Was ist Kunst?!

tolwin
Mal wieder die Kunstgeschichte... okay.

Meint ihr Joseph Beuys? Oder ist ein Gag an mir vorbeigerauscht?

@ Reikimeister
Kannst Du Dich bemühen lesbar zu schreiben, wäre nett. Danke smile Deine Texte sind Augenfolter.

@ Aurom
Wenn Du Dir schon ein nichtvorhandenes Wissen bezüglich der Kunst immer und immer wieder attestierst, dann überschreitest Du eine Grenze, welche zwischen naiver Ehrlichkeit und unnötiger Selbstbezichtigung liegt smile

Kunst soll nicht nur Gefallen. Dann wäre es keine Kunst, sondern Design. Hast Du Dir die Anmerkungen von Beuys (um bei einem konkreten Künstler zu bleiben) durchgelesen? In der Pinakothek der Moderne in München hättest Du diese Gelegenheit. Plus die Kunstwerke selbst. Klar, wer sich als Badewannenspezialist bezeichnet, dem tritt man natürlich etwas skeptisch entgegen... smile

Allgemein.
Um es provokativ zu formulieren. Kunst ist nicht für jeden gleichermaßen verständlich. Und ganz sicher ist nicht jeder ein Künstler. Sie ist eine elitäre kulturelle Richtung, welche jedoch jedem theoretisch Zugänglich ist. Viele machen es sich doch sehr einfach mit ihrem Kunstbegriff, denn hie und da forumuliert man sich einen bequemen Einheitsbrei, was Kunst sei und was sie müsse und wer Künstler sei und außerdem ...
Der Großteil der Befragten Menschen (ich spreche nicht vom Forum) baut einen Kunstbegriff entweder um eine Geschmacksfrage herum auf, oder um ein Kunst muss ... können. Die wenigsten Menschen beschäftigen sich mit Kunst. Dabei wird ein Kunstbegriff erschaffen und die Kunst reduziert. Oft schon durch die Begrifflichkeit: ein Künstler ist ein Bildermaler. Das ist die primitivste Form der Reduktion (zu Lasten aller Schriftsteller, Filmemacher, Musiker usw.). Von der brauchen wir gar nicht zu sprechen.
Dann gibt es eine weniger primitive Form der Reduktion: nun kommt man bspw. zu dem Schluß, Kunst wäre Ausdruck von Emotionen. Demnach ist ein Künstler ein Mensch, der seine Emotionen darstellt. Sicher nicht falsch. Aber alles?
Was schön wäre: zugeben ein Kunstwerk nicht verstanden zu haben. Das ist etwas anderes als das gar nicht so schamhafte "damit konnte ich nichts anfangen - naja vielleicht jemand anderes". Damit zieht man Kunst auf eine rein subjektive Ebene, die ihr nicht angemessen ist.

Die Kunst arbeitet mit Verweisen, mit Symbolen. Ein Kreuz ist nicht nur das zufällige Aufeinandertreffen zweier Linien, es bedeutet etwas. Der Kundige kann darin einen Verweis auf das Christentum erkennen, auf den Kreuzestod Jesu, die Flagge der Schweiz usw. Ein geschriebenes Wort sind nicht nur zufällige Schwärzungen auf einem Stück Papier. Wenn diese Schwärzungen eine bestimmte Anordnung finden, dann kann der Kundige hier ein zu Herzen gehendes Poem Rilkes erkennen und sich damit den ganzen Tag bereichern. Wer aber des Schreibens und Lesens nicht kundig ist, der sieht hier nur einen Haufen Fliegendreck auf dem Papier.

Hat man das erkannt, scheint es plötzlich Gesetze zu geben, nach welchen ein Objekt mal besser, mal schlechter veranschaulicht wird.

Bis zu diesem Punkt gehen die Meinungen nicht sonderlich weit auseinander, soweit sind die meisten Menschen in unserem Kulturkreis, daß sie naturalistische Abbildungen erkennen und schätzen.
Jedenfalls wird man zu einem Künstler, der so ein solches Bild gemalt hat, nicht hingehen und sagen: "Ey, das ist nur ein Haufen Gekelckse auf Leinwand, nicht mehr!" Immerhin.

Aber es geht noch weiter. Derartige Bilder wurden im neunzehnten Jahrhundert in einer Perfektion gemalt, daß wir heute nur staunen können. In der sogenannten Salonmalerei wurde hier ein Grad handwerklichen Könnens erreicht, der in dieser "realistischen" Richtung nicht mehr zu toppen war.

Von da an fingen manche Künstler an, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen wie: was ist Farbe überhaupt? Warum wirkt eine Zitrone auf einem violetten Tuch viel leuchtender, als wenn man sie auf ein grünes Tuch legt?
Oder: Woran erkennen wir ein menschliches Gesicht? Was gehört unbedingt dazu, damit wir es als menschliches Gesicht wahrnehmen? Braucht es dafür Nasenlöcher und Augenlider, oder reicht am Ende nur ein Oval?
Naja, ich will jetzt nicht die ganze Geschichte der Moderne erzählen, aber man wird merken, wohin die Richtung geht: Man stellte sich andere Fragen als jene, die im neunzehnten Jahrhundert ausreichend beantwortet wurden. Da die Fragen sich änderten, mußten auch die Antworten sich ändern, auch die Sprache, in welcher geantwortet wurde. Die Kunst änderte sich - was kein qualitatives Werturteil ist. Wozu sollte man noch Geschehnisse oder Personen oder Gegenstände malen, wenn man dafür doch inzwischen Fotoapparate hatte, die eine objektive Wiedergabe viel schneller und praktischer ermöglichten? Also konzentrierten sich die Künstler auf Themen, die sich nicht so einfach fotografisch festhalten ließen, weil sie schwerer zu fassen, abstrakter und gleichzeitig auch sinnlicher waren.

Und da komme ich nun zu den Fettklumpen-Beispiel von Aurom zurück. Und damit zu Beuys, mit dem ich mich etwas besser auskenne. Dieser Künstler (welcher keine Probleme damit hatte, vollkommen realistisch zu zeichnen) war im zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe und wurde über Rußland abgeschossen. Er wurde, halb verbrannt und halb erfroren, von Ureinwohnern Sibiriens gefunden. Diese hüllten ihn ein in Fett und Kaninchenfelle, damit er nicht noch mehr Körperwärme verlöre. Ihre Schamanen retteten ihm das Leben. Seither kommen Fett und Felle immer wieder in seinen Installationen vor. Über die rein praktische Funktion des Warmhaltens erfüllten diese Materialien aber bei den Schamanen noch eine höhere, sozusagen religiöse Funktion. Ich kenne mich nicht genug aus in dieser Welt der Schamanen, man kann Genaueres dazu sicherlich recherchieren. Für Beuys hatte die Art, wie er damals eingewickelt wurde, etwas mit dem System der Batterien zu tun, wo ja einst auch organische Schichten wie Leder oder Froschhaut zwischen metallische Schichten gepackt wurden, woraus dann ein Fließen von Energien - Strom - resultierte. Der Schamane lud gleichsam die Lebensbatterie von Beuys auf.
Dieser Zusammenhang, den er auf der Grenze zum Tod in einer ihm völlig fremdartigen Welt erfuhr, faszinierte ihn, und jene Erkenntnisse, die er so fernab unserer westlichen Kultur da hatte, die versuchte er später seinem Publikum näher zu bringen. Immer wieder treffen in seinen Werken Pelz, Fett und Metall aufeinander, manchmal verbunden, manchmal offensichtlich getrennt, mitunter kommen Musikinstrumente hinzu, die an jene Instrumente erinnern mögen, mit welchen die Schamanen die Genesungs-Rituale begleiteten. Der Gedanke, daß die Robben (von denen das Fett stammte) und die Kaninchen (Pelz) sterben mußten, damit er, Beuys, gerettet werden könne, das Motiv der Vergänglichkeit allen Lebens, wird von ihm auch immer und immer wieder thematisiert. Wobei das Sterben des einen die Lebensenergie des anderen bedingt.
Gleichzeitig vergaß Beuys aber nicht, was er als westlicerh Künstler gelernt hatte, sondern verband diese neue Art, die Welt zu sehen und zu begreifen, mit den abendländischen Kunst-Traditionen. Statt mit Sepia-Tusche zeichnete er beispielsweise mit Blut, statt der schamanischen heiligen Zeichen verwendete er unsere heiligen Zeichen wie das Kreuz oder den Blitz oder die Lilie... Das alles ist noch viel, viel komplexer, der Mann war ein echtes Jahrhundertgenie, und ich werde sein Werk sicherlich nicht in einer halben Stunde hier schriftlich erklären können.

Das alles kann man nicht wissen. Doch kann man sich damit beschäftigen und zu diesem Wissen gelangen. Hutawas Definition ist mir sehr sympathisch. Ein - sit venia verbo - dahergeschissener Kothaufen von Onkel Anton aus Y. hat demnach nicht den selben künstlerischen Wert, wie eine Installation von Beuys. Und wenn man eine verdreckte Badewanne zuhause stehen hat, ist man dadurch noch kein Künstler, sondern eben lediglich ein Mensch mit Hygieneproblemen (so jetzt reduziere ich auch 'mal).
Darin liegt nicht der Wertsubjektive Moment der Kunst. Wer die Beschäftigung mit der Komplexität hinter dem Wert als todlich langweiliges gelaber abtut, der weigert sich mit Kunst zu beschäftigen - Punkt. Der sollte dann auch kein Urteil fällen. Anders: in einem anderen Topic geht es um Sartre. Auch hier äußerten sich bestimmte Leute, die nie einen längeren Text von ihm gelesen haben. Aber ein Urteil haben die meisten, sowohl was die Kunst angeht, oder auch die Philosophie - spöttisch im Gestus natürlich. Wenn meine Oma mich immer darauf aufmerksam macht, daß ich nichts anständiges studiere (so'an schmarrn Bua) , dann - sie sei im Gegensatz zu den hier Schreibenen entschuldigt - können sich einige Leute ohne weiteres neben sie einreihen smile Denn sie hat auch nie in ihrem Leben ein philosophisches Werk gelesen oder sich mit Kunst beschäftigt.
Rhetorix
Zitat:
Original von tolwin
...Kunst ist nicht für jeden gleichermaßen verständlich....

Richtig. Allein schon im Hinblick auf die von dir erwähnte Sprache, die nicht jeder spricht. Auch ein Künstler wird daher nicht jedes Kunstwerk verstehen können.

Zitat:
...Dabei wird ein Kunstbegriff erschaffen und die Kunst reduziert. Oft schon durch die Begrifflichkeit: ein Künstler ist ein Bildermaler. Das ist die primitivste Form der Reduktion (zu Lasten aller Schriftsteller, Filmemacher, Musiker usw.). Von der brauchen wir gar nicht zu sprechen.

Richtig. Ich kann mir die Gelegenheit aber nicht entgehen lassen, die Jeder-ist-Künstler-Fraktion zu fragen, ob sie die Urlaubsvideos von Onkel Heinz (oder seine Fotos von der nackten Tante Else) für Kunst und Onkel Heinz demzufolge für einen Künstler halten.

Zitat:
Dann gibt es eine weniger primitive Form der Reduktion: nun kommt man bspw. zu dem Schluß, Kunst wäre Ausdruck von Emotionen. Demnach ist ein Künstler ein Mensch, der seine Emotionen darstellt. Sicher nicht falsch. Aber alles?

Doch falsch! Ich habe den Verdacht, dass diejenigen, die Kunst für den Ausdruck von Emotionen halten, noch nie sakrale Kunst gesehen oder gehört haben (und vieles andere gleichfalls nicht).

Vielen Dank für deine interessanten Ausführungen zu Beuys!
Aurom
Zitat:
der Mann war ein echtes Jahrhundertgenie...


mag sein...ich sehe das halt mit den augen von otto normalverbraucher nunja

Zitat:
...Das alles kann man nicht wissen. Doch kann man sich damit beschäftigen und zu diesem Wissen gelangen.


danke für den versuch, mir beuys zu erklären...aber gibt es nicht experten, die all das auch wissen und trotzdem sagen, dass das keine kunst ist, sondern ein schmarrn?
auch ich könnte ja mal mein paar relikte meiner persönlichen geschichte zusammenstellen und auf einen sockel legen, glaube aber nicht, dass das irgendwer für kunst halten würde nunja
tolwin
@ Aurom

Okay. Ich kann niemanden dazu zwingen, mal abseits von den altbekannten und ausgefahrenen Meinungswegen zu forschen. Wer etwas gar nicht verstehen will, weil er lieber weiterhin auf seinen "gesunden Menschenverstand", seinem "Geschmack" oder welcher hehren Dinge da sonst noch so sein mögen, stolz und trotzig besteht, der wird zu ganz bestimmten Denkweisen also keinen Zugang finden.
Aber ich bin mir ziemlich sicher, daß man sich mit einer solchen Einstellung selbst etwas entgehen lässt und da sage ich nun, eine solche Einstellung ist borniert. Über Eliten hat sich "das einfache Volk" lustig gemacht, seit es sowas wie Eliten gab. Früher machte man sich über den Adel oder die Geistlichkeit lustig, heute über Politiker oder sonstige Promis. Solch ein Spotten hat sicherlich immer etwas Erfrischendes und hat ja auch eine korrigierende, heilsame Wirkung: Wenn alle sich einig sind, daß der Kaiser keine Kleider anhat, dann wird er sich vielleicht mal was anziehen, so meint man. Wird er aber nicht. Ihm ist es völlig wurscht, was man über ihn denkt.

Man kann dann trotzdem darüber seine Witzchen machen, ein paar Extrembeispiele bringen und sich selbst auf die Schulter klopfen, wie fest man doch mit beiden Beinen verankert sei im Normalen, nicht Überkandidelten. Man kann dann weiterhin sagen: ich verlange von Kunst nicht mehr, als die Straßenmaler am Mont Martre in fünfzehn Minuten zusammenpinseln. Aber wenn dieser Spott zu billig wird, wenn er sich auf ururur-alte Pointen reduziert, wenn man sich anhand der Art dieses Spottes ausrechnen kann, daß der Spottende überhaupt nicht kapiert, worüber er da lacht, dann... nunja, mir kann es ja eigentlich auch egal sein smile Ich bin ja nicht derjenige, dem etwas entgeht. Und diejenigen, die etwas nicht kennen, vermissen es auch nicht.
Aurom
du darfst mich gerne verhöhnen, tolwin...was du experten sagst, die dein wissen über beuys ebenfalls haben oder sogar noch mehr wissen und diese werke trotzdem zu "schrott" erklären, hast du noch nicht rübergebracht...rübergebracht hast du nur "wer beuys doof findet, ist selber doof"... nunja
tolwin
Ich verhöhne niemanden. Ich kritisiere etwas. Und das bist nicht Du als Person, sondern Deine Einstellung, in welcher Du es Dir bequem gemacht hast.
Und meine Ansichten habe ich wohl doch etwas komplexer dargelegt als von Dir behauptet.
Und natürlich gibt es Kritiker, die Beuys für einen Scharlatan halten. Ich hielt das für so evident, daß ich gar nicht darauf antworten wollte. Schau auf ein Dir hoffentlich bekannteres Terrain, die Philosophie: Ebenso hielt ein Adorno den heideggerschen "Jargon der Eigentlichkeit" für eine Luftnummer, Popper seinerseits wetterte gegen Adorno und Horkheimer uswpp. Es geht aber um die Art der Kritik. Diese ist entweder fundiert oder eben nicht.
Wer eine Kunstrichtung ablehnt, weil er sich als "Otto-Normalverbraucher" ohne Verständnis outet, der soll bitteschön von Kunst die Finger lassen. Kein Problem, Kulturerwerb basiert ab einem gewissen Alter auf Freiwilligkeit. Beuys war nur ein Beispiel. Du hättest bei jedem x-beliebigen Beispiel auf die selbe Art reagiert. Und selbst, wenn ich noch 10 Seiten Erklärungen geschrieben hätte, wäre Deine lakonische Antwort ein schön und gut, ABER gewesen. Was dann folgt ist die übliche Dialektik der Bequemlichkeit, die den eingenommenen Standpunkt felsenfest legitimiert.

Abgesehen davon empfinde ich es als peinlich, seine Unwissenheit dermasen zu zelebrieren. Das störte mich. Denn damit sagt man ja selbst: ich habe keine Ahnung, doch für ein mag ich, mag ich nicht reicht es allerdings immer noch.
Aurom
beruhige dich...ich will doch nur spielen... roll

Zitat:
Du hättest bei jedem x-beliebigen Beispiel auf die selbe Art reagiert.


keineswegs...ich finde zb eine musik gut, die für die meisten nur "grässlicher lärm" ist winken
tolwin
Und ich will nur erklären...

Mh, Du stehst auf Tokio Hotel? Eher ihre alten, oder die neueren Arbeiten? smile
Aurom
um gotteswillen...viel zu viele akkorde... Zwinker
Urban
Zitat:
Original von Rhetorix
Doch falsch! Ich habe den Verdacht, dass diejenigen, die Kunst für den Ausdruck von Emotionen halten, noch nie sakrale Kunst gesehen oder gehört haben (und vieles andere gleichfalls nicht).

Vielen Dank für deine interessanten Ausführungen zu Beuys!


Bedeutet dieses, dass Kunst für dich nur Kunst ist, wenn ein geschichtlicher Ursprung hinter steckt?

Jetzt kommts ja wohl ganz hart.....
Rhetorix
Zitat:
Original von Aurom
...ich finde zb eine musik gut, die für die meisten nur "grässlicher lärm" ist winken

Indische Musik?
Mia Joelle
Zitat:
Original von tolwin
Kunst ist nicht für jeden gleichermaßen verständlich. Und ganz sicher ist nicht jeder ein Künstler. Sie ist eine elitäre kulturelle Richtung, welche jedoch jedem theoretisch Zugänglich ist. Viele machen es sich doch sehr einfach mit ihrem Kunstbegriff, denn hie und da forumuliert man sich einen bequemen Einheitsbrei, was Kunst sei und was sie müsse und wer Künstler sei und außerdem ...


Danke, tolwin. smile

Zitat:
Original von tolwin
Damit zieht man Kunst auf eine rein subjektive Ebene, die ihr nicht angemessen ist.


Das versuchte ich die ganze Zeit deutlich zu machen (mit sichtlich wenig Erfolg, zugegeben). Aber was willst du machen, wenn dem ein oder anderen eine gewisse Objektivität fehlt? Oder die Person davon ausgeht, mit dem - was sie/er denkt - richtig zu liegen? (Oder so cholerisch und verbittert ist, dass man niemanden mehr an sich ranlässt, schon gar nicht jüngere Menschen, die keinen Schimmer davon zu haben haben?)
Ja, man kann sich Wissen aneignen. D.h. jedoch nicht, dass jede/r von diesem "Recht" Gebrauch macht. Ich weiß nicht, ob ich mich für Kunst interessieren würde, würde es mich nicht interessieren (wäre ich z.B. nicht auf einer FOS für Gestaltung gewesen und hätte nicht gelernt, Kunstwerke - in welcher Form auch immer - objektiv zu analysieren). Zwinker

Liebe Grüße
Mia
Rhetorix
@ tolwin

Ruhig mal weg von den Trockenübungen.

Ich verlinke mal ein paar Stücke von Beuys.
Such dir dasjenige aus, womit du am meisten anfangen kannst.
Und dann bitte dich, solchen Banausen wie Aurom und mir (und vielleicht noch dem einen oder anderen) zu erklären, warum es sich nicht um Scharlatanerie, sondern um Kunstwerke handelt.

Mia ist selbstverständlich nicht gehindert, den Kunst-Charakter dieser Stücke gleichfalls zu erläutern.

Nr. 1 - Nr. 2 - Nr. 3 - Nr. 4 - Nr. 5
Mia Joelle
@Rhetorix

Das werde ich tun, sobald ich Sonntag Mittag wieder (heile) zuhause bin. Favorisieren - für eine objektive Analyse unter Gesichtspunkten der Semiotik - tu' ich Bild 1. (Aber ich könnte auch jedes andere (Kunst)Werk von Beuys anhand dieses Musters versuchen zu interpretieren... wenn jemand also besondere Wünsche hat. Zwinker ).

Grüße
Mia
tolwin
@Rhetorix

Ich kann Dir nicht beweisen, daß es sich nicht um Scharlatanerie handelt. Aber das schöne dabei: ich muss auch gar nicht. Desweiteren will ich es nicht.
Beuys hat seine Kunstwerke für das Publikum i. d. R. interpretiert. Damit unterscheidet er sich schon von vielen anderen modernen Künstlern. Sicher findest Du diese Interpretationen im Internet.
Ich habe nun, wie ich meine, meinen Standpunkt ausführlich klargemacht, Beuys künsterliche Grundlagen erklärt (eben um zu zeigen: es steckt mehr dahinter) und möchte anbei niemanden missionieren. Wer sich für Beuys interessiert, wird sich über ihn informieren. Aber der inquisitorische Ton, dieses: Gestehe! Wo ist hier Kunstgenuss, verekelt mir eine Diskussion.

Und nebenbei: ich halte niemanden für einen Banausen.
Rhetorix
Zitat:
Original von Mia Joelle
...Favorisieren - für eine objektive Analyse unter Gesichtspunkten der Semiotik - tu' ich Bild 1. ...

Mia, es ging mir nicht um eine objektive Analyse unter dem Gesichtspunkt der Semiotik, sondern um eine Begründung dafür, warum der Filzanzug Kunst ist!
Rhetorix
@ tolwin: Was bist du nur so aggresiv? Ist doch sonst nicht deine Art.

Zitat:
Original von tolwin
Ich kann Dir nicht beweisen, daß es sich nicht um Scharlatanerie handelt.

Ich habe dich nicht um einen Beweis, sondern um Argumente für deine Behauptung gebeten, dass die Werke von Beuys Kunstwerke sind.

Zitat:
Aber das schöne dabei: ich muss auch gar nicht.

Wir sind in einem Diskussionsforum.
Da sollte man eigentlich bereit sein, für die Behauptungen, die man vertritt, Argumente zu liefern.
Man sollte es zumindest versuchen, wenn man höflich darum gebeten wird.

Zitat:
Sicher findest Du diese Interpretationen im Internet.

Was habt ihr nur immer mit euren Interpretationen!
Es lässt sich so vieles interpretieren. Auch meine Beiträge lassen sich interpretieren. Und wenn ich einen röhrenden Hirsch male, dann lässt auch der sich interpretieren, zumindest von mir selbst.
Kunst ist das alles drum aber noch lange nicht.

Zitat:
Aber der inquisitorische Ton, dieses: Gestehe! Wo ist hier Kunstgenuss, verekelt mir eine Diskussion.

Hier hat dich niemand nach dem Kunstgenuss gefragt, weder ich, noch Aurom, noch sonstwer. Kunstgenuss war bislang gar nicht das Thema.
tolwin
'Tschuldige, falls es aggressiv wirkte. War nicht beabsichtigt.
Nur: oben schreibst Du noch, wie evident es ist, daß nicht jeder ein Künstler, nicht alles ein Kunstwerk ist und nun, soll ich plötzlich ein konkretes Kunstwerk von Beuys Dir zugänglich machen (was ich natürlich nicht kann) und zudem kommt so ein - pardon - saublödes Beispiel mit dem röhrenden Hirschen (der übrigens DAS Motiv des sozialistischen Realismus war). Sowas stört mich eben.
Ehrlich gesagt bin ich über diese Kunst-Threads (kürzlich: Topic Absetzung von Idomeneo) immer etwas enttäuscht, denn ich hätte von einigen zumindest mehr Offenheit und weniger Borniertheit erwartet. Kaum jemand scheint darauf zu kommen, daß er, wenn er eine Sache schwachsinnig findet, eventuell nur nicht über die nötigen Informationen verfügt, um hinter ihren Sinn zu kommen. Das wiederhole ich nun auch schon zum Erbrechen. Dabei ist Kunst, wie schon gesagt etwas, das definitiv dem Wandel der Zeiten unterliegt, und wenn heute jemand über die Gegenwartskunst herzieht und dann nach den guten alten Van-Gogh-Gemälden sich zurücksehnt, dann entbehrt dies nicht einer gewissen Komik. Denn mit dieser Bezugnahme auf die ältere Kunst wurde van Gogh zu Lebzeiten abgelehnt.
Manche Kunst ist absichtlich so konzipiert, daß sie ersteinmal mißverstanden wird, und die Provokation ist ja ein Stilmittel. Allerdings ist die Hoffnung vieler Künstler, daß die Menschen ihre erste instinktive Reaktion auch mal reflektieren und damit sich selbst etwas infrage stellen. Dies scheint mir aber, wenn ich diese Threads so durchlese, eine eher utopische Hoffnung zu sein, man scheint schon sehr festgefügte Meinungen darüber, was Kunst und was Scharlatanerie sei, zu haben.
Was ich vielleicht sagen möchte: hier stoße ich an meine Grenzen.
Mia Joelle
Zitat:
Original von Rhetorix
Mia, es ging mir nicht um eine objektive Analyse unter dem Gesichtspunkt der Semiotik, sondern um eine Begründung dafür, warum der Filzanzug Kunst ist!


Ok, wer nicht will, der hat schon.
(Aber nur so nebenbei: Semiotik ist durchaus ein Mittel um Kunst objektiv anschaulich zu machen.)

Zitat:
Original von Rhetorix
Da sollte man eigentlich bereit sein, für die Behauptungen, die man vertritt, Argumente zu liefern.


Tja, wo bleiben dann deine Arguemte, wieso versch. Werke keine Kunst sind?
Ich lese nur "mir gefällt xy nicht", "xy kann sich dies und das sparen, weil es mich nicht interessiert". Objektive Argumente und konstruktive Kritik sieht - meiner Meinung nach - (auch) anders aus...

...denn mit Emotionen hat Kunst ja angeblich nicht sehr viel zu tun (jedenfalls nicht ausschließlich). Gell?

Schönen Abend!
Mia
Wolf
Zitat:
Tja, wo bleiben dann deine Arguemte, wieso versch. Werke keine Kunst sind?

Hierbei sollte - denke ich - ebenfalls nach einem naturwissenschaftlich fundierten Kriterium der (psychischen) Gesundheit gefragt werden; das könnte zu einer Unterscheidung von "Kunst" (Darstellung naturgemäßer Bedürfnisse bzw. Handlungen) und "p*rnografie" (Wiedergabe von Ersatzbedürfnissen) führen. Robinso Crusoe und Schöne Neue Welt z.B., könnte man versuchsweise als p*rnografische Wiedergaben 'sozialer' Entartung auffassen - ersterer als Drang zu eremitischer Vereinsamung und letzterer als der zur anonymen Vermassung; gemeinsam ist beidem das Fehlen von Glück; dessen Abbildung wäre erst machbare auf dem Wege der "Kunst".