Platon "Phaidon"

fockd
Hat - oder liest hier jemand zufällig den Phaidon???
radius
Habe ich erst kürzlich gelesen.
Trismegisto
@ fockd

Ich würde es gerne lesen gibst da eine "Phaidon light Version"?
Oder ist das wieder so eine zu anspruchsvolle Geschichte wie das "Lehrgedicht des Parmenides"?

Danke
Rhetorix
Dieser Thread, in dem nichts drinsteht, ist bereits 1.191mal aufgerufen worden!

Offenbar besteht ein ungeheures Missverhältnis zwischen Angebot und Interesse.
Man sollte angesichts dessen vielleicht doch einmal dem Versuch nähertreten, den Thread mit Leben zu füllen.

@radius:

Da du den Phaidon kürzlich erst gelesen hast, könntest du doch mal den Anfang machen!
radius
Zitat:
Original von Rhetorix
...
Offenbar besteht ein ungeheures Missverhältnis zwischen Angebot und Interesse.
Man sollte angesichts dessen vielleicht doch einmal dem Versuch nähertreten, den Thread mit Leben zu füllen.
...

Da hast du wohl recht, Rhetorix. Ich frage mich allerdings auch, worauf der Threadersteller, welcher sich anscheinend schon längere Zeit nicht mehr hier blicken liess, hinaus wollte. Wie dem auch sei, ich versuche in den nächsten Abschnitten kurz darzustellen, um was es in Platons Phaidon geht.

Allgemeines
Der Text wird in Form eines Dialoges zwischen Echekrates und Phaidon vorgetragen. Letzterer war bei der Hinrichtung des Sokrates zugegen und erzählt dann, unterbrochen von Echekrates' Fragen, von dessen letzten Stunden, die er mit Diskussionen unter Teilnahme einiger seiner Freunden verbrachte.

Tod und Erkenntnis
Sokrates Behauptung, dass sich der wahre Philosoph nach dem Tode sehnt, beruht auf der Annahme, dass jener nach Wahrheit bzw. reiner Erkenntnis strebt und diese nur losgelöst vom eigenen Körper stattfinden kann. Dieser ist es nämlich, der die Erkenntnis, welod und Erkenntnis, welche nur im Geist stattfinden kann, trübt.
Zitat:
65e-66aUnd der kann doch jenes am reinsten ausrichten, der am meisten mit dem Gedanken allein zu jedem geht, ohne weder das Gesicht mit anzuwenden beim Denken, noch irgendeinen anderen Sinn mit zuzuziehen bei seinem Nachdenken, sondern, sich des einen Gedankens allein bedienen, auch jegliches rein für sich zu fassen trachtet, soviel wie möglich geschieden von Augen und Ohren und, um es kurz zu sagen, von dem ganzen Leibe, der nur verwirrt und die Seele nicht Wahrheit und Einsicht erlangen lässt, wenn er mit dabei ist.


Seele <-> Tod
Vor dem Kontext von Sokrates Hinrichtung ist die Unsterblichkeit der Seele wohl die zentrale Aussage des gesamten Werkes.
Sokrates unterscheidet zwischen zusammengesetzen Dingen, auch Sinnendinge, die sichtbar sind und sich verändern (z.B. auflösen), und den "einheitlichen" Dingen, die unsichtbar sind und sich nicht verändern und daher auch nicht aufhören zu existieren. Der Körper gehört zur ersten Kategorie, die Seele zur zweiten.
Sokrates verteidigt einige Einwände gegen diese Auffassung, so z.B. jenen, dass die Seele vom Körper abhängig ist.

Ideenlehre
Die Ideenlehre des Platon ist in keinem Werk vollständig begründet (Quelle, im Phaidon jedoch lassen sich einige Fragmente finden, die als Bauteile für jene Konstruktion dienen können.

Zitat:
Original von Trismegisto
...
Ich würde es gerne lesen gibst da eine "Phaidon light Version"?
Oder ist das wieder so eine zu anspruchsvolle Geschichte wie das "Lehrgedicht des Parmenides"?

Mir persönlich ist keine light-Version des Phaidon bekannt; Sekundärliteratur, die eine gewisse Hilfestellung bieten kann, dürftest du allerdings zuhauf finden. Im übrigen kenne ich das "Lehrgedicht des Parmenides" nicht und kann daher den Schwierigkeitsgrad des Phaidon nicht mit jenem vergleichen, würde dir jedoch vorschlagen, einfach mit der Lektüre zu beginnen und falls Fragen auftauchen, diese hier zu stellen - dafür ist diese Plattform ja gedacht. Eine Onlineversion findest du hier.
oui
Gute Idee, ich mache in den Osterferien mit.
Wer bisher noch nicht gelesen hat, wird bis dahin die schlappen 100 Seitchen schaffen. Sätze wie:" Philosophieren heißt an den Tod denken." , sind es wert.

LG oui