tolwin
Mal wieder die Kunstgeschichte... okay.
Meint ihr Joseph Beuys? Oder ist ein Gag an mir vorbeigerauscht?
@ Reikimeister
Kannst Du Dich bemühen lesbar zu schreiben, wäre nett. Danke
Deine Texte sind Augenfolter.
@ Aurom
Wenn Du Dir schon ein nichtvorhandenes Wissen bezüglich der Kunst immer und immer wieder attestierst, dann überschreitest Du eine Grenze, welche zwischen naiver Ehrlichkeit und unnötiger Selbstbezichtigung liegt
Kunst soll nicht nur Gefallen. Dann wäre es keine Kunst, sondern Design. Hast Du Dir die Anmerkungen von Beuys (um bei einem konkreten Künstler zu bleiben) durchgelesen? In der Pinakothek der Moderne in München hättest Du diese Gelegenheit. Plus die Kunstwerke selbst. Klar, wer sich als Badewannenspezialist bezeichnet, dem tritt man natürlich etwas skeptisch entgegen...
Allgemein.
Um es provokativ zu formulieren. Kunst ist nicht für jeden gleichermaßen verständlich. Und ganz sicher ist nicht jeder ein Künstler. Sie ist eine elitäre kulturelle Richtung, welche jedoch jedem theoretisch Zugänglich ist. Viele machen es sich doch sehr einfach mit ihrem Kunstbegriff, denn hie und da forumuliert man sich einen bequemen Einheitsbrei, was Kunst sei und was sie müsse und wer Künstler sei und außerdem ...
Der Großteil der Befragten Menschen (ich spreche nicht vom Forum) baut einen Kunstbegriff entweder um eine Geschmacksfrage herum auf, oder um ein Kunst muss ... können. Die wenigsten Menschen beschäftigen sich mit Kunst. Dabei wird ein Kunstbegriff erschaffen und die Kunst reduziert. Oft schon durch die Begrifflichkeit: ein Künstler ist ein Bildermaler. Das ist die primitivste Form der Reduktion (zu Lasten aller Schriftsteller, Filmemacher, Musiker usw.). Von der brauchen wir gar nicht zu sprechen.
Dann gibt es eine weniger primitive Form der Reduktion: nun kommt man bspw. zu dem Schluß, Kunst wäre Ausdruck von Emotionen. Demnach ist ein Künstler ein Mensch, der seine Emotionen darstellt. Sicher nicht falsch. Aber alles?
Was schön wäre: zugeben ein Kunstwerk nicht verstanden zu haben. Das ist etwas anderes als das gar nicht so schamhafte "damit konnte ich nichts anfangen - naja vielleicht jemand anderes". Damit zieht man Kunst auf eine rein subjektive Ebene, die ihr nicht angemessen ist.
Die Kunst arbeitet mit Verweisen, mit Symbolen. Ein Kreuz ist nicht nur das zufällige Aufeinandertreffen zweier Linien, es bedeutet etwas. Der Kundige kann darin einen Verweis auf das Christentum erkennen, auf den Kreuzestod Jesu, die Flagge der Schweiz usw. Ein geschriebenes Wort sind nicht nur zufällige Schwärzungen auf einem Stück Papier. Wenn diese Schwärzungen eine bestimmte Anordnung finden, dann kann der Kundige hier ein zu Herzen gehendes Poem Rilkes erkennen und sich damit den ganzen Tag bereichern. Wer aber des Schreibens und Lesens nicht kundig ist, der sieht hier nur einen Haufen Fliegendreck auf dem Papier.
Hat man das erkannt, scheint es plötzlich Gesetze zu geben, nach welchen ein Objekt mal besser, mal schlechter veranschaulicht wird.
Bis zu diesem Punkt gehen die Meinungen nicht sonderlich weit auseinander, soweit sind die meisten Menschen in unserem Kulturkreis, daß sie naturalistische Abbildungen erkennen und schätzen.
Jedenfalls wird man zu einem Künstler, der so ein solches Bild gemalt hat, nicht hingehen und sagen: "Ey, das ist nur ein Haufen Gekelckse auf Leinwand, nicht mehr!" Immerhin.
Aber es geht noch weiter. Derartige Bilder wurden im neunzehnten Jahrhundert in einer Perfektion gemalt, daß wir heute nur staunen können. In der sogenannten Salonmalerei wurde hier ein Grad handwerklichen Könnens erreicht, der in dieser "realistischen" Richtung nicht mehr zu toppen war.
Von da an fingen manche Künstler an, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen wie: was ist Farbe überhaupt? Warum wirkt eine Zitrone auf einem violetten Tuch viel leuchtender, als wenn man sie auf ein grünes Tuch legt?
Oder: Woran erkennen wir ein menschliches Gesicht? Was gehört unbedingt dazu, damit wir es als menschliches Gesicht wahrnehmen? Braucht es dafür Nasenlöcher und Augenlider, oder reicht am Ende nur ein Oval?
Naja, ich will jetzt nicht die ganze Geschichte der Moderne erzählen, aber man wird merken, wohin die Richtung geht: Man stellte sich andere Fragen als jene, die im neunzehnten Jahrhundert ausreichend beantwortet wurden. Da die Fragen sich änderten, mußten auch die Antworten sich ändern, auch die Sprache, in welcher geantwortet wurde. Die Kunst änderte sich - was kein qualitatives Werturteil ist. Wozu sollte man noch Geschehnisse oder Personen oder Gegenstände malen, wenn man dafür doch inzwischen Fotoapparate hatte, die eine objektive Wiedergabe viel schneller und praktischer ermöglichten? Also konzentrierten sich die Künstler auf Themen, die sich nicht so einfach fotografisch festhalten ließen, weil sie schwerer zu fassen, abstrakter und gleichzeitig auch sinnlicher waren.
Und da komme ich nun zu den Fettklumpen-Beispiel von Aurom zurück. Und damit zu Beuys, mit dem ich mich etwas besser auskenne. Dieser Künstler (welcher keine Probleme damit hatte, vollkommen realistisch zu zeichnen) war im zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe und wurde über Rußland abgeschossen. Er wurde, halb verbrannt und halb erfroren, von Ureinwohnern Sibiriens gefunden. Diese hüllten ihn ein in Fett und Kaninchenfelle, damit er nicht noch mehr Körperwärme verlöre. Ihre Schamanen retteten ihm das Leben. Seither kommen Fett und Felle immer wieder in seinen Installationen vor. Über die rein praktische Funktion des Warmhaltens erfüllten diese Materialien aber bei den Schamanen noch eine höhere, sozusagen religiöse Funktion. Ich kenne mich nicht genug aus in dieser Welt der Schamanen, man kann Genaueres dazu sicherlich recherchieren. Für Beuys hatte die Art, wie er damals eingewickelt wurde, etwas mit dem System der Batterien zu tun, wo ja einst auch organische Schichten wie Leder oder Froschhaut zwischen metallische Schichten gepackt wurden, woraus dann ein Fließen von Energien - Strom - resultierte. Der Schamane lud gleichsam die Lebensbatterie von Beuys auf.
Dieser Zusammenhang, den er auf der Grenze zum Tod in einer ihm völlig fremdartigen Welt erfuhr, faszinierte ihn, und jene Erkenntnisse, die er so fernab unserer westlichen Kultur da hatte, die versuchte er später seinem Publikum näher zu bringen. Immer wieder treffen in seinen Werken Pelz, Fett und Metall aufeinander, manchmal verbunden, manchmal offensichtlich getrennt, mitunter kommen Musikinstrumente hinzu, die an jene Instrumente erinnern mögen, mit welchen die Schamanen die Genesungs-Rituale begleiteten. Der Gedanke, daß die Robben (von denen das Fett stammte) und die Kaninchen (Pelz) sterben mußten, damit er, Beuys, gerettet werden könne, das Motiv der Vergänglichkeit allen Lebens, wird von ihm auch immer und immer wieder thematisiert. Wobei das Sterben des einen die Lebensenergie des anderen bedingt.
Gleichzeitig vergaß Beuys aber nicht, was er als westlicerh Künstler gelernt hatte, sondern verband diese neue Art, die Welt zu sehen und zu begreifen, mit den abendländischen Kunst-Traditionen. Statt mit Sepia-Tusche zeichnete er beispielsweise mit Blut, statt der schamanischen heiligen Zeichen verwendete er unsere heiligen Zeichen wie das Kreuz oder den Blitz oder die Lilie... Das alles ist noch viel, viel komplexer, der Mann war ein echtes Jahrhundertgenie, und ich werde sein Werk sicherlich nicht in einer halben Stunde hier schriftlich erklären können.
Das alles kann man nicht wissen. Doch kann man sich damit beschäftigen und zu diesem Wissen gelangen. Hutawas Definition ist mir sehr sympathisch. Ein - sit venia verbo - dahergeschissener Kothaufen von Onkel Anton aus Y. hat demnach nicht den selben künstlerischen Wert, wie eine Installation von Beuys. Und wenn man eine verdreckte Badewanne zuhause stehen hat, ist man dadurch noch kein Künstler, sondern eben lediglich ein Mensch mit Hygieneproblemen (so jetzt reduziere ich auch 'mal).
Darin liegt nicht der Wertsubjektive Moment der Kunst. Wer die Beschäftigung mit der Komplexität hinter dem Wert als todlich langweiliges gelaber abtut, der weigert sich mit Kunst zu beschäftigen - Punkt. Der sollte dann auch kein Urteil fällen. Anders: in einem anderen Topic geht es um Sartre. Auch hier äußerten sich bestimmte Leute, die nie einen längeren Text von ihm gelesen haben. Aber ein Urteil haben die meisten, sowohl was die Kunst angeht, oder auch die Philosophie - spöttisch im Gestus natürlich. Wenn meine Oma mich immer darauf aufmerksam macht, daß ich nichts anständiges studiere (so'an schmarrn Bua) , dann - sie sei im Gegensatz zu den hier Schreibenen entschuldigt - können sich einige Leute ohne weiteres neben sie einreihen
Denn sie hat auch nie in ihrem Leben ein philosophisches Werk gelesen oder sich mit Kunst beschäftigt.
Meint ihr Joseph Beuys? Oder ist ein Gag an mir vorbeigerauscht?
@ Reikimeister
Kannst Du Dich bemühen lesbar zu schreiben, wäre nett. Danke
Deine Texte sind Augenfolter.@ Aurom
Wenn Du Dir schon ein nichtvorhandenes Wissen bezüglich der Kunst immer und immer wieder attestierst, dann überschreitest Du eine Grenze, welche zwischen naiver Ehrlichkeit und unnötiger Selbstbezichtigung liegt
Kunst soll nicht nur Gefallen. Dann wäre es keine Kunst, sondern Design. Hast Du Dir die Anmerkungen von Beuys (um bei einem konkreten Künstler zu bleiben) durchgelesen? In der Pinakothek der Moderne in München hättest Du diese Gelegenheit. Plus die Kunstwerke selbst. Klar, wer sich als Badewannenspezialist bezeichnet, dem tritt man natürlich etwas skeptisch entgegen...
Allgemein.
Um es provokativ zu formulieren. Kunst ist nicht für jeden gleichermaßen verständlich. Und ganz sicher ist nicht jeder ein Künstler. Sie ist eine elitäre kulturelle Richtung, welche jedoch jedem theoretisch Zugänglich ist. Viele machen es sich doch sehr einfach mit ihrem Kunstbegriff, denn hie und da forumuliert man sich einen bequemen Einheitsbrei, was Kunst sei und was sie müsse und wer Künstler sei und außerdem ...
Der Großteil der Befragten Menschen (ich spreche nicht vom Forum) baut einen Kunstbegriff entweder um eine Geschmacksfrage herum auf, oder um ein Kunst muss ... können. Die wenigsten Menschen beschäftigen sich mit Kunst. Dabei wird ein Kunstbegriff erschaffen und die Kunst reduziert. Oft schon durch die Begrifflichkeit: ein Künstler ist ein Bildermaler. Das ist die primitivste Form der Reduktion (zu Lasten aller Schriftsteller, Filmemacher, Musiker usw.). Von der brauchen wir gar nicht zu sprechen.
Dann gibt es eine weniger primitive Form der Reduktion: nun kommt man bspw. zu dem Schluß, Kunst wäre Ausdruck von Emotionen. Demnach ist ein Künstler ein Mensch, der seine Emotionen darstellt. Sicher nicht falsch. Aber alles?
Was schön wäre: zugeben ein Kunstwerk nicht verstanden zu haben. Das ist etwas anderes als das gar nicht so schamhafte "damit konnte ich nichts anfangen - naja vielleicht jemand anderes". Damit zieht man Kunst auf eine rein subjektive Ebene, die ihr nicht angemessen ist.
Die Kunst arbeitet mit Verweisen, mit Symbolen. Ein Kreuz ist nicht nur das zufällige Aufeinandertreffen zweier Linien, es bedeutet etwas. Der Kundige kann darin einen Verweis auf das Christentum erkennen, auf den Kreuzestod Jesu, die Flagge der Schweiz usw. Ein geschriebenes Wort sind nicht nur zufällige Schwärzungen auf einem Stück Papier. Wenn diese Schwärzungen eine bestimmte Anordnung finden, dann kann der Kundige hier ein zu Herzen gehendes Poem Rilkes erkennen und sich damit den ganzen Tag bereichern. Wer aber des Schreibens und Lesens nicht kundig ist, der sieht hier nur einen Haufen Fliegendreck auf dem Papier.
Hat man das erkannt, scheint es plötzlich Gesetze zu geben, nach welchen ein Objekt mal besser, mal schlechter veranschaulicht wird.
Bis zu diesem Punkt gehen die Meinungen nicht sonderlich weit auseinander, soweit sind die meisten Menschen in unserem Kulturkreis, daß sie naturalistische Abbildungen erkennen und schätzen.
Jedenfalls wird man zu einem Künstler, der so ein solches Bild gemalt hat, nicht hingehen und sagen: "Ey, das ist nur ein Haufen Gekelckse auf Leinwand, nicht mehr!" Immerhin.
Aber es geht noch weiter. Derartige Bilder wurden im neunzehnten Jahrhundert in einer Perfektion gemalt, daß wir heute nur staunen können. In der sogenannten Salonmalerei wurde hier ein Grad handwerklichen Könnens erreicht, der in dieser "realistischen" Richtung nicht mehr zu toppen war.
Von da an fingen manche Künstler an, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen wie: was ist Farbe überhaupt? Warum wirkt eine Zitrone auf einem violetten Tuch viel leuchtender, als wenn man sie auf ein grünes Tuch legt?
Oder: Woran erkennen wir ein menschliches Gesicht? Was gehört unbedingt dazu, damit wir es als menschliches Gesicht wahrnehmen? Braucht es dafür Nasenlöcher und Augenlider, oder reicht am Ende nur ein Oval?
Naja, ich will jetzt nicht die ganze Geschichte der Moderne erzählen, aber man wird merken, wohin die Richtung geht: Man stellte sich andere Fragen als jene, die im neunzehnten Jahrhundert ausreichend beantwortet wurden. Da die Fragen sich änderten, mußten auch die Antworten sich ändern, auch die Sprache, in welcher geantwortet wurde. Die Kunst änderte sich - was kein qualitatives Werturteil ist. Wozu sollte man noch Geschehnisse oder Personen oder Gegenstände malen, wenn man dafür doch inzwischen Fotoapparate hatte, die eine objektive Wiedergabe viel schneller und praktischer ermöglichten? Also konzentrierten sich die Künstler auf Themen, die sich nicht so einfach fotografisch festhalten ließen, weil sie schwerer zu fassen, abstrakter und gleichzeitig auch sinnlicher waren.
Und da komme ich nun zu den Fettklumpen-Beispiel von Aurom zurück. Und damit zu Beuys, mit dem ich mich etwas besser auskenne. Dieser Künstler (welcher keine Probleme damit hatte, vollkommen realistisch zu zeichnen) war im zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe und wurde über Rußland abgeschossen. Er wurde, halb verbrannt und halb erfroren, von Ureinwohnern Sibiriens gefunden. Diese hüllten ihn ein in Fett und Kaninchenfelle, damit er nicht noch mehr Körperwärme verlöre. Ihre Schamanen retteten ihm das Leben. Seither kommen Fett und Felle immer wieder in seinen Installationen vor. Über die rein praktische Funktion des Warmhaltens erfüllten diese Materialien aber bei den Schamanen noch eine höhere, sozusagen religiöse Funktion. Ich kenne mich nicht genug aus in dieser Welt der Schamanen, man kann Genaueres dazu sicherlich recherchieren. Für Beuys hatte die Art, wie er damals eingewickelt wurde, etwas mit dem System der Batterien zu tun, wo ja einst auch organische Schichten wie Leder oder Froschhaut zwischen metallische Schichten gepackt wurden, woraus dann ein Fließen von Energien - Strom - resultierte. Der Schamane lud gleichsam die Lebensbatterie von Beuys auf.
Dieser Zusammenhang, den er auf der Grenze zum Tod in einer ihm völlig fremdartigen Welt erfuhr, faszinierte ihn, und jene Erkenntnisse, die er so fernab unserer westlichen Kultur da hatte, die versuchte er später seinem Publikum näher zu bringen. Immer wieder treffen in seinen Werken Pelz, Fett und Metall aufeinander, manchmal verbunden, manchmal offensichtlich getrennt, mitunter kommen Musikinstrumente hinzu, die an jene Instrumente erinnern mögen, mit welchen die Schamanen die Genesungs-Rituale begleiteten. Der Gedanke, daß die Robben (von denen das Fett stammte) und die Kaninchen (Pelz) sterben mußten, damit er, Beuys, gerettet werden könne, das Motiv der Vergänglichkeit allen Lebens, wird von ihm auch immer und immer wieder thematisiert. Wobei das Sterben des einen die Lebensenergie des anderen bedingt.
Gleichzeitig vergaß Beuys aber nicht, was er als westlicerh Künstler gelernt hatte, sondern verband diese neue Art, die Welt zu sehen und zu begreifen, mit den abendländischen Kunst-Traditionen. Statt mit Sepia-Tusche zeichnete er beispielsweise mit Blut, statt der schamanischen heiligen Zeichen verwendete er unsere heiligen Zeichen wie das Kreuz oder den Blitz oder die Lilie... Das alles ist noch viel, viel komplexer, der Mann war ein echtes Jahrhundertgenie, und ich werde sein Werk sicherlich nicht in einer halben Stunde hier schriftlich erklären können.
Das alles kann man nicht wissen. Doch kann man sich damit beschäftigen und zu diesem Wissen gelangen. Hutawas Definition ist mir sehr sympathisch. Ein - sit venia verbo - dahergeschissener Kothaufen von Onkel Anton aus Y. hat demnach nicht den selben künstlerischen Wert, wie eine Installation von Beuys. Und wenn man eine verdreckte Badewanne zuhause stehen hat, ist man dadurch noch kein Künstler, sondern eben lediglich ein Mensch mit Hygieneproblemen (so jetzt reduziere ich auch 'mal).
Darin liegt nicht der Wertsubjektive Moment der Kunst. Wer die Beschäftigung mit der Komplexität hinter dem Wert als todlich langweiliges gelaber abtut, der weigert sich mit Kunst zu beschäftigen - Punkt. Der sollte dann auch kein Urteil fällen. Anders: in einem anderen Topic geht es um Sartre. Auch hier äußerten sich bestimmte Leute, die nie einen längeren Text von ihm gelesen haben. Aber ein Urteil haben die meisten, sowohl was die Kunst angeht, oder auch die Philosophie - spöttisch im Gestus natürlich. Wenn meine Oma mich immer darauf aufmerksam macht, daß ich nichts anständiges studiere (so'an schmarrn Bua) , dann - sie sei im Gegensatz zu den hier Schreibenen entschuldigt - können sich einige Leute ohne weiteres neben sie einreihen
Denn sie hat auch nie in ihrem Leben ein philosophisches Werk gelesen oder sich mit Kunst beschäftigt.