Hegels Dialektik

Physiker
Ein Philosoph, der mich nachhaltig beeindruckt hat, ist Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Seine Idee von der philosophischen Dialektik gehört meines Erachtens zu den bedeutendsten philosophischen Theorien und ist in seiner Bedeutung mit Werken von Platon, Aristoteles, Sokrates oder Kant gleichzustellen. Kant hatte Hegel ja mit seiner Transzendentalphilosophie, welche die beiden Pole des Rationalismus und des Empirismus vermittelt, den Weg für den absoluten Idealismus, welcher wiederum den subjektiven und den objektiven Idealismus vereint, bereitet.
Was aber bisher noch nicht erkannt wurde: Hegels Werke lassen sich auch direkt als „Anleitung“ für eine moderne Demokratie gebrauchen. Denn demokratisch zu denken, heißt „dialektisch“ zu denken. Hegel postuliert die stetige Fortentwicklung eines Staates bzw. einer Gesellschaft aufgrund der Metaphysik der Dialektik.
Nur in der Anerkennung des demokratischen, also dialektischen Streits besteht die Möglichkeit eines Erkenntnis- und Vernunftsgewinns für die gesamte Menschheit. Wir haben uns also immer dem deterministischen System zu unterziehen, das folgende Chronologie besitzt:
1. These
2. Antithese
3. Synthese
Die Synthese ist der „Lohn“ dieses deterministischen Systems.
Dieses Forum arbeitet meines Erachtens übrigens auch dialektisch, was uns alle der Wahrheit asymptotisch näher bringt.
Tarvoc
Ich mag Wilsons zyklisches, fünfstufiges Modell lieber.
Nach Wilson besteht ein dialektischer Prozess eigentlich aus zwei sich abwechselnden und immer neu wiederkehrenden Zyklen, dem sogenannten "Trizyklus" und dem "Bizyklus" (das ist ein Wortspiel, "tricycle" und "bicycle" kann man auch mit Dreirad und Fahrrad übersetzen). Man kann den Trizyklus vage mit Hegels Dreischritt assoziieren, obwohl er nicht so optimistisch endet wie Hegels Dreischritt.

Der Trizyklus besteht aus THESE, ANTITHESE und PARENTHESE (gescheiterter Synthese).
Der Bizyklus besteht aus PARALYSE und DISINTEGRATION.

Im Trizyklus kommt die Frage auf und zwei (oder mehr) gegensätzliche Antworten werden gegeben. Der Versuch einer Synthese scheitert aber, weil man Verständnis nicht ohne Weiteres vereinheitlichen kann. Aus der Klärung von Differenzen tauchen IMMER wieder neue Differenzen auf.
Die Paralyse setzt dann ein, wenn sich die Fronten festgefahren haben. In einer Diskussion in einem Forum zeigt sich das z.B. meistens spätestens dann, wenn der Erste mit Ad-Hominems oder unlauteren Stilmitteln anfängt, aber es kann auch in ein ewiges Hin-und-Her übergehen. In der Disintegrationsphase wird der festgefahrene Thread dann uninteressant, es wird gespammt und geflamed und irgendwann wird der Thread vergessen, ohne dass die Frage zu aller Zufriedenheit gelöst werden konnte. Irgendwann wird dann entweder der Thread neu hervorgeholt oder ein neuer Thread mit dem selben Thema eröffnet, und meist durchläuft dieser dann wieder die selben Phasen erneut.

Dennoch kann man nicht sagen, dass daraus kein Gewinn resultiere. Denn obwohl das Wilson'sche System im Gegensatz zu Hegels System keinen 'objektiven' Gewinn in einer Diskussion kennt, könnte man, um einen Begriff aus der Systemtheorie zu verwenden, davon reden, dass sich die Autopoiesis (Selbsterschaffung) der Teilnehmer durch den Teilnahmeprozess verfeinern und erweitern kann.

Nach Wilson war Hegels Fehler, dass er nur den Trizyklus wahrnahm, diesen als abgeschlossenen Prozess definierte, die Parenthese zur Synthese hochstilisierte, ohne die Abweichungen zu sehen, und den anschließenden Bizyklus als themenfremde Ausklangserscheinung schlichteg vollständig ignorierte. (In einer anderen Theorie gibt Wilson Weishaupt die Schuld, da er das fünfstufige Modell damals für sich selbst behalten wollte. Wilson ist ein unglaublicher Scherzkeks.)
Tarvoc
Naja... aber wenn's hier eigentlich um Hegel gehen soll, kann ich bezüglich Wilsons Fünfstufenmodell auch einen eigenen Thread aufmachen...
Physiker
Zitat:
Original von Tarvoc
Naja... aber wenn's hier eigentlich um Hegel gehen soll, kann ich bezüglich Wilsons Fünfstufenmodell auch einen eigenen Thread aufmachen...


Jopp, das wäre angemessen. Zumal ich vom Fünfstufenmodell zwar schon mal gehört habe, aber der Name Wilson ist mir gänzlich unbekannt. Kannst du mich bitte aufklären?
Tarvoc
Zitat:
Original von Physiker
Zumal ich vom Fünfstufenmodell zwar schon mal gehört habe, aber der Name Wilson ist mir gänzlich unbekannt.

Ehrlich? Bei wem denn? Ich dachte, das Modell sei genuin von Wilson...

Zitat:
Original von Physiker
Kannst du mich bitte aufklären?

Robert Anton Wilson ist ein amerikanischer Psychologe und Autor. In den USA hatte er den Höhepunkt seiner Beliebtheit in den Siebzigerjahren (während der Hippiezeit), in Europa hingegen wird er erst im Moment modern, wobei sich in Amerika besonders bei kritischen Stimmen ebenfalls wieder ein Interesse für ihn entwickelt.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen wohl die Romantrilogie 'Illuminatus!', sowie ein populärwissenschaftliches Werk über Learys Schaltkreistheorie namens 'Der Neue Prometheus'. Was seine Romane angeht, so pflegt er stilistisch das Erbe von William S. Burroughs und James Joyce, seine Philosophie hingegen wurde besonders von Friedrich Nietzsche, Aleister Crowley und Giambattista Vico inspiriert.

'Illuminatus!' wurde 1986 in die Prometheus Hall of Fame der Libertarian Futurists Society aufgenommen.
Physiker
Ehrlich? Bei wem denn? Ich dachte, das Modell sei genuin von Wilson...

Das kann sein. Ich habs am Rande einer Diskussion mit meinem Onkel mal aufgeschnappt...
Nauplios
Hallo Physiker!
Zitat:
Ein Philosoph, der mich nachhaltig beeindruckt hat, ist Georg Wilhelm Friedrich Hegel.
Hm - seltsam, ich habe der Philosophie Hegels bisher nichts abgewinnen können smile - ein Luftgebäude, in dem mit Begriffen jongliert wird. Sicher, an Hegel kommt man nicht ganz vorbei, weil seine Philosophie eine Wirkungsgeschichte angestoßen hat und schulbildend gewirkt hat. Aber letztlich ist die Hegel´sche Philosophie nichts anderes als eine Spekulation aus bloßen Begriffen heraus. Hegel begreift die Wirklichkeit als Selbstverwirklichung der metaphysischen Idee. Der Weltgeist (?) bedient sich bei der Ingangsetzung des Weltprozeßes der Dialektik. Die Weltgeschichte im Dreischritt. smile Und der Philosoph vermag durch bloßes Denken diese ganze Entwicklung nachzuvollziehen! Das gewonnen System spiegelt die Entwicklung der realen Welt wieder!! -

Ich habe - so gut es ging - um Hegel immer einen Bogen gemacht Freude ... zwar einen respektvollen, aber großen.

Und die Werke Hegels, der ja ein strammer Vertreter des preußischen Polizeistaats war, "direkt als `Anleitung´ für eine moderne Demokratie [zu] gebrauchen" ... - na, vielleicht finden sich da ja doch noch brauchbarere "Anleitungen" ... großes Grinsen

Liebe Grüße

Nauplios
Sterling
Hi All,

Zitat:
Denn demokratisch zu denken, heißt „dialektisch“ zu denken.

Ist demokratisch nicht eher sowas wie: alle Stimmen ab und das isses dann? Dass da vorher was sinnvoll dialektisches abgeht halte ich nicht für gesichert (kann sein, muss aber nicht).

Ich würde sogar den Hegel hier mal ganz gegenteilig interpretieren: die Herrschaft gehört dem Volk, die Politiker sind die (gut bezahlten) Knechte die sich in seinen Dienst stellen und wesentlich näher an der 'Natur' d.h. den realen Fakten und deren Verständnis dran sind. Die können sie nun zur Revolution nutzen (wie '33) oder (da das heutzutage nichtmehr so einfach ist) das Volk zu Ihrem Vorteil manipulieren. Das hat dann mit der schönen Dialektik gar nichtsmehr zu tun.

winken
Strg
Telltale
Zitat:
Original von Physiker
Seine Idee von der philosophischen Dialektik gehört meines Erachtens zu den bedeutendsten philosophischen Theorien und ist in seiner Bedeutung mit Werken von ... Sokrates ... gleichzustellen.

Mit welchen genau?

Fragt
Telltale
Tobias
Gibt es eine Antithese zur Demokratie?
Schneemann
Zitat:
Original von Nauplios
Ich habe - so gut es ging - um Hegel immer einen Bogen gemacht Freude ... zwar einen respektvollen, aber großen.

Andere Philosophen waren da wohl weniger respektvoll. Folgendes Zitat von Schopenhauer (angeblich) ist mir gerade über den Weg gelaufen:

Hegel, ein platter, geistloser, ekelhaft-widerlicher, unwissender Scharlatan, der, mit beispielloser Frechheit, Aberwitz und Unsinn zusammenschmierte, welche von seinen feilen Anhängern als unsterbliche Weisheit ausposaunt und von Dummköpfen richtig dafür genommen wurden, ... hat den intellektuellen Verderb einer ganzen gelehrten Generation zur Folge gehabt.


Man mag sich wirklich fragen wie es sein konnte dass jemand der doch überwiegend äußerst kritisch betrachtet wird, diesen immensen Einfluss und Erfolg haben konnte denn er nunmal unzweifelhaft hatte.

Gruß,
Schneemann
Tarvoc
Zitat:
Original von Schneemann
Man mag sich wirklich fragen wie es sein konnte dass jemand der doch überwiegend äußerst kritisch betrachtet wird, diesen immensen Einfluss und Erfolg haben konnte denn er nunmal unzweifelhaft hatte.

Es gibt nur wenig, was mehr Publicity einbringt als eine Menge verärgerter Kritiker... fröhlich
Neo
Es kommt noch besser. Folgendes soll auch von ihm stammen:

"Hegel hat eine Bierwirts-Physiognomie. Auf sein Gesicht hat die Natur mit ihrer leserlichsten Handschrift das ihr so geläufige 'Alltagsmensch' geschrieben"


Es hat ihm nur nichts genützt. Hegel hatte die Sympathien und Anerkennung der Öffentlichkeit auf seiner Seite, er nicht. Es ist auch denkbar ungeschickt, sich als Neuling auf solche Weise mit einer etablierten Instanz wie Hegel es seinerzeit war, anzulegen.

Hegel brauchte also tatsächlich nichts anders zu tun als ihn maulen zu lassen und schweigend dabei zusehen, wie er sich dadurch selbst diskreditierte.

Irgendwie fällt es schon schwer zu glauben, daß Schopi all das tatsächlich gesagt haben soll.
Wie kann ein so großartiger Denker auf solch niedrigstes Niveau abrutschen?
Trismegisto
Ein kleine Zwischenfrage zu Hegels Dialektik?

Aus Hegels Logik. Die Philosophie beginnt mit dem „Sein“. Das „Sein“ hat unmittelbar den Gegensatz des „Nichts“ an sich. Bei genauerer Analyse stellt Hegel aber fest, dass „Sein“ und „Nichts“ identisch sind. Die Synthese beider nennt er „Werden“, das ständige Übergehen beider ineinander. Das Werden ist eine neue These, die als Antithese das Dasein gebiert. Diese Dialektik ist der Motor des Systems, aus dem Hegel schließlich jede Realität, auch jede Gedankenrealität, entwickelt.

Da sagt aber der Vater des "Seins" Parmenides was anders oder muss man das einfach so hinnehmen!

Danke
Fliege
Neo:
Zitat:
Irgendwie fällt es schon schwer zu glauben, daß Schopi all das tatsächlich gesagt haben soll.

Schopenhauer schätzte Kant und warf Hegel vor, Kants zentrale Ideen ruiniert zu haben. Deswegen war Schopenhauer auf Hegel nicht sonderlich gut zu sprechen
Kant sagte, das "Ding an sich" (die Wirklichkeit, die Welt) sei verhüllt und entziehe sich der Erkenntnis. Dieser Ansatz Kants irritierte die damalige philosophische Szene weit und breit und wirkt bis heute nach.
Hegel suchte eine Lösung für die aufgetretenen Schwierigkeiten. Er nimmt sich des "Dings an sich" an und benennt es erstmal um in "An-sich-Sein". Zudem behauptet Hegel, das "An-sich-Sein" habe noch nicht zu sich selber gefunden und sei deswegen noch nicht erkennbar.
Die Selbstfindung des Sein soll nach Hegel dialektisch vermittelt geschehen. Aus dem "An-sich-Sein" wird das "Für-andere-Sein" und daraus wiederum das "Für-sich-Sein". So transportiert (Schopenhauer würde sagen: schmuggelt) Hegel (durch Negation der These in eine Antithese und beider Synthese) schrittweise das laut Kant nicht Erkennbare in die Erkenntnissphäre.
Im Kern lässt Hegel das erkennende Subjekt schließlich sich selber zum Gegenstand der Erkenntnis werden. Weil in diesem Subjekt das abtransportierte "Ding an sich" von Kant drin stecken soll, meint Hegel dessen Erkennbarkeit möglich gemacht und so Kant überwunden zu haben.
flores
Zitat:
Dieses Forum arbeitet meines Erachtens übrigens auch dialektisch, was uns alle der Wahrheit asymptotisch näher bringt.


Ketzerische Frage vor allem an dich, Physiker - Hegel kann ich nicht mehr fragen - Wie kann man behaupten, sich etwas anzunähern - sei es nun asymptotisch oder sonst wie "konstruiert" - wenn man dieses "Etwas" nicht kennt? Wenn ich von A nach B will, habe ich zwei feste Punkte. Dann kann ich überlegen, wie ich mich von Punkt A ausgehend B annährern will: grade, kurvig ... Wenn ich aber von A ausgehend einen Punkt X, d.h. unbekannt ansteuern will, dann nützt mir die beste Kurve bzw. Gerade nichts, da ich die Lage des Ortes X nicht kenne und daher keine Ahnung habe, welche Richtung ich einschlagen soll.

Mir scheint es angesichts solcher Ungerichtetheit philosphischen Denkens gut nachvollziehbar, dass Artistophanes - ein zeitgenössischer Dichter der Philosophen Platon, Protagoras, Sokrates, ... - in seiner Komödie "Die Frösche" die Philosophen als Leute charakterisiert, die mit langen Stangen in den Wolken herumstochern und nichts finden.

flores
Fliege
flores:
Zitat:
Mir scheint es angesichts solcher Ungerichtetheit philosphischen Denkens gut nachvollziehbar, dass Artistophanes - ein zeitgenössischer Dichter der Philosophen Platon, Protagoras, Sokrates, ... - in seiner Komödie "Die Frösche" die Philosophen als Leute charakterisiert, die mit langen Stangen in den Wolken herumstochern und nichts finden.

Die satirische Kritik von Aristophanes ist nur zu verständlich, aber nicht ganz "fair" (letzteres ist aber nicht schlimm).
Als Stückeschreiber fürs Theater wusste Aristophanes selber, dass die Menschen unterschiedliche Charakterzüge haben: der sehnsuchsvolle Schwarmgeist, der nüchterne Beobachter, der enttäuschte Liebhaber, der resignierte Ehemann usw.
Entsprechende Charakterzüge finden sich auch in der Philosophie (und in der Wissenschaft), die nach Goethe (Faust) zu ergründen (erkennen) versucht, was die Welt im Innersten zusammen hält.
Resignierter Ehemann: Schopenhauer,
nüchterner Beobachter: Carnap,
enttäuschert Liebhaber: Wittgenstein,
sehnsuchtsvoller Schwarmgeist: Heidegger.
Deren jeweilige Systeme stecken mögliche Wege ab, wie die Welt als Ganzes zu interpretieren sein könnte. Und da jeder Mensch in diesem Sinne eine Philosophie hat (explizit oder implizit), dient die Beschäftigung mit derartigen Weltmodellen der Analyse und Weiterentwicklung des eigenen Standpunktes.
flores
Zitat:
Original von Fliege
flores:
Die satirische Kritik von Aristophanes ist nur zu verständlich,...Deren jeweilige Systeme stecken mögliche Wege ab, wie die Welt als Ganzes zu interpretieren sein könnte. Und da jeder Mensch in diesem Sinne eine Philosophie hat (explizit oder implizit), dient die Beschäftigung mit derartigen Weltmodellen der Analyse und Weiterentwicklung des eigenen Standpunktes.


Ich fühle mich liebevoll aufgeklärt, lieber Fliege! Und freue mich darüber! Anregungen brauchen wir alle! Doch mir scheint Philosophieren auch noch zu was anderem zu gebrauchen zu sein, als bloß für den eigenen Standpunkt.

Im Garten des Epikur z.B. gehörte es zu den philosophischen Grundtugenden, freundschaftliche Bande zu pflegen zwischen den Philosophierenden. Da heute in Ermanglung eines allgemeingültigen Wahrheitsbegriffes und einer allgemeinverbinden Gläubigkeit jeder eigentlich zum Philosophen werden muss, um sich eigenverantwortlich zu orientieren, wäre es m.E. sinnvoll, wenn die Philosophie sich da pragmatisch und theoretisch fundiert ratend anbieten könnte. Die Hypothese vom dialektisch sich entfaltenden Weltgeist eines Hegels gibt da m.E. nichts her. Es sei denn man vermag den Standpunkt von Physiker vertreten: Wir sind ja eh schon dabei und nähern uns der Wahrheit assymptotisch an.

Dann aber wäre Philosophie m.E. das für die Menschen, was einst - ich glaube Lenin oder Engels ähnliches über die Religion sagten - OPIUM FÜRs VOLK.

flores
flores
Zitat:
Original von Physiker
Ein Philosoph, der mich nachhaltig beeindruckt hat, ist Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Seine Idee von der philosophischen Dialektik gehört meines Erachtens zu den bedeutendsten philosophischen Theorien und ist in seiner Bedeutung mit Werken von Platon, Aristoteles, Sokrates oder Kant gleichzustellen. ... Hegels Werke lassen sich auch direkt als „Anleitung“ für eine moderne Demokratie gebrauchen. ...Nur in der Anerkennung des demokratischen, also dialektischen Streits besteht die Möglichkeit eines Erkenntnis- und Vernunftsgewinns für die gesamte Menschheit. Wir haben uns also immer dem deterministischen System zu unterziehen, ...Die Synthese ist der „Lohn“ dieses deterministischen Systems.


Da ich schon einiges negatives über Hegel hier geäußert habe, könnte leicht der Eindruck entstehen, ich wolle hier nur rumkritteln. Das ist aber eigentlich nicht mein Ding.

Mich interessiert dagegen sehr, wie du deinen Gedanken von einer praktischen Umsetzung der Hegelschen Dialektik gewonnen und für welche konkreten Aufgaben diese passend wäre und wie sie umsetzbar sein könnte. Dies halte ich vor allem deshalb für wichtig, weil du m.E. zutreffend von einem deterministischen System sprichst, was sich m.E. nur schwer mit demokratischen Vorstellungen vereinbaren ließe.

flores
Fliege
flores:
Zitat:
ch fühle mich liebevoll aufgeklärt, lieber Fliege! Und freue mich darüber! Anregungen brauchen wir alle!

Ich wollte dich gar nicht aufklären ;-).

Zitat:
Im Garten des Epikur z.B. gehörte es zu den philosophischen Grundtugenden, freundschaftliche Bande zu pflegen zwischen den Philosophierenden.

Dein Stichwort von den freundschaftlichen Banden bringt mich auf Schopenhauer zurück und zwar konkret auf seine Geschichte mit den Stachelschweinen, die ich mal aus dem Gedächtnis - also in meiner Fassung - hinschreibe:

Winters herrschte Kälte, besonders nach Einbruch der Nacht. In einer Mulde lagen Stachelschweine, rückten dicht aneinander, um sich gegenseitig Wärme zu geben. Kamen sie sich aber zu nahe, pieksten sie sich wechselseitig mit ihren Stacheln, so dass sie wieder ein Stück abrückten voneinander. Und so ging das die ganze Nacht, Nähe und Abstand, eine erquickliche Distanz suchend zwischen Wärmebedürfnis und Schmerzvermeidung, bis der anbrechende Morgen die Stachelschweine wieder in den Tag entließ.

Zitat:
... wenn die Philosophie sich da pragmatisch und theoretisch fundiert ratend anbieten könnte.

Wenn das keine Philosophie ist, die Rat anbietet, dann weiß ich nicht, was sich sonst noch machen ließe *g*.