Aurom
So...nun hat das sorgsam aufgebaute image des deutschen soldaten als"sozialarbeiter mit knarre" also einen kratzer bekommen...und alle sind ja sooo empört
wieso empört sich niemand über den eigentlichen job von soldaten, nämlich die massenhafte herstellung von knochen und schädeln?
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Soldaten sind Mörder. Kurt Tucholsky
Marie
| Zitat: |
Original von Aurom
wieso empört sich niemand über den eigentlichen job von soldaten, nämlich die massenhafte herstellung von knochen und schädeln? |
weil dieser eigentliche job als hochwertige Tätigkeit zählt = gut.
Und was allgemeine Abscheu erregt = schlecht.
Eine Scheinmoral.
Das Spielen mit Totenschädeln halte ich für respektlos, doch die nunmehr ausgebrochene Panik teile ich keineswegs.
Ich kann zwar nicht nachempfinden, wie jemand freiwillig Soldat werden kann, doch wieso sollten die besagten Soldaten wegen ihrem Spieltrieb, Gruppenzwang gleich gefährliche, schwer zu bestrafende Monster sein?
Wer weiss, was in einem Menschen vorgeht, wenn er solch einen job hat, fern der Heimat, fern von allem Gewohnten,...
Mein erster Gedankensprung zu dieser Nachricht war der zu den Menschenmassen, die es sich zur Freizeitbeschäftigung machen, präparierte Leichen zu besichtigen - sogenannte "Körperwelten".
Da sind die Totenschädel in zahlreichen Posen legitim.
Denn sie dienen der Befriedigung der Sensationsgier von Menschenmassen.
("einfach toll, das muss man gesehen haben,...").
Shamatic
Wir haben das Thema heute in Gemeinschaftskunde angesprochen.
Jemand sagte abfällig "Was die denn für eine Bildung haben...".
Kotzreiz aktiviert........ Lieg ich etwas so falsch wenn ich sage, dass der Bildungsgrad (was auch immer das sein mag) in dieser Sache nicht viel zu tun hat ? Oder ist Bildungsgrad gleichbedeutend mit Menschlichkeit ? Nein, keineswegs...
Ich stimme Marie zu, es ist respektlos, sowas zu tun. Kann ich mit völliger Gewissheit sagen, dass ich sowas nicht machen würde ? Ich glaube es sehr stark, dass ich zu sowas nicht in der Lage wäre. Aber war ich schonmal da unten ? Musste ich schon Menschen erschießen ? Musste ich schon Leichen sehen ? nein.... Da hat man nämlich gut reden hier. Irgendjemand hat gesagt, dass das die Fratze des Krieges sei. Das trifft es meiner Meinung nach genau auf den Punkt. Jede menschliche Psyche reagiert verschieden auf das Erlebte und inwiefern kann man sagen, dass da der Mensch der rein rationale vernünftige, humaner, makellose Heilige ist, wie man allgemein zu glauben neigt. Ich will es nicht schönreden, nein, aber mich schockiert doch so manche Ignoranz von einigen Klassenkameraden, die nicht imstande sind die ganze Sizuatuon zu erfassen...
Phil(osoph)
Was ist denn überhaupt passiert?
kamikaze
lol!
da ist die ganze informations- und blendmaschinerie an dir vorbeigezogen
ich liebe sowas !
................du hast dich diesmal gut versteckt
Lersaj
@Shamatic
Den Typen nehmen, an den Haaren packen, mit der Tischplatte verkuppeln.
Wenn's mit dem Liebespaar doch nichts werden sollte, war's den Versuch wert. Immerhin weisen beide den gleichen "Denkgrad" auf.
Man bin ich froh mir so etwas nicht mehr mit anhören zu müssen.
@Phil: Es sind ein paar Bilder aus Afghanistan aufgetaucht (stammen von 2003), auf denen Deutsche Soldaten mit Totenschädeln posieren. Einer der Soldaten hält sein Glied daneben.
Dieser Hype den die Medien/ die Gesellschaft um dieses Thema macht lässt in mir wieder die Frage aufkommen, warum ich mich noch den Nachrichten aussetze. Man muss ich meschugge sein.
Ich könnte kotzen. Die Zivilisten schwingen ihre großen Reden, mit dem Gedankentiefgang und dem Durchblick einer Amöbe, reden die üblichen Phrasen à la "Genau das muss jetzt gesagt werden, warum weiß keiner" und hypen sich damit gegenseitig sich ins Unermessliche. Dekadente Schmalzköppe.
So.. nachdem ich etwas Dampf abgelassen habe, zur eigentlichen Begründung meiner Haltung zu diesem Spektakel:
Diese Soldaten dort unten stehen unter enormen Stress. Stress, den sich kein Mensch mit einem normalen Beruf vorstellen kann. Selbst Security oder Polizisten sind weit von diesem Stressniveau entfernt. Eine kleiner gedanklicher Spaziergang in die eigentliche Geschichte, in ein paar Momente des Lebens, in denen man wirklich Angst hatte oder wirklich ernsten Situationen ausgesetzt war dürfte nun ausreichen, um sich ein wages Bild von der Belastung dieser Jungs zu machen.
Zwar werden die Soldaten im Umgang mit dieser kriegsspezifischen Belastung der Psyche geschult, doch Theorie und Praxis bleiben zwei grundverschiedene Dinge. Welcher Krieg unserer Welt war nicht schmutzig? Nennt mir bitte nur einen. Erst der Krieg zeigt, wie viel die menschlichen Konstrukte (wie die Moral) wirklich bedeuten, im Angesicht des nackten Überlebens. Nämlich gar nichts.
(Im Übrigen sind zu der Zeit als die Bilder gemacht wurden gerade ein paar deutsche Soldaten bei einem Anschlag ums Leben gekommen, d.h. das Stresslevel war dementsprechend erhöht).
Fazit: Natürlich, nach den Maßstäben der Zivilisation (unserer Zeit) gehört sich so ein "Frevel" nicht. Auch nicht wenn, wie in diesem Fall, die Knochen aus einer Lehmgrube stammten, die die Eingeborenen selber ausbuddelten und die besagten Knochen hierbei achtlos an den Straßenrand warfen.
Und ja, man sollte nicht gleich sein bestes Stück neben so einen Totenschädel halten, gehört nicht zum guten Ton. Dafür würde ich meine Truppe rügen. Zumindest für den letzten Part. Vielleicht sind sogar ein paar militärische Disziplinarstrafen angebracht, aber sicher nicht gleich die Suspension. Nicht wenn der Fall 3 Jahre zurück liegt, und schon gar nicht wenn sich das allgemeine Verhalten der Bundeswehr seit dem stark verbessert hat.
mfg
gerthans
Als Soldat in einem Land voller islamischer Fanatiker, die bereit sind, sich neben dir in die Luft zu sprengen oder Flugzeuge zu entühren und mit ihnen in Hochhäuser zu fliegen, bist du mit dem Tod auf Du und Du. Das färbt auf das Verhalten ab. Vielleicht spielten sie mit den Totenschädeln, weil sie sich ja daran gewöhnen müssen, mit dem Tod auf vertrautem Fuße zu stehen.
Bevor ich das Verhalten dieser Soldaten aus der Sicherheit und behaglichen Geborgenheit unserer Zivilisation heraus verdamme, veruche ich erst, mich in sie hineinzuversetzen.
X Shok
Ich finde es ist fast ein Skandal, dass das zum Skandal hochgespielt wird! Für mich ist diese ganze Aufregung völlig unverständlich. In der Welt und vor allem im Krieg passieren ständig Dinge, die Millionen mal schlimmer sind als das und was passiert? Niemanden juckt's. Gut, dass unsere Medien nichts besseres zu tun haben, als die Sensations- und Skandalgier der Menschen zu befriedigen...
kamikaze
ich stoße jetzt bestimmt nicht auf sympathien trotzdem mag ich es gerne sagen:
Ich finde keine der Ansichten richtig, ich finde es zum einen nicht gut, dass dies so hochgespielt wird von den Medien , andererseits finde ich den Diskurs den ihr hier betreibt auch nicht den richtigen, man sollte vielleicht auch mal genauer erkundigen wie es denn überhaupt zu so einem "skandal" kommt (was ihr ja schon eingebracht habt) aber auch, warum dies gerdae unsere Bundeswehr in so ein schlechtes licht stellt und was dies für unser Land heist, unsere Gesellschaft unser Bild in der öffentlichkeit, die Medien machen es uns zu schwer, aber ihr macht es euch hier zu leicht....
beste grüße
kaMm !
tolwin
@ alle tapferen Helden die sich der medial vorgeschobenen Pseudomoral entziehen und furchtbar stolz darauf sind
Natürlich kann man nicht um alle Menschen trauern, die täglich sterben. Tut ja auch niemand. Niemand nimmt in gleichem Maße anteil an Gewalttaten. Darum geht es aber nicht. Es geht darum, daß jemand von sich aus auf eine mehr oder weniger deutliche Weise sagt: Da hab' ich kein Mitleid. Das ist sozusagen ein "aktives Nichtmitleidhaben". Und wenn man das so aktiv vor sich herträgt, dann will man damit etwas aussagen. Und das, was damit ausgesagt werden soll, das halte ich für fragwürdig. Dahinter steht ein moralischer Rigorismus, eine Art militaristischer Pazifismus, die mich traurig machen. (Und nein, ich weine jetzt nicht den ganzen Abend...) Vielleicht sollte man sich immer wieder mal über seine eigenen Gründe klar werden.
Ich bspw. habe nichts dagegen, wenn Menschen töten. Ich habe nur was dagegen, wenn Menschen getötet werden. Das ist, übertragen auf das gerade aktuelle Theme die tatsächliche Scheinmoral. Hoffentlich wird das jetzt richtig verstanden.
Und diejenigen, welche Soldaten in ein apriorisches "So-und-So", wie sie zu sein haben (Soldaten sind Mörder!), aufgrund ihrer Freiwilligkeit, die sie selbst in solche Einsätze manoriert, brandmarken - nun, es kann ja den Soldaten egal sein. Aber wen sollte das überhaupt interessieren? Wenn Ihr für diese Leute kein Mitleid aufbringen könnt - nun gut. Mitleid kommt von Mitleiden und hat was mit Empathie zu tun. Wenn jemand - vielleicht, um miesesten sozialen Verhältnissen zu entkommen - außer in der Armee keinen sicheren Arbeitsplatz bekommt oder vielleicht auch in seinem jugendlichen Wahn meint, seinem Land als Soldat zu dienen, wenn jemand mit vielleicht sechzehn oder siebzehn Jahren in eine Armee eintritt - kann er dann so genau absehen, was er dort tut? Vielleicht hatte er nie die Chance, gemütlich in einem Oberstufen-Kurs die Debatte um Kurt Tucholskys "Soldaten sind Mörder"-Behauptung nachzuarbeiten.
Und überhaupt. Wie jetzt? Darf ich mich nicht darüber empören wenn Menschen sich auf eine ekelerregende Weise selbstdarstellen, nur da dieses Thema a) medial bis zum Erbrechen ausgeschlachtet wird, was ja eine brandneue, geradezu epochale Vorgehensweise unserer Massenmedien ist und b) es ja sowieso ganz doll viel schlimmere Gewaltakte weltweit gibt, welche unser eigentliches Mitleid und unsere ernsthafte Empörung beanspruchen müssten? Nun, von was man wenig hat, mit dem geht man sparsam um. Das ist eine große Banalität. Niemand leugnet seinen Mitleidsflügel, nur ist man sich darin einig - zum fliegen taugt er nicht. Ich möchte mich gerne darüber empören dürfen, auch ohne als moralischer Einfallspinsel dargestellt zu werden. Ich lasse mir nicht durch den Umgang der Medien mit solchen Themen meine moralische Authentizität verwässern. Ich urteile selbst. Und selbst wenn ein Kriegstreiber wie Bush behauptet, es ist schlimm, wenn ein Soldat stirbt, so behaupte ich nicht gerade deswegen das Gegenteil. Denn es ist schlimm. Aber wer das tun möchte, bitte. Es gab auch genug Menschen, die Sprüche ala "Jedem das Seine" über den Vernichtungslagern kurz auflachend, in cooler Pose abtaten. "Solche Idioten", sagren sie "die sich den Spruch an dieser Stelle einfallen lassen". Und: "sollen sie doch machen. Die Empörung überlassen wir den Intellektuellen. Diese können die Schilder eh bald genug mit eigenen Augen sehen, wenn sie durchs Tor geprügelt werden".
Wir lassen uns medial bedingt in ein Trotzgefühl, in en "so, nun erst recht..." stoßen. Sich nicht davon abstumpfen zu lassen, die Fülle der Gewalt in den Berichterstattungen nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen, auch nicht plötzlich damit beginnen zwischen "schlimmer" und "weniger schlimmer" hinsichtlich Gewalttaten solcher Größe zu unterscheiden - das ist schwer. Sich nicht in den gegebenen Zuständen gehen zu lassen, ist eine der Hauptaufgaben der modernen Gesellschaften, wie ich denke. Es sich bequem in abgebrühtem Stumpfsinn, Gefühlsarmut und methodischer Gleichgültigkeit einzurichten ist nicht besonders heldenhaft. Ein resigniertes, gelangweiltes Aufstöhmen bedeutet: Ja, so soll es sein. Amen! *** doch der Hund drauf. Und sowieso gäbe es ja noch etwas viel Schlimmeres als diese ungebildeten Soldatenaffen, die ihren zu kleinen Schwengel vor Totenköpfen baumeln lassen.
Mit Ersterem trägt man positives zu unserer conditio humana bei, letzteres ist unreflektiertes und peinliches Festhalten am Status Quo, den man ja so sehr verachtet, daß man sich nichteinmal mehr für ihn emotional begeistern kann.
Das führt dann gleich zum nächsten Punkt.
Was Marie geschrieben hat, halte ich für sehr richtig. Es ist peinlich, sich so etwas anzukucken, man schämt sich für seine eigene Sensationsgeilheit. Wir sollten uns klar machen, daß wir permanent Gewaltp*rnos zu sehen bekommen. Ich habe jüngst einen interessanten Gedanken zu dazu gelesen. Dabei ging es auch noch um die Folterbilder amerikanischer Soldaten, die Gemeinsamkeit bestand in der medialen Aufbereitung. Die Geschlechtsteile der Opfer werden durch "Verwischen" unkenntlich gemacht, um das Schamgefühl des Publikums (das sind wir) zu schonen. Aber auf die Gesichter wird voll drauf gehalten, die Würde der Mißhandelten wird also rücksichtslos verletzt. (Nicht jedes Opfer möchte, daß sein Gesicht in die Öffentlichkeit gerät). Auch in p*rnos werden die Gesichter der Sex-Objekte als Hauptattraktionen ins rechte Licht gerückt, weil die durch die Gesichter der (meist weiblichen) Protagonisten ausgedrückten Emotionen die Betrachter (Wichser) mehr fesseln als einzelne anatomische Details.
Kurz: Auf das Schamgefühl des Publikums wird aus Familienkompatibilitäts-Gründen Rücksicht genommen, auf die Würde und das Recht des Opfers, unbekannt zu bleiben, nicht.
Ansonsten: was nun die Rationalität der Soldaten angeht, so würde ich die kaum weniger hoch einschätzen als die ihrer Führung. Aber das würde nun zu weit führen.
kamikaze
nun ich meinte auch nur das man beide Seiten trotzdem miteinander abwägen muss die Emotionale Seite und die Erkenntnis, um so einen Sachverhalt vernünftig zu klären zählen ja nun aber keine Emotionen bzw. sie sind überlebenswichtig und ich bestimmt kein Fan von medialer verwahrlosung sie stinkt mir zum hals* aber dennoch sollte man AUF KEINEN FALL vergessen das die Medienseite , so agiert wqeil sie dnekt die Leute so begeistern und füttern zu können das man davon sehr gut leben kann. das hat doch alles mal seinen anfang mit den kleinen zeitungsläden gemacht etc.
man kann nicht sagen alles ist so schlecht wie es ist, Berichterstattung etc., weil dies so böse andere menschen sind, auch bild ist nur ein verlag ok er sitzt in einem riesigen hochhaus ala springer verlag 750m von mir....doch dort drinnen laufen auch nur menschen rum...stell dir doch einfach mal vor, dass du alle leute von denen zufällig triffst weist garnicht wo sie arbeiten und du findest sie nett (der fremde wird zum freund , du musst nur richtig auf ihn zu gehen), damit will ich aufzeigen wie menschlich idese Menschen sind sie haben dpoch auch noch familie und alles drum und dran wie jeder hier von uns auch das darf man NIE VERGESSEN.
Wichtig...
das macht nämlich vieles leichter , wir befinden uns durch die vielen begrifflichkeiten schon auf dem weg Begriffe als Bedrohung zu sehen DIE MEDIEN...., das wpersonifiziert von euch doch bestimmt niemand sofort zu individuellen Menschen , jeder denkt erstmal an ne masse von brei....
Danke für deinen Beitrag tolwin ich schätze ihn sehr
[und natürlich vertrete ich hier nur die Sicht der Medien aber nicht weil ich hinter ihnen stehe, sondern weil ihr diese Seite auch übergangen habt und ich hoffe das dies dem Diskurs sehr gut tuen würde , es ist wie ein Rollenspiel: wir brauchen die Seite der Emotionalen Empfindungen und vor allem (!) vernünftigen Regungen, und dem gegenüber steht die Medienlandschaft (in Bezug auf die ganze Entwicklung sich imemr im fluss befindlichen, weltpolitischen sicht)]
Aurom
| Zitat: |
| Wenn Ihr für diese Leute kein Mitleid aufbringen könnt - nun gut. Mitleid kommt von Mitleiden und hat was mit Empathie zu tun. |
bevor ich mein mitleid soldaten zuwende, gehört es zuerst mal denen, die unter soldaten zu leiden haben
Chris
Ich las am vergangenen Freitag eine sehr interessante Lesermeinung zu diesem Thema im Tagesspiegel, in der die Autorin einige spannende Denkansätze liefert.
Sie hinterfragt, warum manche Menschen überhaupt zum Militär gehen, um Berufssoldaten zu werden und kommt zu dem Schluss, dass das in Folge einer kindlichen Psyche geschieht, die sich nach sicherer Umgebung und Geborgenheit sehnt und die sie in der Befehlsstruktur des Militärs findet.
| Zitat: |
Aus dem Tagesspiegel - von Sibylle Tönnies
Seit jeher macht sich das Militär die Gehorsams- und Sterbebereitschaft zunutze, die das Ergebnis von Unreife ist. Will man diesen Vorteil nutzen, so darf man sich nicht andererseits über frivole Verspieltheit beklagen.
Denn alles kann man nicht haben: die nützliche Unreife und die nötige Abgeklärtheit, die verbietet, mit einem Schädel dummes Zeug zu machen. |
Es klingt für mich sehr einleuchtend, wenn sie weiterhin schreibt, dass dieser makabere Humor ein Schutzmechanismus ist, der die Psyche der Soldaten daran hindern soll in Angesicht des allgegenwärtigen Todes in "seelische Abgründe gerissen" zu werden, dass "die eindrücke nach innen schlagen".
Die Reaktionen in Deutschland halte ich für maßlos übertrieben. Die Soldaten haben nämlich nicht aus irgendwelchen Hassgefühlen gehandelt, sie handelten nicht aus Verachtung gegen die Toten, sondern - und auch das schreibt Tönnies - aus Verachtung gegenüber dem Tod: "Seine Hoheit persönlich wurde vera
rscht. 'Fuck you' wurde ihm, der sich in dem Schädel als seiner Ikone verkörpert, zugerufen." Daher greift hier nicht einmal das Gesetz der "Störung der Totenruhe", folglich müssten die Soldaten sogar unbestraft bleiben.
Und allgemein gesagt: Es ist mir mehr als schleierhaft, wieso Deutschland, ohne angegriffen worden zu sein, ohne irgendwelche Sanktionen fürchten zu müssen, ohne triftigen Grund Soldaten in Kriege schickt, die uns gar nichts angehen. Deutsche Soldaten sollen wieder offensiv töten - wieso? Wie weit sind wir entfernt von einer Zeit, in der der Bundeskanzler/die Bundeskanzlerin sagt: "Kein Deutscher soll jemals wieder einen Helm tragen!" (Konrad Adenauer - CDU

)
Nun, Politik ist anscheinend nicht da, um verstanden zu werden ...
Lersaj
@Chris
Globale Machtinteressen und Verpflichtungen. Besonders letzteres sorgt für ein neues Deutschland unter Waffen.
Und ganz ehrlich, wenn wir nicht dem Anschein nach als leidige Putzkolonne hinter diversen Cowboygruppen herwischen würden, wäre mir dieses Deutschland nur recht so.
Leider werden unsere Soldaten nicht dort hingeschickt, wo sie wirklich von Nutzen sein könnten. In den zahllosen Gebieten dieser Erde wo bis heute Warloards und Massentötungen an der Tagesordnung sind zum Beispiel.
Naja, irgendjemand muss ja den Dreck weg machen. Und schlussendlich kann man sich ja nicht um jeden uninteressanten, rohstoffarmen und lediglich Kosten verursachenden Fleck dieser Erde kümmern.
Und zu dem Artikel aus dem Tagesspiegel:
Kann ich nur zustimmen, die Autorin trifft meine Meinung. Todesverachtung. Nicht Grabschändung. Eine für Soldaten sehr nützliche und wirkungsvolle Art und Weise, um mit ihrem "Beruf" klarzukommen.
mfg
Rabenfeder
Guten Morgen,
ein Aspekt der Totenschädel-Bildergeschichte findet meines Erachtens bei aller Empörung und der Empörung über die Empörung zuwenig Beachtung:
Wer hat ein Interesse daran, diese Bilder zu diesem Zeitpunkt auf den "Markt" zu bringen? Einmal an den Mann bzw. die Frau gebracht, gerät die vorhersehbare "Debatte" in Bewegung.
"Zugespielt" wurden die Bildchen der BILD-Zeitung, einem Kampfblatt mit millionenschwerer Auflage.
Die politische Ausrichtung der BILD ist nicht besonders schwer zu durchschauen. Sie ist USA-und Israelfreundlich und macht ja auch keinen Hehl daraus. Warum sollte sie auch?
Wer mir nicht glaubt, mache einmal den Selbst-Versuch und "lese" einen Monat lang jeden Morgen die Zeitung ...
Stellen wir also fest: Das Medienorgan, das die Sache ins Rollen brachte, folgt einer bestimmten Grundrichtung der Berichterstattung und Nicht-Berichterstattung, wenn man das lüsterne Geschmiere überhaupt "Berichterstattung" nennen will. Aber die Zeitung hat unzweifelhaft enormen medialen Einfluss.
Gibt es Gegenstimmen?
Zu einem Zeitpunkt, wo deutsche Soldaten eine neue Aufgabe erhalten haben, nämlich eine wie sie lächerlicher und trauriger gar nicht sein kann, werden Bilder gezeigt, die Emotionen wie Schuldgefühle und Scham hervorrufen (sollen?), zumindest bei einem nicht unwesentlichen Teil unserer Medienwelt und damit auch dem Bürger.
Daß ungefähr zeitgleich es an der Küste des Libanon zu unglücklichen "Mißverständnissen" zwischen der Bundesmarine und der israelischen Armee kommt ist natürlich nur Zufall, nicht?
Oder sind die "Mißverständnisse" nicht vielmehr ebenso unmißverständlich wie die dazugehörige Propagandistische Kampagne?
Aber selbst, wenn da gar kein Zusammenhang bestehen sollte, was ich persönlich bezweifle, dann lässt die BILD eben die zweite, vielleicht eigentliche, Katze aus dem Sack:
So geschehen gestern, als die BILD mit der Schlagzeile aufmachte:
TERRORALARM IN DEUTSCHLAND !
wegen Totenkopf-Skandal!
Noch Fragen?
@ tolwin,
auch wenn ich mir wünschen würde, das nicht immer nur von MitLEID die Rede wäre, sondern von MitGEFÜHL, gebe ich Dir insofern Recht, daß, wenn wir einmal aufgehört haben mitzufühlen, unsere Probleme noch viel größer werden.
Weisst Du was ich bitter finde?
Gerade WEIL ich zum Beispiel SEHR manipulierbar bin, man kann mir nämlich relativ leicht ALLES suggerieren, werde ich vorsichtig, wenn ich das Gefühl habe, daß ich manipuliert werden soll.
Und Bilder von weinenden Müttern in kuweitischen Krankenhäusern, die von der Brutalität der bösen Iraker unter Tränen berichten, können so sehr emotional manipulieren, daß damit Kriege legitimiert werden, nicht?
Zugegeben, auch Bilder von bösen, bösen amerikanischen und israelischen Soldaten können ungenmein manipulieren, vor allen Dingen, wenn man dann auch noch seine eigene Schuld-Erziehung mit einem: Seht, die Amis/Juden sind genauso! einfacher beiseitewischen kann.
Deshalb bin ich auch da vorsichtig.
Weisst Du was für mich der eigentliche Wert der Bilder ist?
Daß auch in Deutschland jedem klar wird, daß Krieg niemals klinisch sauber ist und daß es sooo leicht ist, manipuliert zu werden.
Trau, Schau, Wem.
Ich halte mich übrigens nicht für einen Paranoiker.
Gruss
Lucius
Telltale
| Zitat: |
Original von Lucius Farfane
Gerade WEIL ich zum Beispiel SEHR manipulierbar bin, man kann mir nämlich relativ leicht ALLES suggerieren, werde ich vorsichtig, wenn ich das Gefühl habe, daß ich manipuliert werden soll. |
Was soll's, ich versuche trotzdem mal, Dich zu manipulieren:
"Die Toten soll man eher wegwerfen als den Kehricht." (Heraklit)
Ich finde, das klingt vernünftig und Du?
Gruß
Telltale
Archibald
@ Aurom:
So Leute gibt es schon, aber, deren Stimmen werden von der Presse nicht wiedergespiegelt.............
Erik van Thom
| Zitat: |
Original von Lucius Farfane
Wer hat ein Interesse daran, diese Bilder zu diesem Zeitpunkt auf den "Markt" zu bringen? Einmal an den Mann bzw. die Frau gebracht, gerät die vorhersehbare "Debatte" in Bewegung.
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Hm. Ich glaube da besteht kein Zusammenhang. Und mit den Israelischen Kampfjets - die sind halt total prall, die Israelis. Der Kampfjet wollte bestimmt nur mal testen wofür die vielen Knöpfe im Cockpit gut sind. Als er zielgenau auf das deutsche Schiff zusteuerte, wollte er vermutlich auf die Hupe drücken oder den Blinker setzen.
Ok, Ironie beiseite: ich schließe mich deiner Einschaetzung an.
Rabenfeder
Guten Morgen Telltale,
| Zitat: |
| Was soll's, ich versuche trotzdem mal, Dich zu manipulieren: |
Nur zu.
| Zitat: |
"Die Toten soll man eher wegwerfen als den Kehricht." (Heraklit)
Ich finde, das klingt vernünftig und Du? |
Hmm.
Du meinst, die Totenschädel sollten uns noch weniger interessieren als der Inhalt eines Abfallhaufens?
Ich glaube nicht, ob ich das so formulieren würde, denn einen Sinn (gleich mehrere) haben die Schädelbilder ja durchaus.
Daß es sich einmal um Lebendige gehandelt hat, die vermutlich bei irgendeinem Gewaltakt ums Leben gekommen sind, vergisst man eh' schnell bei der ganzen Inszenierung.
Die Schädel werden Requisite, so bitter das klingt.
Oder meintest Du das anders?
(Mich beschleicht da so ein Verdacht, daß Du es anders gemeint haben könntest)
Gruss
Lucius
Telltale
| Zitat: |
Original von Lucius Farfane
Du meinst, die Totenschädel sollten uns noch weniger interessieren als der Inhalt eines Abfallhaufens? |
Nein. Ich meine, wir sollten uns darauf verlassen, dass diejenigen, deren Requisiten diese Schädel wurden, einen überzeugenden Grund dafür vorweisen können. Mich würde zum Beispiel der Grund überzeugen: "Mir war langweilig."
Dich auch?
Fragt
Telltale
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