Das I GING und Hegels Dialektik

Neo
so kurz vor dem Schlafengehen kam mir doch noch ein Gedanke, der mir ein Posting wert erscheint, vielleicht handelt es sich jedoch auch nur um übermüdete Irrvorstellungen.

Also: dem I Ging liegt zwar nicht das strenge dialektische Entwicklungsprinzip Hegels zugrunde (These-Antithese-Synthese), dennoch gibt es m.E. gewisse Berührungspunkte (es heißt ja auch "das Buch der Wandlungen").

Der Inhalt besteht im Grunde aus 2 Basiselementen (Kräften), nämlich YANG (__, eine durchgezogen Linie, das Einheitliche, das Ganze, das Männliche, das Starke, das bejahende) und YIN (--, eine gebrochene Linie, das Geteilte, das Weibliche, das Schwache, das verneinende).

Durch schöpferische Kreativität wird aus der Kombination von jeweils 6 solcher Elemente ein Bild (Hexagramm) aufgebaut.
Dieses Hexagramm beschreibt einen bestimmten Zustand in der Welt / des Lebens (die These). Indem sich eine oder mehrere dieser Linien in ihr Gegenteil verkehren (die Antithese), ensteht so ein neues Hexagramm, welches einen anderen Zustand beschreibt (die Synthese).
Gleichzeitig wird hierdurch eine Tendenz im augenblicklichen Leben der betr. Person aufgezeigt.

Die einzelnen Hexagramme sind im dritten Buch der Kommentare des I GING in einer bestimmten Reihenfolge ("SÜ GUA") geordnet, so daß sich darin ein tieferer Entwicklungsprozeß widerspiegelt, der auf bestimmte Situationen in der Welt Anwendung findet (Das dialektische Prinzip ?).


Allerdings gibt es zu Hegel doch wichtige Unterschiede:
1) das dialektische Prinzip Hegels verläuft immer nur in eine Richtung (vom einfacheren zum komplizierteren, vom schlechteren zum besseren, also zu einem angestrebten Endzustand), während die Reihenfolge der Hexagramme keine bestimmte Richtung vorgibt (die Wandlungen der Zustände können grundsätzlich in beide Richtungen erfolgen).

2) Den Hexagrammen haftet keine Wertung an, in dem Sinne, das das eine "höher" oder weiter entwickelt sei als das andere. Allerdings gibt es Unterschiede in den einzelnen Eigenschaften der Bilder (z.B. sanft, hart, statisch, dynamisch, zerstörerisch, heilend).

3) Das Ursprungsbild ist nicht im Wandelbild enthalten/aufgehoben (oder doch ?) wie bei Hegel These und Antithese in der Synthese aufgehoben sind.

Kennt jemand diesbzgl. ähnliche oder widersprechende Überlegungen ?

Danke und Grüße
Neo
Archibald
@ Neo:

Die Parallen zwischen Yin und Yang sowie der Dialektik sind mir auch schon aufgefallen; einen Unterschied gibt es allerdings:

Diese "Dualesoterik" versucht eine absolute Zuordnung ("Das ist Yin/ das ist Yang") zu machen, die Dialektik aber nicht ("ist das "männliche" eher These oder eher Antithese"........
Neo
Hallo Archibald,

Du meinst, der Zustand oder die Eigenschaft von YIN bzw. YANG bleiben unveränderlich, während in der Dialektik diese(r) sich ändern kann, ja muß (einmal Antithese, dann im nächsten Zyklus wieder These), verstehe ich Dich so richtig ?

Grüße
Neo
Tarvoc
Zitat:
Original von Archibald
Diese "Dualesoterik" versucht eine absolute Zuordnung ("Das ist Yin/ das ist Yang") zu machen.

Im Westen vielleicht. Das fernöstliche Denken kennt keine absoluten Zuordnungen.
Archibald
@ Neo: Nicht ganz; auch in der Dialektik sind "These" und "Antithese" immerhin zwei Dinge, und, auch, wenn sie sich im konkreten Falle vereinigen, als abstrakte Ding bleiben sie Gegensätze.
Rhetorix
@ Arschibald:

Seit nunmehr 20 Tagen bist du der offizielle Schlusspunkt der Sparte Philosophie und Denktraditionen und wirst als solcher in der Foren-Übersicht gewürdigt.

Ich spreche dir hiermit meine Anerkennung dafür aus, dass seit rund 3 Wochen niemandem (mich natürlich inbegriffen) zum Thema Philosophie und Denktraditionen etwas Besseres eingefallen ist als dir, und räume ein, dass ich das im Leben nicht für möglich gehalten hätte.

für den "g.B."
Archibald
@ Tarvoc:

Die Dialektik auch nicht.

Angenommen, aus These und Antithese entwickelt sich eine Synthese; dies wird dann aber auch selber wieder zur These.

Es ist also keine absolute Zuordnung zur "These" möglich.
Archibald
@ Neo:

Nein, ich versuche nur darzustellen, daß es Leute gibt, die das "Yin und Yang" insofern mißverstehen, als, DASS sie ihm eine absolute Zuordnung geben ("Pflanzen sind yinnnig, Tiere sind yangig").

Allerdings:

Es gibt insofern eine Zuordnung, als, daß das eine (ich glaube, das "yin") für das weibliche Prinzip steht, und, das andere für das männliche.
Tarvoc
Zitat:
Original von Archibald
Die Dialektik auch nicht.

Hab' ich auch nicht behauptet. nunja
Archibald
@ Tarvoc:

"Yin" und "yang" stehen aber für männliches und weibliches Prinzip, haben also unterschiedliche Eigenschaften.
Mordax
Ich glaube das Yin und Yang representiert auch die Gensätzlichen Dinge, welche aber nur zusammen existieren können wie z.B. Tag und Nacht oder schön und hässlich. Denn wie könnten wir Schönheit erkennen, wenn es nichts hässliches gibt? Vielleicht sollte man daher das ganze nicht NUR auf männlich und weiblich beschränken obwohl die vielleicht en sehr wichtiger Teil von Yin und Yang ist.

MSFG
Mordax
Neo
Hallo Mordax,

Zitat:
Original von Mordax
Denn wie könnten wir Schönheit erkennen, wenn es nichts hässliches gibt? Vielleicht sollte man daher das ganze nicht NUR auf männlich und weiblich beschränken obwohl die vielleicht en sehr wichtiger Teil von Yin und Yang ist.


Sehe ich inzwischen ähnlich. Womit wir dann auch wieder bei der Frage wären "Kann es das Gute geben ohne daß das Böse nicht ebenfalls notwendigerweise existiert?"

Der Vergleich mit Hegels dialektischen Prinzip kann man eben bestenfalls (wenn überhaupt) nur auf die die verschiedenen Zustände (Hexagramme) beziehen, die das Buch der Wandlungen beschreibt.

YIN&YANG als die beiden Urkäfte, die unmittelbar aus der Schöpfung entstanden sind, sind unwandelbar, so wie Plus und Minus. Erst durch die Zunahme an Komplexität (Aufbau der Hexagramme aus den beiden Urelementen) entsteht Plastizität und Wandelbarkeit.
Mordax
Hallo Neo!

Zitat:
Original von Neo
YIN&YANG als die beiden Urkäfte, die unmittelbar aus der Schöpfung entstanden sind, sind unwandelbar


welche Schöpfung meinst duß die des Universums oder die der Welt ,Erde? gruebel
Denn ich glaube die Gegensätze müssen vor allem existiert haben denn: woher kommt etwas wenn es das gegensätzliche Nichts nicht gibt aus dem es hätte entstehen können? Denn ich bin davon überzeugt, dass alles einen Gegensatz braucht um zu existieren. Das war auch schon vor der Schöpfung so, vermute ich.

MFG
Mordax
Tarvoc
Die Zehntausend kommen von den Zwei.
Die Zwei kommen vom Einen.
Das Eine kommt vom TAO.

(Zen-Spruch)
Neo
Hi Mordax,

Zitat:
Original von Mordax
Hallo Neo!

Zitat:
Original von Neo
YIN&YANG als die beiden Urkäfte, die unmittelbar aus der Schöpfung entstanden sind, sind unwandelbar

welche Schöpfung meinst duß die des Universums oder die der Welt ,Erde? gruebel


Na ich glaube die Sterne und ihre Planeten sind ja erst viel später entstanden. Zuerst mußte Raum, Zeit, Materie und Energie entstehen. Das war der eigentliche Schöpfungsakt. Aus dem Absolut Einen entstand durch den Schöpfungsakt das gegensätzliche, das Relative (YIN/YANG), aus dem indifferenten Einen entstand das Indivuelle, das Unterscheidbare. Das war die Voraussetzung für alles andere, was sich daraus ergab. Nicht daß ich hierfür gesichertes Wissen hätte, es ist allein mein Glaube.

Zitat:
Original von Mordax
Denn ich glaube die Gegensätze müssen vor allem existiert haben denn: woher kommt etwas wenn es das gegensätzliche Nichts nicht gibt aus dem es hätte entstehen können? Denn ich bin davon überzeugt, dass alles einen Gegensatz braucht um zu existieren. Das war auch schon vor der Schöpfung so, vermute ich.


Ich sehe es anders. Aber wie gesagt: es ist reine Glaubenssache und jeder hat das Recht auf seine eigenen Vorlieben. smile

Viele Grüße
Neo
Archibald
@ Mordax:

Dummerweise definieren die "östlichen Philosophen" das Yin und Yang als solche(s)...............
albert_u
Danke für dieses Thema. Endlich konnte ich mich mal auf Hegels Dialektik einlassen. Das mit: jede These muss unbedingt wieder mit einer Antithese verbunden werden, hatte sich für mich immer so nach einer faulen "Mischlösung" a la "nehmen wir doch einfach immer die MItte" angehört.
Sehr schön finde ich auch den Vergleich des "zweiten Zeichens" mit der Antithese.

Yin und Yang bedeuten für mich die Urkräfte, die die ewige Wandlung in Gang halten. Beide sind für eine sich entwickelnde Welt notwendig. Die beiden Wörter sind entstanden als die Bezeichnung der lichten und schattenseite eines Berges. In Wikipedia stehen folgende zuordnungen:

Yang
oben
warm
vorwärts
aufwärts
Expansion
Aufsteigen
Feuer
hell
Energie
Bewegung
Aktiv
Ideal
Geist
männlich

Yin
unten
kalt
rückwärts
abwärts
Kontraktion
Absinken
Wasser
dunkel
Materie
Stillstand
Passiv
Wirklichkeit
Welt
weiblich

nette Grüße
Archibald
@ Albert:

Das sind absolute Zuordnungen; das "Yin" und Yang" der Dialektik hingegen meint Gegensätze "an sich", womit es ja auch ermöglicht wird, daß die Synthese wieder zur These wird...............
albert_u
Zitat:
Original von Archibald
@ Albert:

Das sind absolute Zuordnungen; das "Yin" und Yang" der Dialektik hingegen meint Gegensätze "an sich", womit es ja auch ermöglicht wird, daß die Synthese wieder zur These wird...............


Ja, dadurch ergibt sich eine Art endlose Evolution des Zeitgeistes.
Archibald
Zitat:
Original von albert_u
Zitat:
Original von Archibald
@ Albert:

Das sind absolute Zuordnungen; das "Yin" und Yang" der Dialektik hingegen meint Gegensätze "an sich", womit es ja auch ermöglicht wird, daß die Synthese wieder zur These wird...............


Ja, dadurch ergibt sich eine Art endlose Evolution des Zeitgeistes.



@ Albert:

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