Arbeitsverhalten beim Grundeinkommen

Malone
Vor einiger Zeit machte der Milliardär und Anthroposoph Götz Werner mit einer Anzeigenkampagne von sich reden, in der er ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Diskussion stellt. Online und offline wurde in Auseinandersetzungen mit dem Thema häufig die Ansicht vertreten, dass bei einem solchen Grundeinkommen ja kaum noch jemand arbeiten würde und es vor allem deswegen nicht funktionieren könnte. Gut, das bestreite ich und vermute, dass diese Umfrage, wenn auch im Trockenschwimmerbecken durchgeführt, meine Haltung bestätigt.
fockd
Ich finde das BGE eine spitzenidee; allerdings muss man schauen, dass das tatsächlich einen quantitativen Vorteil bringt. Soweit ich weiß hat G. Werner schon mal von einem BGE auf HArtz4-Niveau gesprochen. Wenn dann noch die Mehrwertsteuer bei 50% ist - wie er es vorschlägt - dann werden die Leute faktisch ärmer.
londonguy
Falsch! Schliesslich sagen zur Zeit 30 Prozent, dass sie gar nicht mehr arbeiten wuerden. Wuerden wir alleine diese 30 Prozent auf die arbeitsfaehige Bevoelkerung der BRD umrechnen und die entstehenden Belastung der Sozialsysteme aufgrund des Mindestlohn addieren, kaeme dies einem wirtschaftlichen Super-Gau ziemlich nahe. Ach was, dies waere der wirtschaftliche Super-Gau. Weiterhin sagen 20 Prozent, dass sie ihre Arbeitszeit verkuerzen oder nur Gelegenheitsjobs machen wuerden. Somit muessten 50 Prozent der Bevoelkerung die Arbeit fuer alle verrichten und gleichzeitig die restlichen 50 Prozent durchfuettern. geschockt Sogar ein total verbloedeter verblendeter Mensch ohne jegliche oekonomischen Kenntnisse kann erkennen, dass dies nicht klappen kann!!! Hoffentlich geschockt
londonguy
*Kraftausdruck*e ich revidiere ALLES!!! Ich kann schneller in bessere Positionen in der Wirtschaft kommen, mehr verdienen, weniger Steuern zahlen und um der hoeheren Mehrwetsteuer zu entfliehen einfach in London oder Paris leben, waehrend ich in BRD arbeite. Cool winken
Tarvoc
Zitat:
Original von londonguy
Falsch! Schliesslich sagen zur Zeit 30 Prozent, dass sie gar nicht mehr arbeiten wuerden. Wuerden wir alleine diese 30 Prozent auf die arbeitsfaehige Bevoelkerung der BRD umrechnen und die entstehenden Belastung der Sozialsysteme aufgrund des Mindestlohn addieren, kaeme dies einem wirtschaftlichen Super-Gau ziemlich nahe.

Falsch! Nach den Informationen, die mir vorliegen, ist bereits jetzt die Produktionstechnologie vorhanden, um die Jobs von 38% der arbeitenden Bevölkerung Deutschlands vollständig zu automatisieren. Aber selbst wenn es in der Realität ein paar Prozent weniger wären, so wird dennoch weitaus mehr Arbeit von Menschen verrichtet, als nötig wäre, zumal die Entwicklung neuer Produktionstechnologien ja auch weiter voranschreitet.

Sinnvoll wäre es, alles Automatisierbare zu automatisieren. Das wird nur aufgrund staatlicher Restriktionen nicht gemacht, weil man ja 'die Arbeitslosigkeit bekämpfen' will - was sich bei näherer Betrachtung als eine Mehr-Des-Selben-Lösung herausstellt.

Nicht die Arbeitslosigkeit muss bekämpft werden, sondern jegliche Arbeit, die automatisiert werden kann, soll radikal automatisiert werden. "Lass' niemals einen Menschen den Job einer Maschine tun", wie ich immer zu sagen pflege.
Phil(osoph)
Zitat:
Original von Tarvoc
"Lass' niemals einen Menschen den Job einer Maschine tun", wie ich immer zu sagen pflege.


Klingt irgendwie nach Matrix. fröhlich
mark
Zitat:
Original von Tarvoc
[quote]Original von londonguy
Sinnvoll wäre es, alles Automatisierbare zu automatisieren. Das wird nur aufgrund staatlicher Restriktionen nicht gemacht, weil man ja 'die Arbeitslosigkeit bekämpfen' will - was sich bei näherer Betrachtung als eine Mehr-Des-Selben-Lösung herausstellt.


das stimmt, wäre schön. allerdings bin ich mir nicht sicher ob das ein problem der staatlichen institutionen ist oder vielmehr eines der experten. man glaubt es ja kaum, aber man hört schon auf die ratgeber. nur, schau dir den herrn sinn zum beispiel als ratgeber an...was soll dabei schon rauskommen?
es scheint auch etwas undurchschaubar zu sein inwieweit durch automatisierung tatsächlich arbeit wegfällt. schaut man nach japan, das mit weitem abstand "automatisierteste" land der welt, dann scheint automatisierung nicht automatisch zur "hängematte" zu führen.
ich kann mir aber durchaus vorstellen dass das problem erstmal eines der köpfe ist. erwerbstätigkeit ist ja wie du sagst eine heilige kuh. vor 200 jahren war das gar kein thema.
ganz klar scheint jedenfalls zu sein dass die erwerbsarbeit als umverteilungsmaschine immer weniger funktioniert. insofern ist es auch einfach falsch wenn behauptet wird wir hätten kein verteilungsproblem. es stellt sich nur nicht in der gleichen weise dar wie vor 30 jahren etwa.
was wirklich bedenklich stimmen könnte ist die extreme einfallslosigkeit der selbsternannten eliten. was ist das rezept gegen arbeitlosigkeit vorgestellt in davos? mehr arbeit. weniger lohn. wenns nicht so tragisch wäre wärs fast schon zum lachen.
du hast völlig recht damit dass rationalisierung nicht als feind sondern als freund betrachtet werden sollte. nur, der strukturwandel muss in seinen drastischen folgen für das individuum abgefedert werden. sonst war ja alles umsonst. wirklich idiotisch wäre die wiederholung der webertragödie, stellvertretend sozusagen.
das bestehen auf dem zusammenhang zwischen entlohnung und arbeit ausgerechnet im kapitalismus entbehrt nicht einer gewissen ironie...
man darf gespannt sein was die zukunft bringt.

gruss
Zanderdan
Zitat:
Sinnvoll wäre es, alles Automatisierbare zu automatisieren. Das wird nur aufgrund staatlicher Restriktionen nicht gemacht, weil man ja 'die Arbeitslosigkeit bekämpfen' will


...absolut keine Ahnung, was damit gemeint sein soll. Wenn nicht automatisiert wird, dann aufgrund von Investitionsrechnungen. Für staatliche Restriktionen will mir nicht ein einziges Beispiel einfallen.

Jedenfalls führt Automatisierung zu einem Phänomen, das die Nachfrage nach Serviceleistungen dämpft, der sog Desease of the service sector. Prozessautomatisierung führt zu Stückkostensenkungen (sonst machts keinen Sinn), außerdem fallen im automatisierten Prozess idR geringere Grenzkosten an, so dass man wg dem Skaleneffekt Anreize hat, den Absatz zu erhöhen. Folge: die Preise für automatisiert hergestellte Waren sinken.
Aber nicht alle Prozesse lassen sich automatisieren, bzw optimieren. Eine Unterrichtsstunde kann schlecht bei gleichbleibender Qualität auf 10 min. re-engineert werden. Und durch Verdoppelung der Klassenstärke wird nicht die Effizienz mitverdoppelt, eher halbiert. Solche nicht-optimierbaren Serviceleistungen werden relativ gesehen sehr teuer. Rechnet man einmal die Preisentwicklung für 1 Unterrichtsstunde nicht in Geld, sondern zB in Radioempfängern, dann ist der Preis seit 1930 geradezu ins astronomische gegangen. Gleichzeitig hat sich der Grenznutzen von Unterrichtsstunde und Radioempfänger für den Konsumenten weniger stark auseinandergewickelt. Man könnte vereinfacht sagen: der Nutzen ist für den Konsumenten der gleiche wie 1930, aber jetzt muss er für eine Unterrichtsstunde das zehnfache zahlen, wie für ein Radiogerät, 1930 wars noch 1 zehntel. Kein Wunder, wenn er seine Nachfrage nach Serviceleistungen minimieren will. Leider schaffen die Serviceleistungen aber naturgemäss mehr Arbeitsplatze. Insofern hat die Automatisierung einen Effekt auf die Arbeitsplatzsituation, der über die blose Ersetzung des Arbeiters durch die Maschine hinausgeht. Spiegelt sich ja auch in der Gesellschaft: technische Geräte, Bücher u.ä. haben wir alle mehr als mancher König des 16. Jhds. Andererseits hatte damals jeder kleine Handwerker 3 Mägde, wir haben nichtmal eine Putzfrau.

@topic: bei Umfragen nach der Motivation am Arbeitsplatz rangiert das Geld meist jenseits von Platz 5. Insofern ist es nicht so unwahrscheinlich, dass ein Grundeinkommen durchaus nicht jeden von der Arbeit abhält, auch von nicht (viel) mehr verdient wird. Aber selbst wenn diejenigen, die im Bereich dieses Grundeinkommens verdienen, zu Hause blieben, was würde dann passieren? Dann würde die Angebotskurve für Arbeit abknicken, d.h. ein Teil der Nachfrage nach Arbeit wir nicht mehr bedient. Aber der verschwindet dadurch ja nicht gleich. Es könnte passieren a) die Löhne steigen, b) die Nachfrage wird mittels automatisierung vermindert, c) die Nachfrage bedient sich im Ausland, d) Schwarzmarkt für Arbeit weitet sich aus. Das kann zu 1000 Problemen führen, aber das problem ist sicher nicht "dass kaum noch jemand arbeitet."

Gruss
londonguy
Zitat:
Original von Tarvoc
Nicht die Arbeitslosigkeit muss bekämpft werden, sondern jegliche Arbeit, die automatisiert werden kann, soll radikal automatisiert werden. "Lass' niemals einen Menschen den Job einer Maschine tun", wie ich immer zu sagen pflege.


Gut ! Ich finde dies aeusserst amuesant!!! großes Grinsen Ich war noch nie von einer Idee so begeistert, wie von dieser. Sie ermoeglicht mir unzaehlige Chancen. Ausgebildete Fuehrungskraefte mit Spitzenloehnen werden gar keine oder nur geringe Steuern zahlen, gleichzeitig ihr Privatleben ins Ausland verlagern und der Staat wird sich so lange verschulden bis Sterben auf der Strasse geduldet wird. Freude Ich dachte, dass ich der Turbokapitalist bin! Aber ihr toppt mich! winken Ich moechte mich an dieser Stelle bei allen sozialen Befuerwortern dieses Mindestlohns bedanken. Es war noch nie so einfach nicht umzuverteilen. DANKE!!! Und natuerlich beim Multimiliadaer! DANKE!!! RoFL
Tarvoc
Falsch! Deine Spitzenlöhne wären zwei Jahre nach dem Beginn meines Gesamtprogramms bestenfalls noch einen Shicedreck wert, und die Leute hätten trotzdem genug zu mampfen. Zwinker
londonguy
Wer hatte bloss diese pervese Idee mit den Reichen nehmen und den Armen geben erfunden? Diese penetrante Abzocke des hart erarbeiteten Wohlstands ist zum Kotzen! Wie kann man bloss diesen Diebstahl unterstuetzen und ausbauen. Wer reich ist, ist reich. Wer arm ist, ist arm. Umverteilung ist ein Verbrechen an beiden Seiten.
Tarvoc
Zitat:
Original von londonguy
Wer hatte bloss diese pervese Idee mit den Reichen nehmen und den Armen geben erfunden?

Schon wieder falsch! Davon, irgendwelchen Reichen irgendwas wegzunehmen, habe ich nie gesprochen.
londonguy
Wovon hast du dann gesprochen?
Tarvoc
Zitat:
Original von londonguy
Wovon hast du dann gesprochen?

Dir wird überhaupt nichts genommen. Du darfst deine bunten Papierfetzen gerne behalten.
Wenn du Hunger hast, kannst du ja versuchen, sie zu essen.

Pass auf. Was ich dir jetzt sage, ist sehr, sehr wichtig:
Die heutige Geldwirtschaft, und damit der gesamte Kapitalismus, basiert, verkürzt gesagt auf einer wichtigen Stütze: Dem Geld- und Gewaltmonopol des Staates. (Wenn dieses zusammenbricht, löst sich der Kapitalismus ganz ohne Revolution selbst auf.) Genau des Staates, von dem du willst, dass er sich aus der Wirtschaft heraushält. Ich bin gerne jederzeit bereit, dir diesen Wunsch zu erfüllen - und zwar in wirklich jeder Hinsicht. Ja, ich würde dafür sogar den Staat vollständig handlungsunfähig machen und somit de Fakto zerstören, um das durchzuziehen, wenn es sich denn als nötig erweisen würde.

Turbokapitalist? Ja, könnte man so sagen.
Mein Kapitalismus ist so turbo, der zerfliegt schon von selbst in Milliarden Teile.

Und dazu muss ich noch nicht einmal irgend jemandem 'was wegnehmen.
Im Gegenteil: Ich beseitige den Kapitalismus, indem ich das Kapital stärke!

Zwinker
londonguy
Oh ja ich stehe auf bunte Papierfetzen! Aber bitte nur starke Waehrungen. Solange ich viele von diesen Fetzen in der Hand halte, kannst du machen, was du willst. Was das auch immer sein soll. Macht was ihr wollt, nur benutzt nicht die Steuern die ich nicht bezahlen will. Danke Peace
Tarvoc
Zitat:
Original von londonguy
Solange ich viele von diesen Fetzen in der Hand halte, kannst du machen, was du willst. Was das auch immer sein soll. Macht was ihr wollt, nur benutzt nicht die Steuern die ich nicht bezahlen will.

Noch viel falscher! Wenn der Staat in der Vergessenheit verschwindet, beziehungsweise sich selbst in die vollständige Bedeutungslosigkeit versenkt, dann kannst du dein Papier höchstens noch verwenden, um deine Wohnung zu heizen. Und du kannst nicht behaupten, du hättest das nicht gewollt. Zwinker
londonguy
Sweetheart, du denkst total beschraenkt. Die Welt ist gross und die Weltrevolution immer gescheitert. Es findet sich immer ein Land, dass nicht durchdreht. Und es findet sich immer eine Person, die nur eine Sache sehen will: CASH!
Tarvoc
Zitat:
Original von londonguy
Die Welt ist gross und die Weltrevolution immer gescheitert.

Herzchen, es geht nicht um eine Weltrevolution. Es geht de Fakto überhaupt nicht um eine Revolution. Eine Erhebung irgendwelcher verblödeten Massen ist dazu ebensowenig notwendig wie Enteignungen oder Straßenkämpfe.
Du hast offenbar nicht einmal im Ansatz begriffen, worum es hier geht.

All das, wovon ich erzähle, spielt sich im Rahmen des ganz normalen Kapitalismus ab. Zwinker

Zitat:
Original von londonguy
Es findet sich immer ein Land, dass nicht durchdreht. Und es findet sich immer eine Person, die nur eine Sache sehen will: CASH!

Ja, dann gib's ihm. Ich habe damit kein Problem. Zwinker
londonguy
Nein du vestehst nicht. Worum es auch immer geht, es spielt einfach keine Rolle. Sogar wenn es keine Papierfetzen oder andere "Indikatoren" mehr gibt, wenn wir alles auf den Kopf stellen, wenn wir alles machen wie du es willst. Es wird immer eine Person geben, die mehr hat als die andere. Und solange diese Person nicht genoetigt wird, unfreiwillig zu teilen, ist alles bestens.
Tarvoc
Zitat:
Original von londonguy
Es wird immer eine Person geben, die mehr hat als die andere.

Na und? gruebel

Du hast überhaupt nicht begriffen, was ich dir erzählt habe. Nicht einmal im Ansatz. Sonst würdest du solche Trivialitäten überhaupt nicht gegen mich anführen. Mit solchen Trivialitäten kannst du vielleicht Kommunisten und andere Traumtänzer beeindrucken, aber ganz sicher nicht mich. Von 'Gleichmacherei' habe ich nicht gesprochen.
Geh' wieder mit deinem Papier spielen. Das entspricht deinem intellektuellen Niveau.