Hallo Wolf,
hier einige Zeilen zur seelischen Lage der Nation, Brockhaus hat einiges dazu beigetragen:
Seele
Was Seele ist, ist kaum greifbar ; wenn unsere Sprache Grundlegendes- darum oft Ungreifbares Das Wort Seele meint- wie das Wort Leben- Grundlegendes für unser lebendiges Menschsein.
- bezeichnet, tut sie es oftmals in deutenden Bildern (s. meine Metapher). Zum weiteren Verständnis hier nun einige Bilder:
1.
Der Stamm des Wortes „Seele“ stammt aus dem (na? - jawoll!) hebräischen, „näphäsch“ und hat die Bedeutung“Kehle,Schlund“, d.h. der Schlauch, durch den Atem u. Nahrung eingehen und die aufgenommene Atemluft wieder ausgeht. Über Kehl-Kopf und Schlund dient die „näphisch“ zur Sprache, also zu geistiger Kommunikation. So steht „Kehle“ im Hebräischen als „Teil für´s Ganze“ des Menschseins , das bedeutet die Elementarstruktur des lebendigen Menschseins: Was den Menschen zum Menschen macht, ist das Empfangen und Geben- offen nach aussen hin und angewiesen auf das, was ihm von aussen her zukommt. Er lebt darum im Verlangen zu empfangen und wiederzugeben. Er ist also, der er ist, in Verbindung nach aussen..
2.
Der Mensch als Gefäß
Grundlegend für die biblische Sicht des Menschen als Seele ist: „So wurde der Mensch eine lebendige Seele.“ Das geschah, indem Gott – in der Entsprechung zur Erschaffung der Welt aus Ungestaltetem- den Menschen aus (so wörtl.) gestaltlosem „Staub vom Acker töpferte“. Gott hat den Menschen als „Gefäß“ gestaltet. Der Sinn des Gefäßes liegt in der Verbindung mit dem Töpfer, sein „Inhalt“ ist Geschenk. Die Gestalt des Gefäßes ist auf dessen Gehalt abgestimmt. Folglich ist die überaus feine und komplexe Gestalt unseres Körpers- etwa in der Gestalt der Millarden Gehirnzellen- auf wertvollsten Gehalt eingerichtet: Auf das Geschenk der Verbindung mit dem lebendigen Gott selber. Gehalt und Gestalt gehören stets zusammen, wobei der Gehalt die Gestalt bestimmt. Der Mensch ist als Gefäß offen und angewiesen auf Verbindung im Empfangen und Wiedergeben, was sich auch im gängigen Sprachgebrauch zeigt, z.B.:“Inhalt, bzw. Verlust des Inhalts- des Lebens; Äusser(liches)-lichkeit;Inner(liches)- lichkeit, des Menschen inner, bzw. äusserlicher Mensch.
Auch die umfassenden Fragen nach Ursprung und Ziel des Lebens, die Sinn und Wert des Menschseins ausmachen, finden in diesem Bild ihre Klärung in bibl. Sicht: Alles liegt am Bezug, an der Verbindung, die uns geschenkt ist. So wird der Mensch „lebendige Seele“ in der Zuordnung von „Staub vom Acker“ und „Geist von Gott“. In bibl. Sicht ist der Mensch die Einheit von Geist, Seele und Leib, die dabei zugleich unterschieden bleiben.
Dies erklärt die gegenseitigen Wirkungen im Bereich der Seele, wie sie in der Psychologie beobachtet werden: Des Geistes auf den Körper und des Körpers auf den Geist.
3.
Der Mensch als Bild
„Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde.“
Das „Bild“ verdeutlicht den entscheidenden Aspekt der Verbindung der näphäsch (als Kehle und als Gefäß): Ein Bild hat seinen Sinngehalt darin, dass es so, wie es gestaltet ist, eine ungebrochene und unverfälschte Verbindung zu dem hin vermittelt, den es darstellt. Dies zielt auf das „Gleichen“ , also den geistigen Bezug der Seele. Er entsteht, indem Gott selbst sich uns zuwendet, so dass auch selber wir uns zu Gott wenden können. Der Bezug vollzieht sich wie beim Spiegelbild, in gegenseitiger Zuwendung. Das geschieht im Sprechen, in Wort und Antwort als „Ich selbst“ und „Du selbst“.
„Selbst“ bezeichnet also die geistige Verbindung in der Freiheit der Liebe, die unser Menschsein ausmacht. Näphäsch ist darum, wie „Leben“ auch „selbst“.
Wir können darum über uns selber nachdenken, uns selbst prüfen und verantworten.
4.
Der „verkehrte“ Mensch
Kehrt sich nun sein Bezug von Gott weg nur auf sich selbst, wird der Mensch für Gott verschlossen. Er will nun auf seinen Schöpfer nicht angewiesen sein. Im Selbstbezug sucht er sich selber zu schaffen, was er ist und braucht.
Seine Selbsterfassung führt ihn zur Selbstbestimmung gegen Gott: Er setzt das, was ist und was nicht ist, was wahr und wirklich ist. Er wirkt also Identität selber. So liefert das Wort „selbst“ jetzt das Grundmuster, in dem von ihm alles erfasst, erklärt, bestimmt und gelöst werden soll: Es geschieht „alles von selbst“, bzw. „durch uns selbst“. Der Mensch ist nun nur sich selbst zu eigen. Damit sind Ursprung und Ziel, Sinn und Wert, Wahrheit und Wirklichkeit und Ganzheit im eigentlichen Sinn verloren. Der Mensch weiß folglich nicht, wer er selber eigentlich ist und nicht einmal, was das „Selbst“ sei, das in der Welt alles schaffen und lösen soll. Indem er sich selbst erfasst, verliert er sich selbst.
Im Nur-Selbstbezug verliert die näphäsch ihren Inhalt.
5.
Griechische Wortbedeutung
Das hebräische „näphäsch“ wird in der Regel mit griech. „psyche“ übersetzt. Das Bild im Wort zeigt sich in der Wortwurzel „bhs“, „blasen“, also den unfassbaren Hauch im Menschen, sein „Inneres“ als seine Lebenskraft, als Ort der Empfindung, des Charakters und der Gesinnung.
Seit Sokrates wird ihr besondere Sorge („Seelsorge“) zugewandt:
Die Seele soll unter der Leitung einer geistigen Macht, des ‚daimonion’, zur Tugend geführt werden. Die Seele ist dem Leib verbunden und dabei doch eigenständig, den mit dem Tode verlässt sie ihn, um sich entweder in den „seligen Gefilden“ zu vervollkommnen oder im Schlamm der Unterwelt zu verkommen. Sie gilt also als in sich unsterblich.
Diese Vorstellung wird in der „Gnosis“ weiter ausgebildet:
„Psyche“ wird hier von „psychros“, „kalt, erkaltet“, dem kühlenden Hauch abgeleitet. Die Seele selbst entstammt dem himmlischen Licht- und Feuermeer, dem „Empyreion“, aus dem sie unglücklicherweise in immer tiefere Sphären der Dunkelheit und Kälte hinabgesunken ist, dadurch zur „psyche“ erkaltete und dem Gefängnis der stofflichen Welt („hyle“) veriel. Einige Seelen haben jedochvom „Empyreion“ her Reste als „Lichtfunken“ bewahrt, die ein himmlischer Erlöser, der zu ihnen herabsteigt, entfacht. Das führt sie zur Erleuchtung, welche die Befreiung aus dem Gefängnis des Körpers schenkt und im Wiederaufstieg die Überwindung des seelischen Wesens („psychikon“) ermöglicht. Ziel ist die Rückkehr ins reine Geistwesen („pneumatikum“), die Vergeistigung als Verschmelzung mit dem göttlichen „Empyreion“. Erlösung ist Selbstauflösung im himmlischen Licht und Feuer.
(Anmerkung: Im AT und NT ist die Bedeutung von „psyche“ durchgängig i.S. des hebräischen „näphäsch“ bestimmt. Das gilt besonders, wenn mit dem griech. Wort auch die Gestalt einer griech. Vorstellung übernommen wird, die allerdings mit neuem biblischen Gehalt gefüllt wird, z.B. die gnostische Unterscheidung von „seelischem“ (bzw. „natürlichem“) und „geistlichem“ Menschen.)
6.
Deutsche Wortbedeutung
Das deutsche Wort „Seele“ entstammt sprachlich der Vorstellung, dass sie „aus dem See stammt“. Dies erklärte sich der Erfahrung des Menschen: Begegnete er sich selbst ursprünglich nur in dem Bilde, das ihm im Spiegel des stillen Sees entgegentrat. Die ursprüngliche Begegnung wurde ihm zur Begegnung mit seinem Ursprung. Er erfuhr: Daher stamme ich als „Seele“. Das bin ich, der ich mit meinen Augen mir selbst in meine Augen sehe. Der Blick trifft also nicht nur den äusseren Menschen, wie er körperlich aus dem Körper der Mutter geboren ist, sondern den inneren Menschen, die Seele, die sich im Augen-Ausdruck als dem Fenster der Seele und in der Mimik äussert. In diesem Spiegelbild erfuhr der Mensch einen komplexen Aufschluß über sich selbst:
- Er sah sich in unlöslicher Verbindung mit der Tiefe unter ihm, die sein Bild- und so ihn selbst- unfassbar und unergründlich geheimnisvoll trug.
- Er sah sich im Lichte vom Himmel über ihm. Ohne dieses vermag er nichts – werder von sich selbst, noch von seiner Welt- wahrzunehmen.
- Er nimmt aus der Vertikalen, von oben her, in der Horizontalen sich selbst in seinem Bilde wahr. Er ist die geheimnisvolle Verbindung beider.
- Mit seinem Bilde nahm er auch die Bilder anderer Menschen wahr, die sich so wie er selbst begegneten: Jeder hatte sein ihm eigenes Geheimnis.
- Die Wahrnehmung der Seele- aus unermesslichen Höhen geschenkt, von unergründlicher Tiefe getragen- entsteht nur in der Stille. Bewegungen- Wind,Wellen,Strömungen und Strudel- stören, ja zerstören die Begegnung mit dem Geheimnis der Seele. Erst recht im Griff nach dem Bilde selbst, nach der Tiefe des eigenen Ursprungs und Geheimnisses, zerfließt die Bewegung- sie entzieht sich, wie Wasser, jedem Zugriff.
Das Bild im deutschen Wort Seele zeigt also einige Grundzüge dessen, was durch die biblische Sicht über die Seele bekannt ist, wenngleich der eigentliche Inhalt, der Bezug zum lebendigen Gott- und damit das Entscheidende – fehlt.
7.
Konsequenzen
Der gewonnene Zugang in den Bildern der hebräischen, teilweise auch der griech. und der deutschen Wortbedeutung zeigt nun einige Konsequenzen, die sich zur Beurteilung des heute üblichen Umgangs mit Menschen ergeben, die bei uns weithin von griech.-humanistischem Denken bestimmt ist:
In der gegenseitigen Bedingung und Durchdringung von (vertikal) Geistigem und (horizontal) Irdischem des Menschen als näphäisch ist es in der Regel außerordentlich schwer, differenzierend das eine vom anderen zu unterscheiden. Den Zugang dazu öffnet erst die biblische Klärung: Zur irdischen Komponente der Seele gehört das Körperliche, zur Geistigen etwa Sinn- und Wertfragen und –entscheidungen.
Der Griff nach dem Unfassbaren der Seele wird oft durch den Trick ermöglicht, die Seele auf einen ihrer Teilaspekte zu reduzieren: Als Redukt erscheint es greifbar, so dass es einer Konzeption unterworfen und in ein Denk- und Arbeitsmodell gefasst werden kann. Als Material wird es wissenschaftlicher Durchdringung und methodischer Bearbeitung in der Faszination der Machbarkeit zum Konstrukt gestaltet. Zugleich geht die Einsicht verloren, dass die Seele damit selbst verloren ist: Der Mensch als Modell und als Material psychotechnischer BMarbeitung ist seelenlos.
Die Vorstellung von Ganzheit ist von vornherein verfehlt, wen sie nicht von Gott als Ursprung ausgeht und als Ziel zu ihm hinführt. Ganzheit als Addition von Teilen (etwa Verstand plus Gefühl) ist Selbsttäuschung. Der ursprünglichen Verbindung zu Gott dient die biblische Sicht des Menschen als Seele.
oui
PS: Denk sehr gut nach, bevor Du postest, am besten 2 X drüber schlafen.