Das Denken eines 20 Jährigen

Brom von Beere
Hallo liebe Community,

dies ist mein Einstiegspost in diesem Forum und ich möchte diesen mit einer kleinen Vorstellung beginnen : Ich bin zwanzig Jahre alt, habe mein Abitur vor wenigen Wochen geschrieben und bin nun wohl ab Dezember an der Universität Oldenburg vorzufinden, wo ich Philosophie und Sozialwissenschaften studieren möchte.
Ich studiere diese beiden Fächern nicht in Hinblick auf Berufswahlen oder Notengebung in meiner vorherigen Schulzeit, - sondern weil ich Spaß daran habe mich in diesen Gebieten weiterzubilden.

Mein Einstiegspost soll eine Frage beinhalten, die ich mir selbst schon des öfteren gestellt habe. Wieso gibt es so wenig Philosophen in unserer heutigen zeit im jungen Alter.
Die Menschen um mich herum, die zwischen 18 und 20 Jahren alt sind, scheinen mir, jedenfalls soweit man es durch Nachfragen in Gesprächen beurteilen kann, kaum noch nachzudenken.
Ihr Horizont scheint beschränkt, das Leben scheint bei einigen "angenommen", nicht mehr hinterfragt zu werden - jegliche Neugierde diesem gegenüber abgelegt.
Ein guter Freund von mir sieht dies ähnlich hat kann meine Erfahrungen bestätigen. Dadurch, dass man selbst Dinge hinterfragt oder versucht Geschehnisse miteinander zu verknüpfen, wie wir es manchmal in Gesprächen tun, kommt eine Art " Schutzschicht " den Anderen gegenüber zu trage. Wir sind teilweise abgeneigt Gespräche mit Leuten
zu führen, für die es nur noch Alkohol, Drogenkonsum und "Chillen" gibt.

Ist meine Meinung zu drastisch, übertreibe ich oder kann mir vll. jemand mit ähnlichem Umfeld recht geben ?
Mich interessieren eure Meinungen.

Lieben Gruß, Brom v.B.
HMS
Hallo!

Hmm... Jugend und Philosophie. Ich weiß selbst nicht, wie ich das bewerten kann, ich weiß ja auch nicht, wie interessiert vorige Generationen an diesem Thema waren.
Ich bin nun knapp 19 Jahre alt und kenne kaum jemanden, der sich wirklich mit den Werken einiger Philosophen auseinandersetzen mag. Ich glaube allerdings, dass es allgemein an Ausdauer mangelt, die der Interessierte mitbringen sollte.
Doch was die Eigeninitiative betrifft, das selbstständige Hinterfragen und Erörtern, so denke ich, dass vielen das Bewusstsein für sich selbst fehlt.

Wenn man es in Zeiten der absoluten Reizüberflutung und medialen Ablenkung nicht schafft, sich selbst als etwas Bestehendes wahrzunehmen, ist es umso schwerer sich damit auseinanderzusetzen und ich denke, dass hier doch die eigentliche Philosophie beginnt.

Ich denke aber nochmal darüber nach.

Gruß, HMS
Shamatic
Willkommen !

Ja, du hast Recht, es gibt sicherlich sehr wenige "Philosophen" in der jungen Gesellschaft. Wir sind alle konditioniert, doch nur die "Philosophen" bzw. Nachdenker haben teilweise das Bewusstsein um diese Konditionierung zu durchschauen. Die Leute, die du meinst sind sozusagen in ihrer Welt gefangen, schaffen es nicht sie von "außen" zu betrachten. Das liegt wohl unter anderem an der krassen Informationsflut, die größenteils aus reinem Schwachsinn besteht (medien). Manchmal wenn ich mir das alles anschaue kommt es mir irgendwie total lächerlich vor (bestimmte menschliche Verhaltensweisen). Nicht selten verachte ich dann irgendwie bestimmte Menschen, was mir jedoch auch nicht richtig erscheint. Der Realitätstunnel der meisten Menschen ist halt einfach so richtig klein und eng. Vorallem der Anthropozentrismus der wirklich in uns allen ausgeprägt ist nervt mich gewaltig an. Die Menschheit muss einfach einen Bewusstseins Sprung nach vorne machen. Ich meine zumindest die "westliche" Welt, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht weiß ich nicht.
meds
Hallo erstmal winken

Gute Frage die du da stellst. Obwohl ich zu Beginn meines Studiums einen anderen Eindruck hatte. Ich war überwältigt von der Vielzahl derer, die sich für ein Philosophie-Studium entschieden haben. Hätte ich zuvor nie für möglich gehalten. Jedoch habe ich recht schnell gemerkt, dass von den Vielen am Ende nur sehr Wenige übrig bleiben, was doch sehr unterschiedliche Gründe hat. Einige meiner Feunde sind durch den Philosophie-Unterricht der Schule so sehr abgeschreckt, dass sie es dabei bewenden lassen und die Notwendigkeit nicht erkennen (Können). Desweiteren ist die berufliche Perspektive, welche einem Philosophem geboten wird, für einige nicht ausreichend, es sei denn sie haben vor Lehrer zu werden. Wieder andere haben evtl eine ungeeignete Herangehensweise an die P., indem sie sich ein Werk eines Philosophen aussuchen, für das der Zeitpunkt (ihr Zeitpunkt) noch nicht gekommen ist.

Ist es überhaupt so, wie es deine Frage impliziert oder ist es anders?

Ich denke nach...gruebel
Tarvoc
Ich bin auch 20 Jahre alt und studiere nun seit eineinhalb Semestern (auf Magister) Philosophie im Hauptfach und Kommunikationsforschung und politische Wissenschaften in den Nebenfächern. Und ich kann nur sagen, dass es meiner Erfahrung nach gar nicht so wenige Leute gibt, die ernsthaft philosophisch interessiert sind. Auch solche, die nicht gerade eine Karriere in dieser Richtung im Blick haben. Wenn man sich ernsthaft mit Philosophie beschäftigt und dabei gleichzeitig das Zuhören trainiert, wird man unvermeidlich früher oder später diese Leute in seinem Umfeld erkennen.



Hier ein paar Betrachtungen und Verarbeitungen von Erfahrungen von mir, die ich vor einiger Zeit geschrieben habe.

Zitat:
Original von Tarvoc
Begegnungen

Wenn man einen Geist trifft, der dem eigenen unterlegen ist, merkt man das sofort. Seine Worte sind wie Ätherrauschen im Subraum, wie 'Wolken ohne Wasser'. Sie berühren nichts und bewegen nichts. Selbst wenn er aggressiv wird, gehen seine Worte ins Leere, wie Pfeile, die von einem Anfänger verschossen werden. Wenn man überhaupt antworten möchte, so nur ganz gelassen und mit subtiler Verachtung.

Trifft man auf einen gleichwertigen Geist, so entwickelt sich ein natürlicher Respekt. Auch wenn man nicht einer Meinung ist, so versteht man sich dennoch und respektiert einander. Aus solchen Begegnungen entstehen oft Freundschaften. Doch ein solcher Zustand ist nicht ohne Gefahren, wie jeder Zustand der Bestätigung gefährlich für die persönliche Entwicklung ist.

Trifft man jedoch auf einen dem Eigenen überlegenen Geist, so treffen einen seine Worte wie ein Hammer, ob man es sich eingesteht oder nicht. Selbst wenn er nicht verletzen will, sind seine Worte wie Nadeln, die empfindliche Nerven treffen, und er tut Recht daran, genau so zu reden.

Nur im Gespräch mit überlegenen Geistern kann sich das Potential des eigenen Geistes entfalten und entwickeln.


Anzumerken wäre natürlich noch, dass sich die Menschen unterschiedlich schnell entwickeln und auch in der Entwicklung schwanken, und sich selbstverständlich auch in ihren Einschätzungen täuschen. Ein Mensch, der dir heute noch zum Typ 1 gehörig erschien, kann sich morgen schon als Typ 2 oder gar Typ 3 entpuppen. Es gibt auch Personen, die ständig im Typ zu schwanken scheinen. Darüber hinaus ist diese Einteilung natürlich eine Karte und nicht das Territorium und sollte entsprechend gelesen und verstanden werden. Man könnte diesen Text vielleicht auch als ein Sprungbrett bezeichnen, von dem aus man ins Wasser springen kann (und nicht als das Wasser selbst).

Ach ja: Gesagt werden sollte noch, dass dieser Text rekursiv auf die emotionalen Reaktionen, die der Text selbst beim Leser erzeugt, angewendet werden kann. fröhlich
Brom von Beere
Guten Abend zusammen,

Ersteinmal vielen herzlichen Dank für den netten Empfang.
Sehr interessierte Meinungen - fühl mich wirklich schon wohl hier Zwinker

@HMS

Da kann ich dir nur zustimmen. Ich denke auch, dass einigen Leuten das Bewusstsein fehlt. Das Problem ist meiner Meinung nach auch, dass viele Jugendliche heute ( und auch Erwachsene ) gar nicht richtig wissen, wer sie sind. Ich habe selbst einige Zeit " neben mir " gelebt und hatte auch immer das Gefühl noch mitten im Selbstfindungsprozess zu stecken. Die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft, die das Leben doch so "leicht" wie möglich machen soll ( Computer, TV => Unterhaltung, Freunde => Trinken gehen => Bewusstsein verlieren => Spaß haben ) scheint ihren Großtteil dazu beizutragen.

Die Ausdauer sich für ein Thema, welches vielleicht etwas mehr Recherche und Arbeit kostet, als z.B. das Pc-Spielen ( welchem ich übrigens verfallen war ) ist natürlich auch ein wichtiger Faktor.
Da wären wir wieder bei dem Thema " leichtes Leben " , da man natürlich dazu neigt heutzutage faulerweise Dinge zu tun, die der Arbeit eher entgegenwirken.

@Shamatic

Auch dir kann ich nur zustimmen. Ich denke auch, dass einige Menschen richtig gefangen sind und nicht mehr herauskommen. Ich meine, was macht uns heutzutage aus. Der Freundeskreis, die Medien ( Informationsflut statt gezielte Information ), die eigenen Interessen, die sich aber nach Medien und Freunde ebenfalls richten können. Wenn beide Faktoren dem selbstständigen Denken ( was Philosophie ja voraussetzt ) entgegenwirkt, kann man ja kaum anders, wenn man nicht die Kraft hat und das Selbstbewusstsein aus sich heraus zu kommen.
Die westliche Welt versucht, meiner Meinung nach, den USA immer näher zu kommen, indem man versucht das Leben im " Easy Mode " zu bestreiten.

@meds

Ich meinte die Frage, glaube ich, schon so, wie du sie verstanden hast. Nur ich bezog es auf meinen Freundeskreis, der sich nicht im Philosophie Studium befindet, sondern nun frisch mit Abitur da steht. Ich finde es interessant zu hören, dass viele Leute aus deinem Studium "aufgegeben" haben. Ich denke, dass es viel damit zu tun hat, dass die Leute ein Studium belegen mit bestimmten Erwartungen daran. Gerade bei einem Philosophie-Studium sollte man doch nicht mit der Erwartung XY ( später vll. dies und das damit zu erreichen ) herangehen, sondern mit dem nötigen Interesse an der Thematik, - oder sehe ich das falsch ? Kann für meinen Teil sagen, dass es mir sehr wichtig war auch das nötige Interesse am Studium zu haben und nicht : Studieren des Studieren wegens zu tätigen.

@Tarvoc

Sehr interessanter Text, dem ich auch nur zustimmen kann. Aber das Problem, welches mir gerade in den Sinn kommt ist, dass möglicherweise jemand, der dem Gesprächspartner unterlegen ist, seine Überlegenheit gar nicht wahrnimmt, da er es aufgrund von Unwissen und dem nicht Verstehen, vielleicht gar nicht kann.
Sonst kann ich nur sagen, dass die Entwicklung wirklich zutreffend deiner Beschreibung geschieht. ich selber hätte mich vor einem Jahr noch unter einem ganz anderen " Typus " wiedergefunden.
Tarvoc
Zitat:
Original von Brom von Beere
Sehr interessanter Text, dem ich auch nur zustimmen kann. Aber das Problem, welches mir gerade in den Sinn kommt ist, dass möglicherweise jemand, der dem Gesprächspartner unterlegen ist, seine Überlegenheit gar nicht wahrnimmt, da er es aufgrund von Unwissen und dem nicht Verstehen, vielleicht gar nicht kann.

Nun, in dem Falle wird ihn in dieser Diskussion vermutlich ein Gefühl der Verwirrung beschleichen, das ähnlich schmerzhaft ist, wie die Nadelstiche, von denen ich schrieb. Mir ist das zwar auch schon passiert, aber nur selten. Wenn es sich nicht um Hammerschläge oder um Nadelstiche, sondern um besagtes Verwirrungsgefühl handelt, so ist das für den, der es empfindet (also den Unterlegenen) ein sicheres Zeichen dafür, dass er selbst, noch darüber hinaus dass er unterlegen ist, auch noch zu festgefahren in seinen Vorstellungen ist, denn festgefahrene Vorstellungen oder Dogmen können durchaus diese Hammerschläge gewissermaßen 'abfedern', aber eine gewisse Erschütterung kommt eben durch und manifestiert sich in einer relativen Verwirrung, möglicherweise noch gemischt mit einem gewissen Zorn über die eigene Unfähigkeit, das Gegenüber zu erreichen, der nicht selten dann auch auf das Gegenüber selbst projiziert wird. Nun gibt es, wie immer, wenn es um Verwirrung geht, zwei Möglichkeiten oder besser gesagt zwei Arten der Verwirrung. Es gibt subjektive und objektive Verwirrung. Subjektiv verwirrt ist jemand, der verwirrt ist und sich bewusst ist, dass er verwirrt ist. Objektiv verwirrt hingegen ist jemand, der verwirrt ist, aber sich dessen nicht bewusst ist, sondern vielmehr meint, er habe den totalen Durchblick. Letzteres ist meist Zeichen von derart festgefahrenen Vorstellungen und Realitätsverlust, dass da meist von beiden Seiten nicht mehr viel zu machen ist. Ein objektiv verwirrter Mensch kann zu Aggressionen oder Ausbrüchen neigen, wenn er merkt, dass der Andere nicht nur anderer Ansicht, sondern darüber hinaus auch noch in diesem Sinne geistig überlegen ist. Dabei neigt er jedoch dazu, nicht subtil vorzugehen, sondern geradezu zu explodieren und den Anderen einfach nur niedermachen zu wollen. Doch wie schon im ersten Abschnitt meines Textes beschrieben, wird das auf den Anderen selten wirklich Eindruck machen.
Lupo
Ich bin zwar erst 17 jahre alt, habe auch keine Zugänge zur Philosophie im Studium selbst oder in der Schule, dennoch widme ich meine freie zeit dem Selbststudium neben meinem Schulstress als noch Realschüler. großes Grinsen

Dieser frage bin ich oft bei mir selbst auch begegnet, ob es möglich sein könnte, das das interesse am Wesentlichen mit der zeitgeschichte scheint unterzugehen und meiner generation fremd ist, sich der philosophie zu widmen.

Wenn ich selbst aber mal im fach bleibe, frage ich mich oft ob es Selbstauflösungstendenzen in der philosophie gibt, was die analytische philosophie, die in den letzten jahren verstärkt auftritt, befördert?

ich frage mich oft, wo der praxisbezug ist, oder wo arbeiten Philosophen heute gruebel ... und da fällt mir immer wieder leo Löwenthals gedanke ein:

Zitat:
Wir haben nicht die Praxis verlassen, sondern die Praxis hat uns verlassen.“


vielleicht liegt es einfach in der tatsache, wieso jugendliche unter anderem der philosophie den rücken zudrehen, weil eben gesamtgesellschaftliche Prozesse der Philosophie selbst das entziehen was Adorno, in seiner lektüre "Philosophische terminologie" meint mit:

Zitat:

Es soll sich in der Philosophie um Dinge handeln, die wesentlich, für jeden menschen wesentlich sind und die mit der Arbeitsteilung in unserer Gesellschaft und gar mit der Arbeitsteilung innerhalb der Wissenschaften nicht erledigt werden können. ( S.9 )



Ist vielleicht die Philosophie da angelangt, wo Arbeitsteilung dem Fach den Boden entziehen, nämlich sich mit dem ganzen zu beschäftigen und dem Blick auf das Wesentliche?

Oder ist in diesem fall nur die kritische theorie bedeutungslos geworden und ich fadenscheinig da hängen geblieben?


winken
meds
Vielleicht könnte man es auch latente Verwirrung nennen, denn die Bezeichnung objektive Verwirrung verwirrt mich etwas. Zwinker
Tarvoc
Zitat:
Original von meds
Vielleicht könnte man es auch latente Verwirrung nennen, denn die Bezeichnung objektive Verwirrung verwirrt mich etwas. Zwinker

Objektiv = Es ist NUR noch an seinen objektiven Handlungen zu erkennen, dass er verwirrt ist. Er als Subjekt kann es nicht mehr erkennen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich diese Terminologie von R.A. Wilson geklaut habe, und sie mich auch zuerst verwirrte, bis ich näher darüber nachdachte. Zwinker

Latente Verwirrung gefällt mir übrigens auch recht gut. Gut !
Brom von Beere
@Tarvoc

Denke du hast recht mit dem, was du schreibst. Aber kann es nicht auch sein, dass die Agression in Depression übergeht, wenn derjenige sich nicht mehr im Gespräch befindet. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch zu Frustration führen kann, welches dann als Folge haben koennte, dass derjenige nicht mehr seinen Horizont erweitern möchte, weil er niedergeschlagen wurde. Die andere Möglichkeit wäre, dass er versucht sich selbst zu erweitern in seinem geistigen Horizont. Mir persönlich ist in Gesprächen mit anderen aufgefallen, dass ich z.B. wenn ich den Überlegenen Part inne habe, teilweise leicht abwertende Gefühle meinem Gegenüber ausstrahl, wenn ich seine Engstirnigkeit sehe oder seine Festgefahrenheit. Kann aber auch sein, dass es einfache eine vielleicht egoistische Art und Weise ist, dem gegenüber nur dann als Gesprächspartner "anzuerkennen", wenn er auf dem selben geistigen Niveau ist - aber du spieltest dies ja auch schon an, als du schriebst, dass Freundschaften aus zwei Menschen gleichem geistigen Standes meist basieren.

Ein anderer Gedanke, welcher mir gerade in den Sinn kommt, ist der, dass man die "Schutzschicht der Dummheit" oder auch die "Maske der Dummen", wie ein Freund und ich es auch oft bezeichnen, nutzt, um sich in gegeben Gesellschaftsformen einzuglieden.
Quasi : Wenn die Welt dumm ist , muss man selbst dumm sein, um aufgenommen zu werden.
meds
Zitat:
Original von Tarvoc
Und ich kann nur sagen, dass es meiner Erfahrung nach gar nicht so wenige Leute gibt, die ernsthaft philosophisch interessiert sind. Auch solche, die nicht gerade eine Karriere in dieser Richtung im Blick haben. Wenn man sich ernsthaft mit Philosophie beschäftigt und dabei gleichzeitig das Zuhören trainiert, wird man unvermeidlich früher oder später diese Leute in seinem Umfeld erkennen.


Sehe ich in etwa genauso und frage mich, da es einiger Meinungen nach so Wenige sind, ob diese Wenigen nicht auch genügen, oder ob es zu Wenige sind?
Können es überhaupt genug sein??? gruebel
Brom von Beere
Huhu meds,

Wenn man davon ausgeht, dass wie Tarvoc es ja schrieb, sich der eigene Horizont dadurch erweitert, dass man sich austauscht und von Anderen lernt, koennte man ja so argumentieren, dass je weniger es von diesen Menschen gibt, desto weniger Kommunikation daraus result und dies ergo die Folge hat, dass man sich kaum durch Gespräche ( Austausch ) mit anderen erweitert. Weil die Chance, dass sich zwei Menschen austauschen ist ja höher, wenn es Viele dieser Sorte gibt.

Oder irre ich ? smile
Tarvoc
Zitat:
Original von Brom von Beere
Mir persönlich ist in Gesprächen mit anderen aufgefallen, dass ich z.B. wenn ich den Überlegenen Part inne habe, teilweise leicht abwertende Gefühle meinem Gegenüber ausstrahl, wenn ich seine Engstirnigkeit sehe oder seine Festgefahrenheit. Kann aber auch sein, dass es einfache eine vielleicht egoistische Art und Weise ist, dem gegenüber nur dann als Gesprächspartner "anzuerkennen", wenn er auf dem selben geistigen Niveau ist.

Ich würde das nicht so 'moralisch' sehen. Ich glaube, es ist die natürliche Conditio des Menschen, so zu verfahren. Jedenfalls ist das meine Erfahrung. Ich habe ja in dem Text geschrieben, dass der Überlegene auch genauso handeln soll. Man könnte das mit dem 'Stock des Zen-Meisters' vergleichen: Manch ein Schüler war später seinem Meister für die vielen Schläge auf seinen Kopf überaus dankbar. Zwinker Ich habe ja auch gesagt, dass die Auseinandersetzung mit Überlegenen, die sich genau so verhalten, wie sie das nunmal tun, den Geist vertiefen und adeln kann. Die gewollte Auseinandersetzung um so mehr. Man muss sozusagen das Leid, was sie einem (noch nicht einmal immer gewollt) zufügen, wollen und ersehnen, aber dieses Wollen und Ersehnen dieses Leides sollte immer auch ein Wille zur Überwindung dieses Leides sein. So entsteht die Vertiefung.

"Wenn es Gott gäbe, wie könnten wir es ertragen, nicht Gott zu sein?"
(Friedrich Nietzsche)
Razor's Edge
Zitat:
Original von Lupo
Zitat:

Es soll sich in der Philosophie um Dinge handeln, die wesentlich, für jeden menschen wesentlich sind und die mit der Arbeitsteilung in unserer Gesellschaft und gar mit der Arbeitsteilung innerhalb der Wissenschaften nicht erledigt werden können. ( S.9 )



Ist vielleicht die Philosophie da angelangt, wo Arbeitsteilung dem Fach den Boden entziehen, nämlich sich mit dem ganzen zu beschäftigen und dem Blick auf das Wesentliche?


Ich hab von Adorno nur die Minima Moralia gelesen, aber da kommt ein ganz aehnlicher Aphorismus vor (ich glaube, es ist sogar der erste, mit dem Titel "Fuer Marcel Proust").

Ich wuerde vor allem festhalten: Philosophie darf mit Arbeitsteilung schon deswegen nichts zu tun haben, weil Philosophie nie Arbeit im traditionellen Sinn sein kann.
Arbeit, sofern sie geteilt werden kann, muss ein gleichfoermiger Prozess sein, eine sich ewig wiederholende, vorhersehbare Folge von Ablaeufen.
Echtes Denken ist das Gegenteil davon, ega ob es nun "ganzheitlich", weltumspannend ist oder nur eine Minute dauert.
meds
Soweit, sogut!
Aber sich austauschen und voneinander lernen etc, ist doch nicht nur den Philosophen vorbehalten, sondern ebenso jedem Menschen, der sich austauschen und von anderen lernen möchte, möglich.

Deine These: Umso weniger Philosophen es gibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kommunikation unter den Menschen abnimmt, und dies dazu führt, dass der menschliche Horizont stagniert.

Korrekt? gruebel
Brom von Beere
@Tarvoc

Nett von dir, dass du meine moralischen Bedenken zu mildern versuchst und es dir auch gelingt smile - Ich sehe nur manchmal die Situation, dass der Überlegene dem Unterlegenen vielleicht helfen sollte, indem er "erklärt" , so dass der Gegenüber begreifen kann. Natürlich kann man ihm auch 10 mal mit dem Stock auf den Kopf schlagen, bis er begreift, dass er es selbst in die Hand nehmen muss, aber vielleicht würde es manches mal reichen, dem Gegenüber den Stock entgegenzustrecken, so dass er von beiden Händen gehalten wird ... großes Grinsen
Tarvoc
Zitat:
Original von meds
Aber sich austauschen und voneinander lernen etc, ist doch nicht nur den Philosophen vorbehalten, sondern ebenso jedem Menschen, der sich austauschen und von anderen lernen möchte, möglich.

Wieso 'nur den Philosophen'? Wer sowas ehrlich möchte, der ist bereits ein Philosoph.
Philosoph wird man nicht, indem man einfach nur Philosophie studiert. Zwinker

Zitat:
Original von meds
Deine These: Umso weniger Philosophen es gibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kommunikation unter den Menschen abnimmt, und dies dazu führt, dass der menschliche Horizont stagniert.

Korrekt? gruebel

Korrekt. Im Grunde ist das sogar fast schon eine Tautologie.

Zitat:
Original von Brom von Beere
Ich sehe nur manchmal die Situation, dass der Überlegene dem Unterlegenen vielleicht helfen sollte, indem er "erklärt" , so dass der Gegenüber begreifen kann.

Klar, in den Naturwissenschaften ist das auch die Methode.
In der Philosophie kann man das aber nicht so einfach anwenden, weil die Philosophie nicht im eigentlichen Sinne eine Lehre ist (in dem Sinne, dass einfach nur Wissen bzw. Anwendungswissen vermittelt wird), sondern sie soll den Menschen zu selbstständigem und bewusstem Denken und Handeln befähigen und seinen Geist auf allen Ebenen (Ratio, Emotionen, Sinne und Wille bzw. Ethik) zur Vertiefung und 'Veredlung' führen. Und dazu ist nunmal auch Eigeninitiaive erforderlich.

Man sollte meinen Text auch nicht als Methode ansehen, wie Philosophie unterrichtet werden sollte.
Sondern wie Philosophie betrieben werden sollte.

(Anders als bei den Naturwissenschaften ist das bei der Philosophie nämlich ein himmelweiter Unterschied.)
Brom von Beere
@Tarvoc

Zitat:
selbstständigem Denken und Handeln befähigen und seinen Geist auf allen Ebenen (Ratio, Emotionen, Sinne und Wille bzw. Ethik) zur Vertiefung führen. Und dazu reicht es nicht, die Dinge einfach nur zu erklären.


Ich muss dir vollkommen recht geben - meine beschriebene Methode kann höchstens Grundlage des Lernens sein - der Schüler muss aber natürlich selbst aktiv werden.

Finde übrigens deine Defintion eines Philosophen sehr großzügig und zugleich aber auch logisch erdacht smile
Tarvoc
Zitat:
Original von Brom von Beere
Finde übrigens deine Defintion eines Philosophen sehr großzügig.

Natürlich, sie ist nicht vollständig durchdacht. Deshalb habe ich sie vorerst auch wieder entfernt.
Jemand könnte z.B. Kant als Gegenbeispiel bringen, der sein ganzes Lebtag nie aus Königsberg 'rausgekommen ist und den ich trotzdem als Philosophen sehr schätze. (Wobei natürlich, zugegebenermaßen, räumliche Begrenztheit nicht das Selbe ist wie geistige Begrenztheit. Darüber sollte man übrigens näher nachdenken. Zwinker )