POST MODERN
eigentlich wollte ich heute einen lesekreis zu jenem hauptwerk adornos - ich spühre schon, wie er mir für den begriff hauptwerk an den ohren zieht - starten. da ich sau krank bin, wurde der start um eine woche verschoben. gibt es menschen, welche es online diskutieren und erschließen wollen?
Juri
Ich würde mitdiskutieren.
POST MODERN
ja sehr schön und ich dachte schon, hier gibt es niemanden. von mir aus können wir gleich loslegen. was meinst du?
fangen wir mit dem titel an?
Juri
Okay. Im Titel steckt ja im Grunde schon das Ganze

. Man kann da ja unterscheiden:
a) Was ist Dialektik?
b) Was heißt "negativ".
Insbesondere das letztere erscheint mir ziemlich rätselhaft. Man denkt erstmal, wenn man Adorno so liest, daß er sozusagen ein Fan des Negativen ist, und sein Plädoyer lautet: "Nehmt in der Dialektik die Negation ernst"! Aber ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt, bzw. ob das alles ist. Manchmal macht es den EIndruck, als ob Adorno das Negative für genauso schlecht hält wie es der allgemeine Sprachgebrauch tut.
Das mal so als erster Diskussionsbeitrag
POST MODERN
also ich verstehe nagativ in diesem zusammenhang so:
zum einen schließt er an hegel an: these - antithese (als negation) - synthese. (adorno hält dies ja für eine schlechte/falsche lesart hegels.)
damit wird nämlich negation affirmativ gebraucht und kann schon gar nicht mehr wirklich negativ - im sinne von kritisch - sein.
so verstehe ich auch den ersten absatz in der "vorrede".
POST MODERN
wenn auch nicht vollständig, hat mein lesekreis gestartet. über zwei uns unverständliche sätze sind wir gestolpert, vielleicht kann sie ja jemand erklären.
"Das impliziert ebenso Kritik am Grundlagenbegriff, wie ein Primat inhaltlichen Denkens." (S.9)
und
"Sie gewährt keinen Ort, von dem aus Theorie als solche des Anarchronistischen, dessen sie nach wie vor verdächtig ist, konkret zu überführen." (S.15)
seitenangaben, jeweils die suhrkamp-taschenbuchausgabe.
Juri
Hab im Moment leider grad keine Zeit, melde mich wieder, wenns besser ist.
Juri
Nur noch ein allgemeiner Tip fällt mir ein: Es gibt im Suhrkamp-Verlag von Adorno Vorlesungen zur negativen Dialektik, und zwar zu allen Teilen derselben (z.B. die zum ersten Teil heißt "Ontologie und Dialektik", die zum zweiten Teil "Negative Dialektik", zum letzten Teil "Metaphysik -Begriff und Probleme", usw.) Ich finde diese Vorlesungen ausgezeichnet; sie sind fesselnd zu lesen und machen vieles, was in den veröffentlichten Schriften nicht klar wird, erst richtig deutlich. Kann die Lektüre dieser Vorlesungen als Ergänzung also nur empfehlen (sie eignen sich z.B. ganz gut als "Gute-Nacht-Lektüre"

.
POST MODERN
merci. die vorleseungen zur "negativen dialektik" kenne ich. habe sie auch schon zweimal verschlungen, wusste aber nicht, dass die anderen vorlesungen, sich so an das werk selbst anlehnen.
Archibald
@ PostM:
Darf ich dich so verstehen:
Adorno bezweifelt, daß Hegel Dialektik als "These, Antithese- Synthese" versteht ?
karlchen
| Zitat: |
Original von POST MODERN
wenn auch nicht vollständig, hat mein lesekreis gestartet. über zwei uns unverständliche sätze sind wir gestolpert, vielleicht kann sie ja jemand erklären.
"Das impliziert ebenso Kritik am Grundlagenbegriff, wie ein Primat inhaltlichen Denkens." (S.9)
Im ersten Teilsatz ist wohl eine philosophische Axiomatik gemeint, die wenn kritisch betrachtet, wohl allgemein hinterfragt werden soll. Das Primat inhaltlichen Denkens soll wohl ein gegenständliches, konkretes Denken sein, vielleicht im Gegensatz zu platonischen Ideen oder rein logischen Theoremen.
und
"Sie gewährt keinen Ort, von dem aus Theorie als solche des Anarchronistischen, dessen sie nach wie vor verdächtig ist, konkret zu überführen." (S.15)
seitenangaben, jeweils die suhrkamp-taschenbuchausgabe. |
Hier wird wohl auf die Zeitlosigkeit kommunizierter Gedanken verwiesen, die unabhängig von aktuellen gesellschaftlichen Vorgängen weiterbesteht.
Ein bisschen weiter (S.16): "Stellt die Hegelsche Lehre von der Dialektik den unerreichten Versuch dar, mit philosophischen Begriffen dem diesen Heterogenen gewachsen sich zu zeigen,
so ist Rechenschaft vom fälligen Verhältnis zur Dialektik zu geben, wofern sein Versuch scheiterte."
Ein guter Einführungssatz für die folgenden Seiten, finde ich und die Frage an Euch: wie würdet ihr diese Rechenschaft beurteilen ?
karlchen
... niemand mehr interessiert ?!?

...
ewig
Ich fürchte, diese Debatte wurde vor 3,5 Jahren schon abgebrochen.
karlchen
Mmm. Die (indirekte) Frage lautet genauer: Jemand da, der gerne in eine erneute Diskussion des Werkes einsteigen würde ?? Ist ja noch nicht so veraltet ...
Dennos
Also ich sehe das Werk als bedeutend an.
karlchen
| Zitat: |
Original von Juri
Okay. Im Titel steckt ja im Grunde schon das Ganze
. Man kann da ja unterscheiden:
a) Was ist Dialektik?
b) Was heißt "negativ".
Insbesondere das letztere erscheint mir ziemlich rätselhaft. Man denkt erstmal, wenn man Adorno so liest, daß er sozusagen ein Fan des Negativen ist, und sein Plädoyer lautet: "Nehmt in der Dialektik die Negation ernst"! Aber ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt, bzw. ob das alles ist. Manchmal macht es den EIndruck, als ob Adorno das Negative für genauso schlecht hält wie es der allgemeine Sprachgebrauch tut.
ODas mal so als erster Diskussionsbeitrag
|
@ Dennos: ist, m.A.n., sein Hauptwerk.
O.k. Neustart !!
Gemäß der A.´schen Vorrede wäre das eher eine Betonung der kritischen Seite von Dialektik, glaub´ ich.
Posten wir erst mal über die Vorrede ?
HG !!
Dennos
Ich habe das Werk damals bei einem Freund gelesen. Ich muss es mir zunächst also kaufen.
Hast du die Vorrede?
karlchen
So, also nun zur Vorrede, die Dennos auch an alle posten kann, die mitdiskutieren möchten.
Ich geb´hier mal meine Leseeindrücke zum Besten:
1. A. Negative Dialektik will Diskoninuitäten erkennen und benennen und erinnert mich stark an die strukturalistische Methode der Diskontinuitätsanalyse bei Foucault (z.B. in der Archäologie des Wissens oder in der Ordnung der Dinge).
1.a. Sie will damit eine Methode darstellen, unterschiedliche formale Ebenen zueinander in Beziehung zu setzen, wie "übergeordnete Begriffe" und "Ideen" und wohl auch Inhalte der "Konkretion".
Dann folgt eine kurze Inhaltsbeschreibung. Welche Autoren meint A. hier wohl mit der "sogn. exemplarischen Methode" ?.
Auch zu Ulrich Sonnemann´s philosophischem Hauptwerk (lt. wikipedia) "Negative Anthropologie" oder Walter Benjamins "Metakritik der Erkenntnistheorie" wären Anmerkungen und Ausführungen sehr willkommen !!.
Soweit von meiner Seite. Viele Grüße !
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