur Bildung haben.

Ein Problem ist, dass elementare Voraussezungen schon bei Schulanfängern fehlen: Fehlende Sprachkenntnisse bei ausländischen Mitbürgern, Sprachstörungen bei soundsoviel Prozent aller kids (monate-jahrelange Logopädiebehandlung- falls überhaupt!), motorische Auffälligkeiten, fehlende Sinnerfassung bei simplen Zusammenhängen usw.

Sind sie dann in der Schule, wird von den Lehrern neben dem Unterricht Erziehung gefordert, die im Elternhaus nicht stattgefunden hat. Primär geht es im Unterricht nicht um Buchstaben o. Zahlen, sondern- im harmlosesten Fall -darum, die Lautstärke in der Klasse zu mindern, nicht mitgebrachte Unterrichtsmaterialien o. Hefte anzumahnen. In HA-Heften ist ersichtlich, dass die meisten Eltern da gar nicht reingucken: Verschmiert, zerrissen, Einträge willkürlich.

Von diesem kleinen Ausschnitt ein Sprung zu denen, die es bis zum Studium geschafft haben, immerhin schaffen es 10% aller Schulabgänger bis hierher, währenddessen die Zahl derjenigen, die die Schule ohne jeglichen Abschluss verlassen bei 12 % (!) liegt.

Nach dem Studium stehen mittlerweile viele als ewige Praktikanten auf der Straße, sie müssen feststellen, dass sie am Bedarf vorbeistudiert haben. Naturwissenschaften sind u. werden gefragt sein, wofür sich allerdings bis auf die einfache Biologie wenige interessieren.

Und wieder ein Sprung zu denen, die bis auf die Pflichtschuljahre keine weitere Bildung wollen. Auch später als Erwachsene keine Bildung wollen.
Kannst Du Dir, cabo, erklären, warum nicht?
Wie willst Du denen Bildung als Gut vermitteln?
Ich glaube , dass der Großteil überhaupt nicht weiß, was Bildung ist.
Und daran hat unsere mittlerweile öffentliche Therapiegesellschaft einen großen Anteil.
Shui
Zitat:
Wenn ich Dir vor 30 Jahren eine Idee wie z.B. Homekomputer

Wenn du schon bei Neuerungen bist, Homecomputer (da Englisch).

Ansonsten hab ich schon mal geschrieben, mir ist reichlich egal aus welchem Grund auch immer ich zu dämlich bin mir das vor zu stellen.
Und wenn in meinem Kopf irgendwelche Verbindungen zwischen beiden Gehirnhälften fehlt, die mir erlauben würden ohne Taschenrechner den Tangens von 4.782.539.319° ohne groß nach zu denken aus dem Kopf zu sagen.
Du musst es mir nicht 3 oder gar 4 mal erläutern. Höchstens 2 mal, wenn ich es zwischendurch vergesse, habe ich aber bisher nicht.
Tatsächlich war das nie mein Problem. Und selbst wenn, so bin ich mir bewusst, dass die Möglichkeit besteht, dass es in einigen Jahren ganz normal sein werden könnte. Im Augenblick benutze ich eben noch das Pferd, aber ich bin sicherlich in der Lage, auch das Auto zu verstehen, wenn du es mir erklärst, um mal deine Metapher auf zu greifen.
Also: Ich weis dass ich offensichtlich auf einem Pferd hocke, dann erklär mir das Auto.

Zitat:
Da kann man nichts machen; wo kein Wille ist, ist auch kein Weg.

Das würde ich so nicht sagen...
Es gibt eine Geschichte, dass der Satz des Pythagoras gefunden wurde, als dem Herren Fließen herunter gefallen sind und teils so zerbrachen, dass er später beim improvisierten Zusammenlegen zufällig feststellte, dass eine zum 3eck gespaltene ein typisches Verhältnis von den Seiten zu den Umliegenden Bruchstücken hat. Damit fand er eine erstaunliche geometrische Eigenschaft, ohne den großen Willen, sie so zu entdecken.

Was deine Freundin anbelangt, laber sie doch mit philosophischen Fragen zu, bis sie den utilitaristischen Nutzen des Computers erkennt. Oder den Grund, warum ein Philosoph sich nicht den neuesten Entdeckungen verschließen sollte.
Einstein wurde auch bedeutungslos, als er begann eine „Weltformel“ zu finden und sich dabei von den (damals) neuesten Entdeckung des Mikrokosmos abwand. Am Ende seines Lebens erschien er auch nur noch ab und an in irgendwelchen Zeitschriften die behaupteten, er stünde kurz vor einem Durchbruch, den er nie errungen hat.

Und es bleibt die Frage offen, ob zig Leute mit 4h Arbeit und 4h Lehren und irgendwann auch mal 4h Lernen genug Geld zusammen kratzen, dass es auch noch einen Gewinn erzielt.
Schließlich beträgt die effektive Arbeitszeit nur 4h, während die Lehrstunden zwar schön anzusehen sind, aber die meisten Geldgeier sich irgendwelche Leute anlernen und damit auf andere mit besseren Abschlüssen verzichten.
Es gibt Berufe, in denen muss man nichts großartig lernen. Ich hab mal als Ferienjob Zeitungen auf Fließbänder gelegt, was möchte man mich da groß weiterbilden? Oder die Leute, die dann die Zeitungen von den Fließbändern in vorgegebener Anzahl wieder runter nehmen, um sie auf ein Paket zu stapeln, das dann den einzelnen Zeitungsverkäufern zugeschickt wird? Soll ich dafür bezahlen, denen bei zu bringen, wie die Quantenphysik funktioniert?
Denn letztlich bezahle ich immer noch dafür, und zwar sowohl den Lehrkörper, als auch den Lernenden. Also schon 2 Leute, die von mir Geld bekommen damit der eine arbeitet und der andere zu mindestens so tut als würde er/sie was lernen.

Und wie oui schon eingeworfen hat, ist immer noch die Frage warum ausgerechnet die ils.
Wobei sie das sogar noch mit einem guten Einwand konkretisiert hat.
Warum ein Unternehmen, dass ein Fernstudium anbietet, dazu überreden andere Unternehmen auf zu kaufen, auf zu bauen und mit dem Geld daraus den ursprünglichen Sinn völlig in den Wind zu schießen, statt andersrum ran zu gehen?
Warum jemanden sagen, er soll diverse Unternehmen aufkaufen um damit Geld zu verdienen, statt schon ein vorhandenes großes Unternehmen dazu bringen, eine interne Weiterbildung von und mit eigenen Angestellten zu organisieren und dabei beide Parteien entsprechend zu bezahlen?


Mit freundlichen Grüßen Shui
carsten aus bochum
Hi oui,

beim "ob" scheinen wir ja halbwegs einer Meinung zu sein, ich kann Dir jedenfalls zustimmen.

Das "wie" ist so eine Sache, ich hätte da schon zwei, drei ideen, am ewinfsachsten schaut man sich an, dass es tatsächlich mal anders war und fragt, warum es anders war und was da anders war.

Ansonsten interessiert es wohl keine Sau, wie es besser laufen könnte, bevor nicht restlos alles zusammengebrochen ist.
Noch immer werden primär die Zielgruppen gefüttert und wenn politische Parteien arme und dumme Menschen brauchen, um ihnen dann nachher mit Erfolg zu suggerieren, sie seien die einzigen, die sich um diese Armen und Dummen kümmern, weil sie ansoinsten nicht mehr gewählt würden, kann es nicht anders werden.

Wenn es als Beleidigung gilt von jemandem Leistung zu fordern, wirklich nur im kleinen Umfang, wenn man durch eine Forderung nach Eigenverantwortung (für mich nahezu ein Synonym für Freiheit) postwendend in die neoliberale Ecke gestopft wird, dann fällt mir da nicht mehr viel zu ein.

Dass das Gegenteil von Eigenverantwortung staatliche Regulierung bedeutet, die zwar auch kaum einer will, wird dabei gerne übersehen.

Die ganze "fordern und fördern" Nummer ist zwar auch eine Riesenidiotie, inzwischen ist die Unbrauchbarkeit von Hartz I bis III ja nachgewiesen, - bei Hartz IV hat man gar nicht mehr getestet -, aber das macht die Sache nicht besser.

Wenn man als wollende Masse den inkompetenten Staat einfach übergeht, dann könnte sich das Blatt wenden, wenn das nicht sehr bald geschiet, wird sich das Blatt wenden, dann allerdings in eine andere Richtung.

Wie ich Bildung als Gut vermitteln würde?
Durch Werbung, Belohung, Anzeize, Stipendien, Eliten- und Breitenförderung.

Allerdings muss man zunächst die grundlegenden Grundlagen vermitteln.
Naja ich will hier keine Romane schreiben, die eh nur akademischen Wert hätten, aber Mittel gäbe es schon, auch die Masse zu pushen.

Da Du Kohlberg kennst wird Dir klar sein, dass nicht alle gleich angesprochen werden können.

Jede Schicht braucht ihr Forum, ihre Ziele, die leicht überfordernd aber erreichbar sein müssen.

Du kennst das.

Gruß,

Carsten
tolwin
Vorneweg: das Beispiel mit der größeren Lernfähigkeit von Kleinkindern ist zwar richtig, der Vergleich mit Studenten hinkt jedoch an der Art des zu lernenden Stoffes. Komplexe Themengebiete wie der Student sie lernt, kann ein Kleinkind nicht aufnehmen. Und selbst im Kleinkindalter gibt es unterschiedliche Abstufungen, was und wie schnell ein Kind lernen kann. Ich glaube es war Pestalozzi, der in seiner Entwicklungspsychologie herausfand, daß die geometrische apriorische Form eines Kleinkindes bis 4-5 das Quadrat ist. Kinder in diesem Alter können somit andere geometrische Figuren nicht verstehen, sondern nur aus dem Quadrat ableiten, könnten also eine rein zeichnerische Darstellung der hier genannten Bedürfnispyramide nicht nachvollziehen und somit auch bestimmte Gebiete der Logik nicht durchdringen.

Jetzt bezüglich der Bildungsgeschichte.
Daß Bildung selbst in gebildeten Kreisen kein fester Wert mehr ist, sah man ja schon an dem holzköpfigen Kommentar, was man bitteschön mit Leuten wolle, die außer Kant nichts zustandebringen (O-Ton). War natürlich spassig gemeint, da bin ich mir sicher. Alles andere wäre ja peinlich smile
Oui hat es ganz richtig gesagt. Was Bildung eigentlich ist, nämlich ein Wert, der Lebensqualität bringt, wird gar nicht mehr verstanden.

Problematisch ist, daß sich heute Bildungsstärken und Bildungsschwächen weit stärker vererben als noch vor 25 Jahren. Oder, simpel ausgedrückt: Kinder aus reichen, bildungsstarken Haushalten bekommen eine bessere Bildung als Kinder aus armen, bildungsschwachen Haushalten. Das war klar, aber der Zusammenhang sollte zu denken geben. Und das bedeutet: Indem wir es zulassen, daß die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter auseinandergeht, vernichten wir wichtige Leistungsressourcen. Die sich immer mehr zementierende Ungleichheit beim Lebensstandard die wir haben (Reiche heiraten Reiche, Arme heiraten Arme, Vermögen und Bildung werden die Privilegien immer kleinerer Bevölkerungsanteile), ist schlecht für die Gesamtgesellschaft. Das Adelswesen mit seiner Konzentration von Macht und Mitteln in immer weniger Händen funktionierte über ein paar hundert Jahre auch ganz gut. Aber irgendwann geht's nach hinten los.

Wenn ich immer nur Kinder kennenlerne, die selbst nicht richtig Deutsch sprechen, deren primäre Freizeitinhalte im Gameboydaddeln und dem Rumhängen an der Tanke bestehen - dann werde ich wahrscheinlich ebenfalls zum Gambeboydaddler und Tankstellenabhänger. Das, was meine Zeit ausfüllt, das prägt mich. Und die Menschen, mit denen ich Zeit verbringe, die prägen mich.

Ganztagsschulen sind der Integration, bzw. der Durchlässigkeit zwischen den sozialen Schichten förderlicher als Schulen, die nur vormittags offen haben. Mag manch einem nicht passen, ist aber so. Ich war lange Zeit ein Gegner von Ganztagsschulen, bis ich während des Studiums nach und nach von ihnen überzeugt wurde. Dies wäre eine machbare Idee.
Es geht also um Schulen: und Schulen in armen Stadtgebieten, die von armen Kindern besucht werden, sind allein schon deswegen benachteiligt, wie die dazugehörigen Eltern in aller Regel weniger engagiert sind als die Eltern in den reichen Wohngebieten. Der Unternehmer spendet gern mal dem Gymnasium, welches seine Tochter besucht, einen Satz internetfähige PCs oder einen Satz neuer Mikroskope. Die gebildete Mutter organisiert viel eher mal einen Theaterbesuch in London für den Englisch-Kurs ihres Sohnes als die kettenrauchende Raumpflegerin mit nicht geschafftem Hauptschulabschluß. Unter Ungebildeten ist das Bewußtsein, wie wichtig Bildung ist, vollkommen unterentwickelt. Also kümmern sie sich nicht im notwendigen Maße darum, an ihrer Ungebildetheit etwas zu ändern.

Hier besteht eine Bringschuld des Staates. Er muß die ungleichen Voraussetzungen ausgleichen. Er muß dort fördern, wo von den Individuen nichts kommt. Er muß der Tendenz der Individuen, sich in ihre Schichten zurückzuziehen, entgegenwirken. Er muß den Professorensohn mit der türkischen Putzfrautochter in eine Klasse bringen. Und nicht nur bis zum Ende der Grundschule! Ich habe meine "Freunde für's Leben" bis auf eine Ausnahme, während meiner Adoleszensphase, d.h. zwischen 15 und 18 Jahren, kennengelernt. Übrigens alle in der Schule... Und ich weiß, daß ich so untypisch nicht bin. Dort, in den letzten Jahren der Schule und später noch in der weiterführenden Ausbildung (Lehre/Studium) entstehen die Seilschaften, die dann für den Rest des Lebens darüber entscheiden, zu welcher Gesellschaftsschicht man gehört.

Freiwilligkeit funktioniert das nicht. Leider. Aber ich persönlich würde auch nicht meine Kinder (so ich welche hätte) aus rein idealistischen Gründen in einen verrotteten Kindergarten mit einem Ausländeranteil von 80 Prozent schicken. Ich würde meine Kinder in die bestmögliche Schule schicken. Ich würde mir wünschen, daß ihre Freunde solche sind, die mit 14 Jahren fließend zwei Fremdsprachen sprechen, die sich für klassische Musik und Weltliteratur und den Abgabetermin für die "Jugend forscht"-Beiträge interessieren. Ich würde mir wünschen, daß meine Kinder nur mit gebildeten Kindern in Kontakt treten, die ihren Ehrgeiz anspornen... Ich wäre nicht so dumm zu meinen, daß ich die Gesellschaft verändern würde, wenn ich meinen Kindern die heruntergekommene Schule im Problemviertel zumute, vor der die Drogendealer auf und ab flanieren, und bei der man vor lauter Graffiti nicht mehr erkennen kann, woraus die Fundamente bestehen. Zuerst die Familie, dann erst die Gesellschaft.

Der Staat muß hier von seiner Regelungskompetenz Gebrauch machen. Wenn an allen Schulen ungefähr gleich viele Millionärskinder lernen - dann wird auch das Engagement der reichen Eltern gleichmäßig über die Schulen verteilt. Anfangen muß man allerdings immer zuhause. Also wir hier in Deutschland.

Ein andere Idee hätte ich: Man ermittelt z.B. den durchschnittlichen Anteil am Einkommen der Eltern, den eine solide staatlich finanzierte Ausbildung ihrer Kinder kostet. Und diesen prozentualen Einkommensanteil nimmt man dann von den Eltern. Wenn z.B. ein normaler Haushalt für seine beiden Kinder monatlich (für Schulhefte, privaten Klavierunterricht, Bücher und Internetzugang) 200,--€ zahlt, so sind dies - na, sagen wir mal 7,5% des Einkommens der Eltern, oder, für ein Kind, 3,75%. Und diese Beträge werden nun also allen Eltern automatisch bei der Einkommensteuer abgezogen, wobei dann freilich der Staat für derartige Bildungsaufgaben aufzukommen hätte.
Und so könnte man dies mit den verschiedensten staatlichen Leistungen machen: Wieviel Prozent des Einkommens (inklusive des Einkommens aus Kapitaleinkünften) muß ein Durchschnittshaushalt über die Steuerzahlungen hierzulande für eine ausreichende Polizeipräsenz (Sicherheit) ausgeben? Für die Erhaltung der Infrastruktur? Für eine funktionierende Justiz? Für die Stadtreinigung?
So - und diese, immer prozentual am Einkommen orientierten, Sätze sollten dann bei allen (dem absoluten Einkommen entsprechend) einkassiert werden. Die Reichen würden dann also in absoluten Zahlen wesentlich mehr zahlen für Bildung, Sicherheit, Rechtssicherheit, Verkehrsmöglichkeiten, Sauberkeit...
Denn sie bezahlen nicht genug dafür, daß sie in diesem Land existieren dürfen, wo sie ruhig, sicher und bequem leben können. Dies ist nicht einfach, aber momentan scheint es auch keine Lobby zu geben, die das Problem laut genug artikuliert.
oui
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Hi oui,
beim "ob" scheinen wir ja halbwegs einer Meinung zu sein, ich kann Dir jedenfalls zustimmen.

Erfreulich. fröhlich

Zitat:
Das "wie" ist so eine Sache, ich hätte da schon zwei, drei ideen, am ewinfsachsten schaut man sich an, dass es tatsächlich mal anders war und fragt, warum es anders war und was da anders war.

Dazu fällt mir spontan etwas von Kant ein, das ich vor Wochen in einem anderen Zusammenhang gelesen habe: 'Mündigkeit'.

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbtverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! "

Heute fehlt neben dem Mut auch die Begeisterung zum Selbstdenken. Hier greife ich die von Dir erwähnte Eigenverantwortlichkeit auf, zu der ich auch die Sorge um sich selbst und das Leben mit einbeziehe.

Zitat:
Ansonsten interessiert es wohl keine Sau, wie es besser laufen könnte, bevor nicht restlos alles zusammengebrochen ist.

Saudumm gelaufen.

Zitat:
Noch immer werden primär die Zielgruppen gefüttert und wenn politische Parteien arme und dumme Menschen brauchen, um ihnen dann nachher mit Erfolg zu suggerieren, sie seien die einzigen, die sich um diese Armen und Dummen kümmern, weil sie ansoinsten nicht mehr gewählt würden, kann es nicht anders werden.

Tja, 'unmündige' Menschen lassen sich besser regieren und lenken , wobei ich aber Pauschalisierung unangebracht finde. Gib mir bitte ein konkretes Beispiel. Ach, lass es , mir fallen auf Anhieb 5 ein...Ackermann,Esser & Co. KG.....was hältst Du von Burda,Wiedekind u. KK (hast Du sein Zeit-Interview gelesen?)?

Zitat:
Dass das Gegenteil von Eigenverantwortung staatliche Regulierung bedeutet, die zwar auch kaum einer will, wird dabei gerne übersehen.

Das Gegenteil von Eigenverantwortung ist erstmal Unmündigkeit.
Und wer bereits reguliert/lenkt ist doch wohl klar: Wirtschaft u. Staat.

Zitat:
Die ganze "fordern und fördern" Nummer ist zwar auch eine Riesenidiotie, inzwischen ist die Unbrauchbarkeit von Hartz I bis III ja nachgewiesen, - bei Hartz IV hat man gar nicht mehr getestet -, aber das macht die Sache nicht besser.

Gründliche Meckernummer .... Zwinker
Welche Alternative schlägst Du vor?
Ich könnte hier kein neues Konzept aufstellen, stelle bezüglich der Bildung, die hier Thema ist, fest, dass eine weitere Kürzung bei H4 verfehlt wäre, da diejenigen, die keine Bildung wollen, sich auch weiterhin drücken werden, nur noch um ein Quentchen erfinderischer und diejenigen, die wollen, es schwerer haben, da sie sich noch etwas nebenbei verdienen müssen.

Zitat:
Wenn man als wollende Masse den inkompetenten Staat einfach übergeht, dann könnte sich das Blatt wenden, wenn das nicht sehr bald geschiet, wird sich das Blatt wenden, dann allerdings in eine andere Richtung.

Ganz so inkompetent sehe ich den Staat nicht.
Welches Rezept hättest Du anzubieten, wenn die Geburtenrate dramatisch sinkt und der Zustrom derer, die nie in unsere Renten-,Arbeitslosen-, und Sozialkasse eingezahlt haben, aber aus ihnen kassieren, enorm ist?

Und:
Wollende Masse? Willst Du auf Dieter Bohlen machen und alle zum Bildungscasting einberufen? Mit dem richtigen Song dazu wird´s bestimmt klappen: " You´re my Hartz, you´re my Foul...." großes Grinsen

Zitat:
Wie ich Bildung als Gut vermitteln würde?
Durch Werbung, Belohung, Anzeize, Stipendien, Eliten- und Breitenförderung .

Also Neuro-emotional, Konditionierung.....und sieh an...Förderung Zwinker
Aus meiner Sicht würdest Du damit Bildung als Bildung vermitteln, nicht als Gut.
Weißt Du, was ich machen würde? Die Idee ist mir eingefallen, als ich das Aldi-Urlaubsprospekt gesehen habe.
Warum für Bildung in die Ferne schweifen, Sprachkurse in England, Italien, Frankreich ect. Warum nicht preiswertere Bildungsurlaube (oder erschwingliche Schnupperwochen) in Deutschland? Wir haben genügend geschichtsträchtige Orte, Theorie kann wunderbar mit Praxis u. Anschauung verbunden werden, Unis stehen in den Ferien für Schnuppertage zur Verfügung ect. Bildungsschnuppern zum Anfassen. Sehen: Was kann ich mit Bildung anfangen, was ist Bildung? (Was ist Bildung Deiner Ansicht nach, cabo?)Und ab nachmittags holidays. Fertig. Das nur als eine Option, weitere fallen mir noch ein.

Zitat:
Da Du Kohlberg kennst

Wie soll ich iihn kennen, wenn er schon einige Zeit tot ist?
Zitat:
wird Dir klar sein, dass nicht alle gleich angesprochen werden können.

Stimmt, es heißen nicht alle nur Bert und Berta.
Zitat:
Jede Schicht braucht ihr Forum, ihre Ziele, die leicht überfordernd aber erreichbar sein müssen.

Nur so und nicht anders.
Zitat:
Du kennst das.

Ja, Schichttorte.
oui
Zur Info:



Bildungsziele aus Verfassung und Schulgesetz

1.
Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung.
2.
Die Jugend soll erzogen werden im Geiste der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des Anderen, zur Verantwortung für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und Friedensgesinnung.
3.
Die Schule vermittelst die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen und berücksichtigt dabei die individuellen Voraussetzungen der Schülerinen und Schüler. Sie fördert die Entfaltung der Person, die Selbständigkeit ihrer Entscheidungen und Handlungen und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl, die Natur und die Umwelt. Schülerinnen und Schüler werden befähigt, verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen,beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen und ihr eigenens Leben zu gestalten. Sch.und Sch. werden in der Regel gemeinsam unterrichtet und erzogen (Koedukation).
4.
Die Sch. und Sch. sollen insbesondere lernen

1. selbständig und eigenverantwortlich zu handeln,
2. für sich und gemeinsam mit anderen zu lernen und Leistungen zu erbringen,
3. die eigene Meinung zu vertreten und die Meinung anderer zu achten,
4. in religiösen und weltanschaulichen Fragen persönliche Entscheidungen zu treffen und Verständnis und Toleranz gegenüber den Entscheidungen anderer zu entwickeln,
5. die grundlegenden Normen des Grundgesetzes und der Landesverfassung zu verstehen und für die Demokratie einzutreten,
6. die eigene Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeit sowie musisch-künstlerische Fähigkeiten zu entfalten,
7. Freude an der Bewegung und am gemeinsamen Sport zu entwickeln, sich gesund zu ernähren und gesund zu leben,
mit Medien verantwortungsbewusst und sicher umzugehen. (§ Abs. 3 u. 4, NRW SchulG)
oui
Zitat:
Original von tolwin
Vorneweg: das Beispiel mit der größeren Lernfähigkeit von Kleinkindern ist zwar richtig, der Vergleich mit Studenten hinkt jedoch an der Art des zu lernenden Stoffes. Komplexe Themengebiete wie der Student sie lernt, kann ein Kleinkind nicht aufnehmen. Und selbst im Kleinkindalter gibt es unterschiedliche Abstufungen, was und wie schnell ein Kind lernen kann. Ich glaube es war Pestalozzi, der in seiner Entwicklungspsychologie herausfand, daß die geometrische apriorische Form eines Kleinkindes bis 4-5 das Quadrat ist. Kinder in diesem Alter können somit andere geometrische Figuren nicht verstehen, sondern nur aus dem Quadrat ableiten, könnten also eine rein zeichnerische Darstellung der hier genannten Bedürfnispyramide nicht nachvollziehen und somit auch bestimmte Gebiete der Logik nicht durchdringen.

Stimmt: "Als ich ein Kind war, dachte ich wie ein Kind, als ich erwachsen wurde, dachte ich wie ein Erwachsener." Oder so ähnlich.
Aber das war ursprünglich nicht gemeint.
Hier geht es in den ersten drei Jahren der Entwicklung um einen Quantensprung oder Urknall (blödes aber anschauliches Wort)der Entwicklung, der in solch einem Ausmaß im weiteren Leben nicht wieder stattfindet: Be-greifen, laufen, sprechen, zwischen Ich und Anderen zu unterscheiden, Wille/Trotz usw.

Zitat:
Indem die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter auseinandergeht, vernichten wir wichtige Leistungsressourcen.

Warum wir?
Auch Arme haben den Bildungszugang; wenn sie später studieren wollen, kann ihnen auch die Studiengebühr erlassen werden; seit Janurar 2007 gibt es für alleinerziehende Studierende einen Kindergeldzuschlag für jedes Kind zusätzlich zum Bafög.
Bildung kann hier nicht zur als 'Modi des Weltzugangs' gesehen werden sondern auch als Bildung hinsichtlich gesellschaftlicher Integration.
Die Chance haben alle. Liegt es wirklich am "wir", dass sie nicht genutzt wird? (Wobei ich mir im klaren bin, dass nicht alle die gleichen Voraussetzungen zum Schulstart mitbringen, s.o. Posting )

Und:
Warum "Leistungsressourcen"?
Viel schlimmer finde ich daduch eine gewisse Verminderung der Vielfalt, weißt Du, diese ungeraden Lebenswege, um diese Ecke und den anderen Hügel....so wie Leben eben ist...schön und verschlungen,schwierig und heiter...na ja, schwer zu beschreiben - schön zu erleben.

Zitat:
Die sich immer mehr zementierende Ungleichheit beim Lebensstandard die wir haben (Reiche heiraten Reiche, Arme heiraten Arme, Vermögen und Bildung werden die Privilegien immer kleinerer Bevölkerungsanteile), ist schlecht für die Gesamtgesellschaft. Das Adelswesen mit seiner Konzentration von Macht und Mitteln in immer weniger Händen funktionierte über ein paar hundert Jahre auch ganz gut. Aber irgendwann geht's nach hinten los.

Der Adel hatte ja noch den Klerus hinter sich, die Kernfrage lautete damals, ob der Adel allein aus göttlichem Recht herrsche und damit über dem Gesetz stünde. Ich denke, dass wir diese Frage überwunden haben.
Das Problem sehe ich eher in der Unmündigkeit (wie ich schon cabo schrieb), nicht den eigenen Verstand gebrauchen; andere sind ja für alles verantwortlich- für meine Misere der Staat mit seinen Steuern- da setz´ich mich doch lieber vor die Kiste und hör mir zur inneren Verstärkung und Erlaubnisfunktion die Talkshows an, in denen es um die Preisgabe der Persönlichkeit geht, Ausverkauf der menschl. Würde mit allen peinlichen und blinden Bößen, die nur möglich sind.

Zitat:
Wenn ich immer nur Kinder kennenlerne, die selbst nicht richtig Deutsch sprechen, deren primäre Freizeitinhalte im Gameboydaddeln und dem Rumhängen an der Tanke bestehen - dann werde ich wahrscheinlich ebenfalls zum Gambeboydaddler und Tankstellenabhänger. Das, was meine Zeit ausfüllt, das prägt mich. Und die Menschen, mit denen ich Zeit verbringe, die prägen mich.

Da spielt wiederum ein Problem unserer Gesellschaft, des Einzelnen eine Rolle: Die Entfremdung. Großfamilie gibt es hier nicht mehr, Netzwerke werden fast zu Fremdwörtern, ausser in Firmen, dort wird Netzwerkkultur gepflegt. Es gibt teilweise eine anomysierte Gesellschaft. Da hängen die kids an Tanken und sonstwo ab. Jugendfreizeitstätten sind dem Staat zu teuer, abgesehen davon, dass der Staat bei dem Gedanken, eine Aufsichtsperson einzustellen schon Schluckauf bekommt. Da ist es doch effizienter (kostengünstiger) die Schäden der Judendkriminalität (z.B. Zerstörung, Graffitibeseitigung) zu bezahlen. *ironischgemeint*

Und den anderen Teil: Da sind berufstätige Mütter findige Managerinnen, planen präzise Tag für Tag, Husten o. Schnupfen können erdbebenartige Krisen auslösen, das ganze Timing ist hin- umplanen. Und das alles generalsstabsmäßig.

Und dabei ist so wichtig, was Du gesagt hast: Die Menschen, mit denen ich Zeit verbringe, prägen mich. (z.B.Peer group)


Zitat:
Ganztagsschulen sind der Integration, bzw. der Durchlässigkeit zwischen den sozialen Schichten förderlicher als Schulen, die nur vormittags offen haben. Mag manch einem nicht passen, ist aber so. Ich war lange Zeit ein Gegner von Ganztagsschulen, bis ich während des Studiums nach und nach von ihnen überzeugt wurde. Dies wäre eine machbare Idee.

Ich bin nicht durchweg für Ganztagsschulen. Aber davon später.
Gute Nacht. winken
Friedhelm
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Hi oui und Friedhelm,

die Idee hinter der Idee ist doch, dass Bildung wieder als ein Gut erkannt wird, breiten Schichten zugänglich sein soll und man nicht früh genug damit anfangen kann, wenn ich es richtig verstehe.

Ich glaube das alles auch, dass ils das schafft (oder kann, oder soll) da bin auch skeptisch.

Zunächst muss eine Erkenntnis in den Köpfen unserer geschätzten StaatslenkerInnen her.

Ich glaube, doofe Leute sind unterm Strich teurer, weil sie sich krank fressen und auch sonst selbst in Probleme bringen.

Doof ist teuer.


Hallo Carsten
ein schönes Statement insgesamt. Doof ist nicht nur teuer, sondern auch gefährlich.


Zitat:

Irgendso eine griffige Formel braucht die Politik ja offenbar und die kann man auch dem Volk vermitteln, per BamS und Glotze.


Ansonsten muss es sich in der Tat lohnen was zu tun, d.h. finanziell belohnt werden, denn dann können die, die doof geboren sind, durch Fleiß eine Menge kompensieren.

Das kann man leicht hinkriegen, wenn man will.

Die 1,5 Regel besagt, dass Menschen dann beginnen zu arbeiten, wenn man ihnen das 1,5 fache dessen gibt, was sie aus den Sozialsystemen erhalten, ansonsten nicht.

Mein Vorschlag wäre, Arbeit attraktiver und Sozialhilfe wesentlich unattraktiver zu machen.

Die, die nicht können, denen muss man helfen, die, die nicht wollen, sollen Fernseher, Essensmarken und medizinischen Versorgung bekommen und ein kleines Taschengeld.

Ansonsten brechen wir unter einer Einwanderung in die Sozialsysteme bald zusammen, wohingegen wir Einwanderung im großen Stil brauchen.

Neben der Bildung halte ich die Vermittlung von Grundwerten für wichtig, was auch am besten über gesellschaftliche Konsens geht, gepusht durch Massenmedien.

Etwas tun zu dürfen, auch für andere, hebt das soziale Ansehen und kann auch Spaß machen. Ein Beispiel.

Generell bin ich natürlich für angemessene Bezahlung, d.h. gegen Dumpinglöhne und dafür, dass der Beruf Berufung ist (also man eben nicht jeden Schwachsinn annehmen muss).

Je mehr Machbares man macht, umso mehr Wünschenswertes wird ermöglicht.

Gruß,

Carsten


Kann ich fast vollständig unterschreiben. Wieso ist es nicht das sog. Prekariat, das in den Armenvierteln der Städte lebt, wo die Eltern Zeit hätten zu lesen, sich weiterzubilden, ihre Kinder ordentlich zu fördern, so daß dort die zukünftige Elite der Menschheit heranwächst? - Ich meine, wenn die Not die Strebsamkeit des Menschen fördern würde?
Die Auswirkung von Armut und Untätigkeit bewirkt leider das Gegenteil, - bei Ausländern nicht anders als bei Deutschen.
Deswegen würde ich nicht als Druckmittel den Sozialsatz noch weiter kürzen, - solange er noch irgendwie bezahlbar ist.
Ich habe mir die Liste der fast tausend Kursangebote bei der Firma "Ils G.m.b.H." angesehen. Für einen Arbeitslosen natürlich unbezahlbar und didaktisch vorsintflutlig, d.h. ungenießbar.
Aber als Job bei "Ils", wie ich es als Neujahrsgruß winken dorthin vorschlug, mit einem Einkommen, das wesentlich höher liegt, als der Mindestsozialsatz, würde ja zugleich dem Teilnehmer ein gesellschaftlicher Status sowohl als "Student" wie auch als "Lehrer", "Tutor" - mit Aufstiegsmöglichkeiten bis zum Professor angeboten. Und zwar zugänglich ohne Hürde selbst für einen Analphabeten.
Das könnte ein Motivationsfaktor sein.
Bei solchen Gedanken standen mir natürlich die Absurditäten des bestehenden staatlichen Bildungssystems vor Augen, die von staatswegen auch nicht abgebaut werden können, weil die Zuständigen jeweils Produkte dieses absurden Bildungssystems und auch nur deshalb zuständig sind, - die sich eben nicht selbst infrage stellen, d.h. als inkompetent hinstellen können. fröhlich
Aber das wäre wieder ein anderes Thema.

ganz herzlich
Friedhelm

.
Der Mensch steht erst am Anfang der möglichen Erkenntnis und Selbsterkenntnis.
carsten aus bochum
Hallo oui

Zitat:
Zitat:
Original von carsten aus bochumHi oui,beim "ob" scheinen wir ja halbwegs einer Meinung zu sein, ich kann Dir jedenfalls zustimmen.

Erfreulich.
Zitat:
Das "wie" ist so eine Sache, ich hätte da schon zwei, drei ideen, am ewinfsachsten schaut man sich an, dass es tatsächlich mal anders war und fragt, warum es anders war und was da anders war.

“Dazu fällt mir spontan etwas von Kant ein, das ich vor Wochen in einem anderen Zusammenhang gelesen habe: 'Mündigkeit'.

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbtverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! "

Heute fehlt neben dem Mut auch die Begeisterung zum Selbstdenken. Hier greife ich die von Dir erwähnte Eigenverantwortlichkeit auf, zu der ich auch die Sorge um sich selbst und das Leben mit einbeziehe.“


Und wieder stimme ich zu.

Zitat:
Zitat:
Ansonsten interessiert es wohl keine Sau, wie es besser laufen könnte, bevor nicht restlos alles zusammengebrochen ist.

Saudumm gelaufen.

Zitat:
Zitat:
Noch immer werden primär die Zielgruppen gefüttert und wenn politische Parteien arme und dumme Menschen brauchen, um ihnen dann nachher mit Erfolg zu suggerieren, sie seien die einzigen, die sich um diese Armen und Dummen kümmern, weil sie ansoinsten nicht mehr gewählt würden, kann es nicht anders werden.

“Tja, 'unmündige' Menschen lassen sich besser regieren und lenken , wobei ich aber Pauschalisierung unangebracht finde. Gib mir bitte ein konkretes Beispiel. Ach, lass es , mir fallen auf Anhieb 5 ein...Ackermann,Esser & Co. KG.....was hältst Du von Burda,Wiedekind u. KK (hast Du sein Zeit-Interview gelesen?)?“


Jeder der nicht blind und gefühllos durchs Leben läuft, muss mindestens Schwierigkeiten mit der Betriebspolitik haben, auf der einen Seite Menschen zu entlassen, bei Rekordgewinnen. Die Argumente der Gegenseite sehen so aus, dass Firmen, die keine guten Bilanzen haben geschluckt werden und dann werden die Leute mit Sicherheit auch entlassen, wenn der neue Eigner in den USA oder China sitzt. Kann ich zumindest nachvollziehen, ob`s stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Damit wären wir bei unserem Wirtschaftssystem insgesamt und bei einem großen Fass, was ich gar nicht aufmachen möchte, da ich davon viel zu wenig Ahnung habe, um auch nur halbwegs kompetent etwas dazu zu sagen.
Mein generelles Vorurteil ist, dass eine sch selbst überlassene Wirtschaft sich zwar selbst reguliert, dass dabei aber keine Rücksicht auf einzelne Menschen genommen wird, was man an den Dumpinglöhnen und dem Auslagern sieht.
Es kann natürlich sein, dass sich auch das selbst regelt, Länder denen es wirtschaftlich gut geht, in denen wollen die Menschen auf mehr Rechte, angemessene Löhne, etc, es ist die Frage ob man so lange warten kann und will.
Soziale Marktwirtschaft ist schon eine gute Sache, soweit ich sie verstehe, die ganzen Alternativmodelle haben den schlichten Nachteil, dass sie kaum funktionieren, auch Götz Werner, wenn man ihm auf den Zahn fühlt, hat keine rechte Idee, wie er sein Bürgergeld denn finanzieren möchte.


Zitat:
Zitat:
Dass das Gegenteil von Eigenverantwortung staatliche Regulierung bedeutet, die zwar auch kaum einer will, wird dabei gerne übersehen.

“Das Gegenteil von Eigenverantwortung ist erstmal Unmündigkeit.
Und wer bereits reguliert/lenkt ist doch wohl klar: Wirtschaft u. Staat.“


Ja, darum, mehr Eigenverantwortung.

Zitat:
Zitat:
Die ganze "fordern und fördern" Nummer ist zwar auch eine Riesenidiotie, inzwischen ist die Unbrauchbarkeit von Hartz I bis III ja nachgewiesen, - bei Hartz IV hat man gar nicht mehr getestet -, aber das macht die Sache nicht besser.

“Gründliche Meckernummer ....
Welche Alternative schlägst Du vor?“


Warum ich? Warum nicht die, die den Quatsch ersonnen haben und dafür bezahlt werden?
Ich bin nicht narzisstisch genug um für jeden Lebensbereich die passende Antwort parat zu haben, aber dass Hartz nichts ist, ist nun erwiesen. Es heißt doch im allgemeinen, dass die Kritiker es nicht besser können müssen, sondern Kritikein Wert an sich ist, da kannst Du mir doch nicht mit solchen unangenehmen Forderungen kommen. Zwinker

Zitat:
“Ich könnte hier kein neues Konzept aufstellen, stelle bezüglich der Bildung, die hier Thema ist, fest, dass eine weitere Kürzung bei H4 verfehlt wäre, da diejenigen, die keine Bildung wollen, sich auch weiterhin drücken werden, nur noch um ein Quentchen erfinderischer und diejenigen, die wollen, es schwerer haben, da sie sich noch etwas nebenbei verdienen müssen.“


Es muss mit einfachen Worten klar gemacht werden, dass Bildung für jeden ein Vorteil ist und dass der Staat es nicht toleriert, wenn einzelne auf Bildung grundsätzlich verzichten wollen.
Die Zustände an den Hauptschulen sind indiskutabel, aber selbst an den Grundschulen sah es vor Jahren schon ähnlich fürchterlich aus, nicht in allen, aber in vielen.

Irgendwie scheint es nicht klar zu sein, dass die Grundregel für das Lernen zunächst die körperliche Anwesenheit ist.
Und dann Ruhe. Wenn Lehrer heute eine Nahkampfausbildung brauchen, dann kann das nicht richtig sein.
Wenn muslimische Kinder eine deutsche Lehrerin nicht tolerieren können, weil sie eine Frau ist und nur deutsch spricht, muss man selbstverständlich mal darüber nachdenken, ob man nicht statt dessen einen bärtigen Araber an die Stelle stellt, der zwar kein deutsch kann, aber prima in Religion ist. Zwinker

Es ist einfach eine Frage wieweit man auf welche Befindlichkeiten Rücksicht nehmen möchte.
Ich würde einfach mal schüchtern fragen, warum denn jemand unbedingt in diesem fiesen Deutschland leben will, wo es doch ganz andere tolle Länder gibt, in denen man Frauen nicht zuhören muss...?

Natürlich brauchen wir auch andere Lehrer, keine Frage. Ich halte einen nicht kleinen Teil der Lehrer für Menschen, die ihre eigenen unverarbeiteten Schulerinnerungen nicht selbst verarbeitet haben, sondern einfach ausagieren, als Kind ist man das komplett machtlos und ein solcher Lehrer kann hunderten bis tausenden Schülern das Leben zur Hölle machen, im Laufe seines überflüssigen Wirkens.
Darum bin ich für einen charakteterlichen Eignungstest, in dem Lehrer kurz darstellen müssen, warum sie meinen, dass ausgerechnet sie Lehrer werden sollten. Ist denen wirklich klar, dass sie mit lauter nervenden Kindern über lange Stunden des Tages zu tun haben? Lernen sie selbst mit einer solchen Begeisterung, dass das auf die Kinder geradezu ansteckend wirkt (sprich mal LehrerInnen auf Fortbildung an)? Sind sie charakterlich gefestigt genug um die Macht, die sie haben nicht blind und teilweise sadistisch zu agieren?
Selten ist man als betroffenes Kind in einer ohnmächtigeren Position, als in unserem Bildungssystem. Krankenhausarzt vielleicht noch, aber das hat man sich selbst ausgesucht, zur Schule muss man.

Die ganzen tollen pädagogischen Konzepte von aktiv entdeckendem Lernen usw. mögen ja alle was für sich haben, aber die sind erst das Sahnehäubchen. Wenn Yusuf und Marek sich erst mal eine halbe Stunde auf die Fresse hauen, wenn die ersten Stunden komplett flach fallen, weil nach dem Morgengebet, was Vorrang hat, de Anfahrtswege unterschiedlich weit sind, einige kommen 5 Minuten zu spät, einige 10, einige 30... dann muss man schauen, ob man das so will und wenn man das nicht will, sollte man sich was einfallen lassen.

Aber, wie Henry M. Broder schreibt, die deutschen Kinder sind integrationswillig, sie bemühen sich inzwischen in einigen Schulen bewusst falsches Deutsch zu sprechen, um nicht ausgegrenzt zu werden, was in der Praxis verprügelt zu werden heißt.

Ich glaube noch nicht einmal, dass man den Menschen mit Migrationshintergrund den Hauptvorwurf machen soll und darf, die leben einfach, wie sie es gewohnt sind. Es sind die windelweichen Allesversteher, die inzwischen mit Schrecken erkennen (manche zumindest) dass ihre Ideologie nicht trägt und die – um Himmels willen – dazu lernen und ihre Meinung ändern müssten.

Und da Entwicklung in Deutschland mit spätestens 30 vorbei ist...


Zitat:
Zitat:
Wenn man als wollende Masse den inkompetenten Staat einfach übergeht, dann könnte sich das Blatt wenden, wenn das nicht sehr bald geschiet, wird sich das Blatt wenden, dann allerdings in eine andere Richtung.

“Ganz so inkompetent sehe ich den Staat nicht.
Welches Rezept hättest Du anzubieten, wenn die Geburtenrate dramatisch sinkt und der Zustrom derer, die nie in unsere Renten-,Arbeitslosen-, und Sozialkasse eingezahlt haben, aber aus ihnen kassieren, enorm ist?“


Poppen, an allererster Stelle. Da dies aber insofern schwierig ist, wenn es Früchte trägt, dass es sich wirklich nur die leisten können, die schon sehr viel Geld haben, oder die die sich aufgegeben haben und vom Kindergeld profitieren wollen, klappt das nicht.
Also Anreize schaffen, dass Kinder kriegen attraktiv wird. Sind wir nach meiner Einschätzung meilenweit von entfernt.
Was tut man jetzt? Man will die, die kein Humankaptial gezeugt haben bestrafen mit zusätzliche Abgaben.
So dass es nicht nur unattraktiv wird Kinder zu bekommen, sondern in Zukunft auch noch unattraktiv keine zu bekommen.
Vielleicht sehe ich das ja komplett falsch, aber ich finde das in einfach Worten, wieder mal saudumm.

Also hilft nur noch Einwanderung, die scheinen wir zu brauchen, die benötige Zahl scheint bei 500.000 pro Jahr zu liegen. (An dieser Stelle verweise ich wieder gerne auf das Buch „Söhne und Weltmacht“ von Gunnar Heinsohn.) Das sind nicht alles hochintellektuelle Computerexperten denn von denen will – oh Wunder – niemand nach Deutschland.
Das sind einfache Menschen mitunter. Also erklärt man denen die Spielregeln wünscht ihnen viel Glück und behandelt sie fair, großzügig und so vorurteilsfrei wie man es eben hinbekommt, unterstützt sie in ihrer Produktivität und Kreativität, erfreut sich an ihnen, weil es mitunter liebeswerte, kreative, fleißige, hübsche und herzensgute Menschen sein werden und tritt denen kräftig in den *Hintern*, die versuchen sich schlecht zu benehmen, über ein erträgliches Maß hinaus. Wo und was dieses erträgliche Maß ist, darüber muss die Gesellschaft in der wir leben sich einig werden und das möglichst schnell.
Das der Durchschnitts Multikulti Befürworter zwar im Zuge der Toleranz alle Religionen toll findet, vor allem wenn sie mit derselben Inbrunst praktiziert werden, wie man sie selbst praktiziert, - toll finden und nicht dran teilnehmen -, müsste man als erstes konfrontieren, was man als Multikulti eigentlich will. Dass sich alle wohl fühlen und lieb zueinander sein sollten, finde ich auch prima, wenn man dann erkennt, dass das nicht immer hinhaut kommt die Frage nach dem wie.

Da ist Bildung dann nicht das Schlechteste und im Gegensatz zu einigen anderen meine ich nicht, dass es reicht nur Ingenieure und Natuwis zu formen, ich halte auch Sozial- und Geisteswissenschaften, Philosophie und Religion für sehr gut, wenn da nicht nur geschwallert wird.
An anderer Stelle habe ich schon mal gesagt, dass wenn an den Hauptschulen schon Unterricht nicht mehr stattfindet, bzw, unterm Strich nichts wert ist, dann kann man die SchülerInnen wenigstens, aus der Not eine Tugend machend, lebenspraktisch vorbereiten, kochen, gesunde Ernhährung, Sport, usw. vor allem praktisch. Auch Entspannungs- und Antiaggressionstraining könnte man vermitteln, wie man sich nicht hoch verschuldet, dass man zu Vorstellungsgesprächen nicht besoffen gehen sollte, dass man bei einem Arbeitsplatz regelmäßig erscheinen sollte...
Mag nicht die Aufgabe einer Schule sein, aber ihren Aufgaben wird sie ohnehin nicht gerecht.

Zitat:
“Und:
Wollende Masse? Willst Du auf Dieter Bohlen machen und alle zum Bildungscasting einberufen? Mit dem richtigen Song dazu wird´s bestimmt klappen: " You´re my Hartz, you´re my Foul...." “


Im Ernst: Ja, irgend so was. Massenkompatible Dinge eben.
Wenn Otto Sander Rilke rezitiert, meinst Du das interessiert den Durchschnittsprekarier?
Es wird etliche geben, die den Bohlen cool finden, immerhin werden seine Platten und Bücher gekauft.
Er als Botschafter für Bildung, na ja, obwohl der Mann soll ein Einserabi haben, aber irgendetwas was in eine Richtung geht, wo viele zu etwas motiviert werden, die sonst nicht motiviert würden. Sport ist da eine prima Sache.

Zitat:
Wie ich Bildung als Gut vermitteln würde?Durch Werbung, Belohung, Anzeize, Stipendien, Eliten- und Breitenförderung .

“Also Neuro-emotional, Konditionierung.....und sieh an...Förderung
Aus meiner Sicht würdest Du damit Bildung als Bildung vermitteln, nicht als Gut.“

Damit man merkt das ein Gut gut ist, muss man das vermitteln, oder siehst Du das anders.


Zitat:
“Weißt Du, was ich machen würde? Die Idee ist mir eingefallen, als ich das Aldi-Urlaubsprospekt gesehen habe.
Warum für Bildung in die Ferne schweifen, Sprachkurse in England, Italien, Frankreich ect. Warum nicht preiswertere Bildungsurlaube (oder erschwingliche Schnupperwochen) in Deutschland? Wir haben genügend geschichtsträchtige Orte, Theorie kann wunderbar mit Praxis u. Anschauung verbunden werden, Unis stehen in den Ferien für Schnuppertage zur Verfügung ect. Bildungsschnuppern zum Anfassen. Sehen: Was kann ich mit Bildung anfangen, was ist Bildung? (Was ist Bildung Deiner Ansicht nach, cabo?)Und ab nachmittags holidays. Fertig. Das nur als eine Option, weitere fallen mir noch ein.“


Ja, gute Frage, was ist Bildung. Weimarer Klassik kennen, aber den Weg ins Internet nicht finden?
Sicher ist auch Bildung im Wandel. Zum Anfassen ist schon gut. Aktiv entdeckend ist auch gut. Spaziergang durch den Wald. Praktische Astronomie. Pizza selber backen. Riechen, schmecken, hören, schauen lernen. Aktivität und Stille. Von mir aus auch mythisch-archetypisch Denken lernen, dass bringt einem die Religionen ihr Selbst- und Weltverständnis näher.

Ansonsten kann man viel bei den Hirnforschern abschauen, was die so vorschlagen. Wenn man Spitzer liest, findet man wissenschaftlich untermauert, was, wenn es nicht wissenschaftlich untermauert wäre bestimmt verlacht würde.
Die Älteren brauchen kein Brainjogging, sondern Enkel, die halten sie in jeder Hinsicht fit. Da wären wir dann wieder bei dem horizontalen Problemlösungsansatz. Computer sollten raus aus Kinderzimmern und Hausmusik ist richtig gut.

Und den eigene Körper kennenlernen. Sehr viel Kinder sind heute Grobmotoriker, unfähig einen Wasserball zu fangen. Wenn einer keine 30 Sekunden still sitzen kann, ist damit auch der tollste Lehrpülan gegessen, also wird man unten anfangen müssen.
Das Problem sind ja nicht unsere Abiturienten, sondern die bildungsfernen Schichten. Da kommst Du mit Konditionierung, neuroemotionalen Nummern, etc. weiter, sonst nicht.
Musik ist in vielerlei Hinsicht gut. Wichtiger als die Inhalte scheint mir zu sein die Neugierde und den Spaß am Lernen zu wecken. Lebenslang.
Ich lerne richtig gerne, obwohl ich in der Schule war. Ich habe zwar einige Jahre gebraucht um mich davon zu erholen, aber jede kreative Regung konnte dann doch nicht getötet werden.

Die Bildungsziele aus Verfassung und Schulgesetz sind an sich nicht übel, wenn sie denn auch nur annähernd erreicht würden. Seit Kohlberg, tot oder nicht, wissen wir, dass eine gute Absicht zu haben alleine nicht ausreicht, nicht wahr?

Aber um ehrlich zu sein, ich bin absolut unbegabt, unmotivierte Menschen zu motivieren. Nichts langweilt mich mehr. Dafür vollbringt meine Freundin auf dieser Ebene wahre Wunder, wie auch immer sie das macht. Egal.

Zitat:
Zitat:
wird Dir klar sein, dass nicht alle gleich angesprochen werden können.

“Stimmt, es heißen nicht alle nur Bert und Berta.“

Zitat:
Jede Schicht braucht ihr Forum, ihre Ziele, die leicht überfordernd aber erreichbar sein müssen.

“Nur so und nicht anders.“


Höre ich da etwa leise ironische Zwischentöne...? Zwinker Freude

Zitat:
Zitat:
Du kennst das.

“Ja, Schichttorte.“





Gruß,


Carsten
carsten aus bochum
Hallo Friedhelm,

Zitat:
Zitat:
...Doof ist teuer.


Hallo Carsten
ein schönes Statement insgesamt. Doof ist nicht nur teuer, sondern auch gefährlich.

Zitat: ...


“Kann ich fast vollständig unterschreiben. Wieso ist es nicht das sog. Prekariat, das in den Armenvierteln der Städte lebt, wo die Eltern Zeit hätten zu lesen, sich weiterzubilden, ihre Kinder ordentlich zu fördern, so daß dort die zukünftige Elite der Menschheit heranwächst? - Ich meine, wenn die Not die Strebsamkeit des Menschen fördern würde?
Die Auswirkung von Armut und Untätigkeit bewirkt leider das Gegenteil, - bei Ausländern nicht anders als bei Deutschen.
Deswegen würde ich nicht als Druckmittel den Sozialsatz noch weiter kürzen, - solange er noch irgendwie bezahlbar ist.
Ich habe mir die Liste der fast tausend Kursangebote bei der Firma "Ils G.m.b.H." angesehen. Für einen Arbeitslosen natürlich unbezahlbar und didaktisch vorsintflutlig, d.h. ungenießbar.
Aber als Job bei "Ils", wie ich es als Neujahrsgruß dorthin vorschlug, mit einem Einkommen, das wesentlich höher liegt, als der Mindestsozialsatz, würde ja zugleich dem Teilnehmer ein gesellschaftlicher Status sowohl als "Student" wie auch als "Lehrer", "Tutor" - mit Aufstiegsmöglichkeiten bis zum Professor angeboten. Und zwar zugänglich ohne Hürde selbst für einen Analphabeten.
Das könnte ein Motivationsfaktor sein.“



Diese fordern und fördern Idee ist an sich nicht übel, hat aber offenbar nicht gegriffen.
Wenn man jemandem vermittelt, dass er jederzeit die Wahl hat und es zu einem großen Teil daran liegt, ob er/sie will oder nicht, dann ist viel gewonnen, vor allem wenn man sieht, dass man es im Leben zu einem guten Teil selbst in der Hand hat was mit einem geschieht und was nicht.

Wenn man dann aber jemandem der wirklich was tun will, das Leben schwer macht, weil er von der Regulierungswut überwältigt wird und dann resigniert. Wenn einer kein zweites Mal Kohle bekommt, wenn er was in den Sand gesetzt hat und was es da nicht noch für neckische Details gibt, dann wird die Lust was zu machen deutlich gebremst.

Stattdessen wird einem der bereits einen Job hat von der Arbeitsverhinderungsanstalt ein anderer Job angeboten, weil der Partner ja arbeitslos ist. Hier ist wirklich jedes Augenmaß verloren gegangen, da wiehert der Amtsschimmel, dass es nur so dröhnt.

Tatkraft, Leistung, Wissen oder überhaupt den Wunsch zu haben, etwas leisten zu wollen ist ja teilweise noch immer etwas wofür man sich entschuldigen muss.

Beispiele gibt es wirklich etliche.


Zitat:
„Bei solchen Gedanken standen mir natürlich die Absurditäten des bestehenden staatlichen Bildungssystems vor Augen, die von staatswegen auch nicht abgebaut werden können, weil die Zuständigen jeweils Produkte dieses absurden Bildungssystems und auch nur deshalb zuständig sind, - die sich eben nicht selbst infrage stellen, d.h. als inkompetent hinstellen können.
Aber das wäre wieder ein anderes Thema.“



Aber ein gutes. Ich habe es ja selbst erlebt, idealistische Lehrer, die einiges anders machen wollten. Was waren die nach einigen Jahren stromlinienförmig und in ihrer eigenen Enttäuschung darüber hinaus auch noch boshaft.
Wenn die Tücken des Systems sie nicht geschafft haben, dann die KollegInnen. Man wird da schon zurechtgebogen und wer sich nicht biegen lassen möchte, wird gemobbt.

Es geht wirklich auch anders. Ich muss jetzt mal die Dahlkes loben. Ich habe da ja eine Ausbildung gemacht und die Grundkurse waren für alle da, da trafen sich Mitzwanziger und Mitsechziger, im Schnitt etwas intelligenter und wohlhabender, aber auch das nicht zwingend, einige wollten eine Ausbildung machen, andere wollten sich nur bespaßen lassen, einige wahren sehr gebildet, andere legten den Schwerpunkt auf „Herzensbildung“ Zwinker .

Die Grundkurse habe ich gemacht weil ich musste. Ich wusste dass alles schon, Denken in Urprinzipien hatte ich seit Jahren schon wirklich gut drauf. Also nervte ich Dahlke mit Zwischenfragen, der ließ sich nerven und fand das glaube ich auch noch gut.
Das Ganze spielte sich frontal ab, eingebunden praktische Übungen zum Thema, Theorie und Bilder, geführte Meditationen und abends gab es noch Filme zu jeweiligen Tagesthema. Obwohl ich alles kannte, möchte ich keine Minute missen. Das war didaktisch richtig klasse.

Dabei menschelte es in so großen Gruppen (um die 70 Leute) natürlich auch. Man ließ die Leute und ihre diversen Störmanöver einfach gewähren, in dem Wissen, dass sie es brauchen. Von Zeit zu Zeit bekam man aufs Butterbrot geschmiert, dass man schon auffällt, aber nie in verletzender oder entwertender Weise. Das ist erst mal ungewohnt, denn wenn man seine Maschen drauf hat, will man ja damit provozieren, zumindest unbewusst, und wenn das nicht klappt, dreht man in der Regel noch mehr auf.

Wenn das konsequent zur Kenntnis genommen, dezent, wenn überhaupt, angesprochen wird und ansonsten als eigenes Problem abgehakt wird, hat das wirklich einen dämpfenden Einfluss, auf bestimmte Gruppendynamiken.

Das klappte wunderbar, nicht nur in der Theorie und ich habe das Verfahren durch die Bank als fair erlebt und vor allem, man hat was gelernt und es hat irre Spaß gemacht, obwohl es Kurse gab, die bewusst darauf angelegt waren die Leistungsgrenzen auszuloten. Also, es geht schon, wenn man will.

Klar ist es ein himmelweiter Unterschied, ob sich jemand freiwillig zu einem Kurs anmeldet, oder als Kind in die Schule gedrängt wird, ich weiß wovon ich rede, ab dem dritten Schuljahr hat mir kein Tag mehr Spaß gemacht, dafür habe ich viele Schulen kennengelernt. Freude

Der absolute Hammer sind übrigens Jungarbeiterklassen, war vor 20 Jahren schon so, wie heute wohl manche Hauptschulen. Ich war drin und ich glaube etwa 70% meiner damaligen Mitschülern werden wohl heute im Knast sitzen oder schon mal drin gesessen haben. Eine spannende Erfahrung, aber eine auf die man verzichten kann.
Lerntechnisch ungeheuer wertvoll. Der Lehrer, wenn er sich mal traute was zu sagen, was selten vorkam, fragte dann, ob der VfL heute spielt, oder etwas ähnlich Gehaltvolles. Unterricht gab es nicht. Einmal war einer so kühn und teile einen Zettel mit Matheaufgaben aus. Eine Originalaufgabe von damals: Drei Kilo Bananen kosten 3,12 Mark, was kostet ein Kilo?

Alle Aufgaben lagen in dieser Preisklasse und ob die meisten aus Unfähigkeit oder Gruppenzwang NICHT gelöst wurden, darüber mag man spekulieren, ich tippe so auch 60:40. Aber wir waren ja auch erst 16 oder 17.
Lustig war, als ich in den Haufen reingeriet und mich vorstellen musste. Woher kommst Du? Gymnasium. Getuschel von hinten. Ich hätte auch Andromeda Nebel sagen können. Immerhin kannte gerüchteweise, wie ich dann den anhaltenden Getuschel entnehmen konnte, jemand einen der wohl auch schon mal auf dem Gymnasium war. Der Lehrer sagte mir noch vor versammelter Mannschaft, die aufmunternden Worte: „Du wirst es hier schwer haben.“

Zwei Mitinsassen sahen recht normal aus und schienen halbwegs intelligent zu sein, über den Rest decke ich den dezenten Mantel des Schweigens. Die gute Nachricht ist, dass ich es ohne Schaden an Leib und Seele überstanden habe, die Anwesenheitsliste war immer in den ersten beiden Stunden und wie man erfolgreich fehlt, darin hatte ich in den jahren zuvor eingehende empirische Selbststudien erstellt.

Also ich glaube ich weiß aus eigener Anschauung ganz gut über das mögliche Spektrum bescheid.
Das macht mich nun wirklich nicht zum Experten, aber ich weiß, wie es sich anfühlt.


Gruß,

Carsten
oui
tolwin Teil II

Zitat:
Ganztagsschulen sind der Integration, bzw. der Durchlässigkeit zwischen den sozialen Schichten förderlicher als Schulen, die nur vormittags offen haben. Mag manch einem nicht passen, ist aber so.(*<-kicher<-oui*) Ich war lange Zeit ein Gegner von Ganztagsschulen, bis ich während des Studiums nach und nach von ihnen überzeugt wurde. Dies wäre eine machbare Idee.

Integration ja – Diffusion bedingt.
Zu den Öffnungszeiten der Schulen: Selbst Erstklässler haben mitunter 6h , d.h. bis 13:20/30 Uhr Unterricht- Ganztagsgrundschulen bis 14 /16:00 Uhr. Ganztagsschulen haben bis 15:30/16:00 Uhr Unterricht. Vorteil z.B.: Strukturierter Tagesablauf, warmes Mittagessen , HA-Betreuung, nachmittags Teilnahme an einer Hobby-AG... Nachteile z.B.: Kinder sind trotz Pausen geschafft, wenn sie nach Hause kommen, es bleibt knapp bemessene Zeit für Freizeit mit Freunden, Fußballverein,Musikunterricht,nur mal so Muße haben,Miteinander/Unterhaltung/Spiele/Spaß mit Familie, üben für Arbeiten,Stoffaufbereitung usw.

Mit Integration wäre hier nur eine Dimension der sozialen Ungleichheit angegangen. Schulbildung und Ausbildung sind eine weitere Dimension für die Chance gesellschaftlicher Teilhabe. Und hier gilt auch bei der Geamtschule - da trotz Gesamtschule die Zahlen der aufsteigenden Diffusion nicht allzu wesentlich ansteigt- : Die kids sind zwar für einige Zeit aus ihrem sozialen Mileu raus – aber der Lebensstil ändert sich nicht. Soziale Vererbung (wie Du schon sagtest) ist unglaublich dominant, als ob sie in der Homeobox verankert wäre.

Zitat:
Es geht also um Schulen: und Schulen in armen Stadtgebieten, die von armen Kindern besucht werden, sind allein schon deswegen benachteiligt, wie die dazugehörigen Eltern in aller Regel weniger engagiert sind als die Eltern in den reichen Wohngebieten. Der Unternehmer spendet gern mal dem Gymnasium, welches seine Tochter besucht, einen Satz internetfähige PCs oder einen Satz neuer Mikroskope. Die gebildete Mutter organisiert viel eher mal einen Theaterbesuch in London für den Englisch-Kurs ihres Sohnes als die kettenrauchende Raumpflegerin ohne Hauptschulabschluss.

Kannst Du mit Sicherheit sagen, welche der beiden Mütter ihrem Kind eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest/gelesen hat? Kannst Du auch auf Anhieb sagen, welches der beiden Kinder morgens mit einem Kuss geweckt wird, gefragt wird, wie es ihm geht oder was es geträumt hat?
Bei gebildeter Mutter nebst Unternehmergatte breitet sich nämlich was Merkwürdiges aus: Kids bekommen alles, nur nicht Liebe,Aufmerksamkeit,Zeit mit ihren Eltern. (Chippendale-Syndrom) Bei der Raumpfleger-Mutter ist das anders, nur vermag sie aus dem Sollen kein Wollen (bildungsmäßig) bei ihrem Kind zu entfachen. Und: Beide sind nicht zu pauschalisieren. Jeder ‚Fall’ ist anders, hat seine eigenen Gründe u. history.

Zitat:
Unter Ungebildeten ist das Bewußtsein, wie wichtig Bildung ist, vollkommen unterentwickelt. Also kümmern sie sich nicht im notwendigen Maße darum, an ihrer Ungebildetheit etwas zu ändern.

Woher sollen sie es wissen, wenn sie es nie kennengelernt haben? Selbst street worker verzweifeln daran, wenn sie ein 1 oder 2-Jahresprogramm bei solchen Familien absolvieren und es ändert sich nichts. Tolwin, sag mir, warum ?


Zitat:
Hier besteht eine Bringschuld des Staates.

Endlich kommt mal diese Feststellung!!

Zitat:
Er muß die ungleichen Voraussetzungen ausgleichen. Er muß dort fördern, wo von den Individuen nichts kommt. Er muß der Tendenz der Individuen, sich in ihre Schichten zurückzuziehen, entgegenwirken. Er muß den Professorensohn mit der türkischen Putzfrautochter in eine Klasse bringen. Und nicht nur bis zum Ende der Grundschule! Ich habe meine "Freunde für's Leben" bis auf eine Ausnahme, während meiner Adoleszensphase, d.h. zwischen 15 und 18 Jahren, kennengelernt. Übrigens alle in der Schule... Und ich weiß, daß ich so untypisch nicht bin. Dort, in den letzten Jahren der Schule und später noch in der weiterführenden Ausbildung (Lehre/Studium) entstehen die Seilschaften, die dann für den Rest des Lebens darüber entscheiden, zu welcher Gesellschaftsschicht man gehört.

Zustimmung!! (Wobei ich da nicht so die strikte Endgültigkeit sehe wie Du. Das Leben hält so einige Überraschungen bereit...)

Zitat:
Freiwilligkeit funktioniert das nicht. Leider. Aber ich persönlich würde auch nicht meine Kinder (so ich welche hätte) aus rein idealistischen Gründen in einen verrotteten Kindergarten mit einem Ausländeranteil von 80 Prozent schicken. Ich würde meine Kinder in die bestmögliche Schule schicken. Ich würde mir wünschen, daß ihre Freunde solche sind, die mit 14 Jahren fließend zwei Fremdsprachen sprechen, die sich für klassische Musik und Weltliteratur und den Abgabetermin für die "Jugend forscht"-Beiträge interessieren. Ich würde mir wünschen, daß meine Kinder nur mit gebildeten Kindern in Kontakt treten, die ihren Ehrgeiz anspornen...

Präzise und hohe Erwartungshaltung. boahh....und..darf ich mal unverschämt raten?... Dein Mann / Freund ist einer , der mit Manschetten und Goldknöpfchen gesittet und stilvoll mit Dir Bridge spielt, während ihr mit geflötetem Singsang auf italienisch die Frage erörtert, ob Giotto oder Masaccio die Zentalperspektive erfunden hat.....uahhh...ich mein, toll, wollte ich sagen...(natürlich nur zu Masaccio)

Zitat:
Ich wäre nicht so dumm zu meinen, daß ich die Gesellschaft verändern würde, wenn ich meinen Kindern die heruntergekommene Schule im Problemviertel zumute, vor der die Drogendealer auf und ab flanieren, und bei der man vor lauter Graffiti nicht mehr erkennen kann, woraus die Fundamente bestehen. Zuerst die Familie, dann erst die Gesellschaft.

Familie ist auch Gesellschaftsarbeit. Ich stimme Dir zu.

Zitat:
Der Staat muß hier von seiner Regelungskompetenz Gebrauch machen. Wenn an allen Schulen ungefähr gleich viele Millionärskinder lernen - dann wird auch das Engagement der reichen Eltern gleichmäßig über die Schulen verteilt.

Nein. Es gibt so viele Sponsoren, die Geld locker machen könnten... ist nicht von Millionärskindern abhängig. Abgesehen davon, dass Du Dein Kind nicht auf jede Schule schicken würdest, aber die Millionärskinder überall gleich verteilen willst... ne ne ne

Zitat:
Ein andere Idee hätte ich: Man ermittelt z.B. den durchschnittlichen Anteil am Einkommen der Eltern, den eine solide staatlich finanzierte Ausbildung ihrer Kinder kostet. Und diesen prozentualen Einkommensanteil nimmt man dann von den Eltern. Wenn z.B. ein normaler Haushalt für seine beiden Kinder monatlich (für Schulhefte, privaten Klavierunterricht, Bücher und Internetzugang) 200,--€ zahlt, so sind dies - na, sagen wir mal 7,5% des Einkommens der Eltern, oder, für ein Kind, 3,75%. Und diese Beträge werden nun also allen Eltern automatisch bei der Einkommensteuer abgezogen, wobei dann freilich der Staat für derartige Bildungsaufgaben aufzukommen hätte.

Setz die 200 mal auf 300 € rauf.
Gute Idee. Das Merkwürdige ist doch, dass Leute für Zigaretten immer Geld haben, für solche Abgaben nicht.

Zitat:
Denn sie bezahlen nicht genug dafür, daß sie in diesem Land existieren dürfen,

Wiebitte? Sag mal postwendend , dass Du Dich da ganz unglücklich ausgedrückt hast....
tolwin
Also ich kucke mir nie wieder 2 Bergman Filme am Stück an... naja, hat zumindest den Vorteil, Dir noch antworten zu können smile

Um beim letzten Satz anzufangen:
Daß die Verpflegung in der Schule nicht vollkkommen kostenlos sein kann ist doch evident: und ich finde die Regelung, daß diese Beiträge für die Schulverpflegung nach Einkommen gestaffelt werden, recht brauchbar. Genauso sollte es in anderen Bereichen auch noch gehen, das Bildungssystem muß einfach noch solidarischer organisiert werden. Daß Millionärskinder (ich ziehe eben zur Verdeutlichung lieber Extrembeispiele heran) ebenso viel für die Schulbildung zahlen müssen wie Kinder von Hartz IV-Empfänger (nämlich gerade mal die mitzubringenden Materialien wie Bücher, Hefte etc.) ist doch unfair. Damit kann die Forderung nach Gleichheit aber nicht aufhören. Während der Schulzeit sollten Bäder und Freibäder für Kinder bis - sagen wir mal: 15 - auch noch kostenlos sein, d.h. sie sollten einen auf sie persönlich ausgestellten Ausweis in der Schule bekommen, der ihnen freien Zutritt zu solchen Orten gewährt. Es ist doch beispielsweise schizophren sich über die zunehmende Bewegungsunfähigkeit der Kinder zu echauffieren und teure Sport-Werbekampagnen von den Krankenkassen aufzuziehen, wenn die "Problemschichtenkinder" sich gar keinen Sport leisten können. Darin liegt für mich ein grundsätzliches Gerechtigkeitsproblem, welchen zu Lasten der sozial Schwachen und ungerechtfertigtem Wohl der sozial starken führt.
Und schlimm genug, nun meine Forderung mit dem Hinweis legitimieren zu müssen, daß ich ich dies behaupte, obwohl ich aus einer sehr wohlhabenden Familie stamme. Nichts davon hat mit Sozialneid zu tun und ich bin auch kein frustrierter Die Linke Wähler.

Das die Kinder durch die Ganztagsschulen nicht ihrem sozialen Umfehlt entfliehen können, ist auch klar. Ebenso ist aber klar, daß man die Zeit, die sie dort verbringen doch möglichst reduzieren sollte. In Ländern mit Ganztagsschulen klappt die Erziehung besser, die Kinder werden gerechter gebildet, und sie werden besser gebildet. Auch gibt es viele gute Internate, die erstaunlicherweise gerade von den Eltern als Erziehungsmöglichkeit für ihre Kinder gesehen werden, die es sich leisten können. Ganz bestimmt will ich die Kinder und Jugendlichen nicht aus der Öffentlichkeit herausbekommen. Sooo sehr sind sie auch gar nicht in der Öffentlichkeit, wenn sie daheim mit ihren zwei besten Kumpels sitzen und TV glotzen oder daddeln bis das Joypad glüht.
Ich will Kinder nicht einsperren, sondern ich wünsche mir, daß sie andere Angebote bekommen als heute.

Auch kann niemand in die Familien hineinkucken und darüber Buch führen, wie zärtlich sie geweckt und sorgsam sie zugedeckt werden etc. Aber was interessant ist: der alkoholabhängige arbeitslose Vater, der den ganzen Tag zuhause abhängt, hat kaum Zeit für seine Kinder, außer, wenn er ihnen mal ein paar klatscht. Und die alleinerziehende Mutter in einem akademischen Beruf schafft es häufig immer noch, ihrem (Einzel-) Kind abends etwas vorzulesen, sich um seine Schulnöte, die Hausaufgaben, seinen Tanzkurs usw. zu kümmern. Außerdem stehen in ihrem Haushalt mehrere Regale voller Bücher, mit denen der Sproß seit frühesten Tagen in Kontakt kommt. Das Kind dieser Mutter (mit wenig Zeit) hat größere Chancen als das Kind des Alk-Papas.
Wie willst Du an diesen Zuständen langfristig was ändern? Die Schere geht von Generation zu Generation weiter auseinander. Die Dummen werden dümmer, die Klugen werden Klüger. Das ist ebenso banal, wie wahr.

Und obwohl ich die Zitatfunktion hasse:
Zitat:
Präzise und hohe Erwartungshaltung. boahh....und..darf ich mal unverschämt raten?... Dein Mann / Freund ist einer , der mit Manschetten und Goldknöpfchen gesittet und stilvoll mit Dir Bridge spielt, während ihr mit geflötetem Singsang auf italienisch die Frage erörtert, ob Giotto oder Masaccio die Zentalperspektive erfunden hat.....uahhh...ich mein, toll, wollte ich sagen...(natürlich nur zu Masaccio)


Da komme ich nicht mit. Liegt eventuell an der Zeit. Ich habe lediglich behauptet, daß ich nicht so verträumt bin, meine Kinder nur aufgrund idealistischer Vorstellungen in schlechtere Bildungseinrichtungen zu geben, wenn ich sie auch in bessere geben könnte. Lieber hätte ich es, wenn mein (imaginäres) Kind mit Freunden abhängt, die sich für Kino, Bücher etc, interessieren und nicht für den derzeitigen Grammpreis bestimmter Rauschmittel. (Anm. überaschenderweise können gebildete Menschen auch in Punkto Konsum durchaus angemessener, inwiefern das eben möglich ist, mit Rauschmitteln umgehen, als ungebildete. Wieder so eine interessante Beobachtung).

Zudem bevorzuge ich in Punkto Partnerschaft seit jeher das weibliche Geschlecht und darüber hinaus, hat weder Giotto noch Masaccio die Zentralperspektive erfunden, sondern Brunelleschi smile
Tatsache ist: nein ich würde meine Kinder nicht auf jede Schule schicken, sondern auf die best mögliche. Niemand lässt sich gerne zum Wohl der Gemeinschaft so offensichtlich benachteiligen. Tatsache ist aber auch: ich würde versuchen wollen, den gesellschaftlichen Tendenzen durch die Schule entgegenzuwirken. In den Familien selbst ist das fast unmöglich und auch dann nur mit erheblichem Aufwand.
Und weil das so ein Widerspruch ist, muss hier, wie schon gesagt, der Staat handeln.
Eigentlich könnte es mir ja egal sein, da ich nicht vorhabe Kinder zu bekommen und mich zukünftig mit den hier diskutierten Problemfällen höchstens von einem Schreibtisch aus, wenn überhaupt, beschäftigen werde.

Zum Schluß kann ich nur sagen: ich habe kein Patentrezept, was klar sein sollte. Man kann bei den Ganztagsschulen anfangen, langfristig ist es aber ein gravierend soziales Problem. Wenn man das angeht, sehe ich auch bessere Chancen dafür, daß Bildung wieder als ein Wert anerkannt wird und man nicht nur die Realschule mit Ach und Krach hinter sich bringt, weil man dann zumindest minimalste Jobchancen erlangt.

Gute Nacht und 'ne schön Woche.
barbara
Hi zusammen winken

Ein Mangel am aktuellen Bildungssystem ist bestimmt, dass die Kinder erst viel zu spät durch staatliche Einrichtungen betreut werden - dann, wenn die Zeitfenster, in denen Lernfreude und allgemeines Interesse an der Welt geprägt werden, schon längst vorbei sind.

Kinder brauchen vielfältige Stimulationen, körperliche, emotionale und mentale - wer diese als Kind zum richtigen Zeitpunkt bekommt, erhält dadurch ein Kapital fürs ganze Leben. Wers nicht bekommt... hat Pech gehabt. Im Moment ist es so, dass gebildete Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder diese Art Stimulation bekommen - es wird über vieles geredet, vieles unternommen, während Kinder von ungebildeten Eltern dies nicht erhalten. Und so werden schon früh die Chancen auf Bildung ziemlich definitiv verteilt und biologisch verankert.

Die effektivste staatliche Intervention wäre vermutlich, dafür zu sorgen, dass Kinder schon früh Unterricht bekommen - muss nicht Lesen und Schreiben sein, aber eine Vielfalt von sozialen und künstlerischen und körperlichen Erfahrungen. Und viel Zuwendung und Körperkontakt.

http://209.85.129.104/search?q=cache:nM6...lient=firefox-a
carsten aus bochum
Hi oui, hallo zusammen,


Zitat:
Zitat:
Unter Ungebildeten ist das Bewußtsein, wie wichtig Bildung ist, vollkommen unterentwickelt. Also kümmern sie sich nicht im notwendigen Maße darum, an ihrer Ungebildetheit etwas zu ändern.


Woher sollen sie es wissen, wenn sie es nie kennengelernt haben? Selbst street worker verzweifeln daran, wenn sie ein 1 oder 2-Jahresprogramm bei solchen Familien absolvieren und es ändert sich nichts. Tolwin, sag mir, warum ?



Wenn ich den Versuch einer Antwort wagen darf: Selbstvertrauen.

So habe ich es wenigstens mal gelernt. Die Eltern der Mittel- oder Oberschicht (statistisch natürlich) sind überwiegend der Meinung, dass, wenn ihr Kind mal in der Schule einen Durchhänger hat, das eben nur ein Durchhänger ist. An sich ist das Kind okay, es braucht halt ein wenig Nachhilfe, ist momentan faul oder in der Pubertät, aber das generelle Gefühl ist: wird schon klappen.

In der Unterschicht herrscht (statistisch) generelle Skepsis. Wenn hier ein Kind den Sprung aufs Gymnasium schafft und es kommt ein leichtes Tief, heißt es oft: Siehst du, haben wir doch gleich gesagt, das ist nichts für dich.
Man sollte meinen, dass viele Eltern stolz auf ihr Kind wären, aber auf der anderen Seite gehört das Kind dann auch nicht mehr so richtig zur Familie.

Kinder merken sehr genau, woher der Wind weht, wie die Grundhaltung in der Familie ist.
Zudem wird in ungebildeten Kreisen Bildung oft entwertet, „Doktor ist er, aber vernünftig einparken kann er nicht und sein Auto auch nicht selbst reparieren.“ Das mag nun stimmen oder nicht, damit wird ein entwertendes Bild von einem gebildeten, aber lebensunfähigen Trottel vermittelt.

Das Problem bei vielen Vertretern der Unterschicht ist aber eben häufig auch die grobe Einteilung der Welt in schwarz und weiß, Idealisierung und Entwertung.

Womit Du natürlich völlig richtig liegst, ist dass man nicht pauschalieren sollte. Jeder Fall ist ein Einzelfall.
Dazu (nicht pauschal zu urteilen) sind aber wieder eher Vertreter jener Schichten in der Lage, die es gelernt haben, mit Ambivalenzen umzugehen, eine graue und uneindeutige Mitte zwischen den Extremen zu ertragen.
Um mit T.V. Kaiser zu spechen: „Ein Teufelskreis.“ Zwinker

Deshalb ist es nicht unwichtig, dass ein Denken, dass ein erfolgreiches Leben mit der Anhäufung diverser Statussymbole assoziiert, ein wenig verändert wird.

Schon deshalb ist eine Vermittlung von Werten nicht schlecht.
Etikette (teilweise die sichtbare Hülle der Werte) allein ist zwar auch nur snobistischer Status und nicht viel weniger oberflächlich als das richtige Auto zu haben, aber wenn man einen Bereich hat, in dem man Selbstvertrauen aufbauen kann, und abhängig vom Geld und Status, Menschen Ziele gibt, oder besser noch: sie selbst in die Lage versetzt sich konkrete Ziele zu setzen, die sie dann teilweise auch erreichen, dann hebt das das Selbstbewusstsein.

Mit größerem Selbstbewusstsein ist man aber viel eher in die Lage versetzt Ambivalenzen zu tolerieren und primitive Welt- und Selbstbilder zugunster komplexerer und realistischerer aufzugeben, was erneut das Selbstbewusstsein stärkt.
So entsteht eine Spirale nach oben.

Natürlich hat ein einmal eingetrichtertes und vor allem vorgelebtes Weltbild ein gewisses Beharrunsgvermögen, machen wir uns hier nichts vor, aber es gibt durchaus Wege da raus und wenn man selbst will, ist das nicht die schlechteste Voraussetzung.


Gut wäre auch, wenn neben den klassischen Bildungsfächern tatsächlich und ernsthaft mehr Wert auf Sport, Musik, Geschicklichkeit (Jonglieren lernen, Körperkoordination, Tai Chi, Tanzen, kinesiologische Übungen...) usw. gelegt würde und nicht nur so getan wird als ob.

Ich hätte mir damals auch ein wesentlich dynamischeres Schulsystem gewünscht, mit einem breiteren Spektrum und selbst zu legenden Schwerpunkten. Es gibt ganze Halbjahre, an die ich mich überhaupt nicht mehr erinnern kann, Fächer, in denen ich buchstäblich nichts gelernt habe.

Naturwissenschaften habe ich geliebt, aber die waren rar gesät und dann nach dem entweder-oder Prinzip.
Ich verstehe schon, dass man keine Fachidioten züchten will, aber auch Kinder verstehen schon Sinnzusammenhänge, und dass man Fremdsprachen auch für eine naturwissenschaftliche Karriere braucht wird irgendwann jedem klar und die Sache macht viel mehr Sinn.

Von der Naturwissenschaft kommt man auch recht organisch zu Fragen, die darüber hinaus reichen.


Als ein echtes Problem könnte sich aber in Zukunft folgendes erweisen, nämlich Kinder, die kaum noch (deutsch oder ausländisch) in einen sozialen Verband zu integrieren sind. Davon gibt es immer mehr, und wenn die die Marschroute auf Hauptschulen mehr bestimmen als die Lehrer, was sie offenbar tun, dann muss man sich eine Lösung einfallen lassen.

Die flotten Konzepte der Sozialarbeiter haben in der Regel gemein, dass sie nicht funktionieren.
Ich denke inzwischen, dass man die harten Fälle wirklich aus der Schule herausnehmen und frühzeitig therapieren muss um, wenigstens Vorstufen von Unterricht in einigen Hauptschulen wieder zu ermöglichen und den Kindern eine Chance zu geben wenigstens, auch zu ihrem eigenen Nutzen, soziales Funktionieren zu erlernen, wo es mit echter Einsicht geht, umso besser.

Das ist umständlich und kostet, aber ich denke, es ist unterm Strich die billigere Alternative.

Gruß,

Carsten
oui
Ist Bildung doch nur für die Katz´?

http://de.wikipedia.org/wiki/Bildungsparadox geschockt



@Barbara

Danke für diesen wertvollen Beitrag, ich hab´ihn gedanklich mit Sonnenblumen umrahmt. fröhlich
barbara
Hallo oui, danke für die Blumen, die kann ich gerade sehr gut gebrauchen...Sonne

Eine weitere Verbesserungsmöglichkeit sind die Klassengrössen. In der privaten Fortbildung, zum Beispiel an Volkshochschulkursen, gibts schon längst keine Gruppen mit mehr als zwölf Personen... Während man offenbar Kinder in Klassen von zwanzig oder dreissig quetschen darf.

Hier in Basel gibts nun die seltsame Situation, dass Regelklassen immer noch ungefähr zwanzig Kinder umfassen, manchmal auch mehr - und daneben gibt es ein Gestrüpp von Kleinklassen, Sonderklassen, Förderunterricht, Schulpsychologe, Logopädie, Extra hier und Extra da... .das kann doch keine Lösung sein.