Was macht uns etwas bewusst? Der Baum...

Devinus
...hallo

Es macht (mir) den Baum nicht bewusster, dass ich weiss woraus er besteht und wie er sich ernährt, sondern die Annahme, dass er etwas wollen kann? Etwas mit (mir) anfangen, mit (mir) machen kann? Das kann es doch nicht sein, oder? Es ist nämlich so, dass sich (mir) immer mehr der Verdacht aufdrängt, dass uns der Baum da draußen überhaupt nicht bewusst ist. Obgleich wir ihn wahrnehmen und etwas über ihn wissen, stellt sich nicht der Eindruck des Bewusstseins vom Baume her. Über was können wir uns überhaupt bewusst sein und können wir etwas tun zur Erreichung dieses Bewusstseins? Bewusstsein finde ich eng verknüpft mit dem Gewahrwerden der Selbstständigkeit von etwas – gar bis zum ganzen Leben? Bis dato war der Baum also unmittelbar mit uns und unserem Denken derart verknüpft, dass er nicht im Bewusstsein aufging. Oder würdet ihr, wenn ihr da draussen einen Baum seht, behaupten, dass Euch dieser Baum auch bewusst ist? Ich nehme ihn wahr mit verschiedenen Sinnen, mach mir meine Gedanken und denke auch das Wissen, was zu ihm gehört. Das kann ich bewusst tun und finde ihn auch schön. Nicht so schön wie manche Menschen, aber doch auch. Bewusstsein von einem Baum, gar Bewusstsein mit dem Baum? Da fehlt doch was! Oder? Aber was? Und fehlt es dem Baum, oder gar mir? Verhält es sich mit dem Baum anders, als mit dem Haus oder mit Dir? Und warum? Was meint ihr dazu? Ich möchte, dass ich diesen Baum nicht nur wahrnehme, sondern er so bewusst ist, dass er neben anderem ein gleichberechtigtes Mitglied meines Bewusstseins ist, dass wir die Chance haben Erfüllung miteinander zu finden und schließlich die Bäume unser Bewusstsein verstärken können, auch im Sinne eines bewussten Lebens der Menschen miteinander. Geht das?

Lieben Gruß
Devinus
Toschy
streng genommen bist du dir nichtnmal des bewusstseins eines anderen menchen bewusst, wie willst du das dann bei einem baum (einer völlig anderen spezies mit einem völlig anderen typus von "bewusstsein") schaffen?? das nennt sich "fremdwahrnehmung"... etwas "externes" ist nie völlig erfassbar... es ist schon ein schweres problem sich wirklich bewusst zu machen dass z.b. dein gespräschspartner ein bewusstsein hat das mit deinem vergleichbar ist und sich ebenso gedanken macht und fragen stellt... ein baum, der auf einem völlig anderen level existiert (er ist kaum mobil, lebt bedeutend länger, hat keine tierischen organ, ist eine pflanze ect. pp...), ist da quasi unerreichbar (unvorstellbar)...

ich empfehle dir das problem der "Qualia" (siehe wiki) und die sache mit "wie ist es eine fledermaus zu sein?"...
Devinus
Hallo Toschy,

ja das dachte ich mir auch. Wie sollten zwei verschiedene Bewusstseine aufeinander Zugriff haben... Du meinst, es geht nicht? Aber was ist mit z.B. der Vogelgrippe? Wenn es mit mikroskopisch Betrachtetem geht, warum dann nicht auch mit eigentlich noch etwas feinerem und sogar im Prinzip leichter dann. – Warum geht es nicht dann, wenn wir es wollen? Oder geht es? Und wenn ja, was muss dafür getan werden? Wenn Nietzsche weinend um den Hals des Pferdes fiel, dann musste er ein Bewusstsein von diesem Pferd gehabt haben. Es gibt solche Zustände, die lassen einen z.B. mit Pferden derart in einem Bewusstsein stehen, dass man sie nicht nur verstehen kann, vielmehr vielleicht als Folge des Verstehens, im Bewusstsein wahrnehmen läßt. Weiter sogar, eine gemeinsame Sprache ohne Worte zu haben. Besser gesagt sie als innerhalb des (unseren) Bewusstseins wahrnehmend. Der Unterschied zu unserer Gattung Mensch ist vielleicht der, dass wir alles an Bewusstsein unbedenklich unserer Gattung zuschreiben, aber wie Du auch schriebst ist selbst das schwierig, ich würde sagen selten. Wie kommt diese Seltenheit? Aber auch da meine ich, dass richtige Bewusstheit einen ganz anderen Bezug hat, als Dinge oder Lebewesen, sondern vielmehr ein Bewusstsein von dieser Welt wie sie ist. Deine Empfehlungen sind vielleicht gar nicht so schlecht mal in diesem Zusammenhang zu betrachten, ich schau mal ob ich Lust dazu hab, obwohl "Probleme" habe ich eigentlich genug. Das Buch jedoch mit den Fledermäusen habe ich nicht, vielleicht „Weiß der Löwe, was er denkt?.“ – also Bücher habe ich eigentlich auch genug, habe jetzt grade erst dieses Genannte richtig entdeckt. „Fremdwahrnehmung“ schreibst Du. Ich möchte aber nicht, dass der Baum mir fremd bleibt.

Lieben Gruß
Devinus
Rosalind
"Devinus" meint:
"Wie sollten zwei verschiedene Bewusstseine aufeinander Zugriff haben... Du meinst, es geht nicht? Aber was ist mit z.B. der Vogelgrippe? Wenn es mit mikroskopisch Betrachtetem geht, warum dann nicht auch mit eigentlich noch etwas feinerem"

Ist natürlich eine feine Sache so ein Virus. Größer als ein Bewusstsein? Kommt auf das Bewusstsein an, ein kleines ist bestimmt kleiner als ein Virus.

Aber ich wäre trotzdem dagegen, dass der Baum dich infiziert oder du einen Baum. Haben wir überhaupt ein Recht dazu, jemanden zu infizieren? Haben wir überhaupt ein Recht dazu, einen Baum mit unserem Bewusstsein zu belästigen. Haben wir überhaupt ein Recht dazu, Bäume zu fällen oder auch nur Äste abzusägen. Liegt es nicht vielleicht an uns, das wir die Schreie des Baumes nicht hören können.

Und kann er unsere Schreie hören? Und wenn nicht, warum nicht? Und hören die Kühe die Schreie des von ihnen abgefressenen Grases? Wahrscheinlich sind sie schwerhörig und unsereiner muss ihnen alles drei Mal sagen.

Fragen über Fragen, mit denen wir uns unbedingt weiter beschäftigen müssen, aber erst nach der WM.
Aurom
Zitat:
Original von Rosalind

Fragen über Fragen, mit denen wir uns unbedingt weiter beschäftigen müssen, aber erst nach der WM.


bei der gelegenheit muss ich doch mal fragen, wie sich der von stollen malträtierte rasen fühlen mag, garnicht zu reden von dem armen ball... roll
Devinus
Hallo Rosalind,

das war eine Analogie. Und ich finde nicht, dass wir auf Deiner quer verstandenen Schiene nach der WM hier weiter darüber reden sollten.

Lieben Gruß
Devinus
Devinus
Hallo Aurom,

wenn das Gras meine Füsse kitzelt, dann gehe ich davon aus, dass meine Füsse ebenso das Gras kitzeln. Analog zum abgesägten Baum: Auch zuviel kitzeln ist ungesund ... bis tödlich. Siehe Foltermethoden im Mittelalter.

Lieben Gruß
Devinus
Sophie
Zitat:
Original von Devinus
Oder würdet ihr, wenn ihr da draussen einen Baum seht, behaupten, dass Euch dieser Baum auch bewusst ist?


Wenn man es ganz genau nehmen möchte, sollte man sich fragen, was denn wem sein soll, dem sich etwas bewußt wird, denn es kann ja nur gleichrangig alles im 'Bewußtsein' sein. Die Vorstellung von "außen" die Vorstellung von "innen", die Vorstellung von "ich und der Baum" und der Baum ohne ich"
Ein "außen" kann nicht wahrer sein als ein "Innen". Ein Baum nicht wahrer als ein Stein.

Zitat:
schließlich die Bäume unser Bewusstsein verstärken können, auch im Sinne eines bewussten Lebens der Menschen miteinander. Geht das?


Bäume können nicht das Bewußtsein verstärken, einfach weil Baum und Bewußtsein das Selbe ist.
Was sein kann, ist, dass die Vorstellung von dir und Baum das Gefühl von Kraft hervorruft.
Ich sitze auch gerne auf uralten Steinen herum und versuche das ganze Universum einzuatmen.

Gruß Sophie
Rosalind
Sophie verrät uns:
"Ich sitze auch gerne auf uralten Steinen herum und versuche das ganze Universum einzuatmen."

Die arme Lunge.
Devinus
Wie der Zufall es halt so will, fand ich heute folgendes.

„Wir stehen außerhalb der Wissenschaft. Wir stehen statt dessen z.B. vor einem blühenden Baum – und der Baum steht vor uns. Er stellt sich uns vor. Der Baum und wir stellen uns einander vor, indem der Baum dasteht und wir ihm gegenüber stehen. In die Beziehung zueinander – voreinander gestellt, sind der Baum und wir. Bei diesem Vorstellen handelt es sich also nicht um „Vorstellungen“, die in unserem Kopf herumschwirren. Halten wir hier einen Augenblick inne, so wie wenn wir Atem holen vor und nach einem Sprung. Wir sind nämlich jetzt gesprungen, heraus aus dem geläufigen Bezirk der Wissenschaften und sogar, wie sich zeigen wird, der Philosophie. Und wohin sind wir gesprungen? Vielleicht in einen Abgrund? Nein! Eher auf einen Boden; auf einen? Nein! Sondern auf den Boden, auf dem wir leben und sterben, wenn wir uns nichts vormachen. Eine seltsame Sache oder gar eine unheimliche Sache, daß wir erst auf den Boden springen müssen, auf dem wir eigentlich stehen. Wenn etwas so Seltsames nötig wird wie dieser Sprung, dann muß etwas geschehen sein, das zu denken gibt. Wissenschaftlich geurteilt bleibt es allerdings die belangloseste Sache von der Welt, daß jeder von uns schon einmal einem blühenden Baum gegenüber stand. Was ist schon dabei? Wir stellen uns einem Baum gegenüber, vor ihn, und der Baum stellt sich uns vor. Wer stellt hier eigentlich vor? Der Baum oder wir? Oder beide? Oder keiner von beiden? Wir stellen uns, so wie wir sind, nicht bloß mit Kopf oder mit dem Bewußtsein, dem blühenden Baum gegenüber, und der Baum stellt sich uns vor als der, der er ist. Oder ist gar der Baum noch zuvorkommender als wir? Hat der Baum zuvor sich uns vorgestellt, damit wir uns in das Gegenüber zu ihm vorbringen können?“ (Martin Heidegger aus „Was heißt Denken?“)

Also ich habe nicht gewusst, dass Heidegger auch so ähnlich über (oder gar mit?) dem Baum philosophiert hat. Das konnt ich jetzt nicht für mich behalten. Eigentlich ist es ja der Boden und nicht nur durch die Luft betrachtet, der uns mit dem Baum verbindet. Großartig. Freue mich aber auch darauf hier nun mit Euren noch nicht beantworteten Beiträgen weiterzumachen. Denn was nützt schon ein Sprung, wenn wir dennoch hüpfend unseren Weg bestreiten müssen. Andererseits... Also bis bald hoffe ich.

Lieben Gruß
Devinus
Devinus
"Ich denke, der Baum ist grün." (Nylen am 27.09.09)
Nylen
@Devinus.

Da zitierst du mich ganz leicht falsch, sagte ich doch: Ich denke, daß der Baum Grün ist.....um in Fregescher Manier, den Akt des Denkens, vom Gedanken, DASS der Baum Grün ist, zu unterscheiden.
Devinus
@ Nylen

In der Kritikfähigkeit eines Immanuel Kant`s steht die Frage nicht,weil er von der Kritik eines Martin Heideggers an seinem "daß" wohl nie davon erfahren hat. Ich habe erst eben das Protokoll zu Händen bekommen, und ob es tatsächlich leicht falsch ist, liegt zum einen an Deinem Darüberhinausseinwollen wo es eigentlich kein Darüberhinaus mehr gibt, sondern in der unmittelbaren Vorstellung, hier Baum und Mensch, zueinander, sowie zum anderen, die Frage, ob das Datum was hinter dem Satz steht, nicht den Satz, doch nicht komplett auch noch richtig macht.
Nylen
Nun....Wie du mich zitierst ist mehr der Form nach falsch als dem Inhalte nach. Ich schenke dir hiermit den Satz der ja nun Teils auch dein Produkt ist.
Devinus
Ja das ist komisch.

Also eigentlich habe hatte ich die Empfindung so wie es dort steht, inhaltlich also richtig, aber förmlich falsch, weil du das "dass" verwendetest. Aber - ist es denn wirklich immer nur mein Problem, dass man trotz Formfehler das richtige verstehen kann, aber nachher dennoch den Hinweis eines Fehlers bekommt?

Aber mal was anderes, wo du grad hier bist. Ich konnte meine Analogie durch dich erweitern. Seele-Zeit-Selbst(bewusstsein) Alles aus den unterschiedlichsten Disziplinen mit mehr oder minder gleichem Aussagegehalt. Eigentlich hatte ich diese Möglichkeit ja beinah schon vergessen. Ist auch noch vage.
Nylen
Zitat:
Ich konnte meine Analogie durch dich erweitern


Na das ist doch schon mal was Freude
Devinus
Ja allerdings Zwinker
Vielleicht ergänze ich noch mit -Sein-
Devinus
Der Baum sagt:
„Ich bin der Baum.“
Meine Blicke schweifen umher,
viele Bäume – 1, 2, 3, 4, ...
da aus dem Blick meines Fensters.

Wer hat das gesagt:
„Ich bin der Baum.“?
Meine Blicke schweifen
von einem zum anderen,
und mir ist so,
als hätten alle Bäume
nur eine Stimme, die da sagt:
„Ich bin der Baum.“

Es ist wie, als ob es nur
einen einzigen gäbe,
aber den an vielen Stellen.

Baum - merkwürdiges Wort.
Nylen
Kaum ein Lebewesen, ist wie ein Baum, eine Personifikation des Lebens an sich. Sang doch schon Alexandra "Mein Freund der Baum ist tot, er blüht nicht mehr im Morgenrot"

Man denke auch an den Baum der Evolution.
Partygänger
der baum wird mir bewusst wenn ich seine eigenart (wieder)-entdecke !

Gut !