Humanismus im 20. Jahrhundert

Stranger
Angeregt durch die Fussnote in den Mails von Nauplios möchte ich das Thema Humanismus bzw. Humanismus-Kritik in den Raum stellen.

Wie komm es, das gerade in der Philosophie des 20ten Jahrhunderts der Humanismus, der selbst Heute noch fraglos positiv besetzte Begriff, in die Kritik gerät. Ob Heidegger, Foucault, Deleuze, Derrida, Levinas oder Luhmann, Humanismus ist bei diesen und vielen anderen Philosophen und Soziologen ein problematischer Begriff.

Dabei begegnet man in der Diskussion oft folgender Konstellation: Man problematisiert den Begriff durch Verweis auf sein historisches Versagen und nennt als Beispiel die Gulags des sozialistischen Realismus, die ausnahmslos im Namen eines Humanismus errichtet wurden. Als Antwort darauf bekommt man:

a) das war eben kein wahrer Humanismus sondern er wurde falsch verstanden oder,
b) die Handelnden waren keine Humanisten sondern handelten aus Machtinteresse ohne an einen Humanismus zu denken.

fragt man zu a) nach was denn "wahrer Humanismus" sei, bekommt man zur Antwort Nächtsenliebe, Fürsorge, soziales Handeln usw. Darüber hinaus werden Demokratie, Freiheit und weiterhin fast alle positiv besetzten Begriffe als konstitutive Elemente des Humanismus angeführt.

An dieser Stelle möchte ich zur Diskussion anregen. Was ist Humanismus? Was steht in der Kritik am Humanismus?

fragend
Stranger
Stranger
ich weis jetzt nicht ob der Beitrag in der richtigen rubrik steht. Er sollte stehn unter "Das 20. Jahrhundert und die Philosophie der Moderne". Bitte wenn notwendig verschieben
1 1
Zitat:
Original von Stranger
...Wie kommt es, das gerade in der Philosophie des 20ten Jahrhunderts der Humanismus... in die Kritik gerät.

Dabei begegnet man in der Diskussion oft folgender Konstellation: Man problematisiert den Begriff durch Verweis auf sein historisches Versagen und nennt als Beispiel die Gulags des sozialistischen Realismus, die ausnahmslos im Namen eines Humanismus errichtet wurden.

...fragt man zu a) nach was denn "wahrer Humanismus" sei, bekommt man zur Antwort Nächtsenliebe, Fürsorge, soziales Handeln usw. Darüber hinaus werden Demokratie, Freiheit und weiterhin fast alle positiv besetzten Begriffe als konstitutive Elemente des Humanismus angeführt.

An dieser Stelle möchte ich zur Diskussion anregen. Was ist Humanismus? Was steht in der Kritik am Humanismus?
...



Humanismus scheint mir ein sehr schillernder Begriff zu sein.

Bei allen Unterschieden im jeweiligen Verständnis des Humanismus scheint es aber folgenden Kern zu geben:

den Glauben an die Möglichkeit einer Verbesserung der diesseitigen Situation des Menschen.


Der Humanismus ist keinem jenseitigem Glauben verpflichtet (obwohl sich Glaube und Humanismus nicht ausschließen müssen).
Im Fall eines Konflikts zwischen diesseitigem und jenseitigem Wohl des Menschen und zwischen Dogma und wissenschaftlicher Erkenntnis tendiert er jedoch eindeutig zum Diesseits und zur Wissenschaft.

So sehe ich das.
Richtig?


Nun fragst du, warum der Humanismus in die Schusslinie geraten ist.

Ich sehe dafür vorerst folgende Gründe:

Erstens sprichst du ganz richtig den Gulag an.
Der Kommunismus ist dem Humanismus sehr stark verpflichtet - als Zielvorstellung.
Die theoretischen Durchgangsstadien zu diesem Ziel sind allerdings nicht-humanistische (und daher an und für sich nicht erwünschte) Zustände.
Die Theorie besagte, dass sie überwunden werden.
Die Praxis erwies, dass sie (noch) nicht überwunden wurden und noch übler als gedacht ausfielen.
Und ich denke, dass sie auf Grund allgemein-menschlicher Schwächen auch gar nicht überwunden werden können.
Das ist jetzt auch wohl herrschende Meinung.
Durch diese fehlgeschlagenen Experimente wurde der Humanismus, wie er durch Marx und Engels verkörpert wurde, sehr stark diskreditiert.


Zweitens scheint mir der Humanismus deshalb heute angreifbar, weil er ja tatsächlich an etwas glaubt.
Doch welcher Glaube hält der fundamentalen Skepsis letztlich stand?
Nauplios
Einer der entscheidenden Gründe für die Abkopplung von humanistischen Traditionen und für den Verzicht auf "Menschenbilder" ist wohl die Verpflichtung humanistischer Anthropologien an die ontologische Metaphysik. - Dies ist zumindest Luhmanns Argument in dem erwähnten Aufsatz "Die Tücke des Subjekts und die Frage nach den Menschen". (s. Soziologische Aufklärung 6; S. 155ff.)

Ontologien arbeiten mit Hilfe der Unterscheidung von Sein/Nichtsein und das hat dazu geführt, das der alte aristotelische Fragetypus "ti estin" (was ist ... ) im Falle des Menschen als Frage nach dessen "Wesen" Unterscheidungen zu "niederen" oder "höheren" Wesen nahegelegt hat - also etwa Mensch/Tier oder Mensch/Gott. Die "Natur" des Menschen wurde dann durch Vernunft bestimmt, erwies sich aber durch "Affekte", "Leidenschaften" u.ä. als korruptionsanfällig, was der alteuropäischen Tradition Paradoxien hinterließ - etwa in Form von Theodizee- oder Anthropodizeeproblemen. Die christliche Metaphysik des Mittelalters wertete den Menschen zum Beispiel als Mikrokosmos des Makrokosmos auf, um darüber verständlich zu machen, warum Gott ausgerechnet als Mensch sein Erlösungswerk vollbracht hatte. Ontologien und Anthropologien lesen sich aus systemtheoretischer Sicht als Unterdrückungs- und Auffangprogramme für Paradoxieprobleme. -

Das seit der Neuzeit prominenteste Auffangprogramm ist das "Subjekt". In seiner "dialektischen" Version ist es biegsam genug, daß die alte Unterscheidung von Subjekt/Objekt insoweit umgekehrt werden kann, daß der Mensch seine Objektivität einbüßt, der Subjekte gegeben sind und selbst zu dem wird, was allem anderen und sich (!) zugrunde liegt. "Er wird, ..., aus der Realität der Dinge wegmetaphysiziert." (Luhmann) Mit der neuen Unterscheidung transzendental/empirisch - im Anschluß an Kant - ließ man sich nun durch "kopernikanische Wenden" und andere Verlegungen von Problemstellungen faszinieren, welche die paradoxe Ausgangsstruktur durch Oszillieren zwischen transzendental/empirisch oder Selbstreflexion/empirisches Bewußtsein oder Noesis/Noema usw. einzufangen suchten.

So ist man an der Uneingestehbarkeit eines anderen Subjekts gescheitert oder an der Pluralität der Subjekte überhaupt oder - bei Husserl - am Problem der Intersubjektivität oder am zweiwertigen logischen Schematismus (s. die Kritik von Gotthard Günther) usw. In größere Verlegenheiten geraten mit der Umstellung von stratifikatorischer - schichtenmäßiger - Differenzierung auf funktionale Differenzierung der Gesellschaft theoretische Versuche, die Selbstbeschreibung der Gesellschaft vom Subjekt her zu denken - also vereinfacht gesagt Gesellschaften aus Menschen bestehen zu lassen. "Im Namen des Subjekts, das sich selber und allem anderen zugrundeliegt und sich in seiner Freiheit von allen empirischen Ursachen unterscheidet, wird ein Blankoscheck auf Gesellschaft ausgestellt. Das Subjekt ist im strengen und paradoxen Sinne die Utopie der Gesellschaft, der Ort, der an keinem Ort zu finden ist." (Luhmann; S. 162) Die Unfähigkeit der modernen Gesellschaft, sich selber als Einheit zu beschreiben findet ihren Grund darin, daß als kleinste nicht weiter auflösbare Einheiten In-dividuen stehen, aus denen dann die Gesellschaft be-stehen soll.

Diesen durch die alte Ontologie und ihre Verkopplung mit humanistischen Anthropologien eingehandelten metaphysischen Primat des Subjekts gibt die Systemtheorie auf und versucht stattdessen mit einer Theorie beobachtender Systeme (im Sinne eines Genitivus subiectivus und Genitivus obiectivus!) neue Möglichkeiten der Beschreibung von Welt zu eröffnen. Ein "beobachtendes System" kann dabei ein Bewußtsein, ein Gehirn, ein Thermostat ... oder ein System wie Gesellschaft sein. Der Mensch ist nicht ein Teil der Gesellschaft - wer möchte schon ein "Teil der Gesellschaft" sein? - , sondern gehört in Terms der Systemtheorie zur Umwelt der Gesellschaft. Humanismen legen die Theorie der Gesellschaft also vorzeitig auf eine "Verbesserung" der Gesellschaft fest - anstatt auf die Verbesserung der Beschreibungsparameter der Gesellschaft.

Zuviel zunächst einmal. Vielleicht sollten wir Luhmanns Theorie der Gesellschaft einmal in einem gesonderten Thread besprechen ...

Liebe Grüße

Nauplios
1 1
Zitat:
Original von Nauplios
Einer der entscheidenden Gründe für die Abkopplung von humanistischen Traditionen...


Wovon werden die humanistischen Traditionen abgekoppelt?

Zitat:
Original von Nauplios
... und für den Verzicht auf "Menschenbilder"

?

Zitat:
Original von Nauplios
...ist wohl die Verpflichtung humanistischer Anthropologien an die ontologische Metaphysik.


Der Humanismus war der ontologischen Metaphysik oder metaphysischen Ontologie von Anfang an so wenig wie nur möglich verpflichtet.
Fragen der Art, ob der liebe Gott am 3. Schöpfungstag einen Dreitagebart hatte, wie alt man bei der Auferstehung ist oder ob die Engel Augen auf den Flügeln haben, hat der Humanismus den Scholastikern überlassen.
Eine dem Humanismus eigene ontologischen Metaphysik oder metaphysischen Ontologie gibt es daher meines Wissens nun gerade nicht.
Wie sollte der Humanismus dann aber an seiner ontologischen Metaphysik gescheitert sein?

Zitat:
Original von Nauplios
Die "Natur" des Menschen wurde dann durch Vernunft bestimmt, erwies sich aber durch "Affekte", "Leidenschaften" u.ä. als korruptionsanfällig, was der alteuropäischen Tradition Paradoxien hinterließ - etwa in Form von Theodizee- oder Anthropodizeeproblemen. Die christliche Metaphysik des Mittelalters wertete den Menschen zum Beispiel als Mikrokosmos des Makrokosmos auf, um darüber verständlich zu machen, warum Gott ausgerechnet als Mensch sein Erlösungswerk vollbracht hatte. Ontologien und Anthropologien lesen sich aus systemtheoretischer Sicht als Unterdrückungs- und Auffangprogramme für Paradoxieprobleme. -


Was hat das alles mit dem Humanismus zu tun?
Was schert sich der Humanismus um die Theodizee?
gruebel

Tut mir leid, Nauplios, aber ich habe aus deinem Beitrag nicht viel Honig saugen können. verwirrt

Warten wir lieber erst mal ab, was Farbenspiel und Jay Ray zu diesem Thema schreiben.
1 1
Mal mit ganz einfachen Worten:

Könnte es sein, dass der Humanismus auf eine Art von Glauben an die Menschheit angewiesen ist? Zumindest auf ein kleines bisschen Glauben daran?

Und dass dieser Glaube u.a. durch Auschwitz und Hiroshima erheblich erschüttert worden ist?
Stranger
Hallo zusammen,
hallo Nauplios,
hallo 1 1,

1 1 schreibt von der Grundtendenz des Humanismus hin zu einem "Glauben an die Menschheit". Ich würde dem zustimmen. Das ist mit Sicherheit ein Element humanistischen Denkens. Es ist aber sehr pauschal definiert und dabei leicht ersichtlich, das die Formulierung geradezu danach schreit mit Fragen konfrontiert zu werden wie: was bedeutet dabei "Glaube", was bedeutet denn "Menschheit", was bedeutet "besser" und schließlich "was bedeutet Mensch oder was ist der Mensch oder was ist ein Mensch"? Diese Fragen wurden immer schoon an den Humanismus herangetragen oder er hat sie logischerweise von sich aus formuliert und beantwortet. Und damit hat Nauplios auch zurecht von dessen spezieller Ontologie gesprochen. Er sprach davon nicht in dem Sinne das es irgendwo einen Kanon ontologischer Texte des "Humanismus" gibt, sondern das eine Ontologie, von der Sache her, immer mitvollzogen wird wenn man Fragen mit "was ist... " beginnt. Ähnlich eben der Ontologie des Aristoteles, der bestimmt das Wort Ontologie noch nicht kannte weil es erst sehr viel später als Begriff in die Philosophie Einzug hielt. (Übrigens gibt es den Begriff "Humanismus auch erst seit dem frühen 19ten Jhrh. und dennoch bezeichnen wir Erasmus 1469/1536 als Humanisten, genau wie Pico dela Mirandola)

In den philosophischen Diskursen die mit dem Ende des 19ten Jhrh einsetzen, genauer vielleicht mit Nietzsche, wird. der Humanismus mit seiner Antwort auf die Frage "was ist der Mensch?" konfrontiert also mit der kritischen Diagnose seiner speziellen Ontologie die den Menschen, das Humanum, definiert.

Da sind wir dann auch bei deinem Punkt mit dem du recht hast: Diese Definition des Menschen die der Humanismus betreibt hat gleichzeitig eine "normative Potenz", also etwas das praktisch verwirklicht werden soll.

vorerst schluss

Grüße
geschockt
1 1
Zitat:
Original von Stranger
... Diese Definition des Menschen die der Humanismus betreibt hat gleichzeitig eine "normative Potenz", also etwas das praktisch verwirklicht werden soll.


Ja!
Denken wir doch mal an unser national-humanistisches Glaubensbekenntnis, das von humanistischen Topoi nur so trieft (Concordia, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit, Brüderlichkeit, Glück):

Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand
Danach lasst uns alle streben,
Brüderlich mit Herz und Hand!


(Zeilen umgestellt, wie ihr wohl seht)


Dieses Glück wird für machbar erklärt - und zwar ohne dass an Gottes Segen alles gelegen wäre!
Archibald
Ich unterscheide zwischen "sollistischen" und "ististischen" Aussagen, also, zwischen Aussagen, welche Tatbestände feststellen ("ististisch"), und solchen, welche Forderungen stellen ("Sollismus").

Der Humanismus hat Beides miteinander vermischt.
Temp
Zitat:
Original von Stranger


Er sprach davon nicht in dem Sinne das es irgendwo einen Kanon ontologischer Texte des "Humanismus" gibt, sondern das eine Ontologie, von der Sache her, immer mitvollzogen wird wenn man Fragen mit "was ist... " beginnt. Ähnlich eben der Ontologie des Aristoteles, der bestimmt das Wort Ontologie noch nicht kannte weil es erst sehr viel später als Begriff in die Philosophie Einzug hielt. (Übrigens gibt es den Begriff "Humanismus auch erst seit dem frühen 19ten Jhrh. und dennoch bezeichnen wir Erasmus 1469/1536 als Humanisten, genau wie Pico dela Mirandola)
geschockt



Lieber Stranger, roll

zugegebenermaßen fällt mir die Verrückung des Blicks auf das Sein ungeheuer schwer.
Auf die Frage "Was ist der Mensch" würde ich nicht angemessen antworten können. Vermutlich sind meine Ontologien kleinergruebel und manifestieren sich dann in solchen Fragen wie "Was ist der Logos" bei Heidegger, "Was ist der Spiegel der Natur" bei Rorty. Was ist Performanz aus sprachanalytischer Sicht?


Liebe Grüße,

Tempwinken
Buddha
Humanismus kommt von dem lateinischen Wort humanitas -> menschliche Bildung, Menschlichkeit

Nur dass es noch einmal klar im Raum steht, die sprachliche Bedeutung ist sehr wichtig!
Temp
Zitat:
Original von Buddha: Topic: Sprachliche Bedeutung

die sprachliche Bedeutung ist sehr wichtig!



Hallo Buddha,winken

gerade die sprachliche Bedeutung ist ungemein wichtig. Welche Bedeutung hat ein Wort oder Zeichen in welchem Bedeutungszusammenhang - die Frage stellt sich ja dann vor allem, wenn wir uns mit der Verschriftlichung der Sprache beschäftigen.Freude



Liebe Grüße,

Temp
oui
Zitat:
Original von 1 1
Mal mit ganz einfachen Worten:

Könnte es sein, dass der Humanismus auf eine Art von Glauben an die Menschheit angewiesen ist? Zumindest auf ein kleines bisschen Glauben daran?


Ich denke nicht, dass Glauben hinreichend ist.
Von der Wortwurzel ist 'Humus' mit human verwandt, und da gefälllt mir das Bild des Gartens. In der Erde (Humus) ist fast alles enthalten, was Pflanzen zum Wachstum benötigen.
Glaubt nun der Gärtner, dass dieses für die Pflanzen ausreicht, irrt er sich.
Sonne und Wasser fehlen noch. Im übertragenen Sinne ist die Wärme der Sonne die Liebe.
Die Liebe ist das befruchtende 'Element', die Grundlage des Gedeihens.
Wasser und Erde würden für gewisse Tugenden reichen, nicht für Ausreife.
Den letzten Abschnitt der Ausreife bewirkt nur die Wärme, da die Pflanze sich da keine Mineralien o. sonstige Nährstoffe mehr aus dem Boden zieht.
Reife ist der Abschluss einer Entwicklung.

oui
Wolf
Schön! Ist aber Dein herrlliches Gleichnis eine echte Bereicherung für den Humanismus und seine Reifetheorien hinsichtlich der vollständigen menschlichen Entwicklung/ Leib. Geist und Seele)? Eigentlich sagt es ja nicht viel mehr - kommt mir so vor -, als was von der Familie hinlänglich bekannt ist: DIE Erde liegt unten und läßt ihr Gärtlein von DER Himmel, dank phallischer Strahlen seines Helios, beackern (in "Missonarsstellung"), wobei "Liebe" und "Wärme" sich selbst ad absurdum führt, wenn man den Akt auf die Besamung im Labor reduziert: Die Pipette des gut entlöhnten Zeugungsassisten ejakuliert künstlich in vitro auf das Ei seiner teuer zahlenden Patientin. Das hat mit physischer und vielleicht gar intellektueller Reife zu tun (schließlich züchtet man sich so die nächsten es nötig habenden Generationen von Kunden), nur - wo bleiben die Nährstoffe der "psychischen" Entwicklung? Kümmert sich um deren Tugenden überhaupt der Humanismus, 100 Jahre nach Freud? Oder ist dessen Kritik, der Humanismus leide an psychischer Infantilität bei überkompensatorischer Aufblähung im Gebiet des Geistes, berechtigt?
oui
Zitat:
Original von Wolf
Schön!

Danke, danke... großes Grinsen

Zitat:
Ist aber Dein herrlliches Gleichnis eine echte Bereicherung für den Humanismus und seine Reifetheorien hinsichtlich der vollständigen menschlichen Entwicklung/ Leib. Geist und Seele)?

Voll und ganz!
Wenn Du mir noch etwas über die verschiedenen Reifetheorien des Humanismus erzählst, kannst Du Deine Anwort auch noch dazuzählen.

Zitat:
Eigentlich sagt es ja nicht viel mehr - kommt mir so vor -, als was von der Familie hinlänglich bekannt ist: DIE Erde liegt unten und läßt ihr Gärtlein von DER Himmel, dank phallischer Strahlen seines Helios, beackern (in "Missonarsstellung"), wobei "Liebe" und "Wärme" sich selbst ad absurdum führt, wenn man den Akt auf die Besamung im Labor reduziert: Die Pipette des gut entlöhnten Zeugungsassisten ejakuliert künstlich in vitro auf das Ei seiner teuer zahlenden Patientin. Das hat mit physischer und vielleicht gar intellektueller Reife zu tun (schließlich züchtet man sich so die nächsten es nötig habenden Generationen von Kunden), nur -
(1) wo bleiben die Nährstoffe der "psychischen" Entwicklung?
(2) Kümmert sich um deren Tugenden überhaupt der Humanismus, 100 Jahre nach Freud?
(3) Oder ist dessen Kritik, der Humanismus leide an psychischer Infantilität bei überkompensatorischer Aufblähung im Gebiet des Geistes, berechtigt?

Es freut mich, dass Du Dir soviel Mühe gemacht hast, und DIE Sonne extra noch in Helios vermännlicht hast, damit die phallischen Strahlen noch irgendwie ins Bildchen passen.
Mittlerweile ist diese Art der 'Malerei' ja so 'populär', dass E. Jellinek dafür den Nobelpreis bekommen hat.

Zu Deinen Fragen:
1.
Wie bereits in der Metapher gesagt, in der Erde,d.h. Entwicklung kommt von der Nährstoffaufnahme des Wassers, also einer Quelle, Grundwasser o. Regen. Vonn welcher Quelle trinkt der Mensch, ist sie klar, kann er auf den Grund sehen, oder ist sie verschmutzt, ist es dem Menschen evtl. egal, aus welcher Quelle er trinkt? Voraussetzung für die Wasseraufnahme aus dem Boden sind Wurzeln. Hat der Mensch tiefe Wurzeln, womit er standhaft ist? Auf Sizilien stehen Jahrhunderte Alte Olivenbäume, die die längsten Dürreperioden überstanden haben. Man fragte sich, wie diese Bäume diese extreme Zeit überstanden haben. Sie haben die längsten Wurzeln aller Bäume, sie reichen direkt bis zum Grundwasser.
Mineralstoffe aus dem Boden sind 'Schätze', die sich die Pflanze zum Wachstum zieht.
Der 'Wind' ist bei manchen Pfalnzen wichtig für die Befuchtung. Starker Wind kann eine Pflanze auch einmal beugen, er bicht sie aber nicht. Palmen brechen selbst bei stärkstem Wind nicht.
Der Halm mancher Pflanze zeigt Wachstumsknoten, eine Verdickung, o. auch Hornhaut. Innerlich stehen sie für Widersprüche, oder auch Stillstand, sie sind für eine Entwicklung auch wichtig. Die Verdickung macht resistent.

Ich könnte Dir noch einiges aufzählen. Letzendlich geht es gar nicht um eine einzelne Person.
In uns selbst entdecken wir, was uns die anderen verbergen, was wir vor uns selbst verbergen, finden wir in den anderen.
Es geht um den Austausch, um die Qualität des Austausches. Sieht auf den ersten Blick aus, wie ein gewaltiger Gedankensprung Metapher - Austausch, ist es aber nicht.
Was sind für Dich Qualitätsmerkmale eines nahrhaften Austausches?

2.
Nein.
Weil es "den" Humanismus nicht gibt.

3.
Mir ist der Kontext dieser Kritik nicht bekannt.
Nichtsdestotrotz ist zu bedenken, dass jeder Mensch der Humanismus ist, solch eine Pauschal-Bewertung halte ich für fragwürdig.


oui
Wolf
Zitat:
Was sind für Dich Qualitätsmerkmale eines nahrhaften Austausches?

Fehlende Egozentrik, bzw. Vermögen, sich in seine Mitmenschen hineinzuversetzen vor allem; dazu gehört auch die Fähigkeit, alle eigenen Bedürfnisse, bis auf die Liebe zu dem Weisen in allen Dingen, hinten an zustellen.

Zitat:
In uns selbst entdecken wir, was uns die anderen verbergen, was wir vor uns selbst verbergen, finden wir in den anderen. Es geht um den Austausch, um die Qualität des Austausches.
Sieht auf den ersten Blick aus, wie ein gewaltiger Gedankensprung Metapher - Austausch, ist es aber nicht.

Sieht so aus, als seien Tarvocs "Runen" zur rechten Zeit am rechten Ort erschienen...

Zitat:
Vonn welcher Quelle trinkt der Mensch, ist sie klar, kann er auf den Grund sehen, oder ist sie verschmutzt, ist es dem Menschen evtl. egal, aus welcher Quelle er trinkt?

Die Quelle kann nicht verschmutz werden, das wäre absurd. Es ist aber möglich und Tatsache, daß der Mensch verschmutz wird; so sieht er dann die Quelle nicht mehr klar und wendet sich gar von ihr ab, sie bekämpfend, da er sie imfolge seiner Verunreinigung für ein Übel hält.

Zitat:
Hat der Mensch tiefe Wurzeln, womit er standhaft ist? Auf Sizilien stehen Jahrhunderte Alte Olivenbäume, die die längsten Dürreperioden überstanden haben. Man fragte sich, wie diese Bäume diese extreme Zeit überstanden haben. Sie haben die längsten Wurzeln aller Bäume, sie reichen direkt bis zum Grundwasser.

Ich mag nicht daran denken, daß man auch nur einen dieser prachtvollen Bäume seiner Wurzeln beraubt, wenn aber doch, dann kann es aus zwei unvereinbaren Gründen geschehen:

-- Entweder einem berechtigten, sinnvollem wie dem, daß ein artfremdes gesundes Wesen sich seiner Stoffe und Energien bedient um selber seine Existenz zu erhalten.

-- Oder aus dem, daß es entwurzelte Menschen sind, die ihre wahren Bedürfnisse, die von der Quelle sowohl erschaffen wie auch gespeißt und dafür mit erkennbaren Symbolen versehen werden, nicht mehr wahrnehmen können, sondern nur ihre unersättlichen Ersatzbedürfnisse nach Macht, Prestige und Konsum, die aus der Hinderung der menschlichen Anlagen sich zu entaflten, artgerecht zu reifen, enstanden sind.


Ist Freuds Kritik, der Humanismus leide an psychischer Infantilität bei überkompensatorischer Aufblähung im Gebiet des Geistes, berechtigt?

Zitat:
Mir ist der Kontext dieser Kritik nicht bekannt.
Nichtsdestotrotz ist zu bedenken, dass jeder Mensch der Humanismus ist, solch eine Pauschal-Bewertung halte ich für fragwürdig.

Die Kritik ist nicht als pauschale Bewertung glattweg aller Menschen bzw. der Menschheit ('humaneros') gedacht, sondern bezieht sich auf eine im Abendland bei etlichen Angehörigen der geistigen Elite gehandhabte Grundhaltung und beinhaltet gegenüber deren gemeinsamen Nenner einen in die Kritik mit einfließenden Kontext, den Du obiger Auskunft zufolge nicht kennst. Insofern solltest Du meiner Ansicht nach nicht beurteilen können, ob Freuds Kritik berechtigt oder unberechtigt ist - tust Du ja auch nicht und sogar aus einem berechtigten Grund. Diese Möglichkeit war eine von denen, die ich erwogen habe als Dich der Satz oben nach Deiner Position gegenüber der Kritik, ob sie berechtigt sei, fragte. Ich vermute heute, daß auch Dein weiteres schönes, anschauliches Gleichnis: die Olivenbäume Siziliens, eine echte Bereicherung für Deinen Humanismus sein könnte, Deine Reifetheorien hinsichtlich der vollständigen menschlichen Entwicklung/ Leib. Geist und Seele). Für meine Weltanschauung weiß ich schon, daß es eins ist.
oui
Zitat:
Fehlende Egozentrik, bzw. Vermögen, sich in seine Mitmenschen hineinzuversetzen vor allem; dazu gehört auch die Fähigkeit, alle eigenen Bedürfnisse, bis auf die Liebe zu dem Weisen in allen Dingen, hinten an zustellen.

Klingt für den Anfang schon mal ganz gut.
Warum sind Vermögen u. Fähigkeit wichtig?
Für mich ist Wahrhaftigkeit elementar, oder ist diese schon in der Liebe enthalten? Zwinker

Zitat:
Sieht so aus, als seien Tarvocs "Runen" zur rechten Zeit am rechten Ort erschienen...

gruebel Runen? Wo?

Zitat:
Die Quelle kann nicht verschmutz werden, das wäre absurd. Es ist aber möglich und Tatsache, daß der Mensch verschmutz wird; so sieht er dann die Quelle nicht mehr klar und wendet sich gar von ihr ab, sie bekämpfend, da er sie imfolge seiner Verunreinigung für ein Übel hält.

Wahrscheinlich verstehen wir jeweils etwas anderes unter 'Quelle'. Was ist also für Dich eine Quelle?

Zitat:
Die Kritik ist nicht als pauschale Bewertung glattweg aller Menschen bzw. der Menschheit ('humaneros') gedacht, sondern bezieht sich auf eine im Abendland bei etlichen Angehörigen der geistigen Elite gehandhabte Grundhaltung und beinhaltet gegenüber deren gemeinsamen Nenner einen in die Kritik mit einfließenden Kontext, den Du obiger Auskunft zufolge nicht kennst. Insofern solltest Du meiner Ansicht nach nicht beurteilen können, ob Freuds Kritik berechtigt oder unberechtigt ist - tust Du ja auch nicht und sogar aus einem berechtigten Grund. Diese Möglichkeit war eine von denen, die ich erwogen habe als Dich der Satz oben nach Deiner Position gegenüber der Kritik, ob sie berechtigt sei, fragte. Ich vermute heute, daß auch Dein weiteres schönes, anschauliches Gleichnis: die Olivenbäume Siziliens, eine echte Bereicherung für Deinen Humanismus sein könnte, Deine Reifetheorien hinsichtlich der vollständigen menschlichen Entwicklung/ Leib. Geist und Seele). Für meine Weltanschauung weiß ich schon, daß es eins ist.

Die Kritik ist m.E. sowas von sekundär gegenüber der primären Frage, die heute aktueller ist den je: Was ist elementar, die Basis des Humanismus'? Für mich ist es elementar, jeden Menschen menschlich zu behandeln.
Menschlich sind nicht die Entleerung und Distanz im Humanen, Beispiele gibt es genug, siehe Elfenbeinküste, Gammelfleisch, und, und...
Da ist doch eine Debatte über geistige Aufblähung o. Diarrhoe deplaziert, sie wird im Elfenbeinturm geführt, den Tunnelgucker immer wieder buchen.
Was ist die Schwungkraft, die Energie des Humanismus? (Mir widerstrebt der '-ismus' , in jedem -ismus steckt ja bekanntlich eine Ideologie....ich werd' mal überlegen, welche Logie hier ideal wäre ;-))
So.

Dann hab' ich noch was:
Zitat:
Wenn Du mir noch etwas über die verschiedenen Reifetheorien des Humanismus erzählst

Hast Du vielleicht überlesen, ich würde dazu gerne etwas von dir lesen.

oui
Tarvoc
Zitat:
Original von oui
Zitat:
Original von Wolf
Sieht so aus, als seien Tarvocs "Runen" zur rechten Zeit am rechten Ort erschienen...

gruebel Runen? Wo?

Ich hatte 'mal in meiner Signatur ein Zitat aus dem Liber AL vel Legis:
"Wer diese Runen nicht versteht, wird einen großen Fehler machen. Weil heißt die Grube, in die er niederfallen wird."
Wolf
Zitat:
Die Kritik ist m.E. sowas von sekundär gegenüber der primären Frage, die heute aktueller ist den je: Was ist elementar, die Basis des Humanismus'?

Liebe Oui!

Du fragst nach der für dich heute elementarer als je gewordenen Basis des Humanismus. Oben erklärtest Du mir, jeder einzelne Mensch ist Humanismus; demnach fragst Du also nach Deiner Basis. Nun, ich denke, dass Deine und die Basis aller Menschen die "Quelle" sein müßte, die Du oben auf so schöne Weise in das Gespräch eingeführt und desweiteren im Zuammenhang mit einer nächsten, zugleich den Akt der "Erkenntnis" anhand SEHEN symbolsierenden Frage zur Diskussion gestellt hast:

Zitat:
Vonn welcher Quelle trinkt der Mensch, ist sie klar, kann er auf den Grund sehen, oder ist sie verschmutzt, ist es dem Menschen evtl. egal, aus welcher Quelle er trinkt?

Worauf ich Dir zur Antwort gab: "Die Quelle kann nicht verschmutz werden, das wäre absurd. Es ist aber möglich und Tatsache, daß der Mensch verschmutz wird; so sieht er dann die Quelle nicht mehr klar und wendet sich gar von ihr ab, sie bekämpfend, da er sie imfolge seiner Verunreinigung für ein Übel hält."

Und Du mir erwidertest:
"Wahrscheinlich verstehen wir jeweils etwas anderes unter 'Quelle'. Was ist also für Dich eine Quelle?"

Ja liebe Qui, es ist möglich und wahrscheinlich, dass wir jeweils etwas anderes unter dem Begriff "Quelle" verstünden. Das sollten wir auch prüfen, damit wir nicht aneinander vorbeireden, daher versuche ich auf Deine Frage zu antworten:

Ich redete und spreche auch jetzt noch nicht von "einer" Quelle, sondern von "der" Quelle, aus der Du und alle Dinge erschaffen sind, und diese Quelle ist eine, die nicht verschmutzt werden kann. Vermag es der Mensch nicht mehr, ihrer erkenntnismäßig gewahr zu werden, geschweige auf ihrem Grunde zu sehen, wo sich die Wasser der Wellt zu dem Feuer der reinen, geruch-, farb- und geschmackslosen dynamis aus freier Energie vor dem Schöpfungakt umwenden, dann ist er in seinem Geiste verschmutzt worden.

Ist diese Annahme in Deinen Augen die einzig denkbare logische Schlußfolgerung aus der Prämisse: DIE QUELLE KANN NICHT VERUNREINIGT WERDEN?

.
oui
Zitat:

Liebe Oui!

Due fragst nach der für dich heute elementarer als je gewordenden Basis des Humanismus. Oben sagtest Du, daß jeder einzelne Mensch Humanismus ist, demnach fragst Du also nach Deiner Basis.

Lieber Wolf!

Mir ist ein schier unglaubliches Mißgeschick passiert: Ich vergaß in meinem obigen Posting die Wörtchen: "für Dich". Ich wollte fragen, wie Du darüber denkst, da ich ja meine eigenen Gedanken bereits kenne.

Zitat:
Vonn welcher Quelle trinkt der Mensch, ist sie klar, kann er auf den Grund sehen, oder ist sie verschmutzt, ist es dem Menschen evtl. egal, aus welcher Quelle er trinkt?

Zitat:
Worauf ich Dir zur Antwort gab: "Die Quelle kann nicht verschmutz werden, das wäre absurd. Es ist aber möglich und Tatsache, daß der Mensch verschmutz wird; so sieht er dann die Quelle nicht mehr klar und wendet sich gar von ihr ab, sie bekämpfend, da er sie imfolge seiner Verunreinigung für ein Übel hält."
Und Du mir erwidertest:
"Wahrscheinlich verstehen wir jeweils etwas anderes unter 'Quelle'. Was ist also für Dich eine Quelle?"

Hat schon ganz große Klasse, wie Du Dich um Klarheit bemühst, rezitierst, und den Dialog nochmals reinstellst. Sehr übersichtlich. Hat was.

Zitat:
Ja liebe Qui, es ist möglich und wahrscheinlich, dass wir jeweils etwas anderes unter dem Begriff "Quelle" verstünden. Das sollten wir auch prüfen, damit wir nicht aneinander vorbeireden

Genau aus diesem Grund habe ich meine Frage gestellt, diese Übereinstimmung ist einfach sensationell.

Zitat:
Ich redete und spreche auch jetzt noch nicht von "einer" Quelle, sondern von "der" Quelle, aus der Du und alle Dinge erschaffen sind, und diese Quelle ist eine, die nicht verschmutzt werden kann. Vermag es der Mensch nicht mehr, ihrer erkenntnismäßig gewahr zu werden, geschweige auf ihrem Grunde zu sehen, wo sich die Wasser der Wellt zu dem Feuer der reinen, geruch-, farb- und geschmackslosen dynamis aus freier Energie vor dem Schöpfungakt umwenden, dann ist er in seinem Geiste verschmutzt worden.

Right, 'eine' Quelle kann verschmutzt werden, 'die' Quelle nicht. Über den 2. Satz denke ich noch nach.
Damit ich auch nachdenken kann: Was ist eine 'dynamis'? (Klar- Kraft- aber was für eine?)

Zitat:
Ist diese Annahme in Deinen Augen die einzig denkbare logische Schlußfolgerung aus der Prämisse: DIE QUELLE KANN NICHT VERUNREINIGT WERDEN?

Siehe oben- aber ich muß Dir gestehen- ich hab's nicht so mit der Logik... roll

oui