fockd
Was haltet ihr von der Tendenz philosophische Fragen (auch) mit empirischen Methodologien zu beantworten? Die Tendenz zum Naturalismus ist unbestreitbar.
Löst sich die Philosophie in der Empirie irgendwann mal aus? Oder: entsteht eine Art fruchtbare Symiose zwwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften?
Oder ist die Frage sinnlos?
carsten aus bochum
Hi fockd,
das "auch" ist gut, nur wenn aus dem "auch" ein "nur" wird, dann wird es kritisch.
Empirie und Theorie haben immer so ein merkwürdiges Verhältnis, sie kommen von einander nicht los, aber wie sei letztlich zusammenhängen ist wohl nur in Ansätzen klar.
Die Empirie kann aus meiner Sicht die Philosophie nie ablösen, weil die Philosophie einfach den größeren Rahmen bildet.
Der Empirismus ist ja nur eine von vielen philosophischen Spielarten, und selbst das empirische Prüfen ohne -ismus ist ein Vorgang der doch selten über den "Mythos des Gegebenen" hinauskommt.
In dem Moment wo Wissenschaft mehr tut als Forschen um des Forschens willen, ist Philosophie wieder im Spiel.
Gruß,
Carsten
fockd
Was wäre bei Dir Philosophie nur um des Forschens willen?
carsten aus bochum
Hi fockd,
damit meine ich, dass die Forschung zum Selbstzweck wird und Fortschritt zum angestrebten Letztprinzip.
Bedenken jedweder Art werden dadurch glatt gebügelt, dass noch mehr Fortschritt es schon richten wird und es wird auf die lange Erfolgsgeschichte des Fortschritts verwiesen.
Wo Forschung reflexiv betrachtet wird und dies Betrachtung nicht nur Beiwerk ist findet diese Philosophie statt, das kann Erkenntnistheorie, Ethik und anderes sein.
Gruß,
Carsten
anja
| Zitat: |
[quote]Original von fockd
Was haltet ihr von der Tendenz philosophische Fragen (auch) mit empirischen Methodologien zu beantworten? Die Tendenz zum Naturalismus ist unbestreitbar. |
...da sich die Philosophie die Erlangung von Weisheit und Erkenntnis
zum Ziel gesetzt hat, meine ich dass jede Methode, welche der Beantwortung philosophischer Fragen dient, auch verwendet werden sollte.Warum sollte man sich unnötig einschränken?
Viele Grüsse,
anja
Berglichter
| Zitat: |
Original von fockd
Löst sich die Philosophie in der Empirie irgendwann mal aus? Oder: entsteht eine Art fruchtbare Symiose zwwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften?
Oder ist die Frage sinnlos?
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Ich würde die letzte Variante nehmen: sinnlose Frage. Naturwissenschaftliche Fragestellungen lassen sich nicht mit Philosophie beantworten und umgekehrt. Wohl aber gibt es gemeinsame Schnittstellen. Diesen muß man sich dann mit Sachverstand von beiden Seiten aus nähern.
fockd
@Berglichter
Aber das ist ja das Problem, nicht Lösung, was Du sagst. Ist "Was ist Bewusstsein?" eine naturwissenschaftliche oder philosophische Frage?
mark
| Zitat: |
Original von fockd
@Berglichter
Aber das ist ja das Problem, nicht Lösung, was Du sagst. Ist "Was ist Bewusstsein?" eine naturwissenschaftliche oder philosophische Frage? |
auch wenns nicht für mich war:
vielleicht ist die frage weder noch?
schliesslich könnte man sie ja auch in gedichtform beantworten. wird sie damit zu einer poetischen frage?
ich denke es kommt darauf an wie man sie behandelt und zu beantworten versucht. und welche art antwort befriedigend ist entscheidet sich daran welche erwartungen ich daran knüpfe. ist das ziel technische manipulation, dann komm ich wohl um eine naturwissenschaftliche antwort nicht herum.
will ich eine einordnung in einen philosophischen gedankengang, dann muss ich sie eben diesem rahmen entsprechend beantworten. und hab ich mehr sinn für lyrik als für formeln und gedrechselte gedankengänge, dann nützt mir womöglich einzig die poetische antwort darauf.
gruss
Sterling
| Zitat: |
Original von fockd
Ist "Was ist Bewusstsein?" eine naturwissenschaftliche oder philosophische Frage? |
Können Fragen überhaupt phil. oder nat. sein ... oder nur die Antworten?
Auf "Was ist Bewusstsein?" kann man sicher nat. UND phil. Antworten finden und das sollte man m.E. auch. Denn Phil. ohne Berücksichtigung von Nat. ist irrelevant und Nat. ohne Refexion durch Phil. ist gefährlich!
Strg
Mahatma
Diese Naturalisierung der Philosophie dauert nun schon über 2000 Jahre an. Damals waren alle Bereiche des menschlichen Wissens rein philosophisch. Das menschliche Denken ging nach und nach in die Empirie über. Es entstanden aus den philosophischen Gedankenspielen der Griechen Physik, Biologie, Astronomie, Chemie. Dieser Trend hält an und man wird neue Wege finden, bisher rein philosophische Fragen auf empirische Weise zu beantworten. Derzeit kann man dies am besten bei der Philosophie des Geistes beobachten. Früher war dies ein rein philosophisches Gebiet. Heute kann dort nur der seine Meinung äußern, der auf dem neuesten Stand der Hirnforschung ist.
Neben der reinen Naturalisierung findet noch ein weiteres Phänomen statt. Philosophen nehmen auf wissenschaftliche Theorien bezug. In der Ethik werden wissenschaftlich-deskriptive Aussagen genutzt, um ethische Konzept dahingehend zu kritisieren, ob sie überhaupt von den Menschen befolgt werden können. Biologie und Hirnforschung zeigen Grenzen des menschlichen Handelns auf. Anhang dieser empirischen Aussagen kann man ethische Normen kritisieren. In anderen Bereichen der Philosophie bauen philosophische Theorien auf naturwissenschaftlichen auf.
Prinzipiell finde ich diesen Trend gut. Dadurch wird das menschliche Denken rationaler. Empirische Aussagen sind weitaus strenger prüfbar, als rein philosophische. Man kann sie experimenteller Prüfung unterziehen. Man weiß, wleche Geshehnisse eintreten müssen, damit ein empirischer Satz falsifiziert wird.
Dass die Philosophie irgendwann ganz verschwinden wird, denke ich nicht. Es wird immer einen Bereich geben, der empirisch nicht untersuchbar ist, insbesondere die Ethik und Wissenschaftstheorie, also Disziplinen, die auch normative Aussagen enthalten.
HiobMontag
Ich denke, dass dieser Trend, die Philosopgie zu "naturalisieren", wie du es nennst, sehr gefährlich ist.
Das hat gleich mehrere Gründe:
1. Viele Philosophen haben keine Ahnung von Naturwissenschaften, bzw nicht von Wissenschaftstheorie (die hört nämlich nicht bei Popper auf...). Das führt oft dazu, dass sie ihre Aussagen mit "emprischen" Aussagen untermaueren, die gar keine sind.
2.Viele Naturwissenschaftler haben keine Ahnung von Philosophie, insbesondere nicht von Wissenschaftstheorie. Da aber die Philosophie "naturalisiert" wird, bekommen solche Leute auf einmal philosophischen Status, den sie nichtmal ansatzweise Verdienen, Als Paradebeispiel seien hier Gerhard Roth und Stephen Hawking genannt.
3.Oft wird die Naturwissenschaft gar nicht mehr hinterfragt, sondern einfach als gegeben angenommen. Dass auch diese "nur" Theorie und Vereinfachung ist, wird oft gar nicht erwähnt, oder als unwichtig dargestellt. Daraus ergibt sich eine Art Einheitsbrei, vor allem in der Erkenntistheorie oder in der Metaphysik.
4.Es besteht zudem die Gefahr, dass die Philosophie ganze Bereiche an die Naturwissenschaften abgiebt, die dort nichts zu suchen haben. Wenn man in der Schule/Uni oder sonstwo fragt, wie das alles entstanden ist, bekommt man eine astrophysikalische Antwort. Wenn man fragt, wie man selbst entstanden ist, bekommt man eine biologische.
Wie seht ihr das?
Grüße
Hiob
PS: Imho kann die Frage nach Bewusstsein gar nicht naturwissenschaftlich beantwortet werden. Das Qualia-Problem macht hier einen Strich durch die Rechnung.
mark
| Zitat: |
Original von HiobMontag
1. Viele Philosophen haben keine Ahnung von Naturwissenschaften, [...]
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das ist wohl wahr.
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2.Viele Naturwissenschaftler haben keine Ahnung von Philosophie, [...]
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auch das ist wohl richtig.
| Zitat: |
...insbesondere nicht von Wissenschaftstheorie.
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gott sei dank, stell dir mal vor, man würde nach wissenschaftstheorie wissenscaft betreiben...entsetzliche vorstellung.
| Zitat: |
Da aber die Philosophie "naturalisiert" wird, bekommen solche Leute auf einmal philosophischen Status, den sie nicht mal ansatzweise Verdienen, Als Paradebeispiel seien hier Gerhard Roth und Stephen Hawking genannt.
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naja, dein "paradebeispiel" gerhard roth ist promovierter philosoph...
ich weiss nicht, mit welchem recht du behauptest, dass er zu unrecht einen "philosophischen status" zugesprochen bekommt. ne promotion in recherche ist es jedenfalls nicht.
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3.Oft wird die Naturwissenschaft gar nicht mehr hinterfragt, sondern einfach als gegeben angenommen.
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jo, von den nicht-naturwissenschaftlern.
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Dass auch diese "nur" Theorie und Vereinfachung ist, wird oft gar nicht erwähnt, oder als unwichtig dargestellt. Daraus ergibt sich eine Art Einheitsbrei, vor allem in der Erkenntistheorie oder in der Metaphysik.
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das könnte gar nicht weiter von der wahrheit entfernt sein.
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4.Es besteht zudem die Gefahr, dass die Philosophie ganze Bereiche an die Naturwissenschaften abgiebt, die dort nichts zu suchen haben. Wenn man in der Schule/Uni oder sonstwo fragt, wie das alles entstanden ist, bekommt man eine astrophysikalische Antwort. Wenn man fragt, wie man selbst entstanden ist, bekommt man eine biologische.
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ja...und?
ich seh das so, dass du wohl noch ein paar jährchen brauchst, bis du roth oder hawking das philosophische wasser abgraben kannst
gruss
HiobMontag
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gott sei dank, stell dir mal vor, man würde nach wissenschaftstheorie wissenscaft betreiben...entsetzliche vorstellung.
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Es geht hier eher um die philosophischen Aussagen, welche viele Naturwissenschaftler treffen, als um die Wissenschaft an sich.
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naja, dein "paradebeispiel" gerhard roth ist promovierter philosoph...
ich weiss nicht, mit welchem recht du behauptest, dass er zu unrecht einen "philosophischen status" zugesprochen bekommt. ne promotion in recherche ist es jedenfalls nicht.
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Stimmt, trotzdem begürndet er seine Aussagen mit der Biologie und das ist mehr oder minder ein Kategoriefehler. Es ist zumindest dann einer, wenn man behauptet, "die Biologie hat gezeigt dass..."
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jo, von den nicht-naturwissenschaftlern.
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Jo, und genau das ist schlecht.
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das könnte gar nicht weiter von der wahrheit entfernt sein.
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Da habe ich mich zugegebener Maßen schlecht ausgedrückt. Ich meinte, dass
außerhalb der Philosophie ein Einheitsbrei entsteht. Wenn man jmd fragt: "Was weiß die Menschheit so alles?" Dann kommen die Naturwissenschaft in der Antwort an erster Stelle. Das ist nicht ganz unkritisch.
| Zitat: |
| Zitat: |
4.Es besteht zudem die Gefahr, dass die Philosophie ganze Bereiche an die Naturwissenschaften abgiebt, die dort nichts zu suchen haben. Wenn man in der Schule/Uni oder sonstwo fragt, wie das alles entstanden ist, bekommt man eine astrophysikalische Antwort. Wenn man fragt, wie man selbst entstanden ist, bekommt man eine biologische.
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ja...und?
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Naja, ich weiß nicht wie du das siehst, aber ich definiere mich nicht nur über meinen Körper und denke, dass es auch andere Antworten auf die Frage gibt, woher das alles kommt, als den Urknall.
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ich seh das so, dass du wohl noch ein paar jährchen brauchst, bis du roth oder hawking das philosophische wasser abgraben kannst
gruss |
Standart-Totschlag-Argument
Grüße
JustusSaevus
MIt modalen Aussagen in der Metaphysik, der Normativität überhaupt und der Phänomenadäquatheit (Qualia-Problem in der Philosophie des Geistes) dürfte der Naturalismus große Probleme haben.
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang mal die Frage nach der Form "des Willens zum Wissen" zu stellen, wie Focault es nennt.
Besteht lediglich einer innerer wissenschaftlicher Entwicklungsgang oder kann man das Bedürfnis nach Naturalisierung auch als Beschränkung des Diskurses durch eine Setzung von Wissenschaftlichkeit verstehen?
Warum gibt es den Trend zu operationalisierbarem Wissen, Positivismus und Formalismus?
Es gibt leider immer wieder Philosophen, die diese Fragen als unphilosophisch (Ansgar Beckermann würde darunter vermutlich "historisch gewendete Wissenssoziologie" verstehen) abtun.
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