Metaphysik im 20. Jh.

serca
Tach zusammen!

Ich hab vor ein paar Wochen im Rahmen des Philo-unterrichts einen Essay über Heideggers Schrift "Was ist Metaphysik?" geschrieben. Na ja, eigentlich sollten wir uns einen Satz aus einem Ausschnitt der Schrift zum Thema wählen ...
Jedenfalls wollte ich gern mal wissen, was ihr davon haltet.

Hier findet ihr eine kurze Zusammenfassung des Werkes: http://www.thinkartlab.com/pkl/media/CAS...-4B2-KAE10.html

Der Mensch – eine vereinbare vereinte Widersprüchlichkeit?

„Was ist der Mensch?“ – diese Frage geistert schon seit Jahrhunderten durch unsere Köpfe.
Eine allumfassende – allumfassend im Bezug auf den Menschen selbst und auf die Aspekte, die mit der „Antwort“ zusammenhängen – Antwort lässt bis heute auf sich warten.
Jedoch ist die gängige Methode, um sich einen Zugang zur Frage zu verschaffen, das Falsifizieren. Jeder weiß, der Mensch ist kein Haus, kein Baum, kein Auto, ... und so weiter und so fort. Warum jeder dies weiß, ist offensichtlich und ist auch nicht Thema dieses Essays.
Wichtig an dieser Stelle ist die Methode. Was machen wir eigentlich, wenn wir sagen: Der Mensch ist kein Was-auch-immer?
Wir grenzen den Bereich, in dem sich unsere Antwort befindet ein.
Eine Eingrenzung der Frage, „Was ist der Menschen?“, finden wir auch bei Heidegger:
„So endlich sind wir, daß wir gerade nicht durch eigenen Beschluß und Willen uns ursprünglich vor das Nichts zu bringen vermögen. So abgründig gräbt im Dasein [,also im Menschen] die Verendlichung, daß sich unserer Freiheit die eigenste und tiefste Verendlichkeit versagt“ (S. 38, Z. 14-18 ) oder in einem Satz: „Sofern aber das Dasein seinem Wesen nach zu Seiendem, das es nicht ist und das es selbst ist, sich verhält, kommt es als solches Dasein je schon aus dem offenbaren Nichts her“ (S.35, Z. 7-9).
Aber ist diese Eingrenzung nicht ein Widerspruch in sich?
Wie können wir ein Teil des Seiendem sein und gleichzeitig nicht? Und zu allem Überfluss sollen wir auch noch aus dem Nichts kommen? Da hat es sich aber jemand leicht gemacht!
Hat es einfach „puff“ gemacht und da waren wir und waren dann doch nicht?!
Solche Worte liegen einem auf der Zunge, wenn man diesen Satz nur mit dem Wissen liest, was Heidegger mit „Seiendem“ (S. 35, Z.7-8 ) und „Dasein“ (S.35, Z.7) meint.
Was uns nur als logisch erscheint, ist der Umstand, dass wir existieren, dass wir sind – vorausgesetzt natürlich wir bilden uns dies nicht nur ein. Wir sehen uns im Spiegel, wir sehen andere Menschen, die wiederum uns sehen, wir können denken, handeln, und, und, und. Ergo: existieren wir – nach den Gesetzen der Logik. Denn woher sollten sonst diese Zeilen kommen? Aus dem Nichts?
Wenn wir also sind und andere Dinge sind, dann gehören wir doch zum Seiendem, weil wir existieren. Wenn wir nun Heideggers Eingrenzung des „Nichts“ insoweit folgen, dass das Nichts etwas „ist“, das nicht zu erfassen ist, so finden wir beim genaueren Hinsehen eine Lösungsansatz aus diesem scheinbaren Dilemma: Was kennen wir, dass nicht zu erfassen ist? Was ist nicht mit den fünf Sinnen wahrzunehmen? Was ist selbst keine Materie und was zeigt sich in der Welt nicht als Allegorie, wie das Alter?
Die Antwort hierauf lautet: Gefühle, Würde, Freiheit und Frieden.
Mir hat jedenfalls noch keiner dieser vier Begriffe die Hand gegeben und sich vorgestellt.
Es wäre auch wohl kaum möglich, da der Mensch mit diesen vier Begriffen verbunden wird. Der Mensch hat den verschiedenen Gefühlen Namen gegeben, weil er sie empfunden hat, und dadurch hat er sie der Welt zugänglich gemacht. Ähnlich ist es auch mit Würde und Freiheit. Die Würde sprechen wir als Menschenwürde sogar wörtlich uns zu und der Gedanke der Freiheit, hat sich sowohl in Kriegen als auch in der Literatur mehr als einmal ausgedrückt. Frieden schließlich verdeutlicht sich darin, dass jeder ihn sucht, ihn aber keiner definieren kann. Und trotzdem hält sich hartnäckig der Gedanke des Friedens, sei es in Weltfrieden, in innerem Frieden oder in Zufriedenheit. Durch unsere Sprache haben wir der Welt den Gedanken des Friedens gegeben.
Wenn diese Begriffe Gedanken und Empfindungen ausdrücken, die der Mensch der Welt offenbart hat, woher hat dann der Mensch diese Gedanken und Empfindungen? Und warum hat er sie?
Nun wenn diese Gedanken und Gefühle nicht zu erfassen sind, dann müssen sie ihren Ursprung in etwas haben, dass ebenfalls nicht zu erfassen ist. Also im Nichts.
Wir werden mit diesen Gedanken und Gefühlen verbunden und sie sind mit uns verbunden. Sie sind in der Natur des Menschen verankert, sind Teil seines Wesen.
Wenn diese Gedanken und Gefühle als Nicht-zu-Erfassendes Teil des Menschen sind und wenn der Mensch aufgrund seiner schlichten Existenz ein Seiendes ist, dann ist der Mensch sowohl Seiendes als auch Nichts; und da Gefühle, Frieden, Würde und Freiheit und alles, was auf ihnen aufbaut das Wesen des Menschen bestimmen und ihren Ursprung als Nicht-zu-Erfassendes im Nichts haben, kommen wir auch aus dem Nichts.
Insofern könnte man also doch sagen, dass diese Gefühle und Gedanken eine Materie haben, wenn auch nur eine „indirekte“, nämlich den Menschen, da er mit ihnen verbunden wird und sie mit ihm verbunden sind. Auch können das Nichts und das Seiende ebenso wenig voneinander getrennt werden, wie diese Gedanken und Gefühle vom menschlichen Körper.
Doch halt! Haben wir nun auch das erste oben angeführte Zitat Heideggers entschlüsselt?
Reicht es zu sagen: „So [seiend] sind wir, daß wir gerade nicht durch eigenen Beschluß und Willen uns [„leibhaftig“] vor das Nichts zu bringen vermögen. So abgründig gräbt im [Menschen] [das Nicht-zu-Erfassende], daß sich unserer Freiheit das eigenste und tiefste [Seiende] versagt“ (S.38, Z.14-18 ).
Nein, diese „Übersetzung“ kann nur eine Ergänzung zu dem im Original auftauchendem Gedanken der Vergänglichkeit, der „Endlichkeit“ (S. 38, Z.18 ) des Menschen sein, der in der „Übersetzung“ durch den Aspekt des Seienden ersetzt ist und analog dazu das Unsterbliche, die „Verendlichung“ (S. 38, Z. 17), als Nicht-zu-Erfassende.
Das ist der Augenblick, in dem man sich sagt: „Jetzt bin ich mir sicher, dass ich diesen Gedanken kenne!“ Und gleich darauf folgt die Erkenntnis: Vergänglich am Menschen ist der Körper und unsterblich die Seele – natürlich immer vorausgesetzt, dass die Gesetze der Logik gelten und wir uns nicht nur einbilden, dass wir existieren.
Das Nichts und das Seiende scheinen auf den ersten Blick unvereinbar, aber mit Hinblick auf das Dasein entpuppt sich die Seele als ein Nichts und der Körper als ein Seiendes.
Ist dies der Grund für den Spruch „[a]lles in Maßen“?
Denn bekanntlich ist „zu viel des Guten“ auch nicht erstrebenswert. Brauchen wir deswegen den Ausgleich zwischen geistigen und körperlichen Aktivitäten?
Können wir deswegen nicht immer ein gutes Buch lesen und, oder aufs Schlafen verzichten, aber auch nicht umgekehrt immer Sport treiben oder uns mit unserem Lieblingsessen voll stopfen – mal ganz abgesehen davon, dass einem vom letzteren schnell schlecht und man vom ständigen Sport treiben müde wird?
Nun, als Kinder des Nichts und des Seienden brauchen wir ein Gleichgewicht in
unserer Widersprüchlichkeit.

© serca
Archibald
Zitat:
Original von serca
Tach zusammen!

Ich hab vor ein paar Wochen im Rahmen des Philo-unterrichts einen Essay über Heideggers Schrift "Was ist Metaphysik?" geschrieben.

„Was ist der Mensch?“ – diese Frage geistert schon seit Jahrhunderten durch unsere Köpfe. © serca


Die Frage "Was ist der Mensch" hat ja wohl mit Metaphysik nichts zu tun.

Eher aber wohl noch Folgendes:

"Wer vom "Menschen" als in Form von "der Mensch" redet, redet hier von einem "Ding an sich" (hier z.B. "Mensch an sich").

Kann es ohne metaphysischen Grundaufbau "Dinge an sich" überhaupt geben ?
Tarvoc
Was zur Hölle ist ein "Ding an sich"? fröhlich
FREIHEIT
Warum zur Hölle?
Tarvoc
Zitat:
Original von FREIHEIT
Warum zur Hölle?

Zur Hölle mit dem Ding an sich. großes Grinsen
Phil(osoph)
Zitat:
Original von Tarvoc
Was zur Hölle ist ein "Ding an sich"? fröhlich


Laut Sartre ist alles nichtmenschliche Sein im Modus des "An-sich-seins". Für Sartre existierten Tiere, Pflanzen und Gegenstände vor dem Auftreten eines menschlichen Organismus nur in einer positiven Seinsfülle. Es gab kein Bewusstsein, das den Dingen einen Namen gab oder sie voneinander unterschied. Sartre gibt hier das Beispiel der fehlenden Mondsichel. Sieht man eine Mondsichel, dann kann man sie nur dann als zunehmenden oder abnehmenden Mond bezeichnen, wenn man den jetzigen Zustand mit einem vergangenen oder zukünftigen vergleicht. Ohne ein Bewusstsein, das dies tut, ist die Mondsichel weder zunehmend noch abnehmend, sie ist einfach das, was sie ist, also mit sich selbst identisch. Somit gab es vor dem Auftreten eines Bewusstseins weder Unterscheidungen noch zeitliche Bestimmungen wie früher oder später, denn sie beruhen ja auf einem Vergleich eines Anfangs- und Endzustandes. „Das An-sich-sein" ist also veränderungsloses, unterschiedsloses reines Sein, eben die Seinsfülle ohne jede Negation, wie sie durch eine Veränderung oder Zerstörung oder ein Werden und Vergehen bezeichnet wird.
FREIHEIT
@Tarvoc ich dachte du glaubst nicht das es die Hölle gibt!
Shamatic
tarvoc ist sich dessen bewusst dass der Begriff "Hölle" kein Ding-an-sich ist, das unabhängig von uns existiert. Darum versteht er wohl anderes unter diesem Begriff, vorallem wird er das Wort eher in einem anderen Kontext verwenden als du es wahrscheinlich tust. (hier hast du ja ausgezeichnet gesehen in welchem Kontext diesen Begriff benutzt großes Grinsen )
Tarvoc
Zitat:
Original von Shamatic
Tarvoc ist sich dessen bewusst, dass der Begriff "Hölle" kein Ding-an-sich ist, das unabhängig von uns existiert.

Stimmt. Allerdings könnte sie demjenigen, der sich in ihr befindet, durchaus wie eines erscheinen.
Wäre das anders, dann befände er sich nämlich wahrscheinlich nicht in ihr. Zwinker
Archibald
@ Tarvoc:

Die Abstraktion einer Sache, die zusammen mit anderen Dingen in eine gemeinsame Kategorie gehört.
Tarvoc
Aha. Abstraktionen von Sachen, die in eine Kategorie gehören. Wozu braucht man die? fröhlich
Archibald
@ Tarvoc:

Um z.B. Begriffe zu bilden, mittels denen man sich überhaupt erst verständigen kann.....
Tarvoc
Zitat:
Original von Archibald
Um z.B. Begriffe zu bilden, mittels denen man sich überhaupt erst verständigen kann...

Ich brauche keine "Dinge an sich", um mich zu verständigen.
Rhetorix
Haben wir eigentlich schon einen Thread über das Ding an sich ?

Falls nicht: Würde es sich lohnen? Wer macht den Anfang?
Archibald
@ Rhetorix:

Ich glaube, ich habe schon mal einen erstellt, bin mir aber nicht mehr ganz sicher............