Lieber Abraxas!
Deine Betrachtungen beeindrucken mich; auch dem, was Du heute zur weiteren Klärung hinzugefügtest, pflichte ich in fast allen Punkten bei. Ich werde nun versuchen auf alles im Zusammenhang einzugehen, hoffend, daß es mir gelingt, alles korrekt zu kommentieren und den wesentlichen Punkt zu präzisieren.
Richtig finde ich zunächst den Anfang und den Schluß: Evolution beruht auf keinem Zwang zur ständigen Höherentwicklung (zwecks ‚teleologischer‘ Erreichung eines in weiter Ferne liegenden Zieles), sondern auf unmittelbarer Anpassung der Werkzeuge („organons“) des Lebensmoleküls an seine unmittelbare Umgebung. Dazu ließe sich sogar der erstmalige Entwurf des Proteinraumschiffleins „Zelle“ samt DNS zwecks Bauplanabspeicherung rechnen – wozu m.A.n. erst eine drastische Verschelchterung der Überlebensbedingungen des einst nackten Lebensmoleküls geführt haben kann. Wäre die Ur-Erde so geblieben wie sie war als sie das Lebensmolekül in ihrer heißen, dicken Ursuppe ausbrütete, hätte keine Notwendigkeit zum Entwurf dieser energetisch sehr aufwendigen Maßnahme bestanden (
- die Erschaffung und -erhaltung des Energiesammel- und Schutzbehälters „Zelle“- ), sondern wäre es immer noch nackt und mit allem Daseinserforderlichen versorgt, wie ein unfertiger Embryo im Leib seiner Mutter.
Diese Überlegungen gehen aus der Rückwärtsverlängerung Deiner Erwähnung des Umstandes hervor, daß heute immer noch primitivste Ureinzeller existieren – seit Milliarden Jahren, weil ihre Umwelt: kochend heiße, hochergiereiche Geysire, nach wie vor unverändert existiert, keinen Selektionsdruck in Richtung ‚höherer‘
Evolution ausübend...
„Fitness“ ist also ein relativistischer Begriff; - das Maß dafür, wie „fitt“ ein Organismus ist (plus- oder minus.mutiert), hängt untrennbar von den Faktoren der jeweils unmittelbaren Umwelt ab. Bleichgesichter kriegen unter Afrikas Glusonne Hautkrebs, Neger leiden im nebelverhüllten Nordeuropa am Mangel eines bestimmten Vitamins, da es erst in den Oberflächen der Bleichäuter - da ohne zuviel Pigment - vom Sonnenschein ausreichend 'photosynthetisiert' werden kann...
Das gleiche müßte prinzipiell auch für die von unserem Menschengeist ersonnenen
Kulturen gelten – hat es auch, freilich nur für die Urmenschheit. So fand die „neolitische Revolution“ der 'explosionsartig‘ fortschrittlicher werdenden Werkzeugtechnologien/ ---
Hausbau, Tier- und Pflanzenzucht, Waffen, Manufakturen zwecks Tauschandel von z.B. Schmuck gegen Nahrung-- ), begleitet von der analogen Perfektionierung der Künste, in Europa statt -- nicht im warmen, tropischen Afrika mit seiner Fülle an Nahrung.
Siehst Du es auch so, daß hier der
Faktor „Energiemangel“ noch als gleichermaßen ausschlaggebend zu bewerten ist – gültig sowohl für den „zivilisatorisch-kulturellen Fortschritt“ (MEME) wie die „biologisch-organische Evolution“ (GENE)?
Für mich drängt sich dieser Zusammenhang auf. Und noch einen Punkt gibt es meiner Ansicht nach zu berücksichtigen: Nahrungs- bzw. Energiegmangel, kann nicht nur von einem ungünstigen Klima bedingt sein, sondern auch von „Übervölkerung“; so stellt auch dies ein Aspekt dar, der zur Intensivierung der Kulturen und Zivilisationen der Menschheit geführt haben, die droht aber nicht erst seit heute in einer Katastrophe zu münden. Denn die fortschrittlicher werdende Produktion von Nahrung führt zum Ansteigen der Bevölkerungsdichte, was abermals eine Potenzierung der Werkzeuge erforderlich macht, das Dasein von noch mehr Menschen ermöglichend usw. usf – und wenn dieser Kreislauf nicht unterbrochen wird, ist der globale Kollaps aller Ökosystem unseres Planets Programm.
Es gibt dagegen nur ein einziges mir bekanntes Gegenmittel: der Entwurf einer Kultur ( = bewußte Anpassung des Verhaltens), die
a) ihre Zivilisation (bewußte Veränderung von Dingen zu Werkzeugen) auf das absolute Minimum dessen reduziert, was ein besetztes Territorium daherhaft, ohne zusammenzubrechen verkraften kann, und
b) eine entsprechende Radikalminimierung der Geburtenrate, so daß eine mengenmäßig konstante Bevölkerung garantiert wird, zum Wohle der eigenen Kinder und der menschheit.
Wenn ich mich nicht täusche, hat es solch eine Kultur bereits schon gegeben, es war wohl der Megalithsuperstamm der Spartaner in Hellas, die beides bis zur Perfektion getrieben haben, und deren politisches Zusammenleben – begleitet von einer extremen Strategie zur Steiegrung der Daseinskampftauglichkeit („Fitness“) aller Bürger – Plato beim Entwurf seines „Idealen Staates“ inspirierte. Übriegens auch unter Berücksichtigung des biologischen, ‘Darwin’schen‘ „Gesetzes der Natürlichen Auslese“/ Befruchtung der Frauen vorwiegend durch die sich als „beste“ bewährenden Mannschaften. Sogar davon habe ich gelesen, daß Sparta - als es zugleich von Persiens Aufmarsch wie von den mengenmäßig 10fach überlegenen Unterworfen innerhalb seines eigenen Territoriums bedroht wurde – gezielt bei letzteren um Freiwillige für den Kampf gegen das imperialistische Großkönigtum Persiens warb, ihnen die Freiheit versprechend (die Unterworfenen waren Energieabgabe-Verpflichtet), dann aber die tüchtigsten der Bewerber tötete mit dem Argument, es diene der Staatsicherheit, die tüchtigsten der Tributsverpflichteten an der Vermehrung zu hindern...
Woraug ich hinauswill ist folgendes: Die „sozialdarwinistische“ Bewegung der deutschen Nationalsozialisten kannte Spartas Kultur dem Anschein nach ((( - auch die Euthanasie derer seiner eigenen soeben geborene Säuglinge, die ihm dem harten Daseinskampf nicht gewachsen schienen [es gab für solche Entscheidungen eine Kommission] -))) und hat sich an etlichen der einzelnen Aspekte für ihr Projekt der genetischen Züchtung einer „Herrenrasse“ gründlich bedient.
Nun legst Du zwar Wert darauf, Deine an den Gesetzen der Natur orientierte Theorie nicht mit dem „Sozialdarwinis-mus“ zu verwechseln. Und dabei stimme ich auch voll und ganz zu denn
-- was Sparta tat war in meinen Augen eine einwandtfrei NATURGEMÄßE KULTUR, d.h. diente von Grund auf, ab Reduktion der Technik und Geburtenrate bis hin zur Euthansie seiner mißgebildeten Kinder (der Mutterleib stößt solche Föten ebenfalls ab) dem Wohl der Menschheit
--- während der Sozialdarwinismus lediglich eine MENSCHENHIRNAUSGEBRUTTETE IDEOLOGIE darstellte, die folglich niemandem irgendwas gebracht hat, sondern unsägliches Leid – wobei das schlimmste ist: vollkommen „sinnlos“
Die Natur ist auch hart, auch voller Leiden (vor allem für die, die anderen Organismen als Nahrung dienen), ich sehe aber nicht, daß Sparta dazu beitrug, sondern im Gegenteil! an der Steigerung des Glücks für alle gearbeitet hat, an der Erhaltung des „Ökologischen Gleichgewichts“ auf unserer Mutter Erde, der Harmonie im daseinskampf, der nur dann nicht extreme Formen annehmen kann, wenn hinreichen Platz/ Nahrung für alle da ist.
So weit wäre also alles gut und wir beide einig. Was ich jetzt aber nicht zu beurteilen vermag ist, anhand welchem Kriterum Du einerseits den „Sozialdarwinismus“ ablehnst (das habe ich doch richtig verstanden?), Darwins Theorie auf der anderen Seite aber nicht. Fällst Du diese Entscheidung intuitiv/ gefühlsmäßig? Dagegen an sich hätte ich keine Einwände (es stellt sogar ein Vorteil dar, spontan richtig urteilen zu können). Meiner Meinung nach stehen wir aber weiterhin ohne Aussicht auf Vorankommen vor der Frage, was nun eigentlich mit der Menschheit los ist (‘irre gewordener Virus‘ oder nicht), wenn es dabei bliebe, uns nicht über ein eindeutiges Kriterium einigen zu können.
Was mich anbetrifft, so formuliere ich die Situation der Menschheit mal krass formuliert so: Mit ihren ideologischen Memen ist unsere irre Gesellschaft auf dem besten Wege, ‘Darwins spartanisches‘ naturphilosophisches Mem über Kulturen, die im Einklang mit der Gen-Evolution verlaufen (die künstlichen oder natürlichen Organe bei Bedarf zurückschraubend [Fische in finsteren Grotten ‚verlieren‘ nach und nach ihre Augen weil eine energetisch sinnlose Investition darstellend])
-- einfürallemal aus der Welt zu schaffen. Angenommen nun, die wäre schon geschähen (Sparta ist ja auch längst kein wirkliches Gebilde mehr), würdest Du dann daraus folgern: ‘Tja, so ist eben die Natur. Was sich in ihrem Daseinskampf nicht zu behaupten vermag (wie auch die Neandertaler; und heute jeden Tag etliche uralte andere „Arten“), hat eben keine Daseinsberechtigung? Bedenke dabei auch, daß Deine Theorie wahrscheinlich großen Beifall von seiten der Sozialdarwinisten erhalten würde, jedemfalls sehe ich momentan keinen Grund, wieso nicht.
Zusammengefasst:
Ich glaube, wir müssen über die Gründe sprechen, wieso und in welchen Punkten Deiner Ansicht nach
| Zitat: |
| Der Sozialdarwinismus, wie er im 3. Reich praktiziert wurde, einer falschen Interpretation von Evolution/Darwinismus nachgegeangen ist. |
Dir auch für diesmal wieder sehr dankend für den Genuß Deiner
schönen Anregung, freut sich auf Deine Stellungnahme
Wolf