Was denkt ihr über die analytische Philosphie?

Maurice.
Beim rumg**geln bin ich über folgenden Link gestoßen:
http://www.philolex.de/analphil.htm

Ich bin zwar kein Spzialist, aber ich bin mir ziehmlich sicher, dass da so manches in diesem Artikel grober Unfug ist, vor allem die analytische Philosophie einfach mit dem logischen Empirismus gleichzusetzen. nunja
Auf jeden Fall hat dieser Artikel in mir die Frage aufgeworfen, was andere unter "analytischer Philosophie" verstehen und wie sie dazu stehen.
Um es mit eigenen Worten auszudrücken verstehe ich unter "analytische Philosophie" eine Art Philosophie zu betreiben, bei dem besonderen Wert auf die sprachliche und logische Analyse und Exaktheit von Begriffen und Aussagen gelegt wird. Die analytische Philosophie ist der Versuch, Philosophie "wissenschaftlich" zu betreiben. Ich selbst symphatisiere so mit dieser Art des Philosophierens, dass ich fast dazu neige sie als "die einzig wahre Form des Philosophierens" zu bezeichnen... was ich aber nicht tue, sondern nur am liebsten tuen würde, wenn ich nicht selbst wüsste, dass das übertrieben ist. Zwinker
Rhetorix
Zitat:
Original von Maurice.
.... Ich selbst symphatisiere so mit dieser Art des Philosophierens, dass ich fast dazu neige sie als "die einzig wahre Form des Philosophierens" zu bezeichnen...

Dafür brauchst du dich nicht zu schämen.
Seit Ratzinger die Positivisten und Platoniker in ein und denselben Topf geworfen hat (nämlich in Regensburg), ist sowieso alles erlaubt, und nicht einmal die aufgeweichte Logik des Papstes hat mehr was dagegen.

Außerdem stehst du mit deiner Vorliebe für die analytische Philosophie, soweit ich das richtig sehe, in Philo-Welt keineswegs allein. Viele hier vertreten (mehr oder weniger) diese Richtung, ob es nun so benennen oder nicht (ich auch).
Maurice.
Wie würdest du "analytische Philsophie" definieren? Für meine Definition habe ich nämlich in einem anderen Forum harte Kritik von jemanden ernten müssen, der meinte, in meiner Beschreibung wären mehrere Fehler und das würde zeigen, dass ich keine Ahnung von dem Thema habe. nunja
Zanderdan
Den Anspruch, Philosophie als Wissenschaft zu betreiben, erheben auch Kant und Hegel, Sprachanalyse wird auch von Derrida betrieben und logische Analysen finden sich ebenso bei William von Ockham. Insofern sagt mir deine Definition eigentlich nichts.

Für mich ist die analytische Philosophie ein sterbenslangweiliger Debatierverein, der die Naturwissenschaft anbetet, in dem der Common sense am Ende immer Recht behält und wo man sich mit Vorliebe mit vermeintlichen philosophischen Problemen aus dem 17. Jhd herumschlägt.

Gruss
mark
hallo maurice,

Zitat:
Original von Maurice.
Beim rumg**geln bin ich über folgenden Link gestoßen:
http://www.philolex.de/analphil.htm

da hab ich auch schon manches nachgeschaut...und war auchnicht immer glücklich damit. aber ein lexikon ist ja auch nicht zum glücklichmachen da...Zwinker
Zitat:

Ich bin zwar kein Spzialist, aber ich bin mir ziehmlich sicher, dass da so manches in diesem Artikel grober Unfug ist, vor allem die analytische Philosophie einfach mit dem logischen Empirismus gleichzusetzen. nunja

hm. also eigentlich wird das ja nicht gleichgesetzt sondern ziemlich neutral gesagt dass die begriffe synonym verwendet werden. das kann ja auch dann der fall sein wenn man streng unterscheiden könnte.
Zitat:

Auf jeden Fall hat dieser Artikel in mir die Frage aufgeworfen, was andere unter "analytischer Philosophie" verstehen und wie sie dazu stehen.
Um es mit eigenen Worten auszudrücken verstehe ich unter "analytische Philosophie" eine Art Philosophie zu betreiben, bei dem besonderen Wert auf die sprachliche und logische Analyse und Exaktheit von Begriffen und Aussagen gelegt wird. Die analytische Philosophie ist der Versuch, Philosophie "wissenschaftlich" zu betreiben. Ich selbst symphatisiere so mit dieser Art des Philosophierens, dass ich fast dazu neige sie als "die einzig wahre Form des Philosophierens" zu bezeichnen... was ich aber nicht tue, sondern nur am liebsten tuen würde, wenn ich nicht selbst wüsste, dass das übertrieben ist. Zwinker

"art philosophie zu treiben" ist schön ausgedrückt. gemeinhin wird wohl beides darunter verstanden. also eine bestimmte methodik wie auch bestimmte aussagen die irgendwelche "gründer" eben derart zusatandegebracht haben.
mit wissenschatlich muss man da wohl vorsichtig sein. was das heissen soll ist ja schon strittig meistens. sicherlich ist die analytische einer metapyhsik wie der von heidegger nicht besonders zugeneigt. aber so sinnlos extrem wie mach sind sie auch wieder nicht. eigentlichmüsste man wohl für jeden philosophen eine eigene philosophie stricken. und für putnam gleich eine ganze philosophiegeschichte...
ich würde analytische philosophie auch nicht mit positivismus bezeichnen.
aber mehr als du würde ich verschiedene positionen mit analytischer philosophie verbinden, nicht "nur" eine art zu philosophieren. der linguistic turn kommt mir zum beispiel sehr verzwungen vor.
da wird was zum prinzip erhoben was man doch eigentlich schon immer gemacht hat. schon aristoteles stellt sich doch derartige fragen. also was meint man wenn man das und das sagt, was bedeutet es also dies oder jenes so zu sagen und vor allem, ergibt das was ich da formuliert habe auch einen sinn.

gruss
mark
hallo zanderdan,

Zitat:
Original von Zanderdan
Den Anspruch, Philosophie als Wissenschaft zu betreiben, erheben auch Kant und Hegel, Sprachanalyse wird auch von Derrida betrieben und logische Analysen finden sich ebenso bei William von Ockham. Insofern sagt mir deine Definition eigentlich nichts.

er meint wissenschaftlich sicherlich schon in einem gewissen empirischen sinn...
Zitat:

Für mich ist die analytische Philosophie ein sterbenslangweiliger Debatierverein, der die Naturwissenschaft anbetet, in dem der Common sense am Ende immer Recht behält und wo man sich mit Vorliebe mit vermeintlichen philosophischen Problemen aus dem 17. Jhd herumschlägt.

also du bist aber streng. russell ist definitiv nicht sterbenslangweilig. du musst ja nicht die prinzipia mathematika seiten 400-600 lesen...
die einleitung zum beispiel ist hochinteressant. es ist doch spannend ein logisches kalkül zu entwickeln das mit dem barbier und dem französischen könig klarkommt...
wittgenstein find ich nun auch alles andere als langweilig.
quine ist vielleicht etwas langatmig...
putnam und searle sind nicht wirklich meine freunde...aber sterbenslangweilig?
und warum bezeichnest du ausgerechnet diejenigen als debattierclub die sich doch am ehesten mit "realen" ergebnissen beschäftigen. wenn das "sprachspiel" nur debatte ist, was ist denn dann bitte "sein und zeit"???
eigentlich wendet sich doch gerade die analytische philosophie gegen das unfruchtbare debattieren unentscheidbarer fragestellungen und scheinproblemen.
und wieso probleme des 17.jhrdts? spielst du damit auf den putnam-tank an? im grunde sind viele probleme alt und schon in der antike zumindest angerissen worden. im extremfall betrachten manche philosophiegeschichte ohnehin nur als platon-rezeption. aber gerade die "analytische" einstellung hat doch ergebnisse erzielt. die moderne logik bis hin zu den gödelsätzen ist doch weder sterbenslangweilig noch eine unsinnige rezeption der philosophie des 17.jhrdts, oder?
und auf den gesunden menschenverstand berufen sich letztlich alle. man will ja verstanden werden. aber im gegensatz zu den logischen empiristen erkennt doch die analytische philosophie besonders leicht erkenntnisse an die auf den ersten blick eben nicht mit dem gesunden alltagsverstand vereinbar sind.

gruss
Zanderdan
Moin mark,

schön, dich mal in der Rolle des Philosophieadvokaten zu erleben Zwinker ...ich wollte aber eigentlich diejenigen provozieren, welche von sich behaupten, der analytischen Philosophie anzuhängen, oder diese sogar gerne als "einzig wahre Form des Philosophierens" bezeichnen möchten.

Einige Anmerkungen: besonders empirisch ist die analytische Philosophie in meinen Augen nicht, man könnte mit Fug behaupten, ein Husserl sei da deutlich empirischer. Oder meintest du empiristisch? Die besondere Art der Wissenschaftlichkeit der analytischen Philosophie besteht für mich am ehesten in den Vorstellungen Carnaps von einem philosophischen "Nova Atlantis". F. Bacon hatte das damals als Wissenschaftsutopie entworfen, in der mehrere Wissenschaftler gemeinsam an Problemen arbeiten und dann irgendwann verbindlich gelöst haben. Carnap schwebte ähnliches für die Philosophie vor, anstatt dass jeder Philosoph seine eigene Schule eröffnet sollten die Probleme gemeinsam mit einer Methode, Begrifflichkeit etc. angegangen werden, so dass endlich ein Fortschritt in der Philosophie erzielt werden könnte. Idiosynkrasien und Originalität sind dabei natürlich wenig gefragt. Und als Problemfundus wurde eben die Zeit um das 17. Jhd ausgemacht: der Dualismus (Ryle - Philosophie des Geistes / Searle - Mind), der täuschende Dämon, ebenfalls Descartes (Putnam - Hirn im Tank / Davidson - Der Mythos des Subjektiven), oder Hume (Nagel - Possibility of Altruism)...die bekannten Argumente wie Mary, Chinesische Zimmer, Fledermaus beziehen sich letzlich alle auf das Leib-Seele-Problem, das mit Descartes akut geworden ist. Wenig Bezüge und Auseinandersezungen dagegen kann ich zur mittelalterlichen Philosophie, oder zum deutschen Idealismus etc. erkennen. Aber dieser Fundus scheint mir völlig eingestaubt und die Auseinandersetzung damit ist reine Fachphilosophie, in dem Sinne, dass die behandelten Probleme nunmal in der Mottenkiste aufgefunden wurden. Aber ohne dass die in irgendeiner Form als Thema aktuell wären. Und das finde ich sterbenslangweilig: philosophieren ohne erkennbaren Anlass.

Das alles bezieht sich auf die jüngere analytische Phil. Russel, Frege - die waren damit beschäftigt ganz neue Werkzeuge zu entwickeln. Okay. Ich kann mich für Logik nicht so begeistern, aber da ist was bei rausgekommen, keine Frage (zeitgenössische analytische Philosophen wie Kripke basteln ja nach wie vor an der Logik herum, in dem Fall v.a. Modallogik, aber das scheinen mir Spezialfragen zu sein, während Frege & Co die moderne Logik aus der taufe gehoben haben). Dann der logische Positivismus, der von den Erfolgen der Naturwissenschaft so geblendet war (verständlich in den 20ern!), dass er in der Rolle des Steigbügelhalters Erfüllung fand, der dem Wissenschaftler die Begriffe poliert. Für mich eine Art Kaffeehausmode. Dann eben die jüngere analytische Philosophie, s.o. Natürlich ist die nicht in drei dürren Sätzen vollständig umrissen. Aber ich geb hier auch nur meine Erfahrungen damit wieder: was ich davon kenne ist nicht trivial, ist teilw. auch interessant, aber ich verstehe eben nicht, warum die das machen. Ich vermute: publish or perish.

Blablabla. Übrigens zähle ich eigenwillig Wittgenstein nicht zur analytischen Philosophie, weder den jungen, noch den späten. Der junge LW raunt noch dunkler als Heidegger. Hier noch eine These (nicht von mir, aber klingt für mich plausibel): Heidegger und Wittgenstein sagen im Grunde dasselbe!

Noch ein Gedanke, den ich schon mal irgendwo geäußert hatte: stell dir den Nietzsche mal als analytische Essaysammlung vor. In dem sachlichen Stil etc. Da bleibt in meiner Vorstellung nicht viel übrig. Vieles von dem, was da wegfällt macht für mich eben die Philosophie aus. Während die Analytiker vielleicht sagen, da werde nur Unsinn weggehobelt. Dit ist glaube ich der Unterschied. Aber das ist viel mehr, als eine bloße Geschmacksfrage.

Gruß
mark
hallo zanderdan,

Zitat:
Original von Zanderdan
schön, dich mal in der Rolle des Philosophieadvokaten zu erleben Zwinker ...ich wollte aber eigentlich diejenigen provozieren, welche von sich behaupten, der analytischen Philosophie anzuhängen, oder diese sogar gerne als "einzig wahre Form des Philosophierens" bezeichnen möchten.

allein dass sich ein naturwissenschaftler in einem philosophieforum tummelt ist eine einzige verteidigung der philosophen...Zwinker
komm mal einem physiker in einem fachforum mit metaphyischen vorraussetzungen...es wird einfach niemand mit dir reden...
Zitat:

Einige Anmerkungen: besonders empirisch ist die analytische Philosophie in meinen Augen nicht, man könnte mit Fug behaupten, ein Husserl sei da deutlich empirischer. Oder meintest du empiristisch? Die besondere Art der Wissenschaftlichkeit der analytischen Philosophie besteht für mich am ehesten in den Vorstellungen Carnaps von einem philosophischen "Nova Atlantis". F. Bacon hatte das damals als Wissenschaftsutopie entworfen, in der mehrere Wissenschaftler gemeinsam an Problemen arbeiten und dann irgendwann verbindlich gelöst haben. Carnap schwebte ähnliches für die Philosophie vor, anstatt dass jeder Philosoph seine eigene Schule eröffnet sollten die Probleme gemeinsam mit einer Methode, Begrifflichkeit etc. angegangen werden, so dass endlich ein Fortschritt in der Philosophie erzielt werden könnte.

naja. wenn russell über den tisch an sich und kant spricht, dann geschieht das schon unter heranziehung empirischer erfahrung mit einem konkreten tisch. insofern zumindest empirisch. und vor allem in der anerkennung der rolle der empirie für die erkenntnis so im allgemeinen.
die einheitswissenschaft...ja, ein traum. eine zusammenentwicklung ist ja auch nicht von der hand zu weisen. heutzutage sind naturwissenschaftler zumindest wohl überwiegend monisten. also insofern...
gerade carnap würde ich als bindeglied sehen...
Zitat:

Idiosynkrasien und Originalität sind dabei natürlich wenig gefragt. Und als Problemfundus wurde eben die Zeit um das 17. Jhd ausgemacht: der Dualismus (Ryle - Philosophie des Geistes / Searle - Mind), der täuschende Dämon, ebenfalls Descartes (Putnam - Hirn im Tank / Davidson - Der Mythos des Subjektiven), oder Hume (Nagel - Possibility of Altruism)...die bekannten Argumente wie Mary, Chinesische Zimmer, Fledermaus beziehen sich letzlich alle auf das Leib-Seele-Problem, das mit Descartes akut geworden ist.

also doch. nur machen searle und putnam nicht DIE analytische philosophie aus. searle würde mir dazu gar nicht erst einfallen wenn mich jemand nach einem solchen vertreter fragte. brrr.
das leib seele problem ist dann wohl auch ein wenig älter als descarte.
Zitat:

Wenig Bezüge und Auseinandersezungen dagegen kann ich zur mittelalterlichen Philosophie, oder zum deutschen Idealismus etc. erkennen.

hm. so kann man das nicht sagen. die absetzung zum deutschen idealismus ist ja geradezu ein kernpunkt. aber wenn man schon die fragestellung für idiotisch hält, gescheigedenn von der herangehensweise, was wird man sich dann inhaltlich auf solche "schein"probleme gross einlassen?
Zitat:

Aber dieser Fundus scheint mir völlig eingestaubt und die Auseinandersetzung damit ist reine Fachphilosophie, in dem Sinne, dass die behandelten Probleme nunmal in der Mottenkiste aufgefunden wurden. Aber ohne dass die in irgendeiner Form als Thema aktuell wären. Und das finde ich sterbenslangweilig: philosophieren ohne erkennbaren Anlass.

also ehrlich geagt finde ich angesichts der fragen nach der künstlichen intelligenz die beschäftigung mit fragen im zusammenhang mit dem turingtest, turingmaschine, gödel etc wesentlich aktueller und angezeigter als eine inhaltliche auseinandersetzung mit dem hegelschen weltenplan.
Zitat:

Das alles bezieht sich auf die jüngere analytische Phil. Russel, Frege - die waren damit beschäftigt ganz neue Werkzeuge zu entwickeln. Okay. Ich kann mich für Logik nicht so begeistern, aber da ist was bei rausgekommen, keine Frage (zeitgenössische analytische Philosophen wie Kripke basteln ja nach wie vor an der Logik herum, in dem Fall v.a. Modallogik, aber das scheinen mir Spezialfragen zu sein, während Frege & Co die moderne Logik aus der taufe gehoben haben).

ja, eben Freude aber man kann russell nicht einfach unter den tisch fallen lassen.
Zitat:

Dann der logische Positivismus, der von den Erfolgen der Naturwissenschaft so geblendet war (verständlich in den 20ern!), dass er in der Rolle des Steigbügelhalters Erfüllung fand, der dem Wissenschaftler die Begriffe poliert. Für mich eine Art Kaffeehausmode.

aber gerade das ja als gegenbewegung zur heideggermode...
Zitat:

Dann eben die jüngere analytische Philosophie, s.o. Natürlich ist die nicht in drei dürren Sätzen vollständig umrissen. Aber ich geb hier auch nur meine Erfahrungen damit wieder: was ich davon kenne ist nicht trivial, ist teilw. auch interessant, aber ich verstehe eben nicht, warum die das machen. Ich vermute: publish or perish.

das mag schon sein. wir hatten das ja schonmal, genau umgedreht, besprochen. es gibt eben auch nicht immer die ganz grossen probleme zu lösen...alles zu seiner zeit, man kanns nicht verzwingen. und wer weiss, vielleicht wird auch heute ganz grosses geleistet das als solches womöglich einfach noch nicht erkennbar ist...weiterwursteln ist nicht das schlechteste was man machen kann.
Zitat:

Blablabla. Übrigens zähle ich eigenwillig Wittgenstein nicht zur analytischen Philosophie, weder den jungen, noch den späten. Der junge LW raunt noch dunkler als Heidegger. Hier noch eine These (nicht von mir, aber klingt für mich plausibel): Heidegger und Wittgenstein sagen im Grunde dasselbe!

das kann ich nicht sagen, dazu müsste mir jemand heidegger übersetzen.
aber ich halte das für unwahrscheinlich. und warum willst du wittgenstein nicht zu den analytischen zählen??? im traktat, das ist ja der junge wittgenstein, wird doch nicht geraunt. da gehts doch ganz handfest zur sache. und auch später, die sprachspiele und das alles...das ist doch das was man unter analytischer philosophie versteht, oder?
und du hast carnap angeführt. der ist ja doch gerade ein bindeglied zum positivismus.
deine einordnung kommt mir ungewöhnloch vor und nicht unbedingt nachvollziehbar...
Zitat:

Noch ein Gedanke, den ich schon mal irgendwo geäußert hatte: stell dir den Nietzsche mal als analytische Essaysammlung vor. In dem sachlichen Stil etc. Da bleibt in meiner Vorstellung nicht viel übrig. Vieles von dem, was da wegfällt macht für mich eben die Philosophie aus. Während die Analytiker vielleicht sagen, da werde nur Unsinn weggehobelt. Dit ist glaube ich der Unterschied. Aber das ist viel mehr, als eine bloße Geschmacksfrage.

hm. ja und nein. das ist wie bei einem gedicht. eine völlig idiotische aussage kann sich einfach toll anhören. man denke mal an die englischen poptexte mit denen man berieselt wird. ganz nette liedchen werden plötzlich unerträglich sobald man mal schaut was das eigentlich heissen soll.
hinter einer präsentation kann man eben wunderbar verstecken was man eigentlih sagen will. die unterscheidung fällt nur viel schwerer. genau das wollte man beheben. ich glaube nicht dass die analytischen philosophen die lyrik anschaffen wollten oder bestimmte darstellungsstile. sicherlich auch nicht den gebrauch von metaphern. aber sicherlich schleichende bedeutungsverschiebungen bis in die sinnlosigkeit und völlig verwaschene darstellungen die sich zwar anhören als wären sie verständlich bei genauerem hinsehen aber nicht sind. wörter sind so einfach zusammenzustellen.
und ich denke ja, bilder sind mehr als eine blosse geschmacksfrage. aber wenn man im unbestimmten bleibt bei der beschreibenden sprache, dann darf man mit dem wahrheitsanspruch eben nicht genauer sein wollen. ich denke also nicht dass wittgenstein bestimmte sprachen verbieten wollte sondern dass er nur klarstellen wollte dass wenn man logisch an die sache herangehen will dass man dann auch eine adäquate sprache benutzen muss. sonst funktioniert es einfach nicht.

gruss
Zanderdan
Hi mark,

da bist du wohl ziemlich der einzige, dem der tractatus klar ist. Egal. Thema im tractatus wie auch in der Spätphilosophie ist doch eine Sprachkritik, welche die Grenzen der Philosophie ans Licht bringen soll. Ähnlich auch bei Heidegger, nach der Kehre (wobei ich Heidegger auch nicht verdauen kann). Aber wo sonst in der analytischen Philosophie ist das überhaupt ein Thema (außer natürlich bei Kripke)? Mir scheinen die Sprache und die Logik bei den Analytikern nirgends in Frage zu stehen (im Gegensatz zB zu den Poststrukturalisten) - deshalb ist LW für mich kein Analytiker. Macht doch Sinn, oder?

Russel soll dabei nicht untern Tisch fallen, schon gar nicht unter den empirischen. Empirischer Tisch - häh? ..."rolle der empirie für die erkenntnis "...also Empirismus? Verstehe ich nicht, aber ist nicht so erheblich. "die einheitswissenschaft" habe ich nicht gemeint, sondern das gemeinsame Voranschreiten der Philosophiegemeinschaft. Wenn jeder Physiker immer wieder ganz eigene Methoden, Begriffe, Probleme, Ansätze etc aufstellen würde, wäre die Disziplin ein Sysiphosspektakel und man wäre nie über die Fallgesetze auf der schiefen Ebene hinausgelangt. Weil einer an den anderen Anknüpfen konnte, wurden am Ende die beeindruckenden Fortschritte erzielt. Sowas wollte man mE endlich auch in der Philosophie sehen. Warum auch nicht? Aber viel rausgekommen ist nicht. Die Philosophie des Geistes, das Prunkstück der analytischen Philosophie, hat mich jedenfalls nicht sehr beeindruckt. Und ich halte auch den Ansatz für verfehlt: es ist ähnlich einer genormten Literatur, in der man Fortschritte erzielen kann. Anders gesagt: ich halte Philosophie nicht für einen argumentativen Kern, der von Stilverzierungen und Geraune um- bzw verhüllt wird und der im Prinzip ahistorisch, unabhängig vom historischen Kontext Bedeutsamkeit hat und bearbeitet werden kann. So -das ist meine Unterstellung- halten's die Analytiker.

Mensch, ich schwafel hier schon wieder, muß doch arbeiten. Noch kurz:

"mark: komm mal einem physiker in einem fachforum mit metaphyischen vorraussetzungen...es wird einfach niemand mit dir reden..."

Das mag sein, ist aber wohl in den meisten Fällen auch nicht unberechtigt. Ich beginne meine Präsentationen auch nicht mit fundamentalontologischen Erörterungen. Automechaniker sind idR wohl auch nicht erfreut, wenn man ihnen in den Arm fällt, um sie über die vor- und zuhandenheit der Motorteile zu belehren. Bloß weil jemand über Physik redet, ist er ja nicht verpflichtet, metaphysische Erörterungen über sich ergehen zu lassen. Es sei denn vielleicht, es gehört zum Thema (EPR, Bell'sche Ungleichungen oder sowas).

Zitat:
also ehrlich geagt finde ich angesichts der fragen nach der künstlichen intelligenz die beschäftigung mit fragen im zusammenhang mit dem turingtest, turingmaschine, gödel etc wesentlich aktueller und angezeigter als eine inhaltliche auseinandersetzung mit dem hegelschen weltenplan.


Ja, stimme zu, diese Fragen sind alle recht interessant, aber die analytische Philosophie ist dabei eigentlich ein "elender Hinterherschleicher", oder nicht? Computerfunktionlismus oder strong AI - das sind doch alles nur Metaphern, die angeblich das Leib-Seele-Problem lösen. Da wird doch nur neuer Wein in alte Schläuche gegossen.

Noch 2 Fragen:
1. Wer vertritt denn für die analytische Philosophie?
2. Hast du schon mal was von Carnap gelesen? Und war das nicht sterbenslangweilig?

Gruss
Rhetorix
Zitat:
Original von Zanderdan
...Noch ein Gedanke, den ich schon mal irgendwo geäußert hatte: stell dir den Nietzsche mal als analytische Essaysammlung vor. In dem sachlichen Stil etc. Da bleibt in meiner Vorstellung nicht viel übrig. Vieles von dem, was da wegfällt macht für mich eben die Philosophie aus. Während die Analytiker vielleicht sagen, da werde nur Unsinn weggehobelt. ...

Oder aber sie sagen, dass sie Nietzsche gar nicht für einen Philosophen, sondern für einen Literaten halten, und dass man an Literatur nicht herumhobeln soll. gruebel


Zitat:
Original von Zanderdan
Hi mark,
da bist du wohl ziemlich der einzige, dem der tractatus klar ist. ..

Könnte stimmen.


Zitat:
Original von Zanderdan
...1. Wer vertritt denn für analytische Philosophie?

Damit keine Missverständnisse entstehen, müsstest du zunächst einmal präzisieren, was du unter der analytischen Philosophie und unter 'vertreten' verstehst.
Danach können wir dir sagen, ob uns dieser Schuh passt.
Zanderdan
Was für ein Schuh jetzt? Ich wollte eigentlich von mark wissen, wer für ihn die analytische Philosophie vertritt. Kann sich natürlich auch sonst jeder äußern. Aber was gibt es da zu präzisieren? Die Vertreter sollen ja nicht deduziert werden.

Gruss
Maurice.
Ah jetzt ist doch eien Diskussion entstanden. Freut mich! ich lese sie mir Interesse mit. ^^

@Def: Zur Erläuterung möchte ich im Nachhinein anmerken, dass mein Definitionsversuch die Bemühung darstellt, den Absatz in meinem "Brockhaus - Philosophie" zusammen zu fassen, der angeblich beschreibt, was man heute unter "analytische Philosophie" versteht.
Ich will damit nicht behaupten, dass diese Definition richtig ist und alle anderen falsch, sondern lediglich erklären, wie ich zu meiner Aussage komme. smile

@Wissenschaftlichkeit: Ich habe dieses Wort bewusst in Anführungszeichen gesetzt. Ich will damit ausdrücken, dass in der analytischen Philosophie versucht wird exakte Philosophie zu betreiben und nicht eben sowas wie z.B. Nietzsche gemacht hat. (Ich finde zwar, dass Nietzsches Stil eine angenehme Abwechslung darstellt, doch würde ich ab und zu seine Thesen gerne auch in sachlichen Worten lesen. ^^)

Zu der Frage wer alles analytische Philosophie betrieben hat, würde ich mich nach meiner Definition (d.h. der Definition meines Brockhauses) nicht auf Autoren seit Frege festlegen. Kant bestreibt in der "GMS" in meinen Augen nämlich auch analytische Philosophie, weil fast seine ganze Argumentation nur aus der Analyse von Begriffen besteht.
mark
hallo zanderdan,

Zitat:
Original von Zanderdan
da bist du wohl ziemlich der einzige, dem der tractatus klar ist. Egal.

also komm, abgesehen davon dass die meinungen darüber was ich verstanden hab und was nicht auseinandergehen, wirst du doch nicht behaupten wollen hegel oder nietzsche wäre klarer als wittgenstein, oder? ich sag nur habermas.
Zitat:

Thema im tractatus wie auch in der Spätphilosophie ist doch eine Sprachkritik, welche die Grenzen der Philosophie ans Licht bringen soll.

jaaahmmm. wie er es eben im vorwort ausdrückt. "das buch will dem denken eine grenze ziehen, oder vielmehr - nicht dem denken, sondern dem ausdruck der gedanken. denn um dem denken eine grenze zu ziehen, müssten wir beide seiten dieser grenze denken können (wir müssten also denken können, was sich nicht denken lässt)."
das ist doch eigentlich sehr klar und wie er das so sagt zieht sich das doch durchs ganze buch.
sprachkritik ja, aber am ende nur an einer ganz bestimmten art sprache. denn sonst wäre das buch sinnlos. russell bemerkt ja auch mal dass es doch einigermassen beunruhigend wäre dass wittgenstein so viel zu sagen hat wovon er sagt dass sich nichts darüber sagen liesse...
Zitat:

Ähnlich auch bei Heidegger, nach der Kehre (wobei ich Heidegger auch nicht verdauen kann).

ach, das weiss ich nicht. den hab ich weder im kopf noch im schrank. nur das urteil. kommt es nur mir einigermassen unorthodox vor das so zu vergleichen?
sonst kannst du ja wie gesagt auch aristoteles schon zu der analytischen philosophie zählen...
Zitat:

Aber wo sonst in der analytischen Philosophie ist das überhaupt ein Thema (außer natürlich bei Kripke)? Mir scheinen die Sprache und die Logik bei den Analytikern nirgends in Frage zu stehen (im Gegensatz zB zu den Poststrukturalisten) - deshalb ist LW für mich kein Analytiker. Macht doch Sinn, oder?

also, als erstes könnte man fragen ob man sinn machen kann...
aber nein, das sehe ich nicht so. russell beschäftigt sich intensiv mit diesen problemen, ebenso quine. bei denen nimmt das ganze nur leicht andere formen an als bei wittgenstein. ohne zweifel ist wittgenstein was besonderes und der traktat in inhalt und form sowieso.
wittgenstein stellt ja auch nicht die logik in frage. und sprache nur insofern als sie manchmal vorgaukelt etwas zu sagen und es dann nicht halten kann.
Zitat:

Russel soll dabei nicht untern Tisch fallen, schon gar nicht unter den empirischen. Empirischer Tisch - häh? ..."rolle der empirie für die erkenntnis "...also Empirismus? Verstehe ich nicht, aber ist nicht so erheblich. "die einheitswissenschaft" habe ich nicht gemeint, sondern das gemeinsame Voranschreiten der Philosophiegemeinschaft. Wenn jeder Physiker immer wieder ganz eigene Methoden, Begriffe, Probleme, Ansätze etc aufstellen würde, wäre die Disziplin ein Sysiphosspektakel und man wäre nie über die Fallgesetze auf der schiefen Ebene hinausgelangt. Weil einer an den anderen Anknüpfen konnte, wurden am Ende die beeindruckenden Fortschritte erzielt. Sowas wollte man mE endlich auch in der Philosophie sehen. Warum auch nicht? Aber viel rausgekommen ist nicht.

naja. das würd ich so nicht sehen. die sache ist natülich die dass sobald man in die bereiche kommt in denen jeder denken kann was er will weil alles wörtlich wirklich irrelevant ist genau das passiert. jeder denkt was anderes. ist halt nix empirisches. aber dort wo man kriterien aufstellen kann und das getan hat, da zeitigt das doch auch erfolge. ganz entscheidend gehören da natürlich die logik und die fromalen systeme dazu, nicht zuletzt alles was man erkenntnistheoretisch gelernt hat aus den naturwissenschaften.
Zitat:

Die Philosophie des Geistes, das Prunkstück der analytischen Philosophie, hat mich jedenfalls nicht sehr beeindruckt.

cih hielt immer die logik für das prunkstück der analytischen philosophie...
aber wenn du searle damit meinst....dann geb ich dir recht, das weisst du ja. der ist wirklich untragbar.
Zitat:

Und ich halte auch den Ansatz für verfehlt: es ist ähnlich einer genormten Literatur, in der man Fortschritte erzielen kann. Anders gesagt: ich halte Philosophie nicht für einen argumentativen Kern, der von Stilverzierungen und Geraune um- bzw verhüllt wird und der im Prinzip ahistorisch, unabhängig vom historischen Kontext Bedeutsamkeit hat und bearbeitet werden kann. So -das ist meine Unterstellung- halten's die Analytiker.

das funktioniert ja mit manchem auch ganz gut. man wendet was man gut findet und auch funtkioniert hat halt auch auf alles andere mal an und schaut was raus kommt. und wenn dann einer sein ganzes leben das macht wird er hinterher nicht sagen: blöd, war alles unisnn.
Zitat:

Mensch, ich schwafel hier schon wieder, muß doch arbeiten. Noch kurz:

"mark: komm mal einem physiker in einem fachforum mit metaphyischen vorraussetzungen...es wird einfach niemand mit dir reden..."

Das mag sein, ist aber wohl in den meisten Fällen auch nicht unberechtigt. Ich beginne meine Präsentationen auch nicht mit fundamentalontologischen Erörterungen. Automechaniker sind idR wohl auch nicht erfreut, wenn man ihnen in den Arm fällt, um sie über die vor- und zuhandenheit der Motorteile zu belehren. Bloß weil jemand über Physik redet, ist er ja nicht verpflichtet, metaphysische Erörterungen über sich ergehen zu lassen. Es sei denn vielleicht, es gehört zum Thema (EPR, Bell'sche Ungleichungen oder sowas).

ja. aber vielen ist wirklich nicht mal klar worin der unterschied zwischen mathematischem und physikalischem messen besteht. das ist dann doch traurig.
Zitat:

Zitat:
also ehrlich geagt finde ich angesichts der fragen nach der künstlichen intelligenz die beschäftigung mit fragen im zusammenhang mit dem turingtest, turingmaschine, gödel etc wesentlich aktueller und angezeigter als eine inhaltliche auseinandersetzung mit dem hegelschen weltenplan.


Ja, stimme zu, diese Fragen sind alle recht interessant, aber die analytische Philosophie ist dabei eigentlich ein "elender Hinterherschleicher", oder nicht?

heute irgendwie schon. aber bis der glanz von frege russell wittgenstein etc verblasst verträgts noch ein paar putnams und searles denk ich...
Zitat:

Computerfunktionlismus oder strong AI - das sind doch alles nur Metaphern, die angeblich das Leib-Seele-Problem lösen. Da wird doch nur neuer Wein in alte Schläuche gegossen.

zweifellos. es ist auch ein witz eigentlich dass searle zur analytischen philosophie gezählt wird. aber bitte, ist halt so.
Zitat:

Noch 2 Fragen:
1. Wer vertritt denn für die analytische Philosophie?

für mich sollte das wohl heissen. na im gegensatz zu dir wittgenstein, russell,frege, moore...
und schliesse mich damit wie meistens den herren hier an:
http://plato.stanford.edu/entries/analysis/s6.html
Zitat:

2. Hast du schon mal was von Carnap gelesen? Und war das nicht sterbenslangweilig?

in der tat. aber hauptsächlich inhaltlich. ich hab aber auch schon von leuten gehört die seine vorlesungen spannend fanden. kann ja auch nicht sein dass nur weil carnap sich mit dingen beschäftigt hat die heute nicht wirklich interessant erscheinen mögen und das auch noch etwas hölzern deshalb die analytische philosophie sterbenslangweilig sein soll. echt, wenn du was mit herzblut willst, dann lies doch schiller....Zwinker
im übigen rechne ich das auch dem positivismus an, nicht der analytischen philosophie ;-)

gruss
Maurice.
Habe auch nochmal bei Wikipedia ein bisschen gesucht, auf dem der Artikel dem aus meinem Lexikon zu gleichen scheint. Besonders wichtig war für mich natürlich dieser Abschnitt:
Zitat:
Die jüngste Phase Analytischer Philosophie wird repräsentiert durch die Arbeiten von Nelson Goodman, Willard Van Orman Quine, Hilary Putnam, Wolfgang Stegmüller, David Lewis, Saul Kripke und anderen. Grob vereinfachend lässt sich sagen, dass bei diesen Autoren eine Hinwendung zu klassischen und sogar metaphysischen Themen und Problemen der Philosophie stattgefunden hat. Da Analytische Philosophie mehr eine Methode als eine einheitliche philosophische Richtung darstellt, werden jedoch auch metaphysische Problemstellungen streng sprachwissenschaftlich und mit den Mitteln mathematischer Logik untersucht, was sie von anderen, also etwa existentialistischen oder phänomenologischen Herangehensweisen unterscheidet.


Was mir beim Lesen eingefallen ist, ist dass es vielleicht ratsam wäre, zwischen "analytische Philosophie" als Methode/Art des Philosophierens und als philosophische Richtung/Themengebiet zu differenzieren.
Was haltet ihr davon?
Zanderdan
Hi mark,

Schiller kann ich leider auch nicht ab, da ist mir immer so, als würde ich belehrt. Sorry. Aber im Grunde hast du Recht: ich schätze eine Philosophie, die sich nicht in den Laborkittel hüllt, sondern als besondere Gattung der Literatur. Mal ein Beispiel: in England gab es in den 50ern eine Gruppe von Dichtern, die sich "The movement" nannte und deren Programm im wesentlichen darin bestand, anders zu sein, als der neoromantische Dylan Thomas. So scheint mir auch die analytische Philosophie, seit dem Wiener Kreis. Die wollen vor allem anders sein als Hegel & Co. Dagegen ist auch nichts zu sagen. Aber sie tun so, als hätten sie die einzig wahre Philosophiemethode entdeckt und alles andere wären Verirrungen. Und diesen Gedanken finde ich totalitär und falsch, hier gibt es nicht die eine Methode sondern anything goes. Dieser Methodenzwang wird zum Korsett, das gerade die Rundungen plattdrückt, die für mich attraktiv sind. Deshalb finde ich Carnap auch langweilig, wegen der Selbstverstümmelung, nicht weil er überholt wäre.

Gegen Frege, McTaggard, Russel, Moore...habe ich nichts (ich rede nur von den späteren Generationen). Aber nimm mal Moore: der sagte ja, Gewißheit habe er reichlich, zB dass dies seine Hand ist usw. Klingt naiv, ist es aber gar nicht. Seit Descartes wird die Gewißheit ja zu einem Problem, das dann den ganzen Rattenschwanz von Empirismus, Rationalismus, Kant...nach sich zieht. Moore hält dagegen. Wie Feyerabend einmal sagt: es wurde so getan, als sei Gewißheit schwierig zu erlangen und die Aufgabe nur eines großen Geistes würdig, dabei ist sie die billigste Handelsware und augenblicklich zu erlangen. Das ist ein interessanter Gedanke, den ich hier aber nicht in barokem Umfang ausbreiten will. Wittgenstein nimmt den ernst ("Über Gewißheit") und versucht den zu Ende zu denken (es läuft auf eine Art Gewißheitshistorimus hinaus, wie man ihn auch bei Foucault zB findet). Aber der Rest der Analytiker, soweit ich das überblicke (was zugegeben nicht allzu weit ist), tut weiter so, als sei Gewißheit nur über strenge Methoden und Begriffe zu erlangen.

Überhaupt Descartes: enorme Wirkungsgeschichte. Aber hat der denn so überzeugende Methoden und so klare Begriffe geliefert? Es erklärt sich mir nur so, dass seine Gedanken aus dem historischen Kontext Kraft geschöpft haben. Die analytische Philosophie scheint mir die Probleme als ahistorisch zu betrachten, wie das vielleicht in der Mathematik der Fall ist.

Wenn ich Wittgenstein = Heidegger sage, meine ich den Spätwittgenstein. Der gemeinsame Gedanke ist der, dass die gewonnenen Erkenntnisse auf die Aussagen, die dahin geführt haben, zurückwirken. Anders gesagt, dass die Gedanken in der Sprache kein unabhängiges Medium besitzen. Diese Selbstrefentialität sehe ich bei zB Putnam und Searle nicht mehr, vielleicht bei Quine, den kenne ich aber nicht gut. (Im tractatus ist dieser Gedanke auch enthalten, wird aber über das Lippenbekenntnis von der wegzuwerfenden Leiter abgetan. Erst in den PU wird der mE wirklich verfolgt).
Wenn es einen Grundgedanken der Postmoderne gibt, dann ist es für mich dieser Gedanke. Wird aber nach meinem Eindruck von den Analytikern ignoriert, während zB Derrida sich geradezu darin suhlt.

Gruss erstmal
Maurice.
Zu der These analytische Philosophie sei langweilig: Wenn man den Begriff "analytische Philosophie" entsprechend weit, nämlich als analytische Art des Philosophieren, fasst, dann scheint diese Art der Philosophie zumindest in unseren Universitäten die Vorherrschende zu sein. Wenn bei uns an der Uni nicht Philosophiegeschichte gelehrt wird, dann werden die Thema analytisch behandelt und das meist auf Grundlage von Texten, deren Autoren selbst wieder analytisch schreiben.
Viele Studenten sind von dieser Art des Philosophiestudiums enttäuscht. Ich schätze mal, sie dachten, man setzt sich alle in einenm Stuhlkreis, fasst sich an den Händen und spricht über Gott und den Sinn des Lebens nunja ...
Also was wir auf der Uni machen, entspricht schon meinen Vorstellungen und wenn es nach mir ginge, könnte man es ruhig noch eine Ecke analytischer betreiben. ^^
Arina
Zitat:
Original von Maurice.
Ich schätze mal, sie dachten, man setzt sich alle in einenm Stuhlkreis, fasst sich an den Händen und spricht über Gott und den Sinn des Lebens nunja ...


Oi, oi,
erwischt! fröhlich

Arina
Maurice.
Wieso, bist du jemand, der ein Philosophiestudium angefangen hat und dessen Erwartungen enttäuscht wurden?
Arina
Zitat:
Original von Maurice.
Wieso, bist du jemand, der ein Philosophiestudium angefangen hat und dessen Erwartungen enttäuscht wurden?


Nein, wieso? Das hatte ich doch auch gar nicht zitiert.... roll
mark
hey zanderdan,

Zitat:
Original von Zanderdan
Hi mark,
Schiller kann ich leider auch nicht ab, da ist mir immer so, als würde ich belehrt. Sorry.

hm. ich denke ich verstehe was du meinst. den traktat kann man wohl auch so empfinden. ich tu das nicht.
Zitat:

Aber im Grunde hast du Recht: ich schätze eine Philosophie, die sich nicht in den Laborkittel hüllt, sondern als besondere Gattung der Literatur.

das hat ja rhetorix vorgeschlagen.
ich weiss nicht ob nietzsche glücklich wäre damit in der literatur eingeordnet zu werden, neben schiller oder so...
Zitat:

Mal ein Beispiel: in England gab es in den 50ern eine Gruppe von Dichtern, die sich "The movement" nannte und deren Programm im wesentlichen darin bestand, anders zu sein, als der neoromantische Dylan Thomas. So scheint mir auch die analytische Philosophie, seit dem Wiener Kreis. Die wollen vor allem anders sein als Hegel & Co. Dagegen ist auch nichts zu sagen. Aber sie tun so, als hätten sie die einzig wahre Philosophiemethode entdeckt und alles andere wären Verirrungen. Und diesen Gedanken finde ich totalitär und falsch, hier gibt es nicht die eine Methode sondern anything goes. Dieser Methodenzwang wird zum Korsett, das gerade die Rundungen plattdrückt, die für mich attraktiv sind. Deshalb finde ich Carnap auch langweilig, wegen der Selbstverstümmelung, nicht weil er überholt wäre.

naja. carnap und mach sind so scharfmacher, das stimmt. aber wittgenstein und russell...also von totalitär kann da wohl keine rede sein.
Zitat:

Gegen Frege, McTaggard, Russel, Moore...habe ich nichts (ich rede nur von den späteren Generationen). Aber nimm mal Moore: der sagte ja, Gewißheit habe er reichlich, zB dass dies seine Hand ist usw. Klingt naiv, ist es aber gar nicht. Seit Descartes wird die Gewißheit ja zu einem Problem, das dann den ganzen Rattenschwanz von Empirismus, Rationalismus, Kant...nach sich zieht. Moore hält dagegen. Wie Feyerabend einmal sagt: es wurde so getan, als sei Gewißheit schwierig zu erlangen und die Aufgabe nur eines großen Geistes würdig, dabei ist sie die billigste Handelsware und augenblicklich zu erlangen. Das ist ein interessanter Gedanke, den ich hier aber nicht in barokem Umfang ausbreiten will. Wittgenstein nimmt den ernst ("Über Gewißheit"Zwinker und versucht den zu Ende zu denken (es läuft auf eine Art Gewißheitshistorimus hinaus, wie man ihn auch bei Foucault zB findet). Aber der Rest der Analytiker, soweit ich das überblicke (was zugegeben nicht allzu weit ist), tut weiter so, als sei Gewißheit nur über strenge Methoden und Begriffe zu erlangen.

hm. warst nicht du das der gerade das kritisiert hat: der gesunde menschenverstand hat immer recht? ist es nicht beides? muss man nicht vom einen ausgehen ziemlich streng vorgehen um irgendwohin zu kommen? aber gehen nicht alle nach ihren masstäben streng vor? schliesslich will man ja zwingend darlegen. und nicht einfach nur rumluschen. das kann ja jeder.
Zitat:

Überhaupt Descartes: enorme Wirkungsgeschichte. Aber hat der denn so überzeugende Methoden und so klare Begriffe geliefert? Es erklärt sich mir nur so, dass seine Gedanken aus dem historischen Kontext Kraft geschöpft haben. Die analytische Philosophie scheint mir die Probleme als ahistorisch zu betrachten, wie das vielleicht in der Mathematik der Fall ist.

das ist wohl richtig. wissenschaftlich ist sie in diesem sinne wohl schon. und es ist doch auch vieles ahistorisch zu betrachten. nicht dass irgendwas tatsächlich ahistorisch sichentwickelt hätte, das wäre ja ein widerspruch in sich. aber logik hängt doch davon nicht ab. man muss sich schon klar machen welche absurden vorstellungen es dazu gegeben hat. heute erscheint das alles so selbstverständlich, aber es war doch eine gewaltige kraftanstrengung das so herauszuarbeiten. und das ging wohl auch nicht ganz ohne disziplin. für mich ist das alles stark mit der logik verknüpft.
und letztlich sind solche sachen wie putnams hirntanks und serales chinesisches zimmer ja schon in dieser folge zu sehen. nur dass ich das nicht für sehr analytisch halte...sondern gerade fürs gegenteil. aber man zählt sie eben dazu. warum auch immer.
Zitat:

Wenn ich Wittgenstein = Heidegger sage, meine ich den Spätwittgenstein. Der gemeinsame Gedanke ist der, dass die gewonnenen Erkenntnisse auf die Aussagen, die dahin geführt haben, zurückwirken.

das sagt aber auch schon der frühe wittgenstein. überhaupt find ich es schwer diesen angeblichen sinneswandel nachzuvollziehen. aber da bin ich wohl auch der einzige.
Zitat:

Anders gesagt, dass die Gedanken in der Sprache kein unabhängiges Medium besitzen. Diese Selbstrefentialität sehe ich bei zB Putnam und Searle nicht mehr, vielleicht bei Quine, den kenne ich aber nicht gut. (Im tractatus ist dieser Gedanke auch enthalten, wird aber über das Lippenbekenntnis von der wegzuwerfenden Leiter abgetan. Erst in den PU wird der mE wirklich verfolgt).
Wenn es einen Grundgedanken der Postmoderne gibt, dann ist es für mich dieser Gedanke. Wird aber nach meinem Eindruck von den Analytikern ignoriert, während zB Derrida sich geradezu darin suhlt.

ah, jetzt sagst dus ja selber. der traktat ist sehr dicht. nur weil etwas mit nur einem satz erwähnt wird ist das kein lippenbekenntnis. im gegenteil rundet das das ganze ja erst ab. es macht doch schmunzeln wie er da die kurve kratzt, oder? würde man aus dem anfang nicht unbedingt vermuten wohin das führt...
jedenfalls, ich glaube dass man inzwischen davon ausgehen kann dass die sprache das denken beeinflusst, ja. also auch ganz empirisch gesehn mein ich.
etwas weiter vorne lehnt wittgenstein allerdings die selbstreferenz total ab. und alle versuche selbstreferenzielles in der logik zu vermeiden macht er sich ja her. etwas schwierig.
heutzutage sind wir ja etwas schlauer dank gödel und turing. aber gerade bei der umsetzung denk ich versagen solche leute wie searle total. da kommt dann bei der behandlung dieser fragen der berechenbarkeit wieder nur heisse luft raus,bzw chinesisch.
wir sind uns da völlig einig dass das was man neuerdings als analytisch bezeichnet unser wohlgefallen nicht findet ;-)

gruss