Christian
Hallo.
Es ist eine komplizierte Frage und ich möchte sie nicht eng auf große Philosophen bezogen sehen, sondern auch auf eine einfache Diskussion mit einer bestimmten Person.
Wie seht ihr das, wann ist es sinnvoll, sich mit einer Person oder einem Werk intensiv auseinanderzusetzen philosophisch, intellektuell.
Nehmen wir an, ihr kennt den Philosophen von seinen Lebensdaten her und er sagt euch nicht zu - Beispiel Goethe -, oder seine politischen Ansichten passen euch nicht - Beispiel Nietzsche -, studiert ihr dennoch seine Werke?
Nehmen wir an, ihr kennt einige Auszüge aus dem Werk eines Philosophen und es ist ganz offensichtlich falsch und Blödsinn, wäre es dann noch sinnvoll, ein großes Werk von ihm in Angriff zu nehmen?
Nehmen wir an, ihr habt ein eigenes Konzept zu einem bestimmten Thema entwickelt und ihr wißt, daß ein Philosoph das ebenfalls tat, lest ihr ihn und wie lest ihr ihn, wessen Worten, euren oder seinen, schreibt ihr größere Richtigkeit zu?
Nehmen wir an, ihr kennt eine Person, der ihr große philosophische Fähigkeiten zuschreibt, sucht ihr deren Nähe und Diskussion, oder meidet ihr sie und wie geht ihr mit ihren Gedanken um, überkritisch, oder übernehmt ihr sie quasi?
Wann betrachtet ihr einen Philosophen oder eine Person als widerlegt, sowie ihr eine These eindeutig widerlegt habt, beziehungsweise einen Aufsatz oder einen Gedankengang, oder erst, wenn ihr alles gelesen/ gehört habe? Und wie geht ihr dann, nach der Widerlegung, mit diesem Werk/ der Person um?
Betrachtet ihr überhaupt eine philosophische Diskussion als nutzbringend für euch, oder das Lesen irgendeines Philosophen, oder macht ihr euch ganz selbständig eure Gedanken?
Man könnte es auch so fragen: Mit welchem Ziel lest ihr solche Bücher, redet mit solchen Menschen?
Und abschließend, auch wenn es etwas viel werden sollte:
Könnt ihr relativ kurz und einfach formulieren, was euch als absolut unumstößlich richtig und stimmig erscheint (und jetzt bitte keine Diskussion, daß das Interpretation ist), oder wer und weshalb?
Grüße.
schmaexx
Hi
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Nehmen wir an, ihr kennt den Philosophen von seinen Lebensdaten her und er sagt euch nicht zu - Beispiel Goethe -, oder seine politischen Ansichten passen euch nicht - Beispiel Nietzsche -, studiert ihr dennoch seine Werke?
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Nunja, erstens wuerde ich mich fragen, wie originell der jeweilige Autor war, will heissen, wie neu sind seine gedanklichen Ansaetze waren.
Viele Philosphen greifen altes auf und denken weiter, aber einzigartige Ansaetze sind es immer wert, gelesen zu werden.
Auch wenn ein Ansatz falsch oder politisch gegen deine Meinung ist, wenn du exemplarisch ein Hauptwerk liest, kannst du wenigstens den ganzen Ansatz verstehen und als falsch abheften und lernst vielleicht trotzdem etwas dazu, naemlich ueber den Tellerrand des eigenen Ichs zu schauen.
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Nehmen wir an, ihr habt ein eigenes Konzept zu einem bestimmten Thema entwickelt und ihr wißt, daß ein Philosoph das ebenfalls tat, lest ihr ihn und wie lest ihr ihn, wessen Worten, euren oder seinen, schreibt ihr größere Richtigkeit zu?
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Ich denke in seiner eingebildeten Art wird der Mensch immer denken, er hat die Wahrheit gepachtet, aber nur durch verschiedene Meinungen kann man Moeglichkeit bekommen, die eigene Meinung zu revidieren, bestaetigen oder andere als falsch zu enttarnen
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Wann betrachtet ihr einen Philosophen oder eine Person als widerlegt, sowie ihr eine These eindeutig widerlegt habt, beziehungsweise einen Aufsatz oder einen Gedankengang, oder erst, wenn ihr alles gelesen/ gehört habe? Und wie geht ihr dann, nach der Widerlegung, mit diesem Werk/ der Person um?
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Ich denke nicht, dass einer der grossen Philosophen wissentlich logische Fehler eingebaut hat.
Daher muss man sie als Zeitzeugen sehen, es als Teil einer Entwicklung.
Falsch waren sie nie (denn fuer sie schien es richtig) und nur die Zeit entscheidet. Grundsaetzlich ist Sekundaerliteratur immer eine gute Wahl, in die tieferen Zusammenhaenge einzutauchen.
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Betrachtet ihr überhaupt eine philosophische Diskussion als nutzbringend für euch, oder das Lesen irgendeines Philosophen, oder macht ihr euch ganz selbständig eure Gedanken?
Man könnte es auch so fragen: Mit welchem Ziel lest ihr solche Bücher, redet mit solchen Menschen?
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Ob und was es bringt (Ergebnisse) wird sich zeigen. Aber Diskussionen zwingen zu Toleranz und zu Einfuehlungsvermoegen in andere Thesen.
Es bringt dich bestimmt weiter, in die tiefe zu graben als an der Oberflaeche zu kratzen!!!
Lomievo
Ich finde es dann Sinnvoll wenn ich denke daraus etwas lernen zu können, und das kann man, selbst aus seinen vermeidlichen Fehlern kann man versuchen nachzuvollziehen was er meinte und was seine Intention war, was der Hintergrund war, denn das Thema bleibt
Moonhawk
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| Nehmen wir an, ihr kennt den Philosophen von seinen Lebensdaten her und er sagt euch nicht zu - Beispiel Goethe -, oder seine politischen Ansichten passen euch nicht - Beispiel Nietzsche -, studiert ihr dennoch seine Werke? |
Zwar ist es ideal, wenn dir der Philosoph, soweit du es beurteilen kannst, auch als Mensch nahe ist, doch darf man nicht so engstirnig sein und die Beschäftigung mit einem Philosophen (oder sonst wem) abhängig machen von dessen Lebensdaten (was immer du damit meinst) oder politischen Ansichten (die du im Übrigen wohl auch erst kennen wirst, nachdem du sein Werk studiert hast).
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| Nehmen wir an, ihr kennt einige Auszüge aus dem Werk eines Philosophen und es ist ganz offensichtlich falsch und Blödsinn, wäre es dann noch sinnvoll, ein großes Werk von ihm in Angriff zu nehmen? |
Wer sich ernsthaft mit Philosophie beschäftigt kommt nicht darum herum auch Werke zu studieren, die nicht auf seiner Linie liegen, denen er kritisch gegenübersteht etc. Derzeit z. B. beschäftige ich mich mit Platons
Politeia, obwohl ich kein Freund von Sokrates bin, mich prinzipiell die antike Philosophie nicht besonders interessiert. Doch das darf mich, als jemanden, der die Philosophie ernsthaft studiert, nicht davon abhalten, mich auch mit diesem Werk intensiv zu beschäftigen - die unmittelbare Begegnung mit Platon, wie mit vielen anderen, auch wenn sie, bzw. ihre Werke mich nicht begeistern wie es andere tun, gehört nun mal dazu.
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| Nehmen wir an, ihr habt ein eigenes Konzept zu einem bestimmten Thema entwickelt und ihr wißt, daß ein Philosoph das ebenfalls tat, lest ihr ihn und wie lest ihr ihn, wessen Worten, euren oder seinen, schreibt ihr größere Richtigkeit zu? |
Sicher lese ich ihn. Und ich lese ihn mit Freude. Es ist ein sehr schönes Gefühl einen Verwandten zu finden. Welchen Worten ich in diesen Fällen mehr zugeneigt bin, meinen oder seinen, das entscheidet sich von Fall zu Fall.
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| Nehmen wir an, ihr kennt eine Person, der ihr große philosophische Fähigkeiten zuschreibt, sucht ihr deren Nähe und Diskussion, oder meidet ihr sie und wie geht ihr mit ihren Gedanken um, überkritisch, oder übernehmt ihr sie quasi? |
Mit solchen Peronen (z. B. Professoren) spreche ich nur über solche Dinge, wenn ich tatsächlich etwas dazu zu sagen habe; meiden tue ich sie in keinem Fall, warum sollte ich. Man sollte den Dingen und Menschen grundsätzlich in einem gesunden Maße kritisch gegenüberstehen.
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| Wann betrachtet ihr einen Philosophen oder eine Person als widerlegt, sowie ihr eine These eindeutig widerlegt habt, beziehungsweise einen Aufsatz oder einen Gedankengang, oder erst, wenn ihr alles gelesen/ gehört habe? Und wie geht ihr dann, nach der Widerlegung, mit diesem Werk/ der Person um? |
Man kann erst dann - und nicht vorher - über ein Buch oder gar ein Werk urteilen, wenn man es von der ersten bis zur letzten Zeile
gründlich gelesen hat. Und auch dann kann man sich kaum mehr erlauben, als ein, mehr oder weniger, plausibeles persönliches, d. h. subjektives Urteil. Ich für meinen Teil habe mehr Interesse und Freude an Philosophen/ Werken, denen ich zustimme, doch ich kenne andere, denen es erst so richtig interessant wird, wenn sie anderer Meinung sind oder gar meinen etwas widerlegen zu können; es kommt wohl auch insbesondere darauf an, aus welchem Grund sich der Mensch mit Philosophie beschäftigt.
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Betrachtet ihr überhaupt eine philosophische Diskussion als nutzbringend für euch, oder das Lesen irgendeines Philosophen, oder macht ihr euch ganz selbständig eure Gedanken?
Man könnte es auch so fragen: Mit welchem Ziel lest ihr solche Bücher, redet mit solchen Menschen? |
Meine Intention ist, kurz gesagt, das alte Bedürfnis nach Weisheit und Erkenntnis. Doch wie gesagt, ich kenne andere, denen es anscheinend lediglich um intellektuelle Spielchen geht, denen einer abgeht, wenn sie meinen einen Fehler gefunden zu haben und nun ihren eigenen Senf dazu tun können; ich hingegen freue mich stets, wenn ich dem Philosophen, was natürlich nicht immer der Fall ist (siehe oben), zustimmen kann.
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| Könnt ihr relativ kurz und einfach formulieren, was euch als absolut unumstößlich richtig und stimmig erscheint (und jetzt bitte keine Diskussion, daß das Interpretation ist), oder wer und weshalb? |
Arthur Schopenhauer ist nicht allein der wahrhaftigste Philosoph, der mir bislang begegnet ist, sondern auch der, der mehr wahres gedacht, als jeder andere mir bekannte. Nur eine dieser Wahrheiten zu nennen, will ich diese nennen, welche zugleich eine zentrale These und Prämisse seines ganzen Werkes und der erste Satz der
Die Welt als Wille und Vorstellung ist: "Die Welt ist meine Vorstellung."
Prinz-Siddharta
Wann lohnt sich eine philosophische Auseinandersetzung.
Generell immer. Weil sie meist gar nicht zu vermeiden ist. Allein schon die Fülle an Auseinandersetzungen mit sich und seiner Philosophie.
Das ganze Leben ist eine Art Auseinandersetzung.
gruß
ZEITGEIST
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| Wie seht ihr das, wann ist es sinnvoll, sich mit einer Person oder einem Werk intensiv auseinanderzusetzen philosophisch, intellektuell. |
Solange die Person kein Papagei ist und mir alles nachplattert, wird es interessant.
Befassen tue ich mich eigentlich erst mit einer Person, wenn sie meint das ich Unrecht hätte. Das kommt ja mal hin und wieder vor
Wenn ich mich mit einem Werk befasse, dann weil es mich anspricht.
Wenn ich mich in das Werk hineinversetzen kann, ohne psychisch krank zu werden

.
Ich hab schonmal versucht in Gedanken meines besten Kumpels zu denken, da stand irgendwie die ganze Welt Kopf.
Ich denke man befasst sich nur mit Werken von Künstlern und Philosophen etc. wenn man sich etwas von ihnen verspricht.
Wenn ich mir ein Gemälde kaufe, dann bestimmt nicht weil ich es hässlich finde...
Wenn ich mir ein Buch kaufe, dann weil es in meinen Worten spricht, aber mit fremder Zunge
HarpGoil
Eine philosophische Auseinandersetzung lohnt sich immer dann, wenn man selbst eine andere Meinung hat und das Gegenüber sie auch als solche achtet. Andernfalls kann man genausogut den Mund halten. *symbolischschweig*
Stoerte
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Original von Christian
Nehmen wir an, ihr kennt den Philosophen von seinen Lebensdaten her und er sagt euch nicht zu - Beispiel Goethe -, oder seine politischen Ansichten passen euch nicht - Beispiel Nietzsche -, studiert ihr dennoch seine Werke?
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Goethes Person ändert doch nichts an der Qualität des Fausts. Und Nietzsche würd ich mir wenigstens mal kurz im Original ansehen.
Die "Gegenseite" zu kennen schadet eh nie. Philosophie sollte doch was mit selber Nachdenken sein und nicht nur zusehen, wie man zum gewünschten, von vornherein feststehenden Schluß kommt, das wäre dann doch Politik oder Religion oder irgendsowas.
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Nehmen wir an, ihr kennt einige Auszüge aus dem Werk eines Philosophen und es ist ganz offensichtlich falsch und Blödsinn, wäre es dann noch sinnvoll, ein großes Werk von ihm in Angriff zu nehmen?
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Nicht wenn ich es nicht verstehe, es also für mich keinen Sinn ergibt (warum auch immer) und mich nicht zum Nachdenken anregt.
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Könnt ihr relativ kurz und einfach formulieren, was euch als absolut unumstößlich richtig und stimmig erscheint (und jetzt bitte keine Diskussion, daß das Interpretation ist), oder wer und weshalb?
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Die Frage verstehe ich nicht. Was wäre denn für dich ein unumstößlicher Punkt, also abgesehen von evt. mathematischem?
Phil(osoph)
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Original von HarpGoil
Eine philosophische Auseinandersetzung lohnt sich immer dann, wenn man selbst eine andere Meinung hat und das Gegenüber sie auch als solche achtet. Andernfalls kann man genausogut den Mund halten. *symbolischschweig* |
Eben. Dabei ist noch etwas sehr wichtig:
"Zweck des Disputs oder der Diskussion soll nicht der Sieg, sondern der Gewinn sein." (Joseph Joubert)
ZEITGEIST
@ Phil(osoph)
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| "Zweck des Disputs oder der Diskussion soll nicht der Sieg, sondern der Gewinn sein." (Joseph Joubert) |
Danke.
Endlich mal wieder ein intelligenter Spruch.
Talyessin
Hallo Zusammen,
eine philosophische Auseinandersetzung lohnt sich immer, wenn man den passenden Partner im Dialog hat.
( Selbst mit sich selbst kann man ja auch mal verschiedene Seiten diskutieren - muss halt blos aufpassen, daß man nicht verrückt wird )
Ansonsten liegt die Sache am Partner, denn wenn angefangen wird, nicht durch die Diskussion weiterzukommen, sondern diese eben nur zum Vehikel der eigenen Überzeugung macht um den Gegenpart von dieser zu überzeugen, dann kann dies schnell im Streit enden.
Grüße
Taly
Juri
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Original von Christian
Hallo.
Es ist eine komplizierte Frage und ich möchte sie nicht eng auf große Philosophen bezogen sehen, sondern auch auf eine einfache Diskussion mit einer bestimmten Person.
Wie seht ihr das, wann ist es sinnvoll, sich mit einer Person oder einem Werk intensiv auseinanderzusetzen philosophisch, intellektuell.
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Allgemein. WEnn man den EIndruck hat, man könnte aus dieser Diskussion etwas lernen, oder der PErson, mit der man diskutiert, etwas geben.
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Original von Christian
Nehmen wir an, ihr kennt den Philosophen von seinen Lebensdaten her und er sagt euch nicht zu - Beispiel Goethe -, oder seine politischen Ansichten passen euch nicht - Beispiel Nietzsche -, studiert ihr dennoch seine Werke?
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Das kommt auf den Grund an, weswegen er mir nicht zusagt. Außerdem kommt es auch darauf an, wie fundiert die Kenntnisse über politische Ansichten, Lebenswandel, usw. sind. Beispiel Nietzsche: Der wird immer wieder in die Nazi-Richtung geschoben; das ist ein Voruteil, was man relativ schnell mitkriegt, wenn man sich oberflächlich über Nietzsche inrofmiert. Von einem so oberflächlichen Urteil würde ich mich nicht von der Lektüre abbringen lassen, vor allen Dingen, weil ich weiß, daß auf die landläufigen Meinung über bekannte Leute meist nicht viel zu geben ist. Mache mir lieber mien eigenes Bild.
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Original von Christian
Nehmen wir an, ihr kennt einige Auszüge aus dem Werk eines Philosophen und es ist ganz offensichtlich falsch und Blödsinn, wäre es dann noch sinnvoll, ein großes Werk von ihm in Angriff zu nehmen?
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Kommt drauf an, ob die Auszüge zu dem gehören, was mich an dem Philosophen interessiert. Beispiel: Es gibt unsägliche AUssagen von Kant, Fichte und anderen über das Verhältnis von Mann und Frau, die sind offensichtlich blödsinnig. DIese Aussagen spielen aber für dasjenige, was mich an Kant und Fichte interessiert, keine Rolle, und sind auch durch die Zeit leicht erklärbar (Kant und Fichte geben da eben nur wieder, was allgemein Zeitgeist war). Es wäre daher töricht, sich dadurch von der Lektüre abhalten zu lassen. Andererseits gibt es Philosophen, von denen ich noch keinen klaren Satz gelesen habe. So ist mir z.B. von Wittgenstein noch kein einziger Satz untergekommen, wo ich nicht direkt gedacht habe: "Ogott - der arme Kerl...". Das führt mich dann schon dazu, mich auch nicht durch das WErk von Wittgenstein zu quälen.
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Original von Christian
Nehmen wir an, ihr habt ein eigenes Konzept zu einem bestimmten Thema entwickelt und ihr wißt, daß ein Philosoph das ebenfalls tat, lest ihr ihn und wie lest ihr ihn, wessen Worten, euren oder seinen, schreibt ihr größere Richtigkeit zu?
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Gerade, wenn man im Groben Gemeinsamkeiten hat, ist es interessant, andere zu lesen -weil es esben in dem Einzelheiten doch meist Unterschiede gibt.
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Original von Christian
Nehmen wir an, ihr kennt eine Person, der ihr große philosophische Fähigkeiten zuschreibt, sucht ihr deren Nähe und Diskussion, oder meidet ihr sie und wie geht ihr mit ihren Gedanken um, überkritisch, oder übernehmt ihr sie quasi?
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Also. im persönlichen Umgang ist für mich die "philosophische Fähigkeit" gleichgültig; ich suche mir meinen sozialen Umgang nach anderen Kriterien aus. Ansonsten ist das entscheidende Kriterium, daß ein Gespräch sinnvoll ist. Es gibt sehr belesene Menschen, wo ich aber dennoch keinen Sinn sehe, mich mit ihnen über philosophische GEdanken zu unterhalten; und es gibt vordergründig eher naive Leute, wo das Sinn haben kann.
Wenn mir jemand einen Gedanken sagt, der mich weiterbringt, bin ich dankbar; Angst davor, dadurch meine Identität und Selbstständigkeit zu verlieren, habe ich eigentlich nicht.
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Original von Christian
Wann betrachtet ihr einen Philosophen oder eine Person als widerlegt, sowie ihr eine These eindeutig widerlegt habt, beziehungsweise einen Aufsatz oder einen Gedankengang, oder erst, wenn ihr alles gelesen/ gehört habe? Und wie geht ihr dann, nach der Widerlegung, mit diesem Werk/ der Person um?
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Ich betrachte die meisten Gedanken als vorläufig widerlegt, das reicht mir. Dazu muß ich nicht alles gelesen/gehört haben. Im Allgemeinen kommt mir auf Widerlegung allerdings nicht viel an, sondern eher -ums mal so zu formulieren- auf positive ERkenntnis.
Wenn ein WErk "widerlegt" ist, dann lege ich es beiseite. Bei einer PErson ist es was ganz anderes. Da kommt es mit im ALlgemeinen nicht auf objektive Widerlegung, sondern auf subjetkive übereinstimmung an. D.h. Es geht darum, zu einem Konsens zu kommen. Das versuche ich, unabhängig davon, ob ich mir meiner Position sicher bin oder nicht. WEnn ich merke, daß das nicht geht, resigniere ich eben irgendwann.
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Original von Christian
Betrachtet ihr überhaupt eine philosophische Diskussion als nutzbringend für euch, oder das Lesen irgendeines Philosophen, oder macht ihr euch ganz selbständig eure Gedanken?
Man könnte es auch so fragen: Mit welchem Ziel lest ihr solche Bücher, redet mit solchen Menschen?
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Eigene GEdanken sind sicher "nutzbringender" und selbst denken die entscheidende Tätigkeit. Aber auf manches, was mir andere Personen gegeben haben, wäre ich wohl selbst nie gekommen.
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Original von Christian
Und abschließend, auch wenn es etwas viel werden sollte:
Könnt ihr relativ kurz und einfach formulieren, was euch als absolut unumstößlich richtig und stimmig erscheint (und jetzt bitte keine Diskussion, daß das Interpretation ist), oder wer und weshalb?
Grüße. |
Ja, kann ich.
Wolf
Lieber Christian, Deine Fragen sind von erstgradigem philosophischem Interesse, gründlich und wahrhaft umfassend, um aber den Rahmen eines ersten Ansatzes zur Diskussion nicht zu sprengen (ich denke, dies wünscht auch Du), möchte ich nur zu Deiner letzten und ersten Frage etwas bemerken:
Zu der letzten (ich zitiere): "Könnt ihr relativ kurz und einfach formulieren, was euch als absolut unumstößlich richtig und stimmig erscheint (und jetzt bitte keine Diskussion, daß das Interpretation ist), oder wer und weshalb?"
Nun, als absolut unumstößlich scheint mir der folgende Aphorismus/zur was?-Frage) von Heraklit/ zur "wer?Frage): "Glaubwürdig ist nur, was der Glaubwürdigste sowohl zu erkennen vermag, als auch (konkret, mit Händen) zu begreifen."
Zu Deiner "weshalb"?-Frage: Heraklit geht hier davon aus, daß es sich beim "homo sapiens" um ein "soziales Wesen" handelt und somit insbesondere in seinen ersten Jahren (als Säugling und kleines Kind) absolut auf die Erfahrung und das Wissen der Erwachsenen im Umgang mit der Welt, ihren Lebensquellen als auch Gefahren, angewiesen ist. So glaubt solch ein junges Wesen seiner Mutter bedingungslos (d.h. egal ob sie richtig liegt mit ihren Ansichten, Gefühlen und Taten oder nicht/ ist also total abhängig, ausgeliefert),
und erst ab der Pubertät, als das Großhirn ausgereift ist und der volle Umfang des Intellekts zur Verfügung steht, sich selber kritische Gedanken zu machen, wird der Mensch fähig, selber zum glaubwürdigsten aller Menschen zu werden, dies geschieht aber nur und ausschließlich durch philosophisches fragen und die Umsetzung der Antworten zur Wirklichkeit, die die eigentlich wichtiges Instanz bei alle dem darstellt - d.h. die letzte Entscheidung darüber fällt, welche Antwort der Wahrheit am meisten gerecht wird und welche nicht. Diese Formulierung stammt - sinngemäß - von Immanuel Kant und auch die Wissenschaft heute weiß, daß Theorien zwar logisch und schön sein können, zur Bekundung ihrer Wahrhaftigkeit aber müssen sie sich im Praxistest bewähren, zeigen, ob sie "gut" im Sinne von Funktional sind, oder nicht...
Zu Deiner ersten Frage/ "Wie seht ihr das, wann ist es sinnvoll, sich mit einer Person oder einem Werk intensiv auseinanderzusetzen, philosophisch und intellektuell?":
Nun, immer dann, wenn eine existezielle, lebenswichtige Unklarheit - zuerst gefühlsmäßig - entdeckt wird, z.B. bezüglich des Themas, was "glücklich sein" ist. Als "Philosoph", gibt man sich dann Mühe, jede eigene Voreingenommenheit für die Suche nach einer Antwort auszuklammern; dies tat z.B. Sokrates in: "Das einzige, was ich weiß, ist daß ich nichts weiß". Ebenfalls Heraklit, dessen Sätze zwar selbst vom bekanntesten der Übersetzer/ H. Diels) als "dunkel/unbegreiflich) definiert werden, die es aber in Wirklichkeit nicht sind, sondern liegt es am Unvermögen der Meisten, sie zu begreifen, wie etwa auch Satz 6.: "Die Sonne ist neu an jedem Morgen." - d.h. wie ein frisch geborenes Kind noch ohne die es bald voreingenommen machende Prägung.
So heraklitisch-sokratisch soll nun auch unsere strahlende Vernunft sein oder jedemfalls streben, es wieder zu werden, wenn sie beginnen möchte, für existentielle Fragen zutreffende Antworten zu entdecken und diese umzusetzen.
???
@ Christian
Ich lese keine philosophischen Werke. Mich interessiert auch (leider) nicht, was wer gedacht hat und weshalb.
Ich bin auch weniger daran interessiert eine philosophische Intellektualität zu bekommen oder ähnliches.
Viel wichtiger für mich ist deine Frage, wann es sich lohnt sich mit einer Sache philosophisch auseinander zu setzten.
Ich würde die Frage jedoch eher anders herum formulieren. Wann lohnt es sich nicht über eine Sache nachzudenken bzw. warum?
Wozu ist denn die Philosophie da? Für mich bedeutet sie, daß ich mir etwas mehr Klarheit in meinem Leben verschaffen kann, warum ich so bin, wie ich bin, wann ich was tun sollte…
Sie ist einfach dazu da, damit ich eine Vorstellung vom Leben bekomme.
Außerdem bin ich ein Mensch, der eher an den Worten zweifelt, die eine Mehrheit von Menschen gut findet. So wie in der Musik oder Politik. Es ist eher das Richtig, was die meisten Menschen für richtig halten. Aber so muß es nicht sein.
Es kommt also alleine darauf an, was ich nun denke. Es nutzt mir nichts auf einen Menschen zu hören oder etwas zu lesen, was mit meinem Leben nichts zu tun hat. Vielleicht hat es was damit zu tun? Wer weiß? Vielleicht habe ich mal die Zeit und Muse mir es anzutun.
Aber ich hoffe, daß wenn ich aufmerksam genug bin, dann stoße ich im Laufe meines Lebens auf die Wahrheiten, die von anderen Menschen erdacht wurde.
Ein Wort eines „Nichts“ ist genauso wichtig, wie das Wort eines philosophischen „Profi“, wenn es wahre Worte sind. Deshalb ist es genauso wichtig das zu lesen, was du sagst, wie das zu lesen, was ein intelligenter Mensch vor 100 oder 1000 Jahren gesagt hat. Oder vielleicht ist das Wort eines Menschen aus meiner Gesellschaft doch etwas lebensnäher?
Phil(osoph)
@???
Wenn du nicht(s) liest, wirst du nicht erfahren, ob "es" mit deinem Leben etwas zu tun hat...
Wolf
Du hast in einem Deiner Beiträge ein Frage gestellt, die mich sehr beschäftigt: „Was ist anders am Leben derer, die sich nicht den gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen?“ Auch die umfassende, unverblümte Kritik an unserer schrecklichen, seelenlosen Gesellschaft, die Du in jenem Beitrag hinterlegtest, finde ich beeindruckend, den Umfang Deiner naturwissenschaftlichen Kenntnisse und vor allem Dein bewegendes Eingeständnis, daß Du trotz alledem, trotz all Deines Wissens um die harmonische Funktionalität der Naturphänomene, die absurde, sinnlose Häßlichkeit unseres gesellschaftlichen Systems und die Menschenunwürdigkeit des ‘Lebens‘, das es uns zu führen aufwzängen will, keine Erklärung und keinen Ausweg dafür weißt. Ja sogar einräumst, nicht einmal zu wissen, ob Dein subjektives Wohlbefinden beim Besuch eines Stück unbegradigt belassener Natur eine echte Berechtigung hat. Das Gefühl, das ich dazu habe, ist, daß Du jemand sein mögest, der ernsthaft phlilosophisch sucht, wirklich aus Liebe zu der Wahrheit und nicht einfach nur hier hereinschaut, um mal ein nettes Kriegsgespräch mit intelligenten Leuten zu führen. Darum diese Gedanken. Ich kenne einen fundierten, wissenschaftlichen Weg, die eigene Subjektivität zu hinterfragen und objektive Klarheit zu gewinnen. Es geht um unsere Träume, ihre Deutung, die Freud den „Königsweg in das Unbewußte“ ernannte. Schreib mir doch mal, wie Du darüber denkst und was Dir bekannt ist, hier oder an meine e-mail, wenn Du Dich nicht öffentlich austauschen willst. W.
Midnight Snow
Ist es nicht gerade die Notwendigkeit dessen, weshalb wir philosophieren?
Als kleine Anregung
shiningEye
Es gibt mehr als genug Sachen die mich interessieren, warum sollte ich mich noch mit denen Beschäftigen die dies nicht tun?! Und was das Studium von Philosophie angeht, ich weiß nicht, aber dafür brauch ich keine Bücker. In der Zeit in der ich irgendwelche Dicken Bücher wälze erstelle ich auch meine eigenen Theorien...
lg
???
@phil
Es gibt zu viele Dinge, wo ich merke, daß es mit dem Leben etwas zu tun hat ohne darüber zu lesen. Mit diesen Dingen bin ich in den letzten Jahren beschäftigt und werde es wohl auch noch eine Weile sein.
Wenn ich dann mal nichts mehr habe, worüber ich nachdenken kann, dann werde ich mich wohl auf die Suche machen. Zu lesen, um herauszufinden, ob es sich lohnt über etwas nachzudenken oder nicht.
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